Teamvorstellung: WALTER Tigers Tübingen

Wenn der Begriff „graue Maus“ zu einem Verein in der Basketball-Bundesliga passt, dann zu den Walter Tigers Tübingen. In den letzten Jahren schloss das Team aus Baden-Württemberg die Saison immer im gesicherten Mittelfeld ab. Mal nah, dann wieder weniger nah  an den Abstiegsplätzen dran. Auch die Wahrnehmung in Berlin dürfte in den letzten Jahren nicht allzu groß ausfallen: sind die Tigers zu Gast, ist das meistens ein eingeplanter unspektakulärer Heimsieg. Im Falle einer Auswärtsniederlage, die in der Vergangenheit durchaus ab und zu Mal vorkam, ärgert man sich kurz und vergisst es dann schnell wieder. Also handelt es sich bei den Tübingern irgendwie um „graue Tiger“. Ein Ausdruck, der keinesfalls negativ gemeint ist: Tübingen schaffte es, im Gegensatz zu manch anderen Teams, sich mit bescheidenen finanziellen Mitteln relativ sicher von den Abstiegsplätzen fernzuhalten. Es fehlt  vielleicht nur ein kleiner Durchbruch nach oben, um aus dem grauen Raubtier einen richtigen Tiger zu machen. Ein Durchbruch, der ja eventuell in dieser Spielzeit realisiert werden könnte.

Als eines der wenigen Teams in der Liga setzte man in Tübingen auf Kontinuität im Kader, die vor allem zu Saisonbeginn einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz bringen könnte. Mit ein wenig Glück kann ex-Tigers Spieler und jetziger Headcoach Igor Perovic vielleicht ja ein bisschen mehr rausholen, als nur den vorzeitigen Klassenerhalt.

Kader

Backcourt:

Joshua Young/Douglas Davis
Vaughn Duggins/Stoimir Ivandic
Reggie Redding/Johannes Lischka

Frontcourt:

Tyrone Nash/Ruben Spoden
Kenneth Frease/Robert Oehle

Headcoach:
Igor Perovic

Als Aufbauspieler steht, wie in der letzten Saison, Joshua Adam Young (24) zur Verfügung. Der Vertrag des  US-Amerikaners wurde schon im Verlaufe der vergangen Spielzeit aufgrund ordentlicher Auftritte verlängert. Durch den Abgang von Louis Campbell dürfte Young nun vorerst in die Anfangsformation rutschen. Die Spielzeit wird er sich trotzdem wohl teilen müssen, statt Campbell aber in diesem Jahr mit Douglas Davis (23). Der zweite Pointguard der Tigers kommt frisch vom College und gilt als guter Werfer, Headcoach Igor Perovic möchte jedoch auch, dass sich Davis als Vorlagengeber verbessert. Auf der Flügelposition konnten mit Vaughn Duggins (25) und Reggie Redding (24) zwei Leistungsträger der letzten Spielzeit gehalten werden. Die beiden Amerikaner waren mit gut 13 Punkten pro Spiel wichtige Stützen in der Offensive und erhielten genau wie Young eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2013. Als gute Ergänzung mit einem deutschen Pass konnte man Johannes Lischka (25) nach Tübingen lotsen. Der ex-Ludwigsburger konnte zwar nie aus der Rolle des Talents herauswachsen, eine  ordentliche Verstärkung für die Tigers sollte er jedoch sein. Zudem kann er beide Forward Positionen abdecken. Ebenfalls einen deutschen Pass besitzt der gebürtige Serbe Stoimir Ivandic (25), der aber vermutlich keinen nennenswerten Einsatzzeiten erhalten wird und nur den Kader auffüllen soll.

Im Frontcourt findet man einen weiteren Rückkehrer: Tyrone Nash (24) erhielt sogar einen Vertrag bis 2014 und soll wieder eine Schlüsselposition im Kader einnehmen. Mit 2,03 Meter und 103 Kilo kann Nash auf mehreren Positionen eingesetzt werden. Als Back-Up bleibt auch Ruben Spoden (23) erhalten. Der Publikumsliebling erspielte sich in der letzten Saison einige Minuten und wird sicherlich auch in diesem Jahr einige Minuten abgreifen und diese solide nutzen. Gleich zwei Neuzugänge gab es bei den Centern: Kenneth Frease (22) kommt ebenfalls frisch vom College und gilt in der Offensive als stark, die Defensive ist wohl jedoch noch verbesserungswürdig. Mit 2,11 Meter und 129 Kilogramm ist die Masse schon Mal vorhanden um ein starker Center zu werden. Der zweite Center ist in der Bundesliga schon bekannt: Robert Oehle (23) (ex Paderborn und Gießen) wird Frease sicherlich für 10-15 Minuten entlasten können und ist sich auch nicht zu schade Drecksarbeit zu übernehmen.

Berauschend liest sich auf dem ersten Blick das Angebot der deutschen Spieler bei Tübingen nicht. Was jedoch nicht weiter schlimm ist. Spieler wie Ruben Spoden oder Robert Oehle erfüllen perfekt die Anforderungen an einem Back-Up Spieler und sind zudem noch jung und teilweise Entwicklungsfähig. Da der Kader der Tübinger nicht sonderlich breit ist, werden also beide Spieler zwangsläufig auf Spielzeit kommen. Kritisch wird es jedoch, wenn sich einer der ausländischen Leistungsträger verletzen sollte. Robert Oehle hat in der Vergangenheit durchaus bewiesen, dass er mit mehr Spielzeit auch gute Statistiken auflegen kann. Ob es aber reicht langfristig eine tragende Säule des Teams zu ersetzen, bleibt fraglich. Anders dürften die Erwartungen an Johannes Lischka aussehen. Der 25-Jährige hat in der Vergangenheit vielleicht zu wenig aus seinem Talent gemacht. Jedoch gehört er mit seinen Fähigkeiten in der Offensive sicherlich zu den stärksten deutschen Spielern der Teams aus der unteren Tabellenhälfte. Von Stoimir Ivandicwird sicherlich nichts erwartet, es wäre eine Überraschung wenn der 25-Jährige irgendwelche nennenswerten Einsatzzeiten als Guard erhält. Zuletzt spielte Ivandic gerade mal in der Regionalliga. Schmerzlich dürfte vielleicht in dieser Hinsicht der Abgang von Nico Simon zu Bayreuth gewesen sein. Erwähnenswert ist noch, dass Tübingen mit Mahir Agva den jüngsten Spieler der Bundesliga im Kader hat. Vielleicht sieht ja auch Julian Albus (20) wieder die eine oder andere Minute Spielzeit in der Bundesliga.

Die Tigers aus Tübingen auf dem Sprung nach oben? Wenn es nach Manager Robert Wintermantel geht: ja! Ambitioniert gibt man sich in diesem Jahr und will „in die Top Ten“. Die Rahmenbedingungen wurden dafür geschafft. Der Vertrag mit Haupt-und Namenssponsor Walter wurde um zwei Jahre verlängert, das Grundgerüst des Vorjahresteams konnte gehalten werden und  zusätzlich bezog man in diesem Sommer das neue eigene Trainingszentrum. Wichtig ist jedoch auf dem Parkett und hier stellt sich die Frage ob der eingespielte Kader und die neuen Ergänzungen ausreichen um den nächsten Schritt zu gehen. Testspielsiege in Bamberg und gegen Bayern München ließen Tübingen zur „möglichen Überraschungsmannschaft der Saison“ werden. Die Hoffnungen sind also da, das Team ist aber das jüngste der Liga, selbst Igor Perovic ist mit 38 Jahren ein recht junger Coach. Ob die Mannschaft mit den gestiegenen Erwartungen auch zurechtkommt oder daran scheitert, hängt wohl auch davon ab, wie man in die Saison startet. Zusätzlich ist der Kader recht dünn, Verletzungen könnten schnell alle Pläne über den Haufen werfen.

Prognose: In unseren Augen hängt der Erfolg von drei Faktoren ab: Können sich die jungen Spieler auch im zweiten Jahr in Tübingen weiterentwickeln? Schlagen die Neuzugänge ein und ergänzen sich gut zum vorhandenen Grundgerüst? Gelingt der vermeintlich „leichte“ Auftakt, mit einigen Spielen gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte? Wenn ja, dann hat Tübingen in der Tat das Zeug zur Überraschungsmannschaft. Zu dünn scheint uns jedoch der Kader um die komplette Saison oben zu bleiben, wir erwarten also wieder „nur“ einen Platz im gesicherten Mittelfeld.

7 Gedanken zu „Teamvorstellung: WALTER Tigers Tübingen“

  1. Guter Artikel, nur noch der Hinweis, dass auch Josh Young einen Vertrag bis 2014 besitzt und somit bereits sieben Spieler längerfristig gebunden sind.

    1. Dave, die Antwort auf die Anfrage war, daß man (Tübingen) das Foto nicht kostenfrei hergibt. Als 100 % nicht-kommerzieller blog können wir natürlich nichts dafür bezahlen und mussten deshalb wohl oder übel darauf verzichten.
      Ähnliches gilt bzgl. der Verwendung des Logos von Bayern München. Eigentlich sollte man auf solche Behinderung der schreibenden Zunft konsequent mit Nichtbeachtung reagieren! Wo kommen wir denn hin, wenn wir für so etwas bezahlen sollen? Das wird aus Prinzip schon nicht passieren, selbst wenn Geld dafür da wäre!

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