Verzockt? Wer zu spät kommt den bestraft das Leben und die Quote!

Mit Bekanntgabe des Wechsels von Nihad Djedovic zu Alba Berlin hatte es sich schon angedeutet:Nun scheint durch die Gerüchte von sportando.net bestätigt, dass Publikumsliebling Bryce Taylor in der kommenden Saison nicht mehr das gelbe Trikot der Albatrosse überstreifen wird. Nach zwei Jahren, in denen sich der US-Amerikaner in die Herzen der Fans spielte, ist das Kapitel Berlin für Taylor beendet.

Die Popularität des 25-Jährigen in der Hauptstadt ist indes leicht erklärt: Krachende Dunkings und aufopferungsvoller Einsatz in der Defense waren die Argumente auf dem Parkett. Dazu kam eine Offenheit gegenüber der Stadt und den Fans, die eine erfrischende Abwechslung zu den üblichen Spielern mit Söldner-Charakter,die man in der Basketball-Bundesliga allzu oft findet, darstellte. Bryce Taylor legte in Berlin einen beispielslosen Lauf hin: Gekommen als Ergänzungsspieler mit einem auf 2-Monate befristeten Vertrag, der in letzter Minute erst verlängert wurde, schaffte er es in kürzester Zeit das Gesicht der neuesten Marketing-Kampagne und der Publikumsliebling der Fans zu werden. Als einer der Überbleibsel der intensiven Playoffs 2011 inklusive des Dunks über Predrag Suput im 5. Finalsspiel und dem anschließenden Abgang von Julius Jenkins zu Brose, war er prädestiniert dafür in der vergangenen Saison der neue Fanliebling zu werden. Bryce Taylor und Alba Berlin: das passte!

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Abseits des Feldes lieferte der Publikumsliebling massig Gründe ihn zu mögen aber auch sportlich entwickelte sich Taylor beachtlich. Neben seinen spektakulären Flugeinlagen, fiel in der zweiten Saison bei Alba auch der Distanzwurf mehr ins Gewicht (von 27,5% Dreierquote auf 42,1%). Durch diese erhöhte Qualität im Offensivspiel erhielt Taylor mehr Minuten und konnte ebenfalls seinen Punktedurchschnitt steigern. Somit stieg auch die Verantwortung die Taylor innerhalb des Teams tragen durfte. Insgesamt war die Entwicklung positiv und Taylor kann, aufgrund seines noch jungen Alters, weiterhin reifen und ein noch besserer Spieler werden. Er kommt so langsam in das beste Basketballalter.

Spekuliert und verloren?

Eine Vertragsverlängerung mit Taylor war aus Sicht der Fans, trotzt des frühen Saisonaus, ein absoluter Muss. Bei einer Umfrage auf unserer Facebook-Seite im Mai, mit der Frage welchen vertragslosen Spieler man gerne behalten würde, rangierte Taylor auf Platz 1 noch vor Lokalpatriot Heiko Schaffartzik. Scheinbar sahen das die Entscheidungsträger von Alba ähnlich und boten dem Überflieger aus Encino, Kalifornien, wie Marco Baldi bei der Abschlussfeier Anfang Juni bestätigte, einen 2-Jahres-Vertrag zu verbesserten Konditionen an. Umso überraschender fiel jedoch die Anmerkung aus, dass Taylor das Angebot abgelehnt habe. Es kursierte wenig später das Gerücht, der 25-Jährige habe ein lukratives Angebot aus dem Süden Europas vorliegen, wo er bereits 2008/2009 für Premiata Montegranaro in der Serie A tätig war.

Zeit verging, eine Weile wurde es ruhig um Taylor . Das abgelehnte Vertragsangebot hatte die Fans schockiert und der Berliner Kurier spekulierte Ende Juni, dass die Zeichen auf Abschied stünden. Plötzlich meldete sich jedoch Taylor über die B.Z. zu Wort und bekundete überraschenderweise Interesse an einem Verbleib und begründete das abgelehnte Angebot mit einem Wechsel seines Agenten. Mit Freude und Hoffnung wurde diese Nachricht bei einem Großteil der Alba-Fans aufgenommen. Es entstand eine Facebook-Gruppe die sich für den Verbleib von Taylor in Berlin einsetzte und somit versuchte Alba die Entscheidung zu erleichtern.

Doch offenbar hatte Taylor nach den Playoffs den fahrenden Zug verpasst, für den der neue Vertrag die Eintrittskarte gewesen wäre. Im Verlaufe der Wochen hatte sich aus Albas Sicht einiges geändert: plötzlich hatte man einen neuen Trainer, mittlerweile schon 4 von 6 möglichen Plätzen im Kader für Ausländer besetzt und die überraschende Möglichkeit nächstes Jahr in der höchsten europäischen Spielklasse, der Euroleague, anzutreten. Alba stand plötzlich unter dem ungeahnten Druck eine vielleicht entscheidende Saison für die weitere Entwicklung des Vereins möglichst erfolgreich abzuschließen.

Da noch zusätzlich ab nächster Saison die neue Deutschen-Qoute in Kraft tritt und nun nicht mehr als 6 Ausländer bei nationalen Wettbewerben auf dem Parkett stehen dürfen, gilt es die letzten Positionen besonders gut zu besetzen. Mit der Verpflichtung von Djedovic, bleibt nun nur noch ein Platz für einen Spieler ohne deutschen Pass, der mit ziemlicher Sicherheit für einen Center gebraucht wird.Bryce Taylor hätte in den vergangenen Jahren noch perfekt gepasst um die Rotation auf den Flügelpositionen zu komplettieren. Für diese Saison fällt Taylor aber nun wohl der Quote zum Opfer (Vorausgesetzt, man verpflichtet keinen 7. Ausländer).

 

Es ist schade, in Zeiten in denen Identifikation wieder größer geschrieben werden sollte, nicht zuletzt ein Ziel der neuen Reglung, einen Spieler wie Bryce Taylor gehen lassen zu müssen, der eigentlich genau dafür stand. Den Fans wird es auch ein wenig wehtun, ihn in einem anderen Trikot spielen zu sehen. Alba Berlin kann man jedoch keinen großen Vorwurf machen: in erster Linie soll der Verein Erfolg haben. Dafür kann man nicht aufgrund eines einzelnen Spielers die komplette Planung über Bord werfen. Bryce Taylor hatte die Möglichkeit in Berlin zu bleiben und hat diese aus verschiedenen Gründen wohl nicht genutzt. Jetzt gilt es den Blick nach vorne zu richten und sich den neuen Aufgaben zu widmen.

Vielen Dank Bryce Taylor, für zwei tolle Jahre!

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