Teamvorstellung: New Yorker Phantoms Braunschweig

Teamfoto New Yorker Phantoms Braunschweig; Quelle: (c) Phantoms Basketball Braunschweig GmbH
Teamfoto New Yorker Phantoms Braunschweig; Quelle: (c) Phantoms Basketball Braunschweig GmbH

Das Braunschweiger Basketball-Team gehört – unter verschiedenen Sponsornamen – seit Jahren zu den Playoff-Teams der Basketball-Bundesliga, in den letzten drei Jahren sogar durchgängig. Somit kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Braunschweig vielleicht nicht zu den absoluten Top-Teams der Liga, in jedem Fall aber zur erweiterten Spitze der BBL gehört. Auch in der letzten Saison erreichten die New Yorker Phantoms wieder die Top8 der Liga, scheiterten jedoch glatt mit 0-3 am späteren Vizemeister aus Ulm.

Erstaunlich ist, dass es partout nicht gelingen will, diese relativ guten Leistungen und Erfolge in Enthusiasmus für den Braunschweiger Basketball umzumünzen. Zuschauerzahlen stagnieren, die Stimmung in der Halle ebenso. Die Volkswagen-Halle ist sicher nicht optimal für Basketball konstruiert, ist dafür viel zu weitläufig gerade hinter den Körben, aber wenn sie denn mal voll ist, kann auch dort gute Stimmung sein. Bloß das – gut gefüllt oder gar ausverkauft – ist sie nie; im Schnitt füllen weniger als 3.400 Zuschauer die über 6.000 Zuschauer fassende Halle nur gut zur Hälfte. Da gilt es, das Potenzial, das die Stadt und Umgebung bietet, besser auszunutzen. Der Verein unternimmt eine Menge, sucht den engen Kontakt zu den Fans und hofft, dass das Früchte tragen wird.

Vielleicht gelingt das in der kommenden Saison, in die die Phantoms mit einer nahezu komplett neuen starting five gehen (müssen) – und einem neuen Trainer! Der bisherige Chefcoach Sebastian Machowski hat Braunschweig verlassen, sucht eine neue Herausforderung bei den Konkurrenten aus Oldenburg, die zwar sportlich nicht erfolgreicher als die Braunschweiger waren, jedoch wohl deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Seinen „Co“ nimmt er gleich mit.

Kader (externer link)

Backcourt:
Jeremiah Davis, Dennis Schröder,
Thaddeus McFadden, Robert Kulawick, Lucas Gertz,
Immanuel McElroy, Casey Mitchell, (Howard Sant-Roos), Nils Mittmann,

Frontcourt:
Harding Nana, Brian Wenzel,
Eric Boateng, Nick Schneiders, Eric Land

Headcoach:
Konstantinos Fleverakis

Die erste Personalentscheidung für die neue Saison betraf gleich DIE Schlüsselposition: Der studierte Sporttheoretiker Konstantinos Fleverakis (43) wird für die nächsten zwei Saisons von der Seitenlinie die Geschicke des Phantom-Teams leiten. Eine in meherer Hinsicht interessante Verpflichtung. Bis vor kurzem wäre es grundsätzlich noch undenkbar gewesen, dass ein renommierter und erfahrener sowie mit Erfahrungen in der Euroleague ausgestatteter Coach aus der griechischen Liga  in Deutschlands Eliteliga seine Zelte aufschlagen würde. Der Grieche Fleverakis verfügt, obwohl für einen Trainer noch relativ jung, über ein viertel Jahrhundert Trainererfahrung, davon fast anderthalb Jahrzehnte Erfahrung auf hohem Niveau vorwiegend in der griechischen Liga, u.a. PAOK Saloniki und AEK Athen, zuletzt Ilissiakos Athen. Da könnte den Braunschweigern jenseits des spielenden Personals eine Top-Verpflichtung gelungen sein. Fleverakis setzt stark auf Systemtreue und schnelles Spiel und hat sich dementsprechend – im Rahmen der Braunschweiger finanziellen Möglichkeiten – sein Team zusammengestellt.

Noch mehr als die Verpflichtungen für die neue Saison sorgte zunächst ein Abgang für großes Aufsehen. Daniel Theis (20) spielt nächste Saison statt in Braunschweig in Ulm, obwohl das Braunschweiger Management davon ausging und immer noch ausgeht, dass dieser noch vertraglich an die Phantoms gebunden wäre. Für uns ist der Fall aufgrund der vorliegenden Informationslage nur schwer einzuschätzen, das größte deutsche Talent seines Jahrgangs wird dem Team aber in jedem Fall sehr fehlen.

Auf der Pointguard Position kehrt ein „alter Bekannter“ in die BBL zurück. Vor fünf Jahren spielte Neu-Phantom Jeremiah „Miah“ Davis (31) bereits eine Saison für die Baskets Bonn und führte diese bis ins Finale, unterlag dort jedoch ALBA Berlin. Vier Einsätze hatte der neue Spielmacher bereits für seinen neuen Coach in der vorletzten Saison in Griechenland absolviert, das letzte Jahr verbrachte er in Belgien mit relativ bescheidener Spielzeit und entsprechenden Statistiken. Davis bringt viel Erfahrung mit, das Niveau von vor fünf Jahren dürfte er aber nicht mehr haben; nach der Saison in Bonn ging es vom level generell ein wenig herunter. Gegenüber den starting pointguards der anderen Playoff-Kandidaten ragt Miah Davis zumindest nicht heraus – wenn man es freundlich ausdrücken will. Seine besten Jahre in jedem Fall noch vor sich hat der back up von Davis, Dennis Schröder (19). Das deutsche Supertalent soll in der kommenden Saison schon signifikante Spielanteile bekommen, konnte auch in der vergangenen Saison schon teilweise überzeugen. Zu einer festen Größe im Braunschweiger Spiel hat sich der Berliner Robert Kulawick (26) entwickelt, der aufgrund guter Leistungen in der pre-season sogar als shooting guard starten könnte. Die Zeit auf der Position wird er sich mit Neuzugang Thaddeus McFadden (25) teilen. Der schnelle amerikanische guard macht nun den nächsten Schritt, nachdem er seine bisherige Karriere in der NCAA2 und der zweiten und ersten tschechischen Liga verbracht hat. Dort wurde er in der vergangenen Saison zum „Spieler der Jahres“ gewählt, mal sehen, wie weit das in der BBL reicht. Ebenfalls leichte Fragezeichen stehen hinter dem neu verpflichteten amerikanischen swingman Casey Mitchell (24). Ausser ein paar Spielen als back up in Lubljana verfügt er über kaum Erfahrungen in Europa. In der NBA Development League hat das dynamische Kraftpaket gute Zahlen aufgelegt, die er nun in Braunschweig beweisen muss. Überhaupt gar keine Zweifel dürfte es bei Oldie Immanuel McElroy (32) geben. Beim mehrfachen „defense player of the year“ in der BBL ist klar, wo er genau seine Stärken hat. Seine Erfahrung wird dem insgesamt recht jungen Phantoms Team gut tun. Seit vielen Jahren spielt Nils Mittmann (33) eine solide Back up Rolle in Braunschweig; das ist ihm auch in der kommenden Saison wieder zuzutrauen. Eine interessante Personalie ist der Kubaner Howard Sant-Roos (21). Der bringt alles mit, was ein moderner small forward braucht; gute Beweglichkeit, sicherer Wurf, starker Zug zum Korb. Das Einzige, was fehlt, ist Erfahrung und eine etwas bessere Physis. Als siebter Ausländer im Team wird er wohl nur sporadisch und im Verletzungsfall zum Einsatz kommen.

Auf der Position des Power Forwards konnte Coach Fleverakis seinen absoluten Wunschspieler als Starter verpflichten. Der kamerunische Nationalspieler Harding Nana (31) spielte bereits letzte Saison unter dem neuen Braunschweiger Coach in Griechenland und auch schon bei dessen Engagement in Polen. Der nicht übermäßig große (2,03 m) aber physisch starke Neu-Braunschweiger gilt als guter Rebounder und bringt viel Erfahrung mit. Er wird offensiv großen Anteil am Braunschweiger Spiel haben. Lange warten mussten die Braunschweiger Fans auf den starting Center des neuen Teams. Da gingen nicht alle Pläne auf, Verpflichtungswünsche liessen sich letztlich nicht so umsetzen wie gewünscht. Vor wenigen Tagen wurde nun der Ghanaer Eric Boateng (26), seines Zeichens britischer Nationalspieler und Olympia-Teilnehmer 2012, verpflichtet. Das Warten könnte sich gelohnt haben. Sollte Boateng seine gesundheitlichen Probleme – in Griechenland spielte er letzte Saison nur 7 Spiele – überwunden haben, könnte er sich als Glücksgriff erweisen.  Dass er wieder fit ist, dafür sprechen überzeugende Auftritte bei den Olympischen Spielen sowie während der try out Phase in Braunschweig. Boateng ist physisch stark im post-play und ein guter Rebounder. Ein wenig Sorgen macht back up Center Nick Schneiders (28) aufgrund von Verletzungsproblemen während der Vorbereitung. Er muss schnell wieder den Anschluss finden. Viele Hoffnungen, dass er noch mal einen Entwicklungssprung macht und über seine bisherige Rolle (3 pts, 3 rbs) hinaus kommt, haben wir nicht. Als Back up für beide frontcourt Positionen wurde Eric Land (22) als Ersatz für Daniel Theis verpflichtet, der der Talentschmiede des TSV Breitengüßbach entstammt. Land hat durchaus Talent, mit Theis kann er sich jedoch nicht ansatzweise messen. Der Ex-Berliner Brian „gordito“ Wenzel (21) wird wohl nicht über vereinzelte Kurzeinsätze hinaus kommen.

Ein wirklich sehr großes Talent kombiniert mit relativ viel BBL-Erfahrung – damit ist man in Braunschweig bezüglich der sog. „Quote“ gut aufgestellt. Mit dem großen Talent ist natürlich der gerade erst 19 Jahre alt gewordene Dennis Schröder gemeint. Wildes Spiel, Eigensinn, fehlender Blick für den Mitspieler, Egoismus, „schwieriger Charakter“ u.v.m. wurden ihm nachgesagt – nicht die idealen Voraussetzungen für einen Pointguard! Bei allen berechtigten oder auch nicht berechtigten Vorwürfen sollte man sich immer vor Augen halten, wie jung Schröder noch ist und vielleicht auch mal einen vergleichenden Blick auf andere 19jährige werfen. Bei der Vorbereitung auf die U20-Europameisterschaft und bei der EM selbst war auch von all den kritischen Punkten wenig bis nichts zu sehen, eine Weiterentwicklung ist durchaus erkennbar. Schröder ist extrem schnell und stellt gegnerische Verteidigungen damit vor enorme Probleme, zudem verfügt er über ein großes Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Kulawick, Mittmann und Schneiders verfügen nicht über Schröders Talent. liefern aber seit Jahren verlässliche Leistungen als Rollenspieler in der BBL ab. Auch das ist eine Menge wert. Bei Kulawick könnte es zur neuen Saison noch mal einen Schub geben. Fragezeichen stehen hinter Land, Entwicklungspotenzial ist aber in jedem Fall vorhanden. Eine 10er-Rotation ist mit den deutschen Spielern in Braunschweig jederzeit möglich.

Die Phantoms Braunschweig haben sich für die Saison 2012/13 ein interessantes Team zusammen gestellt. Nicht ohne Risiko ist die Besetzung der Pointguard Position mit Davis und Schröder, der eine vor, der andere nach dem Höhepunkt seiner Karriere. Viel wird ebenfalls davon abhängen, wie gut die beiden relativ unerfahrenen McFadden und Mitchell einschlagen werden. Die Qualität auf der Trainerposition könnte den Ausschlag geben und das berühmte Zünglein an der Waage spielen. Die Möglichkeit, mit den Deutschen eine relativ große Rotation spielen zu können, könnte sich positiv auswirken. Ebenso der Fakt, dass gegenüber den Konkurrenten im Kampf um die Playoffplätze die Doppelbelastung durch den europäischen Wettbewerb wegfällt, das könnte in der Endabrechnung den einen Sieg mehr bringen, der über die Teilnahme an den Playoffs entscheidet.

Prognose: Die New Yorker Phantoms Braunschweig befnden sich mit mehr als einer handvoll anderer Teams in der Verlosung für die letzten Playoffplätze. Das hängt von Kleinigkeiten bei dem eigenen Team und den Gegnern ab. Das heute schon voraus zu sagen grenzt an Hellseherei. Realistische Chancen auf das Erreichen der Playoffs bestehen auf  jeden Fall.

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