Wie der Schnee in der türkischen Sonne …

Wie der Schnee in der türkischen Sonne schmolzen am Freitag Abend Alba Berlins Hoffnungen auf einen überraschenden Auswärtssieg bei Anadolu Efes in der Basketball Euroleague im Abdi Ipekci Sportpalast.

Ein Spiel, was vermutlich die meisten gesehen haben und welches im Wesentlichen nicht hier nacherzählt werden muss. Unsere kleine, aber feine, sieben Mann starke deutsch-schweizerische Alba-Fan-Kooperation konnten das Spiel von besten Plätzen direkt hinter der Alba-Bank geniessen sehen. Die Organisation durch die Alba-Geschäftsstelle war mal wieder absolut top, was man auch mal positiv und dankend erwähnen sollte. Jedoch kostete es uns einige mühsame Diskussionen mit dem Sicherheitschef der Halle, der uns trotz anders lautender Karten in den Oberring unters Dach (aka „Russen-Block“) verfrachten wollte. Letztlich zahlte sich Beharrlichkeit aus und wir bekamen unsere guten Plätze doch noch. Die starken Sicherheitsvorkehrungen ist man aus Deutschland nicht gewohnt, kannten wir ja nun aber schon vom Mittwoch-Spiel Galatasaray gegen Kasan und waren somit nicht überraschend. Etwas überraschend war, dass die Stimmung eine komplett andere war. Bei Efes eher so wie in Deutschland (weit verbreitet), ohne Gesang, mit Cheerleadern, insgesamt schlechter als beim „Fussballverein“ Galatasaray.

So sahen wir ein Spiel, das mehr Fragen aufwirft, als Antworten zu geben. Vor allem ein Spiel, das einen mit einem schlechten Gefühl zurück blicken lässt. Anders, als gegen Madrid oder Moskau. Nach den Spielen gegen Real und CSKA hielt sich der Ärger in Grenzen und wurde – wenn überhaupt – durch die Freude an der Klasse des Gegners ausgeglichen. Efes Istanbul ist normalerweise auch ein Klasse-Team, das für Alba Berlin außer Reichweite ist, gerade auswärts, wenn auch nicht so meilenweit weg wie die beiden Erstgenannten. Umso ärgerlicher ist es, dass an diesem Abend gegen das hochkarätig besetzte und derzeit beste türkische Team eine reelle Siegchance nicht genutzt wurde. Istanbul spielte unter seinen Möglichkeiten, mit einer guten Leistung hätte es für Alba zum Sieg reichen können. Hätte, hätte … Wenn in der kurzen Rotation, wie sie Alba nun mal spielt, zwei Leistungsträger nicht ihre normale Leistung bringen, reicht es nicht. Dann gibt es zu wenig Alternativen. Leider hat Alba nicht mehr die Frühform vom Oktober / November. In dieser hätte man wohl gewonnen. Das war auch eines der Probleme im Spiel gegen Istanbul. Deon Thompson machte 8 oder 10 seiner Punkte im ersten Viertel, dann stellte Efes um und nahm Alba diese Option. Alba fehlt es dann an Alternativen, da Dedovic einen gebrauchten Tag hatte und Heiko Schaffartzik leider schon etwas länger in einem Leistungstief steckt – Spätfolgen eines Nationalmannschafts-Sommers fast ohne Regeneration? Leistungsschwankungen kommen immer mal wieder vor, das ist nur allzu menschlich, bedeutet aber eben auch, dass die kurze Alba-Rotation es extrem schwer hat, etwas zu gewinnen. Defensiv kann man das oft, z.B. gegen Efes Istanbul, noch ganz gut abfangen, offensiv fehlt die nötige Variablität, es fehl(t)en Spieler, die in die Bresche springen, wenn Alba die Haupt-Scoringoptionen weggenommen werden. So ähnlich sahen es nach dem Spiel auch Sasa Obradovic und Dashaun Wood:

Sasa Obradovic: „Wir waren dicht dran, einen wichtigen Auswärtssieg zu holen. Meine Spieler haben einen gute Leistung in der Defense gezeigt, aber leichte Ballverluste und Fehler in der Offense haben uns um die Chance auf eine Überraschung gebracht.“
Dashaun Wood: „Es war ein schweres Spiel gegen ein sehr talentiertes Team. Leichte Ballverluste in kritischen Phasen haben uns um die Chance zum Sieg gebracht. Efes hat unsere Fehler ausgenutzt und deshalb gewonnen.“

Ein gravierenderes Problem als Leistungsschwankungen ist aber, daß ein ganz, ganz wesentlicher Teil von Obradovics Spielidee, nämlich die Rotation mit drei Aufbauspielern, seit dem Ausfall von Avdalovic nicht mehr ansatzweise so gut funktioniert, wie mit ihm. Hart ausgedrückt hat Alba im Moment EINEN wirklichen Aufbauspieler, Dashaun Wood. Heiko Schaffartzik und Je’Kel Foster können diese Rolle momentan? / noch? nicht ausfüllen. Eine Erkenntnis des Spiels in Istanbul ist, daß das Spiel stockt und stottert, wenn Wood vom Feld ist. Schwacher Spielaufbau und schwache Offense hängen nun mal ursächlich miteinander zusammmen. Foster sorgt offensiv für Gefahr (auch wenn er gegen Efes zu viele Würfe für seine Punkte brauchte), schafft es aber nicht, Struktur ins Spiel zu bringen. Vielleicht, weil er selbst noch mehr Probleme hat, Obradovics Spielphilosophie zu verinnerlichen, als sie auf dem Feld umzusetzen, vielleicht aber auch, weil er generell etwas andere Spielanlagen hat. Prinzip Hoffnung … Vielleicht wäre ein anderer Spieler statt Foster / Byars-Verlängerung besser gewesen, aber angesichts der fehlenden Kenntnisse über die Marktsituation an verfügbaren Spielern, ist es für uns wiederum schwer einzuschätzen, ob es einen besseren Spieler zu einem bezahlbaren Preis gegeben hätte.

Nun hat das Team von Alba Berlin in nächster Zeit einen entspannteren Spielplan. Zeit, um an grundsätzlichen Dingen zu arbeiten. Zwischen Mitte Dezember und jetzt blieb da sehr, sehr wenig Zeit für, das bisschen Training wurde für Spielvorbereitung auf den nächsten Gegner benötigt. In zwei Wochen hat sich das Team dann hoffentlich ein gutes Stück zum Positiven entwickeln.

Wir Istanbul-Touristen „arbeiten“ noch den Rest der Top15 Sehenswürdigkeiten ab – bei leider richtig miesem Wetter – und Sonntag nachmittag geht es dann wieder nach Hause.

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