The class of 09 – es schließt sich ein Kreis für Saibou

NBBL Meister 2009, Alba Berlin, mittendrin: Joshiko Saibou; Foto (c): NBBLNBBL Meister 2009, Alba Berlin, mittendrin: Joshiko Saibou; Foto (c): NBBL

Joshiko Saibou (27) kehrt zurück in seine Heimatstadt Berlin! So die schlichte Schlagzeile, die inzwischen keine news mehr. Diese Verpflichtung für die nächsten 2 Jahre ist aber in mehrerer Hinsicht interessant, enthält sie doch eine Menge Symbolik … und mehr als das. Es schließt sich ein Kreis. Nein, eigentlich ist das Bildnis vom Kreis falsch, denn im Kreis findet keine Entwicklung statt, die es beim gebürtigen Kölner ohne jeden Zweifel in den letzten Jahren gab. Eher ist es eine Spirale, Joshiko Saibou ist an der gleichen Stelle angekommen, wie vor 6 Jahren, jedoch ein, zwei level bzw. Windungen weiter oben. 

Wenn man auf die Beziehung Alba Berlin – Joshiko Saibou schaut, kommt man nicht um den 10. Mai 2009 herum, das Finale in der Nachwuchs-Bundesliga zwischen Alba Berlin und den Paderborn Baskets in der altehrwürdigen Sömmeringhalle vor der damaligen Rekord-Zuschauerzahl für Nachwuchsspiele von über 2.000 Zuschauern. Um die – eh nur sehr mäßige – Spannung zu nehmen: Alba Berlin gewann den ersten Titel der Vereinsgeschichte im Nachwuchsbereich nach einer Saison ohne eine einzige Niederlage. Das ist historisch, irgend wann ist immer das erste Mal, man hat gezielt darauf hin gearbeitet, aber das für sich ist noch nicht so besonders bemerkenswert. Das Spiel steht sinnbildlich für Vieles, für das Alba Berlin  heutzutage wieder stehen möchte. Ein Weg, der mit der Verpflichtung von Sasa Obradovic aufgenommen wurde, im letzten Jahr einen herben Dämpfer bekommen hat. Die Klammer bildet Joshiko Saibou, damals im Meisterteam des Nachwuchses, demnächst im Profiteam der Berliner.  Dieses Spiel bot mehr Leib und Seele als sich ein Marketing-Experte jemals ausdenken könnte, sinnbildlich dafür stand auch Saibou.

Flashback

Als sich am sonnigen Sonntag Nachmittag des 10. Mai 2009 die Teams der Paderborn Baskets und Gastgeber Alba Berlin in der pickepackevollen Sömmeringhalle, die offizielle Bezeichung ist Sporthalle Charlottenburg, zum Finale der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL) trafen, hatten beide schon ein Erfolgserlebnis hinter sich. Tags zuvor hatte der Aussenseiter Paderborn Baskets den großen Favoriten der Urspringschule Ehingen (firmierten damals unter Alba Urspring) mit einer überzeugenden Teamleistung und den Wendt-Zwillingen on fire (Lars 25 pts, Ole 7 pts) ausgeschaltet (63-52). Der designierte Titelfavorit schon im Halbfinale raus. Fun fact Urspring: Der spätere Berliner Akeem Vargas fing sich auch in diesem Spiel ein T-Foul ein, früh übt sich … Der ebenfalls spätere Berliner Bogdan Radosavljevic spielte beim Top4 nicht mit, war als 93er Jahrgang allerdings auch noch sehr jung.  Auch Alba Berlin setzte sich im Halbfinale eindrucksvoll durch. Gegen das Farmteam der brose baskets, TSV Tröster Breitengüssbach, gab es einen nie gefährdeten 70-48-Start-Ziel-Sieg, der auch noch höher hätte ausfallen können. Niels Giffey wies sein offensives Potenzial nach und traf 6 von 7 Würfen, Nico Adamczak traf 60 % Dreier und Steven Monse reboundete wie gewohnt. Joshiko Saibou startete als point guard, verteidigte hart, schoß aber mit 0-7 aus dem 2er Bereich die Lampen aus; 2/2 Dreier retteten die Bilanz nur ein wenig. Allerdings hatte Saibou das Team durch die ersten beiden Playoffrunden getragen, u.a. 23/9 gegen Bonn und 20/10 gegen Hagen.

Grande Finale. Ins Finale gingen die Berliner, die noch kein Spiel in der Saison verloren hatten und zudem noch den Heimvorteil hatten, als Favorit. Das erwies sich als erhebliche Bürde. Gewinnen zu können (Paderborn), ist etwas anderes, als gewinnen zu „müssen“ (Berlin). Alba Berlin begann verkrampft, nichts wollte fallen. Gerade aus der 3er Distanz war man zum Ende des dritten Viertels bei 1/12, ganz egal, wer sich da versuchte.  Paderborn ohne den ganz großen Druck – natürlich wollten die auch Meister werden – hatte ein lockeres Händchen, schon 20 Mal aus der Dreierdistanz geworfen und vor allem schon acht Mal getroffen. Vor allem durch die Zwillinge Lars und Ole Wendt. Alba arbeitete Basketball, aber immerhin arbeiteten sie! Der Einsatz stimmte absolut, Alba kämpfte, kämpfte und kämpfte, in dieser Hinsicht angeführt von Kapitän Steven Monse, aber eben auch von Joshiko Saibou, der sich offensiv der mauen Leistung des gesamten Teams anpasste. Viele hätten sich bei dieser Konstellation schon längst aufgegeben, Alba brauchte drei, vier, fünf Angriffe um ein Mal den Ball durch den Korb zu würgen, aber sobald sie ein bisschen aufgeholt hatten, warf einer der Wendts ganz locker den nächsten Dreier durch die Reuse und vergrößerte den Vorsprung sogar wieder. Als Lars Wendt kurz vor Ende des dritten Viertels per Dreier die Führung für Paderborn auf +13 schraubte sah die Situation für die Berliner in der bis dahin eh punktearmen Partie (43 Alba Punkte) alles andere als rosig aus. Gefühlt hätte Paderborn noch höher führen können, dass es nicht so war, lag daran, dass zumindest die Defense der Berliner stand. Aber es gab ja noch das vierte Viertel – das nach dem fünften Foul weitgehend ohne Saibou stattfand – und Aufgeben war für die Berliner an diesem Nachmittag absolut keine Option. „Mit Leib und Seele“ war noch lange, lange nicht als Marketing-Slogan erdacht, aber mehr Leib und Seele, Einsatz und Wille, hätte es nicht geben können, als an diesem Nachmittag. Niels Giffey, der die Berliner offensiv halbwegs im Spiel gehalten hatte, riss das Spiel nun vollends an sich, zog stark zum Korb und war oft nur durch ein Foul zu stoppen und verwandelte auch seine Freiwürfe sicher. Bei so viel verworfenen Dreiern in den ersten drei Vierteln musste auch irgendwann mal einer fallen; gerade noch rechtzeitig im letzten Abschnitt durch Fülle, Adamczak und Giffey. Den 1/12 der ersten drei Viertel folgten dann 4/7 im letzten, Paderborn nach 8/20 nur noch 3/13. Albas Coach Rödl hatte es ihnen mit einer 1-2-2 Halbfeldpresse, die dann in eine 3-2 Zone auflöste, aber auch sehr schwer gemacht. Was Giffey für Albas Spiel in der Offense war, war Monse in der Defense! Ein würdiger Kapitän und großer emotionaler Anführer, der das Team immer wieder antrieb und mit eigenem Einsatz als Vorbild voran ging. Starke Verteidigung gegen Nationalspieler Robert Huelsewede und unbändiger Wille beim Kampf um jeden Rebound, jeden Zentimeter verbunden mit einer Körpersprache á la „not in my house“, die alle anderen mitriss. Punkt um Punkt kämpfte sich Alba heran, sechs Punkte in Folge von Niels Giffey sorgten zwei Minuten vor Schluß für die allererste Führung von Alba im Spiel, aber der sechste Dreier von Lars Wendt brachte postwendend wieder Paderborn in Front. Die Entscheidung brachte – wer sonst? – Niels Giffey, der bei Gleichstand 15 Sekunden vor Schluss nervenstark einen Dreier verwandelte und auch nach einem stop the clock Foul der Paderborner seine Freiwürfe verwandelte. Seine Punkte 31 und 32. Am Ende stand ein 28-14 Schlussviertel, ein 75-70 Sieg, ein Top4-MVP Niels Giffey (der MVP der Hauptrunde wurde übrigens ein gewisser Maik Zirbes) und unendlicher Jubel.

Ein anderer Wettbewerb, acht Jahre her, Nachwuchs statt Profis, aber trotzdem könnte es ein role model für Alba Berlin 2017/18 sein. Wie man mit begrenzter offensiver Qualität (Giffey), aber mit unbändigem Einsatz und Willen gegen Widrigkeiten wie Quoten jenseits von Gut und Böse, erfolgreich sein und begeistern kann, könnte auch ein Erfolgsmodell für das Profiteam von Alba Berlin in der kommenden Saison sein. Wille wird vom Berliner Publikum honoriert, Kampf und Einsatz in der Defense ebenso.

Ein Baustein dafür könnte Joshiko Saibou sein, der bei seinen nachfolgenden Stationen bei Alba Berlin in der ProB, als Rollenspieler von Rödl in Trier, in Gießen (2. Liga), Crailsheim, Würzburg und wieder Trier für seine starke Defense, als harter Arbeiter, großen Einsatz und von seinen Mitspielern für sein offenes Wesen und seine Teamfähigkeit geschätzt wurde. In der abgelaufenen Saison hat er beim borderline Playoffteam der Giessen 46ers noch mal einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht. Von Coach Wucherer bekam er viel Vertrauen und hat das mit 8 Punkten (44 % 3er, 42 % 2er, 84 % Freiwürfe), 2 Rebounds und knapp 2 Assists in knapp 18 Minuten zurück gezahlt. Ach ja, die Körbe in der Mercedes Benz Arena scheinen dem A2-Nationalspieler durchaus zu gefallen. Beim Gastspiel in Berlin erzielte er 14 Punkte und gab damit Ende Januar schon eine Bewerbung für einen Vertrag in Berlin ab.  Der bekennende Berliner studiert an der Fernuniversität Sportmanagement und will in diesem Sommer den Bachelorabschluß machen. Mit deutschem Vater, togolesischer Mutter und japanischem Vornamen passt Saibou, der in seiner Freizeit eher liest und sich mit ernsthafteren Themen beschäftigt, als Playstation zu zocken, wie die Faust aufs Auge nach multi kulti Berlin. Joshiko Saibou hat sich noch nie davor gedrückt, Verantwortung zu übernehmen und bezeichnet Ungeduld als seine größte Schwäche. Nachdem er nun einige Erfahrung bei anderen Vereinen gesammelt hat, ist es nun an der Zeit einen nächsten, großen, aber richtigen Schritt in der Heimat zu machen.

Joshiko Saibou mit Alba-II in der ProB im Einsatz, Saison 2010-11 Foto (c): Dorstener Kreiszeitung
Joshiko Saibou mit Alba-II in der ProB im Einsatz, Saison 2010-11
Foto (c): Dorstener Kreiszeitung

 

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