Teamvorstellung: Ratiopharm Ulm

Teamfoto ratiopharm Ulm; Quelle: (c) Basketball Ulm/Alb-Donau GmbH
Teamfoto ratiopharm Ulm; Quelle: (c) Basketball Ulm/Alb-Donau GmbH

Wer hätte vor einem Jahr darauf getippt, dass Ulm Vize-Pokalsieger / -Meister wird und eine eindrucksvolle Saison hinlegt? Wir ganz bestimmt nicht. Nachdem der langjährige Trainer Mike Taylor und das große deutsche Talent Robin Benzing die Ulmer verließen und mit Thorsten Leibenath ein Trainer kam, der in seiner vorherigen Station (Quakenbrück) gescheitert war, hätte man vieles erwarten können aber wohl nicht solch eine (fast) perfekte Saison wie die vergangene. Mit dem zusätzlichen Umzug in die neue und moderne Ratiopharm Arena katapultierte sich Ulm in die Spitzenklasse der Basketball-Bundesliga. Damit dies auch so bleibt, wurde versucht den letztjährigen Kader größtenteils zusammenzuhalten und gezielt zu verstärken. Vorbei sind wohl die Zeiten, als Ulm noch der kleine Verein war, der in der eigenen Turnhalle („Kuhberghalle“) ab und zu mal ein großes Team (auch Alba) so richtig ärgern konnte. Heute wird in anderen Dimensionen gedacht. Eine aufregende Offseason erlebte man trotzdem: um den Star des Teams, John Bryant, kursierten lange Wechselgerüchte ehe bekanntgegeben wurde, dass Bryant auch in diesem Jahr bei den Ulmern bleibt. Ausschlaggebend dafür war, daß Ulm in der Saison 2012/13 international spielt, was den Mutterkonzern des eigenen Hauptsponsors ratiopharm, Teva (Israel) dazu bewogen hat, weitere Mittel zur Verfügung und damit für die Weiterverpflichtung Bryants zu stellen. Für Aufsehen sorgte auch der Wechsel von Daniel Theis nach Baden-Württemberg. Sein vorheriger Arbeitgeber, die Phantoms Braunschweig, beharrten auf bestehenden Verträge, die Ulmer dagegen sahen dagegen keine Probleme in der Verpflichtung. Das Hick-Hack ist zwar bis heute nicht ganz geklärt, dass Theis bei den Ulmern bleibt ist dagegen sicher.

Kader (externer link)

Backcourt:
Per Günther
/ Lance Jeter / Tommy Mason-Griffin*
Allan Ray / Philipp Schwethelm
Steven Esterkamp /  Sebastian Betz

Frontcourt:
Keaton Nankivil / Dane Watts
John Bryant / Daniel Theis

Headcoach:
Thorsten Leibenath

Mit der gleichen Besetzung wie in der letzten Saison geht Ulm bei den Aufbauspielern in die neue. Per Günther (24) gelang im Verlauf der letzten zwei Jahre der endgültige Durchbruch in der Bundesliga. Der oft als zu klein/schmächtig eingestufte gebürtige Gießener überzeugte mit mehr als soliden Leistungen in verschiedenen Aspekten (sei es Punkte, Assists oder Defense) und wird sich sicherlich auch in Zukunft weiter entwickeln. An der Seite von Günther steht wieder Tommy Mason-Griffin (23) der jedoch aufgrund eines Knorpelschadens ausfällt und durch Lance Jeter (24) halbwegs ersetzt werden soll. Auf der Flügelposition fällt eine Veränderung besonders auf: Isaiah Swann, der erfolgreichste Ulmer Punktesammler des letzten Jahres hat den Verein verlassen. Mit dem gut dotierten Vertragsangebot aus der Türkei konnten die „Spatzen“ nicht mitgehen. Der Nachfolger von Swann ist jedoch auch kein schlechtes Kaliber: Allan Ray (28) bringt NBA- und Euroleague-Erfahrung mit und kann vor allem offensiv dank seines Distanzwurfes brandgefährlich sein. Ray ist zudem auch dafür bekannt, sich gut seinen eigenen Wurf kreieren zu können und dürfte von daher ein guter Ersatz für den Abgang von Swann sein. Ebenfalls neu im Team ist Philipp Schwethelm (23) der vom FC Bayern München ausgeliehen wurde. Nach dem schweren ersten Jahr in München soll Schwethelm bei Ulm wieder Vertrauen tanken und wird sicherlich beweisen wollen, dass er in Zukunft bei den Münchnern auch eine Rolle spielen kann. Der sichere Distanzschütze kann auf beiden Flügelpositionen spielen und wird von daher auch den Ausfall von Sebastian Betz (27), der den Saisonstart verpasste, auffangen können. Als weiterer Flügelspieler blieb auch Steven Esterkamp (31) erhalten, der ebenfalls als guter Distanzschütze gilt und übrigens der einzige Spieler im jungen Kader der Ulmer ist, der älter als 30 ist.

Im Frontcourt blieb auch Keaton Nankivil (23) erhalten, der ebenfalls ein durchaus solider Distanzschütze ist und vielen Bundesliga-Fans vor  allem wegen seinem Gamewinner gegen Bayern München im letzten Jahr bekannt sein dürfte. Neben Nankivil ist auch der Bundesliga-Erfahrene Dane Watts (26; Ex-Tübingen, Ex-Ludwigsburg) in Ulm geblieben. Der bereits erwähnte Star des Teams John Bryant (25) wird auch in diesem Jahr Dreh-und-Angelpunkt der Offense sein. Der Center ist mit seiner Masse unter den Körben kaum zu stoppen und schafft es immer wieder sich am Brett durchzusetzen aber auch aus der Mitteldistanz und sogar von der Dreierlinie ist der amtierende MVP gefährlich. Ganz anders als Bryant, gilt Daniel Theis (20) als etwas kleinerer Center, was ihn jedoch nicht daran hindert, auch den Abschluss auch in Brettnähe zu suchen.

Eigentlich liest sich das Aufgebot der deutschen Spieler in Ulm erstaunlich gut. Auf fast jeder Position findet sich ein Spieler mit deutschem Pass, der Verantwortung übernehmen kann und bedenkenlos auf das Spielfeld geschickt werden kann. Der größte Pluspunkt jedoch ist, dass fast alle Spieler noch jung sind und sicherlich noch gut weiterentwickeln werden. Angefangen von Per Günther, der jetzt in sein fünftes Jahr bei Ulm geht und sich trotzdem, auch mit den gewonnen Erfahrungen in der Nationalmannschaft, noch weiter verbessern wird. Auch Philipp Schwethelm hat sicherlich noch nicht den Zenit seines Könnens erreicht und will sich beweisen, nachdem sein erstes Jahr in München katastrophal verlief. Der große Fang gelang den Ulmern jedoch mit der Verpflichtung von Daniel Theis, der nicht umsonst als einer der talentiertesten Spieler Deutschlands gilt und in den ersten Pflichtspielen dieser Saison schon zeigte, welche Leistungssprünge man von ihm erwarten kann. Sebastian Betz dagegen erfüllt die klassische Rolle des Kettenhundes, der Energie und Hustle von der Bank bringt (sofern er wieder fit ist). Insgesamt hat man in Ulm also fürs Erste einen sehr guten Stamm an talentierten und jungen deutschen Spielern beisammen. Wie es jedoch im nächsten Jahr aussieht (Schwethelm wird vermutlich nach München zurückkehren, Per Günthers Vertrag läuft aus) steht wohl in den Sternen. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass mit Femi Oladipo ein gebürtiger Berlin (ex-TuS Lichterfelde) im Kader der Ulmer steht, auf nennenswerte Einsatzzeiten kam er jedoch in der letzten Saison nicht. Auf wenige Minuten garbage time kann Marcel Heberlein (22) hoffen. Mit Kay Gausa (20), der auf NBBL-Ebene im Hamburger Basketball-Umfeld bereits sein großes Talent gezeigt hat, sowie Till-Joscha Jönke (20), der zum erweiterten  U20-Nationalmannschafts-Kader gehörte und in der guten Leverkusener Nachwuchsschmiede ausgebildet wurde, stehen zwei große auf dem Sprung auf das nächste level in ihrer Karriere, obwohl es 2012/13 aufgrund der großen Konkurrenz noch nicht für viel Spielzeit reichen wird.

Das zweite Jahr gilt immer als das schwerste. Egal ob es sich um ein Team handelt, welches den Klassenerhalt geschafft hat oder frisch Meister geworden ist. Bei Überraschungsmannschaften sieht es ähnlich aus, die Erwartungen der Fans steigen automatisch an, der Erfolgsdruck wird höher. Ulm hat jedoch einen Kader aufgestellt, der den Erwartungen durchaus gerecht werden kann. Der Großteil des Teams  konnte gehalten werden und mit Ray, Theis und Schwethelm sinnvoll verstärkt werden. Die „Spatzen“ haben ein junges Team (Durchschnittsalter: 23,5 Jahre; Quelle: beko-bbl.de) und mit John Bryant den wohl dominantesten Center der gesamten Liga in den eigenen Reihen. Um den Lockenkopf herum warten wieder Mal mehrere gute Schützen, um eine zusammenziehende Verteidigung umgehen zu bestrafen. Zusätzlich mit der neuen Halle dürfte Ulm also langfristig den Sprung in die Beletage der Bundesliga geschafft haben, jedoch könnten im kommenden Sommer einige Leistungsträger u. A. aufgrund auslaufender Verträge den Verein verlassen. Mal sehen welche Auswirkung das auf dem Team hat.

Fazit: Ulm wird mit dem vorhandenen Spielermaterial sicherlich wieder oben mitmischen. Ob es aber reicht um eine ähnliche Euphorie wie im letzten Jahr zu starten, bleibt abzuwarten. Die Konkurrenz schläft schließlich auch nicht. Nichtsdestotrotz gehört für uns Ulm definitiv zum Kreis der potenziellen Halbfinal-Teilnehmer.

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