Vorfreude auf Mehr: Einzelbewertungen zum Test gegen Braunschweig

Zwei Tage nach der Niederlage im ersten Testspiel gegen Gotha in Erfurt, folgte am vergangenen Donnerstag (25.08.) bereits die nächste Probe der Vorbereitung. Zu Gast in der Alba-Trainingshalle in der Schützenstraße waren die Löwen Braunschweig mit ihrem neuen Trainer Frank Menz. In der gut gefüllten Halle in der Schützenstraße entwickelte sich nach einem zähen Start ein, aus Berliner Sicht, recht flottes Spiel, das letztendlich deutlich mit 86-59 gewonnen werden konnte.

Allgemeines

Zahlen und Ergebnisse spielen bei Testspielen, insbesondere so früh in der Vorbereitungsphase, natürlich eine ziemlich untergeordnete Rolle. Auch die Spielweise des neuen Alba-Teams blitzte zwar hin und wieder durch, um daraus eine ernsthafte Prognose über Ahmet Cakis Spielidee abzuleiten, ist es allerdings ebenfalls noch zu früh, zumal mit Ashley, Kikanovic, Vargas und Giffey mehrere wichtige Spieler fehlten. In Ansätzen konnte man allerdings erkennen, dass eine aggressive Pressverteidigung auch ohne Sasa Obradovic weiter gerne in Berlin gesehen wird. Gegen teilweise überforderte Braunschweiger konnte die bissige Defense gut in Schnellangriffe umgemünzt werden. In der Offensive wurde der Ball oft sehr gut bewegt, gelungene extra-Pässe führten meist zu offenen Dreiern, die von der Mannschaft auch ziemlich konsequent getroffen wurden (12/28: 43%).

Einzelkritik

Aktuell interessanter ist vielleicht eine individuelle Einschätzung, besonders der neuen Spieler. Wir wagen also eine Einzelkritik mit kleinen Prognosen für die kommende Spielzeit.

Peyton Siva: Er wird der Kopf der Mannschaft sein und zeigte gegen Braunschweig auch, waum. Nach einem schwachen Start steigerte sich der Pointguard immer mehr und riss das Spiel an sich. Im Angriff reißt Siva mit seinem Antritt immer wieder Lücken in die Defense, hat aber immer noch das Auge für seine Mitspieler. In einer Sequenz zeigte der ex-College Champion seine ganze Klasse: mit einem starken Crossover entledigte er sich seines Verteidiger, anschließend quetschte er sich mit einem Spinmove an zwei Gegenspieler vorbei um anschließend noch einen präzisen Kickout-Pass auf einen freistehenden Schützen zu spielen (leider nicht getroffen). Trotz seiner recht kleinen Körpergröße ist Siva recht robust gebaut und kann dadurch auch in der Defensive ein Wörtchen mitreden.

Engin Atsür: Sprach viel mit den Schiedsrichtern, bekam zwischenzeitlich ein Technisches angedroht, wirkte insgesamt eher ruhig und hatte am Ende doch 14 Punkte auf dem Konto. Atsür erinnert vom Auftreten etwas an Vojdan Stojanovski, ist nicht überragend schnell, wirkt dafür recht erfahren und streut immer mal wieder einen Distanzwurf ein.

Ismet Akpinar: Hat körperlich noch einmal zugelegt und man erkennt deutlich die Obradovic Schule an ihm. Defensiv sehr engagiert, übte ständig Druck am ballführenden Spieler aus und rackerte sich ab. Im Angriff eher darum bemüht das Spiel zu organisieren, Angriffe sauber zu initiieren und die offenen Mitspieler zu finden (5 Assists). Hielt sich dafür beim eigenen Abschluss merklich zurück. Genau das hatte das Team aber bei seiner ersten Einwechslung auch benötigt (Siva startete, wie erwähnt, sehr chaotisch). Für „Isi“ könnte es also ein wichtiges Jahr für die Entwicklung in Richtung „echtem“ Pointguard sein.

Dominique Johnson: Mit Aufbauspielern die das Spiel auch tatsächlich organisieren, kann sich Johnson auf das konzentrieren, was er offenbar wirklich gut kann. Werfen! Hat eine ziemlich gute Präsenz und ein lockeres Händchen und wusste wie er seine offenen Würfe kriegt. Ein reiner Spot-Up Shooter ist er allerdings nicht, er konnte auch aus dem Dribbling kreieren. Alles in allem wirkt Johnson offensiv sehr abgezockt. Defensiv wirkte er eher passiv.

Dragan Milosavljevic: Im letzten Jahr musste „Gagi“ sehr oft den Alleinunterhalter spielen, trug in der Offensive meistens die Verantwortung und war einer der wenigen Lichtblicke. Gegen Braunschweig war der Serbe eher unauffällig, seine Distanzwürfe wollten nicht fallen (1/5), in Ansätzen zeigte er aber, dass er weiterhin eine Allzweckwaffe sein kann (7 Punkte, 5 Assists, 4 Rebounds).

Malcolm Miller: Eine Allzweckwaffe könnte auch er werden. Zwar stand der US-Amerikaner gestern eher selten im Fokus, seine athletischen Fähigkeiten blitzten immer wieder auf. Der Junge ist schnell, kann springen und hat lange Arme! Bleibt die Frage ob es reicht, um als Power Forward spielen zu können. Gegen massigere Gegenspieler (wie z.B. gegen Jannik Freese) schien der Plan nicht sonderlich aufzugehen, Miller wirkt dann doch zu schmächtig für die Drecksarbeit am Brett. Vielleicht ist ja diese für ihn auch gar nicht vorgesehen, trotz unauffälligem Abend und den zu erwartenden Schwierigkeiten bei der Umstellung auf den europäischen Basketball, lesen sich 9 Punkte, 8 Rebounds und 3 Steals nicht so schlecht.

Jonathan Malu: Startete, wirkte sehr engagiert, verlegte aber auch einige einfache Korbleger. Ob das  für eine untergeordnete Rolle in der Rotation reichen wird, wenn erst einmal alle an Bord sind? Spieler, die mit viel Leidenschaft und Willen auftreten kann man sicherlich für ein paar Minuten aufs Spielfeld schicken, wir sind gespannt wie Caki mit Malu plant.

Bogdan Radosavljevic: Nach Erfurt der nächste gute Auftritt vom neuen Center. „Boggy“ setzt seinen Körper gut ein, zeigte aber auch seine recht starken technischen Fähigkeiten und verteilte z.B. vom Highpost aus gut den Ball. Er ist auch ziemlich emotional bei der Sache gewesen, geriet einmal mit Geoffrey Groselle aneinander, mehrere Spieler mussten dann erstmal dazwischen gehen. Wagen wir also einen kleinen Vergleich mit Bodgans Vorgänger „Wobo“: Offensiv ist der neue Center ein klares Upgrade, zudem massiger und jünger, er könnte sich also noch sehr gut weiterentwickeln. Ob er auch defensiv die gleiche Energie wie WoBo einbringen kann, werden wir sehen.

Lichtblick: Tim Schneider
Lichtblick: Tim Schneider

Die Youngster: Dank der vielen fehlenden Spieler und dem deutlichen Vorsprung, durften auch mehrere junge Spieler ihr Talent zeigen. Allesamt erledigten ihre Aufgabe recht unaufgeregt, besonders positiv fiel allerdings Tim Schneider auf. Er erhielt schon früh erste Einsatzminuten und machte einen sicheren Eindruck. Als Anspielstation an der Dreierlinie erledigte er seinen Job tadellos, traute sich auch hin und wieder einen Wurf zu nehmen und wirkt auch körperlich ziemlich gut entwickelt. Fast 18 Minuten stand Schneider auf dem Feld, dabei erzielte er 3 Punkte, holte 3 Rebounds und verteilte 3 Assists. Nicht schlecht für den (demnächst) 19-Jährigen.

Stimme zum Spiel

Ahmet Caki, head coach Alba Berlin: „Zu diesem Zeitpunkt der Saison sind wir – wie die meisten Teams – noch nicht fertig. Wir haben ein neues Team, einen neuen Coach und einige neue Spieler. Dazu kommt dann noch eine veränderte Philosophie, ein veränderter Stil. Das sind die Gründe, warum wir noch nicht bereit sind. Aber das ist normal, jeder Tag, jedes Training, in dem wir uns entwickeln, arbeitet für uns. Aufgrund einiger fehlender Spieler haben heute unsere jungen Spieler relativ viel gespielt. Ich bin sehr zufrieden mit deren Entwicklung. Das gilt besonders für Tim [Schneider], der heute viel Spielzeit hatte. Das ist eines unserer Ziele, zum einen, uns auf das erste Spiel der Saison vorzubereiten, zum anderen, die Spieler weiterzuentwickeln, ganz besonders die jungen Spieler. Das ist auch einer der langfristigen Pläne von Alba Berlin.

Dieses Jahr beginnt die Saison zeitiger und der verbleibende Monat ist sehr, sehr wichtig für uns. Ehrlich gesagt, ist es zu wenig Zeit, aber wir geben unser Bestes und wenn wir so gut weiterarbeiten, wie bisher, wird sich etwas Gutes entwickeln.

Die beiden Spiele in Erfurt und gegen Braunschweig waren nicht einfach für uns, die ersten Saisonspiele sind nie einfach. Wir haben versucht, aggressiv in der Defense zu sein, haben aber viele „dumme“ Fouls gemacht. In dieser Hinsicht, müssen wir noch eine bessere Balance finden. Ich bin zufrieden über die Reaktion der Mannschaft auf die Niederlage im ersten Spiel. Wir hatten uns vorgenommen, heute mehr als Team zu agieren, weniger individuell, das hat ganz gut geklappt. Ich bin nicht mit allem zufrieden, aber das ist normal, denn wir sind noch in der Entwicklung. Es war ein Fortschritt gegenüber dem ersten Spiel, aber das erste Spiel ist generell kompliziert, ganz unabhängig davon, auf welchem Level dein Team spielt oder der Gegner. Die Spieler kommen aus einer Pause von drei oder mehr Monaten und haben anstrengende Trainingswochen hinter sich. Der Körper und der Kopf müssen erst mal wieder auf Betriebstemperatur kommen. Gotha ist auch ein gutes Team und in der Vorbereitung schon ein Stück weiter als wir.“

Endstand Alba Berlin - Löwen Braunschweig
Endstand Alba Berlin – Löwen Braunschweig

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