Teamfoto Telekom Baskets Bonn / Quelle: (c) BonBas GmbH

Teamvorstellung: Telekom Baskets Bonn

Teamfoto Telekom Baskets Bonn / Quelle: (c) BonBas GmbH
Teamfoto Telekom Baskets Bonn / Quelle: (c) BonBas GmbH

Denkt man an große Rivalen von Alba Berlin in der Basketball-Bundesliga, fällt den meisten Fans wohl aufgrund der nahen Vergangenheit Bamberg ein. Dabei gibt es ein Duell, welches noch um einiges tiefer verankert ist und trotz fehlender sportlicher Brisanz auch in den letzten Jahren stets für Gesprächsstoff gesorgt hat.

Der Aufstieg von Alba in den 90er-Jahren ist nämlich eng verknüpft mit der Geschichte der Telekom Baskets Bonn. Den Baskets gelang als sportlicher Aufsteiger im ersten Jahr der Erstliga-Zugehörigkeit der direkte Durchmarsch in das Finale der Meisterschaft , wo gegen Alba jedoch Endstation war.

Die Hauptstadt feierte die erste Meisterschaft Berlins überhaupt, während die Bonner das Ende einer sensationellen Saison bejubeln konnten. Auch später kreuzte man in den Playoffs oder in der Pokal-Endrunde noch öfter die Klingen. Das dabei Alba in den entscheidenden Momenten immer die Nase vorne hatte und die Bonner stets die Rolle des Vizemeisters einnahmen, schürte die Rivalität zwischen den Vereinen und den Fans und brachte Bonn zudem den Ruf des Ewigen Vizemeisters ein. Bonn hatte nun einen Lieblingsfeind und so waren Schmähgesänge in Richtung der Berliner schon um die Jahrtausendwende keine Seltenheit mehr. Für die treue und breite Fanbasis der Bonner, die auch schon Mal mit Sonderzügen in die Hauptstadt reisten, nahm  Alba fortan die Rolle des bösen Imperiums ein. Eine Assoziation, mit der man als Berliner Fan zu Zeiten der nationalen Dominanz leben konnte.

In den letzten Jahren gab es hingegen keine Playoffspiele zwischen den Vereinen. Die letzten großen Schlachten in der Post-Season und im Pokal, wurden 2009 geschlagen. Nichtsdestotrotz versprühten die Duelle in den vergangenen Jahren auch in der regulären Saison stets einen besonderen Reiz, wobei die unterschiedlichen Verhältnisse zwischen den beiden Teams nichts an der Besonderheit der Begegnungen änderten. Eine Prognose vor Duellen der beiden Rivalen ist fast unmöglich zu treffen, denn Berlin gegen Bonn folgt keinen Regeln, gewinnen können stets beide und meist passiert das Unerwartete.

So gelang es der Mannschaft aus der Hauptstadt vergangener Tage bei den letzten beiden Gastauftritten in Berlin recht überraschend die Punkte zu entführen. Generell und speziell im vorletzten Jahr hatte man in Bonn kürzlich dagegen nicht viel zu feiern: das Verpassen der Playoffs und die fehlende Identifikation zwischen der Mannschaft und den Fans sorgte für den vorläufigen Tiefpunkt der Vereinsgeschichte. Zur vergangen Spielzeit kehrte jedoch durch eine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft und einigen Überraschungssiegen (wie z.B. in Bamberg) das Selbstbewusstsein der Fans zurück und so freute man sich, mit dem trotz Playoff-Aus in der ersten Runde, über den Weg zurück in die Erfolgsspur.

Ein Beleg für die Unberechenbarkeit dieses Duells bot schon das Hinspiel in dieser Saison: Der durchaus souveräne Sieg in Bonn von Alba (übrigens war das der letzte Auswärtssieg in der Bundesliga für die Albatrosse), kam in der Deutlichkeit schon ein wenig überraschend. Was erwartet uns also heute?ai_balken_key_facts

Kader:

Backcourt:

Jared Jordan/ David McCray

Benas Veikalas/ Andrej Mangold

Robert Vaden/ Fabian Thülig

Frontcourt:

Jamel McLean/ Kyle Weems

Jonas Wohlfahrt-Bottermann/ Chris Ensminger

Headcoach:

Michael Koch

Die Fäden der Baskets in der Hand hält, wie im vergangenen Jahr, der Regisseur schlechthin: Jared Jordan(28). Wie kein anderer Pointguard in der Liga schafft es der US-Amerikaner seine Mitspieler in Szene zu setzen. So ist auch kein Wunder, dass Jordan die Liga bei den Assists mit Abstand anführt (durchschnittlich 8,0 Vorlagen pro Begegnung). Zwar kann der 28-Jährige sich durchaus auch selber seinen Wurf kreieren, sein Distanzwurf fällt jedoch in der Liga wesentlich schlechter aus, als noch im vergangenen Jahr. Unterschätzen sollte man seine Scoring-Fähigkeiten jedoch trotzdem nicht. Wie wichtig Jordan für das Offensivspiel der Bonner ist, bemisst sich auch in seiner Spielzeit: über 33 Minuten pro Partie steht der Guard auf dem Spielfeld. Im heutigen Duell kann Jordan auf nicht allzu viel Entlastung hoffen, einer der potenziellen Guard Back-Ups Andrej Mangold, fällt verletzt aus. Nominell bleibt als Aufbauspieler damit noch David McCray übrig. Der im Sommer nach Bonn gewechselte Guard zeichnet sich insbesondere durch seinen Kampfgeist und seiner Verteidigung aus. Auf den Flügeln warten im Normalfall mit Benas Veikalas und Robert Vaden gute Schützen auf die Pässe von Jared Jordan. Headcoach Michael Koch muss jedoch heute auch auf Vaden aufgrund einer Verletzung verzichten. Den einen oder anderen Dreier einstreuen können auch Spieler wie Kyle Weems oder Fabian Thülig, letzterer spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle in der Rotation.

Unter den Körben verpflichteten die Baskets im Januar Jamel McLean. Dieser sollte den Abgang von Patrick Ewing Jr. bzw. Marqus Blakely kompensieren. Der US-Amerikaner sammelt unter den Brettern fleißig Rebounds und punktet durchschnittlich zweistellig. Auf ein Wiedersehen mit Chris Ensminger freuen sich die meisten Alba-Fans sicherlich auch. Der 39 (!) Jahre alte Center ist bekannt für seine rustikale Spielweise, sein Alter hindert ihn jedoch nicht daran weiterhin sich in der Schlacht unter den Körben einzumischen. Erfahrung kann Athletik, insbesondere unter den Körben, schnell wettmachen. Nichtsdestotrotz sind die Einsatzzeiten des Veteranen in dieser Saison bedeutend gesunken. Das liegt allerdings auch an der gestiegenen Verantwortung von Jonas Wohlfahrt-Bottermann. Der 23-Jährige schaffte diese Spielzeit den Sprung in die feste Rotation und ist sicherlich eine der positiven Überraschungen in der BBL. Das nach guten Leistungen des Centers ab und zu auch mal eine weniger glanzvolle Partie folgt: geschenkt.

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Mit einer extrem dünnen Rotation musste Michael Koch schon in die letzten Spiele gehen, so kamen  in der letzten BBL-Partie der Bonner gegen Frankfurt  gerade Mal sieben Spieler zum Einsatz. Die Ausfälle von Mangold und Vaden wiegen schwer. Letzterer hätte mit seinen Fähigkeiten als guter Schütze den Bonnern heute sehr gut getan, schließlich ist die Verteidigung der gegnerischen Distanzwürfe eines der größeren Probleme in Berlin. Ebenfalls wenig Spielraum haben die Baskets unter dem Korb: zwar kann Kyle Weems zwar auch als großer Flügel aushelfen, die meisten Minuten fallen jedoch auf Jamel McLean und die beiden nominellen Center ab. Hier gilt es für Alba zu attackieren: Traoré (Miralles), Thompson und Idbihi sollten ihre Vorteile am Brett ausspielen und den Bonnern kaum Luft zum Atmen lassen. Sollten die Gäste, wie Obradovic es erwartet, viel Zonenverteidigung spielen, müssen die Würfe von außen fallen. Für Wood, Foster und Co. gilt es nicht nur, die Distanzwürfe sicher zu verwandeln, sondern auch Jared Jordan in der Defensive halbwegs unter Kontrolle zu kriegen.

Unter normalen Umständen sollte Alba in die heutige Begegnung als Favorit gehen. Doch was heißt in den Duellen zwischen Berlin und Bonn schon ? Nach den ernüchternden Spielen gegen Braunschweig und Weißenfels scheint ein möglicher Erfolg des ewigen Rivalen in Berlin gar nicht mal so unwahrscheinlich. Vergessen sollte man nicht, dass die Bonner in der o2-World eine positive Bilanz haben (4 Siege-3 Niederlagen). Das Team aus der ehemaligen Hauptstadt scheint insbesondere in den Spielen gegen nominell „große“ Gegner meistens bestens aufgelegt zu sein. Wie immer in dieser Paarung gilt auch für heute: alles ist möglich!

Leider scheint das heutige Spiel zwischen den beiden Vereinen, anders als normalerweise, nicht sonderlich viele Menschen anzuziehen, das ist schade. Schließlich bleibt Berlin vs. Bonn immer noch eines der größten Klassiker im deutschen Basketball!

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