Zappelphilipp mit viel Herz

Es gab ein Spiel in der vergangen Saison, dass mir vor Augen führte was für ein toller Spieler Derrick Allen eigentlich ist. Es war im Januar-Monat, Alba hatte gerade 6 der 9 letzten Spiele verloren und kriselte ein wenig vor sich hin. Es stand ein Auswärtsspiel in Vilnius an und ausgerechnet  bei diesem Spiel gegen das Center-Talent in den gegnerischen Reihen, Jonas Valanciunas, fielen Torin Francis und Yassin Idbihi verletzungsbedingt aus. Die Erwartungen lagen also ganz unten, als man abends den Fernseher einschaltete.

Derrick Allen beim Mannschaftstraining

Was dann jedoch folgte, war eine Lektion in Sachen Einsatz und Leidenschaft, ausgeübt in Perfektion von Derrick Allen. Durch die Verletzungen der Etatmäßigen Center, rückte der US-Amerikaner vermehrt auf die große Position und nahm es mit zum Teil wesentlich größeren Spielern auf…und wusste sich zu wehren. Auch wenn es am Ende des Tages, trotz 16 Punkte und 5 Rebounds bei knapp 35 Minuten Spielzeit, nicht mehr zum Sieg reichte: Allen hatte gearbeitet wie ein besessener und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass man überhaupt an einem Auswärtssieg schnuppern konnte. Auch deswegen beeindruckend, weil er nur drei Tage zuvor gegen Chris Ensminger und Bonn auch schon 35 Minuten spielen musste und mit 17 Punkten und 8 Rebounds genauso überzeugte.

Zugegeben, als Allen vor zwei Jahren zusammen mit Marko Marinovic vorgestellt wurde, war ich von der Verpflichtung nicht sonderlich begeistert. Auch wenn der Power Forward nur wenige Wochen zuvor Alba aus den Playoffs geschossen hatte und auch regelmäßig einer der Topscorer der Liga war, gab es zu viele Kritikpunkte. Die mäßige Defense zum Beispiel. Oder der Ruf, dass der US-Amerikaner pünktlich zu den Playoffs jedes Mal untertauche (außer gegen Alba natürlich).

Der mittlerweile 32-Jährige konnte zu Beginn der Saison jedoch als einer der wenigen Spieler konstant überzeugen und fand sich unter Luka Pavicevic auch als Center sehr gut zurecht. Mangelnde Körpergröße machte Allen mit seinen schnellen Bewegungen und Finten unter den Körben wett und konnte in den Pick and Roll-Systemen vom ehemaligen Alba-Trainer gute Leistungen abrufen.

Auch abseits des Spielfeldes trat Allen stets freundlich auf, nahm sich Zeit für Fragen der Fans und Presse oder für das eine oder andere Foto. Zwar in einer stets zurückhaltenden und stilleren Art und Weise als Bryce Taylor aber auch das kam bei den Zuschauern stets sympathisch rüber. Ein astreiner Profi durch und durch, der sich sogar mit der deutschen Sprache befasste. Kein gewöhnliches Verhalten, in Zeiten in denen selbst Spieler die langfristig in Deutschland bleiben, kein einziges Wort der heimischen Sprache sprechen können.

Die Zeit von Derrick Allen in Berlin ist nun nach zwei Jahren vorbei. Menschlich tut das ein wenig weh: der Power Forward hat stets alles gegeben und war in Berlin weil er gewinnen wollte. Legendär sein Ausraster (von Thomas Pletzinger in „Gentlemen, wir leben am Abgrund“ geschildert) während einer Halbzeitansprache im vergangen Jahr. Unter den Buhrufen der Zuschauer verließen die Alba-Spieler zur Pause das Parkett, das Team wurde auf dem Spielfeld vorgeführt. Der sonst so ruhige Allen konnte sich nicht mehr beherrschen und schüttete in der Kabine vor der versammelten Mannschaft sein Herz aus. Es stellte auch ein Wendepunkt in der Saison dar, die fast mit der Meisterschaft gekrönt wurde.

Sportlich jedoch, ist der Abgang von Allen nachvollziehbar. Seine Defense wird nicht besser, die Punkteausbeute sank im Verlauf der Zeit, der Mitteldistanzwurf ist zu wacklig. Durch die Einführung der neuen Dreier-Linie vor zwei Jahren verschwand der Distanzwurf komplett aus Allens Repertoire. Selbst wenn der US-Amerikaner wirklich einen deutschen Pass beantragen möchte, wird es Monate dauern bis er diesen kriegt. Ob dann immer noch das Preis-Leistung Verhältnis stimmt, ist fraglich.

Nichtsdestotrotz werden wir Derrick Allen vermissen. Er hat in über 100 Spielen im Gelben Trikot alles gegeben und sich stets vorbildlich verhalten. Trotzt der spöttischen Bezeichnung als „Zappelphilip“ schenkte er uns viele schöne Aktionen, wie zum Beispiel das regelmäßige Austanzen seiner Gegenspieler aber auch die Verkörperung von 100% Einsatz.

Auch in dieser Saison ließ er unter Anderem zwei Mal gegen Bamberg sein Scorer-Gen aufblitzen. Das allein ist schon ein Grund ihn mit entsprechenden Worten zu verabschieden…

Vielen Dank für zwei Jahre Leidenschaft und Einsatz, Derrick!

Ein Gedanke zu „Zappelphilipp mit viel Herz“

  1. Derrick wir werden dich alle vermissen…du warst ein Beisser und es war beeindruckend wie du letzte Saison die etatmäßigen Center ersetzt hast. Beim Abklatschen werden mir deine rauhen Hände fehlen! :…(

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