Teamvorstellung: s. Oliver Baskets Würzburg

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Teamfoto Teamfoto s.Oliver Baskets Würzburg; Quelle: (c) Würzburg Baskets GmbH / Foto: Gerd Ulherr
Teamfoto s.Oliver Baskets Würzburg; Quelle: (c) Würzburg Baskets GmbH / Foto: Gerd Ulherr

Rasant, Überraschend und Turbulent. Das sind Wörter die zur vergangenen Saison und zur Offseason der s.Oliver Baskets Würzburg fallen könnten. Wer als Aufsteiger eine sehr gute Saison spielt, die Playoffs erreicht und dort Alba in der ersten Runde rausschmeißt hat eigentlich alles richtig gemacht. Umso überraschender kam dann das plötzliche Zerwürfnis mit dem Erfolgsgaranten John Patrick. Der Headcoach wurde nur wenige Tage nach dem Aus im Halbfinale gegen Ulm entlassen. Ein Geschehen, dass für reichlich Diskussionen sorgte und allerlei Gerüchte aus den Boden sprießen lies. Angeblich war die harte Gangart des Trainers bei den eigenen Spielern an Grenzen gestoßen. Als Konsequenz wurde Marcel Schröder als neuer Cheftrainer nominiert, der sich aufgrund einer bisher durchwachsenen Saison jeder Menge Kritik stellen muss. Der traditionelle Basketball-Standort Würzburg möchte nämlich nach der erfolgreichen Aufstiegssaison sich dauerhaft in der oberen Tabellenhälfte etablieren. Dafür wurde der Großteil des letztjährigen Kaders gehalten und punktuell verstärkt. Desweiteren träumt man im Frankenland schon von  der Errichtung einer neuen Spielstätte, denn die s.Oliver Arena gilt zwar als Heimfestung, erfüllt aber mit ihrem Turnhallen-Flair nicht die gestiegenen Ambitionen. Auch wenn man Aufsteigern gerne sagt, dass das zweite Jahr immer das schwerste ist: Es ist kein Wunder, dass der bisherige Saisonverlauf für die Würzburger nicht gut genug erscheint.

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Kader

Backcourt:

Ben Jacobson/Courtney Pigram/John Little/Maurice Stuckey

LaMont McIntosh/Jimmy McKinney/ Christoph Henneberger

Alex King

Frontcourt:

 

Dwayne Anderson/Maximilian Kleber/Oliver Clay

Jason Boone/ Chris McNaughton

 

Headcoach:

Marcel Schröder

Der erwähnte Wechsel auf der Position des Trainers dürfte in Würzburg die größte Veränderung gebracht haben. Denn kaum ein Coach prägte seine jeweiligen Teams mit solch einem besonderen Spielstil wie John Patrick. Die knallharte Verteidigung, Presse, Guard-Terror, eine improvisierte Offensive und bedingungsloser Einsatz wurden von den Spielern auf dem Feld immer zu 100% ausgelebt. In Berlin bekam diese Art die Bezeichnung „Metzgerbasketball“ und fand generell auch in Deutschland nicht unbedingt nur Verehrer. Erfolge mit Göttingen und Würzburg gaben aber dem US-Amerikaner stets Recht. Marcel Schröder tritt also rein von den Ergebnissen her in große Fußstapfen. Denn der Stamm des Kaders blieb im Kern erhalten, die ex-Göttinger Jacobson, Boone und Little verlängerten ihre Verträge bis 2014. Das bedeutet, dass die Franken mit  Jacobson und Little als Pointguards auch in den nächsten beiden Spielzeiten  gehen werden. Die beiden US-Amerikaner definieren sich (natürlich) über die Verteidigung und weniger über den Angriff. Vom fränkischen Nachbarn Bamberg wurde der talentierte Maurice Stuckey ausgeliehen, der bei den Würzburgern nach seiner Verletzung wieder Spielpraxis sammeln soll, die er in Bamberg wohl nicht bekommen hätte. Aufgrund einer Blinddarm-Operation fällt John Little derzeit aus, weshalb mit Courtney Pigram ein weiterer Guard unter Vertrag genommen wurde, der vielleicht fehlende Scoring-Qualitäten bei den Pointguards wettmachen kann. Ebenfalls Aufsehen erregen konnten die Würzburger mit der Verpflichtung des langjährigen Frankfurter Jimmy McKinney. Er erhielt ebenfalls einen Vertrag bis 2014 und gilt als Allrounder mit einem soliden Distanzschuss. Ebenfalls in der Bundesliga bereits bekannt, ist LaMont McIntosh. Der Shooting-Guard war in der Vergangenheit eine der tragenden Säulen der Artland Dragons und ist ebenso wie McKinney mit einem ordentlichen Distanzschuss ausgestattet. Als einziger nomineller Small Forward steht Alex King im Kader der Baskets. Der 27-Jähriger unterzeichnete erst vor kurzem eine Vertragsverlängerung bis 2016 und soll verstärkt in die Nachwuchsarbeit eingebunden werden.

Unter den Körben wurde der Abgang von Ivan Elliot nach Ludwigsburg, wie sollte es anders sein, mit der Verpflichtung eines ex-Göttingers aufgefangen. Der US-Amerikaner  kehrt nach einem Ausflug in die zweite italienische Liga, zurück nach Deutschland. Dass Anderson in  Italien gute Zahlen auflegte, spricht für die Qualität des 26-Jährigen, schließlich genießt die Legadue einen exzellenten Ruf. Mit ex-Berliner Clay und dem Youngster Kleber stehen zwei deutsche Back-Ups bereit, Kleber absolvierte aber bisher aufgrund einer Verletzung in dieser Saison noch kein einziges Spiel. Unter den Körben räumt in Würzburg weiterhin der robuste Jason Boone auf. Mit seiner Athletik und kompromisslosen Spielweise bleibt der Center ein unangenehmer Gegenspieler. Ein Coup gelang den Franken auch mit der Verpflichtung von Chris McNaughton. Der 30-Jährige lieferte in Bremerhaven solide Statistiken und war sicherlich für einige Vereine eine interessante Alternative. Jedoch konnte der Center bisher aufgrund einer Verletzung nur bedingt zum Einsatz kommen und muss erst einmal seinen Rhythmus finden.

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Mit Maurice Stuckey gelang es den Würzburgern ein interessantes Talent zum Verein zu locken. Der Haken ist jedoch, dass es sich nur um eine Ausleihe handelt. Nichtsdestotrotz kann Stuckey für einige Minuten die US-Amerikanischen Guards entlasten und selber Spielpraxis sammeln. Langfristig wäre Stuckey natürlich eine interessante Verpflichtung, kurzfristig ist es dagegen nicht mehr als eine solide Ergänzung. Ebenfalls für einige Minuten einspringen kann der gebürtige Würzburger Christoph Henneberger. Der 28-Jährige hat mit seinem Heimatverein den Weg aus der Regionalliga bis in die erste Bundesliga mitgemacht, findet sich aber meistens am Ende der Bank wieder und kommt nur selten auf nennenswerte Einsatzzeiten. Anders Alex King, der als Small Forward fester Bestandteil der Rotation ist und sowohl defensiv wie auch offensiv eine nicht unwichtige Rolle einnimmt. King hat durch seine bisherigen Stationen in Frankfurt und Bonn schon genug Bundesligaerfahrung und ist dennoch mit 27 Jahren gerade im besten Basketballalter. Durch seinen langfristigen Vertrag und die Einbindung in die Jugendarbeit ist der Small Forward wohl auch in Zukunft eine wichtige Stütze bei den deutschen Spielern in Würzburg. Unter den Körben findet man mit Maximilian Kleber ebenfalls einen Lokalmatador, der trotz seines jungen Alters schon im vergangen Jahr einige Spielanteile erhielt und sich weiter verbessern. Dafür muss er zunächst aber mal fit werden, bisher konnte Kleber verletzungsbedingt noch kein einziges Spiel absolvieren. Mit Oliver Clay findet man einen ex-Albatros im Kader. Clays Aufgabenbereich beschränkt sich allerdings hauptsächlich auf die Drecksarbeit unter den Brettern. Chris McNaughton spielte zuletzt eine mehr als achtbare Saison in Bremerhaven und passt mit seiner Größe, Masse und Erfahrung als ehemaliger Göttinger als Ergänzung perfekt in die Bigmen-Riege der Würzburger. Jedoch plagte sich der ex-Nationalspieler ebenfalls mit einer Verletzung und kann erst seit kurzem wieder mitspielen.

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Die Zeiten des „Metzger-Basketballs“ sind wohl erst einmal vorbei. Die des Erfolges vorerst auch? Es stellt sich die Frage, ob der Stamm des letztjährigen Kaders auch ohne John Patrick kann und ob Marcel Schröder den gestiegenen Ambitionen gewachsen ist. Der derzeitige Tabellenstand, sowie das Ausscheiden im Eurocup (mit einer enttäuschenden Leistung im Entscheidungsspiel gegen Banvit) lassen Zweifel aufkommen. Die Würzburger haben einen Kader, der rein von den Namen in die Playoffs passt. Die Aufstiegseuphorie ist passé, jetzt kommt der Bundesliga-Alltag und der kann bei der derzeitigen Leistungsdichte verdammt zäh werden. Würzburg dürfte für viele „große“ Teams immer noch ein unangenehmer Gegner sein(auch wenn es bisher gegen Oldenburg, Ulm und Artland nur Niederlagen gab), die Kombination aus Defense und Athletik kann immer Mal wieder für Überraschungen sorgen.

Fazit: Es wird spannend wie die Saison der s. Oliver Baskets weiter verläuft. Wird man unruhig wenn man den Anschluss an die Playoff-Plätze verpasst? Oder gelingt in den nächsten Spielen mit ein paar Siegen wieder der Sprung nach oben? Der Kader ist gut genug für die Postseason, wir denken Würzburg wird am Ende der regulären Spielzeit Platz 7 oder 8 besetzen.

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