Trainingsstart Alba 2014/2015: Anführer und Glue-Guy gesucht

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Sven Schultze ist weg- Wer läuft dieses Jahr voran?

Viel Diskussionsstoff gibt es in Berliner Fankreisen derzeit nicht, so langsam steigt die Vorfreude auf die ersten Testspiele Anfang September. Hauptsächlich beschäftigen zwei Fragen die Anhänger: Ob der Kader komplett ist oder noch ein Power-Forward kommt und wer in diesem Jahr die Mannschaft, vor allem abseits des Feldes, anführen wird. Während die erste Frage viel Platz für Spekulationen bietet und derzeit sich noch keine genaue Antwort abzeichnet, könnte die zweite Frage vielleicht schon demnächst geklärt werden. Zudem gab es beim ersten Aufeinandertreffen von Spielern und Trainern nach Monaten – am Freitag, 22.08.14 im Jahn-Sportpark – den einen oder anderen interessanten Aspekt.

Alba 2014/2015, das ist auch Jahr 1 nach Sven Schultze. Die letzten Saisons stand schon immer zu Saisonbeginn fest, wer eine herausragende Rolle in der Teamführung einnehmen würde. Diese war immer für „Schulle“ vorprogrammiert. In Bereichen wie Arbeitsmoral und Qualitäten als glue guy, also als Spieler der die Mannschaft beisammen hält, genoss der gebürtige Bamberger stets das höchste Ansehen. Auch Sasa Obradovic bestätigt diese Position: „Mit ihm haben wir den Akteur verloren, der die Spieler motiviert hat und die Mannschaft zusammen gehalten hat.“ Darauf hätte er auch nicht unbedingt verzichten wollen: Sven war sehr wichtig aber er wollte mehr spielen, das kann ich verstehen. Ich hätte ihn gerne auch in dieser Saison an meiner Seite gehabt.

Doch nicht nur Schultze nahm in der vergangenen Spielzeit eine wichtige Rolle ein, sondern auch Jan Jagla, Levon Kendall oder David Logan waren mit ihrer langjährigen Erfahrung Stützpfeiler des Teams. Diese sind nun weg und es stellt sich die Frage: Wer tritt in diese großen Fußstapfen?

Ein Blick auf das Alter des aktuellen Kaders, zeigt, daß diese Mannschaft  jünger geworden ist. Die erfahrensten Spieler kristallisieren sich schnell heraus; Clifford Hammonds, Alex King und Jonathan Tabu sind nun mit 28 bzw. 29 Jahren die dienstältesten Profis. Während sich Neuverplichtung Tabu vermutlich erst akklimatisieren muss, könnten King und Hammonds die neuen Leader werden. Können und wollen sie das überhaupt?

Zumindest Alex King scheint sich nicht davor zu drücken. „Ich versuche es natürlich und habe diese Erfahrung in Würzburg schon gemacht. Ich habe letztes Jahr natürlich sehr viel von Sven und Jan gelernt, auch Führung in der Mannschaft zu zeigen“, sagt der Forward zu den Erwartungen. Den Alleinunterhalter wird der frisch verheiratete 29-jährige aber nicht mimen.  „Mal sehen, wen der Coach als Team-Kapitän wählen wird oder wer die Mannschaft führen kann. Ich glaube wir haben sehr viele Spieler, die Führungsrollen einnehmen können und werden.“

Zur Frage, wie der Verlust von Erfahrung aufgefangen werden kann, fällt immer wieder „teamwork“ als Lösungsansatz. „Ich denke, das wird eine Teamaufgabe, wir müssen uns alle gegenseitig helfen. Wir sind jünger geworden, wir werden mehr Energie und noch mehr Enthusiasmus haben. Es sind junge, hungrige Spieler da, die hart arbeiten werden. Ich denke das kann die Verluste der ‚Veteranen‘ auffangen“ sagt Clifford Hammonds. Mit seiner Arbeitsmoral dürfte der US-Amerikaner ohnehin schon eine Vorbildfunktion einnehmen. Clifford Hammonds – der beim Spielaufbau von Jonathan Tabu entlastet wird – dürfte auch einen Teil der Aufgaben von David Logan als leader und in der Offense übernehmen, sieht das selbst jedoch unkompliziert: „Ich mache alles was wir benötigen, um zu gewinnen“. Und vielleicht haben auch andere Akteure letztes Jahr von Schultze gelernt und werden jetzt in den Vordergrund treten. So wie z.B. Akeem Vargas, der im letzten Sommer fasziniert davon berichtet hatte, wie Schultze immer vor ihm in der Halle aufkreuzte. „Ich denke, dass wird er dieses Jahr nicht mehr brauchen. Er weiß was er zu tun hat. Jetzt muss er z.B. den jüngeren Spielern zeigen, wie wir hier arbeiten“ meint Hammonds dazu.

Clifford Hammonds, BBL DOY 2014
Potenzieller Anführer? Clifford Hammonds

Vielleicht wird in der kommenden Saison auch Sven Schultze nicht so zwingend gebraucht. Der Stamm des Teams ist  zusammen geblieben, man kennt sich und den Trainer. Das erleichtert, in den Augen von Obradovic, vieles: „Dieses Team hat schon ein Jahr zusammengespielt, sie verstehen sich. Das macht die Situation einfacher, die Atmosphäre zwischen den Spielern zu kontrollieren; ich erwarte keine großen Schwierigkeiten“ sagt der Cheftrainer und betont auch, die Teamarbeit. „Auch letztes Jahr gab es eine mannschaftliche Geschlossenheit aber Sven kannte mich sehr gut und konnte die Emotionen ausbalancieren. Jetzt kennen mich die meisten Spieler und wissen was ich verlange.“

Doch muss es wie im letzten Jahr laufen? Die Mannschaft flog förmlich von Sieg zu Sieg, große Klatschen blieben aus. Das erleichterte die Teamfindung. Ein Sprichwort sagt jedoch, dass sich der wahre Charakter einer Mannschaft nach Niederlagen zeigt. Die kommende Saison könnte für die Mannschaft noch anspruchsvoller sein. Die Euroleague fordert einen hohen Tribut, die BBL dürfte noch weiter an Qualität hinzugewonnen haben. Offenbar hat sich auch Obradovic bereits darüber Gedanken gemacht „Problematisch wird es bei Spielen gegen große Euroleague-Mannschaften, da müssen wir die Emotionen nach außen hin auch nach Niederlagen kontrollieren können“ Die Erfahrungen aus der Saison 2012/2013 dürften hier noch frisch in Erinnerung sein.

Alba Berlin 2014/2015 wird vermutlich eine Mannschaft ohne einen klaren glue guy, dafür mit mehreren Anführern. Ob das gut geht oder überhaupt relevant ist, wird sich noch zeigen. Das wesentliche fasst jedoch Alex King zusammen: „Wichtig wird es sein, dass wir als Mannschaft eine gute Teamchemie haben. So wie im letzten Jahr. Wenn wir das haben und sehr gut arbeiten, sehe ich gar keine Probleme, dass wir eine gute Saison spielen werden.“

Für die erhoffte lange und erfolgreiche Saison werden seit dieser Woche die Grundlagen gelegt. Bis auf die Nationalspieler sind mittlerweile alle Spieler in Berlin eingetroffen, die medizinischen Tests wurden absolviert und jetzt beginnt die Schufterei. Am heutigen Freitag fand das erste Medientraining der Saison statt. Bevor die Spieler in Nähe der alten Wirkungsstätte (im Jahn-Sportpark) ihre Runden drehen durften, standen sie der Presse Rede und Antwort. Dabei gab es die eine oder andere interessante Info.

Trainingsauftakt im Jahn-Sportpark

Ismet Akpinar hat über den Sommer 5 Kilo an Muskelmasse zugelegt und nach eigener Aussage dadurch nicht an Geschwindigkeit verloren. Wir sind gespannt ob der junge Pointguard nun bereit dafür ist, in das kalte Wasser geschmissen zu werden.

Ein viel diskutierter Aspekt der Teamzusammenstellung ist die Besetzung der Position des Power Forwards. Ist Alba Berlin auf dieser Position tief genug besetzt oder wird sich das Team noch personell verstärken?

Zunächst plant Alba, mit dem aktuellen Kader ohne weitere Verstärkung in die Saison zu gehen. Alex King rechnet persönlich damit, mehr als Power Forward zum Einsatz zu kommen. Obradovic bestätigte dies und sieht offenbar auch für Giffey eventuell ein paar Minuten auf der „4“. Laut Cheftrainer sieht man sich auf den großen Positionen flexibel genug besetzt. „Bei meiner Philosophie gibt es keine großen Unterschiede zwischen den Positionen. Wir können z.B. mit der Kombination McLean-Radosevic spielen. McLean im Lowpost und Radosevic kann werfen. Er ist ein guter Werfer und es müssen ja nicht unbedingt Dreier sein. Alle Bigmen können wir kombinieren, meiner Meinung nach können auch Leon (Radosevic) und Jonas (Wohlfarth-Bottermann) gemeinsam auf dem Feld stehen. Ich sehe darin keine Probleme.“ Die Frage nach einem weiteren Power Forward stellt sich also derzeit nicht. „Natürlich würde derzeit jeder Trainer sagen ‚Noch ein Spieler‘ aber es hängt z.B. auch davon ab, wie sich Martin (Seiferth) integriert. Natürlich wäre ein weiterer Center gut für die Saison aber derzeit sprechen wir nicht darüber.“

Statt mit der Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zugangs kann man sich mit dem tatsächlich vorhanden Personal auf der Position des Power Forwards beschäftigen. Jamel McLean ist in einem sehr guten, sprich fitten, Zustand in Berlin angekommen sein. In Bonn soll der US-Amerikaner in der letzten Saison nochmit ein paar Kilo zu viel auf den Rippen zum Saisonauftakt erschienen sein. McLean zeigt sich laut Obradovic derzeit sehr ehrgeizig und er sieht in ihm viel Potenzial: „Ich denke er kann mindestens genau so gut sein wie Deon Thompson.“

Der Auftakt in eine Saison mit vielen Herausforderungen ist gemacht!

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