Verstärkung vom Erzfeind? Brauchen wir wirklich Tadda?

Ende Juni. Wir befinden uns mitten in der Offseason. Die Nachricht der Teilnahme an die Euroleague erhöht die Vorfreude auf die kommende Saison. Der Kader nimmt mittlerweile weiter Konturen an. Avdalovic, Morley und Peavy wurden verpflichtet. Ein Small Forward und ein Center werden noch gesucht. Doch eine weitere Frage beschäftigt die Fans von Alba Berlin: welcher Deutscher Spieler kommt noch? Selbst wenn Routinier Sven Schultze (33) in der Hauptstadt verlängert, ist vermutlich noch ein weiterer Spieler mit deutschem Pass, bestenfalls ein Flügelspieler, vonnöten. Die Liste der Akteure, denen man eine ernsthafte Rolle im Team zutraut ist mittlerweile übersichtlich: Philip Schwethelm (der trotz Vertrag in München wohl weg will), Sergio Kerusch (für den wohl eine Ablösesumme fällig wäre) und Karsten Tadda sind die meistgenannten Namen.

Bamberger Junge

Karsten Tadda, geboren am 2. November 1988, ist durch und durch Bamberger.  Wenn er spricht, hört man leicht den fränkischen Akzent heraus. Als Jugendlicher und Fan erlebte er auf Stehplätzen die ersten beiden Meisterschaften seiner Heimatstadt. Mit 18 Jahren trainierte Tadda erstmals bei den Brose Baskets Profis mit, nachdem er zuvor beim Kooperationspartner Breitengüßbach zum Einsatz kam. Unter Chris Fleming gelang dem Bamberger dann in der Saison 2008/2009 der Durchbruch: durchschnittlich 10 Minuten Spielzeit erhielt der Youngster und bedankte sich, für das in ihn gesetzte Vertrauen, mit knapp 4 Punkten pro Spiel. Doch nicht wegen der Punkteausbeute ist der Franke bekannt. Im Verlaufe der Jahre erarbeitete sich der Shooting Guard den Ruf als Kettenhund, der knallhart verteidigt, gerne auch mal den besten gegnerischen Scorer deckt und Energie von der Bank bringt.

 

Deutscher Pass ausreichend?

Seit geraumer Zeit kursieren Gerüchte die besagen, dass Alba sich um die Dienste von Karsten Tadda bemüht. Bambergs Manager Wolfgang Heyder betonte, dass der Shooting Guard im Fokus anderer Clubs steh. Der angeblich umworbene befeuerte am Samstag die Spekulationen zusätzlich, in dem er über Facebook vermelden ließ, dass „Berlin eine schöne Stadt sei“. Ob hinter dieser Aussage eine Andeutung steckt, oder ob sich der Franke einen Spaß erlaubte, da er gerade beim Nationalmannschaftslehrgang in Kienbaum bei Berlin verweilte, ist unklar.

Da Tadda mit Ablauf der vergangenen Saison vertragslos wurde, erscheint es logisch,  dass mehrere Vereine an ihm Interesse bekunden. In einer Offseason, in der verzweifelt jeder halbwegs begabte deutsche Spieler gesucht wird, um die Quote zu erfüllen, ist es selbstverständlich, dass auch ein Tadda womöglich kontaktiert wird.

Angenommen die Gerüchte stimmen: was würde für eine Verpflichtung des 23-Jährigen sprechen?  Alba braucht mindestens einen deutschen Spieler, der bedenk los eingesetzt werden kann. Tadda hat bewiesen, dass er mit seiner Verteidigung problemlos auf das Feld geschickt werden kann und durfte auch in der Euroleague schon Erfahrung sammeln. Desweiteren deckt sich die Einstellung Taddas als leidenschaftlicher Kämpfer mit dem Suchraster von  Saša Obradović, der in der kommenden Saison aggressive Defense spielen lassen will. Sollte der Franke an die Spree kommen, würde es zudem direkt Bamberg schwächen, die damit immer mehr Probleme mit der Deutschenquote kriegen würden.

Doch das wirft nun die Frage auf: Wie viel Geld ist Tadda wirklich wert?

Bamberg wird ihm zweifelsohne ein entsprechenden Vertrag anbieten, beziehungsweise schon angeboten haben. Bedeutet, wenn ein anderer Verein ihn verpflichten will, wird das nicht allzu günstig. Zusätzlich müssten dem Franken auch eine entsprechend bessere Perspektive geboten werden, damit ihm ein Wechsel auch sinnvoll erscheint. Kann ihm Alba diese Perspektive bieten? Tadda spielte in der vergangen Saison knapp 15 Minuten pro Spiel und traut sich, laut dem Interview mit der BIG, eine größere Rolle in der Offensive zu. Berlin ist jedoch mit Avalolovic, Wood und Schaffartzik auf den Guard-Positionen, besonders offensiv, hervorragend besetzt. Ob Tadda auch wirklich in der Lage ist, sein Offensivspiel zu steigern, ist die nächste Frage. Für einen Spieler, der hauptsächlich Dreier nimmt, sind knapp 27% Trefferquote (2011/2012) wahrlich nicht berauschend. Desweiteren, würde ein Spieler mit deutschem Pass, der auf der Small Forward Position zum Einsatz kommt, nach jetzigem Kaderstand eher Sinn machen. Tadda dürfte für diese Position mit 1,90 Meter Körpergröße, nicht groß genug sein.

Insgesamt wäre eine Verpflichtung des Bambergers interessant aber die Notwendigkeit bleibt fragwürdig. Zu den glorreichen Zeiten von Alba kamen Spieler mit den Merkmalen von Tadda noch aus der eigenen Jugend. Es dürfte eigentlich auch nicht unmöglich sein diese Tradition fortzuführen, doch der Mut, Eigengewächse in das kalte Wasser zu werfen, scheint in den vergangen Jahren völlig abhanden zu kommen sein. Man sollte zu diesem Mut zurückfinden, anstatt auswärtige Spieler einzukaufen. Das dürfte nicht nur billiger sein, sondern fördert zusätzlich noch die Identifikation.

3 Gedanken zu „Verstärkung vom Erzfeind? Brauchen wir wirklich Tadda?“

  1. Da sich aus dem aktuellen eigenen Nachwuchs keiner sofort für eine 15-min-Rolle in der nächsten Saison anbietet, wäre es doch eine Überlegung wert, einen der in Trier „zwischengeparkten“ Spieler zurück in die Muddastadt zu holen.

    1. Das macht dann aber wohl auch nur Sinn, wenn ein solcher Spieler auch von Anfang an einen langfristigen Vertrag von Alba erhält. Damit wäre z.B. ein Joey Ney ein Kandidat für ein solches Leihgeschäft.

      1. zurückholen, nicht wegschicken 😉
        „Zwischengeparkt“ war etwas flapsig, aber uns ist doch allen klar, dass die vielen Berliner, die nach Trier gegangen sind, nur „ausgeborgt“ sind ;-).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.