Viel Dramatik, wenig Zählbares: Alba verliert das Spitzenspiel gegen Oldenburg

An Jordan Taylor (26 pt, 8 reb) lag es nicht ... Foto: (c) Alba Berlin
An Jordan Taylor (26 pt, 8 reb) lag es nicht … Foto: (c) Alba Berlin

Alba Berlin hat Spitzenspiel des 27. BBL-Spieltags gegen Oldenburg nach Verlängerung mit 93:95 (79:79) verloren. 11.123 Zuschauer erlebten eine höchst spannende und unterhaltsame Partie, in der sich kein Team entscheidend absetzen konnte. Bei den Berlinern wurde Jordan Taylor Topscorer mit 26 Punkten (8 Rebounds, 3 Assists), bei einem ausgeglichenen Oldenburger Team erzielte Brian Qvale die meisten Punkte (18). Mit der Niederlage  ist für Alba der dritte Platz in weite Ferne gerückt, während die Gäste weiter um Tabellenplatz Zwei kämpfen.

Starting Five Berlin: Taylor, Vargas, Milosavljevic, Kikanovic, Wohlfarth-Bottermann

Starting Five Oldenburg: Prepelic, Kramer, Paulding, Aleksandrov, Qvale

Das Topspiel des 27. Spieltags musste ohne mehrere interessante Spieler auskommen: Bei den Berlinern fehlte neben den langzeitverletzten Niels Giffey und Robert Lowery auch Ismet Akpinar, dafür konnte der unter der Woche fehlende Jordan Taylor normal mitspielen. Die Oldenburger mussten auf ihren Schlüsselspieler Vaughn Duggins verzichten, dafür rückte Scott Machado in den Kader. Sasa Obradovic schickte mit Kikanovic und WoBo zwei in Brettnähe agierende Spieler in die Startaufstellung. Das Inside-Spiel wurde in der Offensive zunächst allerdings, anders als sonst, weniger forciert. Den Spielrhythmus bestimmten Taylor und Milosavljevic, die öfters den langen Mitteldistanzwurf zum Abschluss suchten. Nach einer schnellen 6-2 Führung geriet die Offensive immer mehr ins Stocken, erst durch die Einwechslung von Kresimir Loncar kam Alba wieder besser ins Spiel. Der Kroate punktete in Brettnähe, aus der Mitteldistanz oder an der Freiwurflinie und war von den Oldenburgern nur durch Fouls zu stoppen. Die Gäste profitierten wiederum von einer ausgeglichenen Mannschaftsleistung, immer wieder konnten durch Pick and Roll-Situationen offene Würfe kreiert werden. Besonders Robin Smeulders bekam in Brettnähe gute Durchstecker und sorgte mit dem letzten Angriff des zweiten Viertels für eine 22-18 Führung für die Oldenburger.

Auch im zweiten Spielabschnitt sorgte Smeulders mit seinen Punkten acht bis elf für Furore. Erst als er bedingt durch sein zweites persönliches Foul auf die Bank musste, bekam die Alba-Defensive wieder Zugriff aufs Spiel. Mit einem 8-0 Lauf eroberten die Albatrosse nach wenigen Minuten die Führung zurück und punkteten immer wieder am Brett. Konstanz ist in diesem Jahr allerdings ein Fremdwort für die Berliner, weshalb mehrere unnötige Fehler (sowohl im Angriff, als auch in der Defensive), die Oldenburger zurück ins Spiel brachten. Immer wieder traf die Heimmannschaft falsche Entscheidungen und verlor den Ball, während man in der Defensive ein ums andere Mal nicht aufpasste und umgehend von den Gästen bestraft wurde. Mit der Schlusssirene traf Jordan Taylor einen Korbleger und sicherte damit immerhin eine 39-38 Halbzeitführung.

Beide Mannschaften kamen sehr spät aus der Kabine zurück, offenbar gab es reichlich zu besprechen. Am Hin-und-Her der ersten Halbzeit änderte das allerdings wenig, es blieb weiterhin beim engen Spielstand und bei den üblichen Abläufen: Alba tat sich mit der Pick and Roll-Defense weiterhin schwer und aus der Distanz wollten bei beiden Teams die Würfe einfach nicht fallen. Mit einigen Offensivrebounds und vier Dreiern gelang es den Gästen sich nach einigen Minuten erstmals abzusetzen, glücklicherweise fielen plötzlich auch bei Alba die langen Würfe rein, weshalb die Oldenburger Führung nicht lange dauerte: Will Cherry und Jordan Taylor brachten mit erfolgreicher Verteidigung und schönen Offensivaktionen erstmals die Stimmung zum kochen. Nun entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit mehreren sehenswerten Aktionen, die Partie gewann enorm an Schwung. Das zeigte sich auch mit Blick auf die Statistiken. Hatten beide Teams zusammen in der ersten Halbzeit nur 3 von 18 Dreiern getroffen, so waren es im dritten Viertel insgesamt 9 von 14. Wieder war es die Berliner, die mit einem Korb in letzter Sekunde die Führung zurückeroberten (62-61).

Die kurze Rotation der Oldenburger forderte zu Beginn des letzten Viertels ihren Tribut. Im Angriff verlegten sie teils einfache Korbleger oder wurden geblockt, in der Defensive waren sie dagegen nun ein ums andere Mal einen Schritt zu spät und kassierten u.a. ein unsportliches Foul. Nach zwei erfolgreichen Dreiern in Serie kam Alba erstmals in den Bereich einer zweistelligen Führung (71-63). Nach einer Auszeit der Gäste gelang es den Berlinern allerdings nicht den defensiven Druck erfolgreich beizubehalten, der Vorsprung schmolz innerhalb weniger Minuten wieder auf einen Punkt zusammen, auch der gut gefüllte Gästeblock war nun wieder stärker zu vernehmen. „Wir haben uns nach der Führung zu sehr auf die Distanzwürfe verlassen und unsere Angriffe nicht konsequent ausgespielt“, sagte Sasa Obradovic zu der entscheidenden Schwächephase, die Oldenburg zurück ins Spiel brachte. Nun wurde das Spiel wild und schnell, beide Mannschaften vergaben reihenweise Fastbreak-Chancen. Zwei Minuten vor dem Ende eroberte Oldenburg durch Freiwürfe die Führung zurück und stellte in der Verteidigung auf Zone um. Ein Plan der nur bedingt aufging, da ein erfolgreicher von Dreier von Jordan Taylor den Ausgleich besorgte (79:79). Im Gegenzug vergaben beide Mannschaften die Chancen zur Führung, Verlängerung war die Folge. Ein würdiger Rahmen für dieses unterhaltsame, kurzweilige Spiel.

Obwohl Spieler wie Paulding und Kramer zu Beginn der Verlängerung schon über 30 Minuten auf dem Spielfeld standen, wirkten die Oldenburger wesentlich abgeklärter und konzentrierter in ihren Angriffen. „Wir haben in der Verlängerung immer gute Entscheidungen getroffen“, bemerkte der Gäste-Trainer Mladen Drijencic nach dem Spiel. Auf der Gegenseite traf Alba öfters Fehlentscheidungen und musste schon früh in der Overtime ständig einem leichten Rückstand hinterherrennen. Für den Abend bezeichnend, rotierte Alba in der Defensive 1:20 Minuten vor dem Ende bei Pick and Roll zu langsam und kassierte ein And-One zum 87-92. Trotzdem ergab sich 19 Sekunden vor dem Ende noch einmal die Chance zum Ausgleich oder zur Führung, doch nach mehreren Fehlversuchen trat Will Cherry mit dem Fuß auf die Seitenlinie und fabrizierte damit einen Ballverlust. Das Spiel verlagerte sich nun an die Freiwurflinie und beim Spielstand von 92:95 und noch wenige verbleibenden Sekunden, machte Oldenburg nicht den Fehler nicht zu foulen und schickte Will Cherry an die Freiwurflinie. Dem US-Amerikaner blieb nichts anderes übrig als den zweiten Wurf absichtlich daneben zu werfen. Beinahe gelang Alba noch ein Tip-In zum Ausgleich, es blieb allerdings beim „beinahe“. Alba musste sich mit einer bitteren 93-95 Heimpleite zufrieden geben und den Oldenburgern beim Feiern zusehen.

Was sonst auffiel:

  • Alba forciert für gewöhnlich gerne das Inside-Spiel. Gegen Oldenburger war davon in der ersten Halbzeit allerdings wenig zu sehen. Das überraschte, denn die Oldenburger Verteidiger konnten sich gegen Kikanovic und Co. meistens nur durch Fouls behelfen.
  • Live and die by the three: die Berliner sind in diesem Jahr oft von ihrer Dreierquote abhängig. Dass man trotz 0/6 Dreiern eine knappe Halbzeitführung behaupten konnte, machte schon einmal Hoffnung. Erst zur Mitte des dritten Viertels fiel der erste Distanzwurf, zu einem günstigen Zeitpunkt. Denn Oldenburg drohte gerade davonzuziehen.
  • Jordan Taylor konnte von den Oldenburgern zu keinem Zeitpunkt unter Kontrolle gehalten werden, der US-Amerikaner scorte aus allen Lagen und war stets ein Gefahrenherd.
  • Obwohl Robin Smeulders bereits zur Halbzeit drei Fouls kassiert hatte, gelang es den Berlinern nicht, den Oldenburger früh aus dem Spiel zu nehmen. Smeulders kassierte erst in der Verlängerung sein viertes und fünftes Foul.

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