Testspiel Alba Berlin vs Eisbären Bremerhaven, 99-75

Knapp 48 Stunden nach dem ersten Testspiel für die Saison 2013/14 gegen die Steeples Ehingen (ProA) – Spielbericht und O-Töne dazu hier – trat das neue Team von Alba Berlin zu einem weiteren Test an. Als Gegner hatte man sich dafür das Team der Eisbären Bremerhaven eingeladen. Leider konnten beide Teams nicht komplett antreten; bei den Eisbären fehlten Ex-Albatros Philipp Zwiener (deutsche Nationalmannschaft), Adas Juskevicius (erst vor kurzem aus der litauischen Nationalmannschaft gecuttet, jedoch noch nicht beim Team) sowie Jusuf El-Domiaty (angeschlagen). Ein Wiedersehen gab es mit Ex-Albaspieler Derrick Allen sowie Calvin Oldham, der seit dieser Saison als Headcoach von der Seitenlinie aus die Geschicke der Eisbären lenkt. Bei Alba fehlten wie schon zwei Tage zuvor Alex King, Vojdan Stojanovski und Levon Kendall aufgrund von Einsätzen für ihre jeweiligen Nationalmannschaften (Deutschland, Mazedonien, Kanada), auch Clifford Hammonds wurde noch weiterhin geschont. Schwierig für eine Standortbestimmung, jedoch eine Chance, jungen Spielern viel Spielzeit zu geben, was beide Trainer ausgiebig nutzten. Aus Alba-Sicht war es interessant, ob sich die jungen Spieler wie Akeem Vargas, Jonas Wohlfahrt-Bottermann, Bar Timor oder Ismet Akpinar nicht nur gegen ein Team aus der zweiten Liga sondern auch gegen ein Team aus der Beletage des deutschen Basketballs durchsetzen können würden.

Tipp-Off zum Testspiel Alba Berlin vs Eisbären Bremerhaven
Tipp-Off zum Testspiel Alba Berlin vs Eisbären Bremerhaven

Alba Berlin ging – wie schon zwei Tage zuvor – mit der starting five David Logan, Bar Timor, Reggie Redding, Jan Jagla und Leon Radosevic in die Partie. Die ersten Punkte der Partie erzielte Reggie Redding nach assist von Jan-Hendrik Jagla, welcher selbst kurz danach von einer Vorlage von Leon Radosevic profitierte. Es entwickelte sich ein zunächst ausgeglichenes Spiel, bei dem sich Alba um ein schnelles Spiel nach vorn bemühte und Leon Radosevic seine für einen Innenspieler große Schnelligkeit „coast-to-coast“ unter Beweis stellte. Auch auf Seiten der Eisbären Bremerhaven gab es einige erfolgreiche Aktionen, sodaß es nach knapp der Hälfte des ersten Viertels 11-14 aus Sicht der Gastgeber stand. Zu diesem Zeitpunkt verletzte sich auf Seiten der Eisbären Stefan Jackson an der Schulter und konnte nicht mehr ins Spiel eingreifen. Nach einer Auszeit und dem Wechsel von Akeem Vargas und Jonas Wohlfarth-Bottermann für Bar Timor und Jan Jagla erhöhte Alba die Intensität deutlich und konnte sich im Verlauf des Viertels immer besser durchsetzen. Reggie Redding konnte wiederum seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen; von jenseits der Dreierlinie nach kick out pass von Leon Radosevic, per Zug zum Korb für Zwei oder mit einem schönen touch pass auf Akeem Vargas. David Logan zeigte die ihm nachgesagte Kaltschnäuzigkeit durch einen Dreier direkt gegen den Mann mit Ablauf der shot-clock und auch Akeem Vargas war einer der Aktivposten und erzielte bereits acht Punkte im ersten Viertels ohne jeden Fehlwurf, zwei davon nach eigenem steal an der Mittellinie. Nach einer exzellenten zweiten Hälfte des ersten Viertels mit einer 19-1 Bilanz konnte sich Alba Berlin bereits bis zum Ende des Viertels mit 28 zu 15 vorentscheidend absetzen. Mit  guten Quoten, schönem Passspiel (8 assists) und der Leistung der bereits neun eingesetzten Spieler konnte Coach Obradovic durchaus zufrieden sein.

Das zweite Viertel begann so, wie das erste Viertel aufgehört hatte. Aus einer aggressiven Defense wurde schnell nach vorn gespielt und vermehrt der Abschluss unter dem Bremerhavener Korb gesucht. Gerade Leon Radosevic war vom Bremerhavener Frontcourt meist nur per Foul zu stoppen, verwandelte alle seine sechs Freiwürfe des zweiten Viertels sicher und konnte sich zudem noch aus der Nahdistanz sowie mit einem „langen“ Mitteldistanzwurf durchsetzen. Eine wiederum gute Leistung von Jonas Wohlfahrt-Bottermann (bis zur Halbzeit 10 Punkte, 7 Rebounds) erhöhte die Dominanz des Alba-Frontcourts noch weiter, der der Bremerhavener Frontcourt um Searcy, Allen, Amis und Baues wenig entgegenzusetzen hatte. Die gute Arbeit direkt am Korb eröffnete auch Räume für die Distanzschützen. Diese Option wurde selten genutzt, aber beide Dreier von David Logan (catch and shoot) und Jan-Hendrik Jagla (highpost) konnten erfolgreich versenkt werden. David Logan führte routiniert Regie, setzte seine Mitspieler gut in Szene und scorte selbst auch aus der Distanz und aus dem fast break coast to coast, was in Summe mit 15 Punkten und 3 assists zu Buche schlug. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit verletzte sich jedoch David Logan am Oberschenkel und wurde deshalb in der zweiten Halbzeit nicht mehr eingesetzt. Die Dominanz des Alba-Teams als auch das schnelle Spiel spiegelte sich in einem 35 zu 20 gewonnenen zweiten Viertel wieder.

Sicherer Spielaufbau durch Bar Timor
Sicherer Spielaufbau durch Bar Timor (Alba Berlin)

Dem dritten Viertel drückten vor allem Reggie Redding und Akeem Vargas ihren Stempel auf und erzielten nicht nur 15 der 26 Alba-Punkte sondern überzeugten auch durch eine starke, engagierte Defense. Bar Timor und Ismet Akpinar übernahmen für den geschonten David Logan den Spielaufbau und waren dieser Aufgabe voll gewachsen. Bar Timor spielte u.a. einen frechen assist direkt aus dem Einwurf auf Reggie Redding, Ismet Akpinar spielte seine enorme Schnelligkeit einige Male aus. Generell war das dritte Viertel durch viele Fouls (17, Alba 6, Bremerhaven 11) und Freiwürfe (20; Alba 14, Bremerhaven 6) geprägt. Im dritten Viertel konnten sich auch Sven Schultze und Sebastian Fülle in die scorer Liste eintragen. MIt einer sehr deutlichen 34 Punkte Führung (89-55) ging es in den letzten Abschnitt des Spiels.

Im letzten Viertel wurde – eine Paralelle zum Spiel gegen Ehingen – verstärkt dem Nachwuchs und den Bankspielern die Chance gegegen sich dem Trainer mit guten Leistungen anzubieten. Dabei kam es zu ungewöhnlichen Aufstellungen, die man so in Punktspielen eher nicht wiedersehen wird und dadurch ging auch ein wenig der Spielfluss verloren. Einige Unkonzentriertheiten verbunden mit der sicher nicht sehr oft trainierten Aufstellung führten zu einigen Ballverlusten; 10 Ballverluste in einem Viertel waren trotz der Umstände jedoch zu viel, besonders, da man über drei Viertel mit nur 9 turnover den Ball recht sicher in den eigenen Reihen hielt. Über längere Abschnitte standen fünf deutsche Spieler gemeinsam auf dem Feld, z.B. Bar Timor, Sven Fülle, Akeem Vargas, Jan-Hendrik Jagla und Jonas Wohlfarth-Bottermann. Kuriosum: Der Endscore auf Albas Seite von 99 Punkten stand bereits fast vier Minuten vor Schluss auf der Anzeigetafel … dann war der Korb wie vernagelt, trotz teilweise sog. „hundertprozentiger“ Chancen wollten die 100 nicht fallen. Oder wollte niemand die Runde dafür ausgeben? Bremerhaven konnte dadurch das Ergebnis noch etwas freundlicher gestalten, am deutlichen 99-75 Sieg änderte sich jedoch nichts mehr.

Fazit

Ein Testspiel ist ein Testspiel ist ein Testspiel. Die Aussagekraft ist gerade zu Beginn der Vorbereitung noch nicht besonders groß. Trotzdem kann man bei Weitem nicht sagen, daß Testspiele gar nichts aussagen oder gar unwichtig wären. Wettkampf und Vergleich sind ebenso wichtig wie das Zusammenfinden der einzelnen Spieler zu einem Team oder die Automatisierung von Spielabläufen unter Wettkampfbedingungen. Testspiele bieten den Spielern eine willkommene Abwechslung vom täglichen Training und bieten auch jetzt schon ein paar Erkenntnisse. Eine Erkenntnis des ersten Testspiel-Wochenendes ist zum Beispiel, daß junge, deutsche Spieler wie Vargas oder Wohlfarth-Bottermann nicht nur gegen ein ProA-Team wie Ehingen sondern auch das – vermutete – untere Mittelfeld der BBL in Form der Eisbären Bremerhaven nicht nur konkurrenzfähig sind sondern sogar das Spiel maßgeblich mittragen können. Man konnte sehen, wo ein so junger Spieler wie Ismet Akpinar seine Stärken hat, wie Schnelligkeit und schon recht gute Spielübersicht, und wo noch Nachholbedarf besteht wie bei der Physis und der Cleverness. Man konnte sich ein Bild vom ungefähren Leistungsstand eines Spielers wie Bar Timor machen, der für viele als sog. „unbeschriebenes Blatt“ gilt. Generell konnte man sich bei den Vorbereitungsspielen einen ersten Eindruck davon verschaffen, wie die Grundidee des Spiels aussehen wird, wo die Stärken und Schwächen der einzelnen Spieler liegen.

Stimmen zum Spiel, Jonas Wohlfahrt-Bottermann:

„Wir finden so langsam zusammen, die letzten beiden Spiele waren ein guter Start. Das Ergebnis ist sekundär, es ist wichtig, daß wir als Mannschaft zusammen finden; ein paar Spieler werden ja noch dazu kommen. Montag geht es weiter zu nächsten Testspielen [Anm.: in Zagreb gegen Cedevita Zagreb, bei denen Ex-Alba-Spieler Matej Mamic Sportdirektor ist], wir werden uns Schritt für Schritt steigern und unsere Leistung verbessern.
Mit meiner eigenen Leistung bin ich auf jeden Fall zufrieden. Ich profitiere im Moment davon, daß wir noch nicht komplett sind und ich dadurch viel spiele. Immer wenn ich viel spiele, hilft mir das, mich selbst zu entwickeln. Ich hoffe, daß ich dem Trainer das Vertrauen zurück zahle, wenn ich auf dem Feld stehe.“

Nachtrag: Video vom Spiel

Statistik Alba Berlin - Eisbären Bremerhaven, 99-75
Statistik Alba Berlin – Eisbären Bremerhaven, 99-75

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