Zach Morley, “eierlegende Wollmilchsau” und Teamplayer: “Ich spiele alles von der 2 bis 5!”

Zach Morley ist der Teamspieler, der all die kleinen, wichtigen Dinge auf dem Court macht, die in keiner Statistik auftauchen. Sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen, ist das Grundprinzip seines Spiels. Für albainside hat er sich Zeit genommen, um uns Rede und Antwort zu stehen.

Zach Morley
Zach Morley

Hallo Zach, wie bist du bisher mit den ersten harten Trainingseinheiten klargekommen?
So weit, so gut. Wenn du ins Trainingslager fährst, weisst du von vornherein, daß es harte Arbeit werden wird, aber es ist gut, auf diese Weise an der Teamchemie zu arbeiten und dich auf die neue Saison vorzubereiten.

Nach einer ziemlich erfolgreich College-Karriere mit Wisconsin, ihr habt die Elite 8 der Meisterschaften erreicht, hast du dein Glück in Europa versucht, zunächst in der zweiten spanischen Liga (LEB Gold). Was kannst du uns zu dem level dieser Liga und deiner Zeit dort sagen?
Die zweite spanische Liga hat ein ziemlich hohes Niveau oder besser gesagt hatte ein ziemlich hohes Niveau; in der jüngsten Vergangenheit ist es durch die wirtschaftlichen Probleme ein wenig gesunken, die meisten Teams haben nicht mehr so viel Geld, um die Top-Talente zu halten. Aber für mich war es eine grossartige Erfahrung, nach Europa zu kommen, viel zu lernen, einen anderen Basketball-Stil kennenzulernen. Ich hatte tolle Mitspieler, tolle Trainer, ich habe die Zeit in Spanien sehr genossen.
Es war deine erste Verpflichtung als Profi?
Ja, das war es.

Der nächste Schritt in deiner Karriere hat dich nach Kiew, in die Ukraine verschlagen. Spanien ist schon anders, als die Vereinigten Staaten, vielleicht nicht so sehr anders, immerhin Westeuropa, aber die Ukraine muss ein wahrer “Kulturschock” gewesen sein, oder? Wie bist du mit den politischen Umständen, den Restriktionen, generell deren Lebensweise, klargekommen?
Ja, das war schon eine sehr große Veränderung. Selbst der Wechsel aus den USA nach Spanien war schon eine grössere Veränderung der Lebensweise, aber die Ukraine, das war noch mal eine ganz andere Sache. Ich war zwei Jahre dort und je länger ich dort war, desto mehr habe ich mich daran gewöhnt. Aber es war in der Tat ein schwieriges Leben dort. Das Team hatte sehr viel Erfolg, ich habe mich voll auf Basketball konzentriert und versucht alles andere ein wenig auszublenden. In der Ukraine habe ich mich sehr, sehr auf Basketball fokussiert und versucht, nicht so sehr auf die politischen Umstände zu achten und Dinge, die ich nicht beeinflussen kann. Mein Basketballspiel konnte ich beeinflussen, das habe ich getan und mich nicht so sehr um andere Sachen drumherum gekümmert.

War es vom Management des Teams so gewollt, daß du dich nur bzw. hauptsächlich auf Basketball konzentrierst oder kam das eher aus dir heraus? In Russland hat bei den grösseren Clubs z. B. jeder Spieler seinen Chauffeur, der ihn zum Training abholt und danach wieder nach Hause fährt, damit man nichts links und rechts von Basketball sieht, war das in der Ukraine ähnlich?
Ja, auch wir hatten unsere Fahrer, auch die Möglichkeit, andere Teile der Stadt zu sehen. Aber es war definitiv nicht so viel Freiheit, wie du sie hast, wenn du dein eigenes Auto hast. Sie würden es wahrscheinlich nicht zugeben, aber durch die Fahrer wusste der Verein zu jeder Sekunde, wo wir waren.

Man kann im web einige highlight Videos über dich finden, aber die sagen natürlich nicht allzu viel aus, man kann ein paar Dinge erahnen, aber über die generelle Spielweise erzählen die wenig. Du scheinst ein typischer “Cornerman”, Combo-Forward, zu sein, der in der Lage ist, auf beiden Flügelpositionen zu spielen. Auf diesen Positionen hat ALBA Berlin Nathan Peavy, Sven Schultze, Nihad Dedovic und natürlich dich. Du wirst sicher schon mit Sasa Obradovic ausführlich über deine Rolle im Team gesprochen haben, was du für das Team tun kannst und auf welcher Flügelposition du besser in die Rotation passt?
Ja, ich habe natürlich schon einige Male mit ihm, Sasa Obradovic, über meine Rolle im Team gesprochen. Momentan sind leider noch nicht alle Spieler im Trainingslager dabei. Man muss sehen, wie die Rollenverteilung dann wirklich über die Saison sein wird. So wie es aussieht, werde ich hauptsächlich als small forward spielen, aber auch mal auf die große Flügelposition gehen, wenn der Coach mit einer kleinen Aufstellung spielen lassen will. Oder auch bei Foulproblemen auf die Position vier rücken, aber die meiste Zeit werde ich wohl doch auf der kleinen Flügelposition spielen. Wo immer das Team mich braucht, da werde ich spielen. In der letzten Saison habe ich auch manchmal auf der Zwei, manchmal auf der Fünf gespielt. Wo immer ich spielen soll, werde ich es versuchen zu spielen und versuchen, mein Bestes zu geben.

In der Ukraine bist du auch auf deinen neuen Coach Sasa Obradovic getroffen, damals Trainer beim “Erzfeind” in Donezk. Es scheint, du hast einen tief gehenden Eindruck bei ihm hinterlassen, er bezeichnete dich als DEN Schlüsselspieler von Kiew schlechthin, als ihr die Meisterschaft gewonnen habt. Was für ein Bild hast du von Sasa Obradovic?
Oh ja, wir sind sehr sehr oft aufeinander getroffen in den letzten zwei Jahren, wir waren in der Ukraine große Rivalen, wir standen vorletzte Saison gegeneinander im Finale. Ich denke, wir sind in den letzten zwei Saisons insgesamt 16 mal aufeinander getroffen. Genug Zeit, sich kennen zu lernen. Ich weiss, wie seine Art zu coachen ist, er kann mich einschätzen, weiß, wozu ich in der Lage bin. Ich glaube, einer der wichtigsten Gründe, warum ich in Berlin bin, ist Coach Sasa Obradovic. Er ist ein großartiger Trainer, hatte Erfolg, wo immer er war. Erfolg, an dem ich teilhaben möchte und zu dem ich beitragen will mit meiner Art Basketball zu spielen.

Du bist eine Art Phantom, man kann nicht viele Spuren von dir in der Öffentlichkeit finden, es ist schwer, etwas über dich herauszufinden. Kannst du uns ein wenig über deine persönlichen Verhältnisse berichten? Familienstand, Kinder, wo du aufgewachsen bist, über deine Ausbildung usw. ?  
Ich habe MItte Juli, vor sechs, sieben Wochen geheiratet …
Herzlichen Glückwunsch!
… ich habe aber noch keine Kinder, ich hoffe, in der Zukunft wird sich das ändern. Ich bin in Missouri aufgewachsen, in der Nähe von Kansas City, bin dort zur Highschool gegangen. Danach bin ich zwei Jahre auf das College von Indian Hills gegangen und dann noch zwei Jahre aufs College in Wisconsin. Danach begann dann meine Karriere als Profi in Spanien.

Als du in der Ukraine warst, hast du einen recht interessanten blogspot blog geschrieben, den du aber leider eingestellt zu haben scheinst. Hast du vor, diesen blog wieder zu aktivieren, wenn du in Berlin bist?
Ja, ich hoffe es. Während meines ersten Jahres in der Ukraine habe ich damit begonnen. Einfach, um meine Freunde, Bekannte und Fans auf dem Laufenden zu halten. Berichten, was so passiert, wie es mir ergeht. Ich habe den blog in letzter Zeit ein wenig vernachlässigt, aber viele Leute haben mich danach gefragt, ob ich nicht damit weiter machen möchte. Ich hoffe, wenn ich in Berlin bin, werde ich wieder Zeit dafür finden, wieder etwas mehr dort zu schreiben.

Es wird das erste Mal für dich sein, daß du in Deutschland sein wirst. Hast du Freunde, Bekannte gefragt, die schon mal in Deutschland oder sogar in Berlin waren? Was sind deine Erwartungen?
Es wird das erste Mal sein, dass ich länger in Deutschland sein werden. Vor zwei Jahren haben wir zwar schon mal in Deutschland gespielt, gegen Göttingen, aber das war nur ein sehr kurzer Trip. Ich habe mit einigen Spielern gesprochen, die schon mal in Deutschland gespielt haben, ich habe mich mit Kirk Penney unterhalten, der ja schon mal bei Alba Berlin gespielt hat. Er war beeindruckt von Berlin und denkt gern an seine Zeit in Deutschland zurück …

… wo haben sich eure Wege gekreuzt?
… er hat ebenfalls für Wisconsin auf dem College gespielt, wir verbringen die Sommer gemeinsam in Madison. Kirk hat mir sehr empfohlen nach Berlin zu gehen….
… aber er ist Neuseeländer?
… ja, aber er ist mit einer Amerikanerin aus Wisconsin verheiratet … den Sommer verbringt er immer in Wisconsin, so wie ich. Er hat mir Berlin wirklich sehr empfohlen und besonders Alba als Verein. Er meinte, Alba war der professionellste Verein, für den er in Europa gespielt hat, er hat die Zeit in Berlin wirklich sehr genossen.

Hast du Vorbilder im Sport oder abseits davon und was macht für dich ein Vorbild zu einem Vorbild?
Ich würde nicht sagen, dass ich wirkliche Vorbilder im Sport habe, aber einige Spieler sehe ich sehr gerne spielen. Ich bin ein großer Fan von Lebron James. Die Art und Weise, wie er spielt. Er ist wohl einer der besten Basketballspieler der Welt, trotzdem spielt er uneigennützig und immer fürs Team. Wenn sein Team 50 Punkte von ihm braucht, ist es kein Problem, er macht immer das, was das Team von ihm braucht, tut alles, um dem Team zu helfen, tut alles, um zu gewinnen. Darin ist er eine Art Vorbild für mich, ich versuche auch erst darauf zu schauen, was das Team braucht, nicht auf meine Statistiken. Mal 20 Punkte, mal 2 Punkte, am wichtigsten ist, dass das Team gewinnt.

… irgend ein Vorbild abseits vom Basketball? Mahatma Gandhi oder sonst irgendwer?
(lacht) Oh, nein, nein, nichts in der Richtung…

Uns kannst du ja die Wahrheit sagen und wir sagen es niemandem weiter, ausser der ganzen weiten Welt: Dass Sasa Obradovic dich verpflichtet hat, liegt an deiner Frisur äähm “Frisur”?
(lacht) Ja, genau, es liegt alles an der Frisur, Sasa wollte nicht so allein sein …
Baldies united …
Ja, daran liegt es, das ist das ganze Geheimnis (lacht).

Vielen Dank, Zach, dass du dir die Zeit für uns genommen hast.

2 Gedanken zu „Zach Morley, “eierlegende Wollmilchsau” und Teamplayer: “Ich spiele alles von der 2 bis 5!”“

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