Teamvorstellung: Fraport Skyliners

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Denkt man an Frankfurt fällt der Blick zurück leichter als der nach vorn, zumindest, wenn man weit genug zurück blickt. Zur Jahrtausendwende erschien das Team der damals Skyliners Frankfurt mit der Lizenz des TV Tatami Rhöndorf auf der Bildfläche der Basketball Bundesliga und von Anfang an galt das Motto „Nicht kleckern, klotzen!“. Gleich in der ersten Saison gelang der erste Titel, der Pokalsieg in heimischer Halle gegen ALBA Berlin. Über fast ein Jahrzehnt spielten die Skyliners mit Unterstützung potenter Sponsoren wie Opel und Deutsche Bank eine führende Rolle in der BBL, 16 mal wurde mindestens das Halbfinale in Meisterschaft und Pokal erreicht, jeweils ein Mal wurde das Meisterbrett und der Cup an den Main geholt. In den bisher 13 Spielzeiten verpassten die Frankfurter nur drei Mal die Playoffs, ein mal davon in der abgelaufenen Saison. Klangvolle Namen prägten über längere Zeit das Bild der Liga: Mario Kasun, Chris Williams, Malick Badiane, Marcus Goree, Pascal Roller, Tyrone Ellis, AJ Moye, Chad Austin, Derrick Allen und nicht zuletzt DaShaun Wood, der im Duett mit Coach Gordon Herbert die Frankfurter in der vorletzten Saison noch einmal bis ins Halbfinale der Liga führte. Besonders überraschend, da seinerzeit die Skyliners angesichts des angekündigten Rückzugs des Hauptsponsors mit deutlich weniger finanziellen Mitteln auskommen musste. Beim Budget geht der Trend seit Jahren nur in eine Richtung, die falsche! Abwärts. Frankfurt ist sicher nicht mit dem geringsten Gesamtetat der Liga ausgestattet, relativ viele Mittel fliessen jedoch in Bereiche abseits des reinen Spieleretats; Breitensport, Schul-Programme, Integrationsprojekte, das Trainingszentrum, Trainerausbildung u.a.m. Nicht zuletzt muss auch deutlich mehr als an anderen Standorten für Marketing und Werbung ausgegeben werden, der gemeine Frankfurter strömt nicht von alleine in die Ballsporthalle, die große Liebe zum Basketball konnte trotz großer Mühe in der Stadt Frankfurt nie so richtig entfacht werden. Zudem leistet man sich vier hauptamtliche Trainer, einen Teambetreuer, zwei Physiotherapeuthen und drei Teamärzte; für die Verpflichtungen von Spielern bleibt da nicht so viel übrig.

Drunter und drüber ging es bereits in der vergangenen Saison. Ein Saisonstart zum Vergessen, der starting point guard dauerverletzt, NBA-lockout-Teilzeit-Skyliner Jon Leuer machte beizeiten wieder den Abflug und der spielfähige Rest hatte unübersehbare Probleme zu verstehen, was der Head Coach Muli Katzurin von ihnen will – oder jener Probleme, es diesen zu vermitteln. Zwangsläufig fanden sich die Frankfurter schneller als ihnen lieb war im Tabellenkeller wieder … und starteten von dort aus eine Aufholjagd, die das Team fast noch in die Playoffs führte.

Erschien die letzte Saison schon turbulent, so ist das nichts im Vergleich zur aktuellen off-Season. In einer halben Woche ist der erste Spieltag der neuen Saison bereits vorbei, was fehlt ist momentan ein komplettes Frankfurter Team. Was ist los in Mainhattan? Vier ausländische Profis wurden neu auf Probe verpflichtet, zwei von denen – Alexander Franklin und Anthony Jones – haben Frankfurt vor Saisonbeginn bereits wieder verlassen (müssen), power forward Dion Dowell und point guard Jonathan Jones dürfen zumindest bis Mitte Januar ihr Glück am Main versuchen. Zudem traf die Hessen kurz vor Saisonbeginn noch der überraschende Rücktritt vom Basketball von Nationalspieler Johannes Herber aus gesundheitlichen und Motivationsproblemen. Das ist für die Skyliners ein … nein, nicht die 346.271.340.837-te Wiederholung eines fürchterlich grauenhaft schlechten Wort-„Witzes“ … echtes Problem, da inzwischen fast alle deutschen Spieler, die eine gewisse Qualität mitbringen, bereits vertraglich gebunden sind.

Kader (externer link)

Backcourt:
Jonathan Jones, Konstantin Klein,
Devin Gibson, Benedikt Nicolay,
Quantez Robinson, Jan Novak,

Frontcourt:
Dion Dowell, Danilo Barthel, Tim Oldenburg,
Marius Nolte, Johannes Voigtmann,

Headcoach:
Samuel Katzurin

Aus diesem Rumpfkader aus bestenfalls acht Vollprofis muss Headcoach Muli Katzurin (57) zunächst erst mal ein Team formen. Ein Job, um den ihn sicher nicht viele beneiden werden! Nicht genug, daß die Personaldecke eh schon mehr als dünn ist, so fielen auch noch in der Vorbereitungsphase Spieler (Robertson, Gibson) durch Verletzungen aus.

Einer der Neuzugänge, Jonathan Jones (24), soll zukünftig das Spiel der Frankfurter leiten. In der bestenfalls zweitklassigen slowakischen Liga konnte der kleine, schnelle point guard mit guten Statistiken und vor allem leader Qualität überzeugen. Überzeugen konnte er auch Coach Katzurin in der Vorbereitung mit guter Defense, sodaß der bis Ende September gültige try out Vertrag noch einmal bis Mitte Januar verlängert wurde.  Devin Gibson (23) kam bereits als Nachverpflichtung in der vergangenen Saison nach Frankfurt, seine erst Profi-Station seiner Karriere. Der gelernte point guard ohne Wurf, definiert sich über eine starke Defense und seine gute Physis. Mangels Alternativen wird er oft gemeinsam mit Jones auf dem Feld stehen müssen, statt dessen back up zu sein; aktuell läuft er aber gar nicht und nirgendwo auf, da er mit Knieproblemen zu kämpfen hat. Das ist die große Chance für den Berliner Konstantin Klein (21), wohl DIE positive Überraschung der Frankfurter Saisonvorbereitung. In die Lücke, die sich im Kader ergeben hat, ist er besser und schneller als erwartet hinein gewachsen. Diese Rolle hatten ihm bei seiner Verpflichtung Anfang Mai sicher die wenigsten zugetraut. Mit Quantez Robertson (27) bleibt den Skyliners immerhin ein absoluter Leistungsträger erhalten. Der geht in seine vierte Saison in Frankfurt und bietet das komplette Allround-Paket aus Punkten, Rebounds, Assists und natürlich aggressiver Verteidigung – und das immer verlässlich. Von Mr. Zuverlässlich wird sehr viel in der neuen Saison abhängig. Auch er hat verletzungsbedingt (Fingerbruch) viel von der Vorbereitung auf die neue Saison verpasst, ist aber gerade noch rechtzeitig zum Saisonstart wieder fit geworden. Die beiden Youngster Benedikt Nicolay (21) und Jan Novak (20) füllen den Kader im backcourt auf, werden dem Team aber kaum wesentliche Impulse liefern können.

Konstanz auf der Center Position. Marius Nolte (31) geht in seine vierte Frankfurter Saison. Begrenztes Talent macht er durch Kampf, Willen und Einsatz wett, Eigenschaften, die ihn am Main zu einem Publikumsliebling werden lassen haben. Der harte Arbeiter Nolte wird mangels Alternativen in der kommenden Saison eine deutlich größere Rolle im Team spielen. Das lässt aber in jedem Fall noch genügend Raum für Nachwuchstalent und U20-Nationalspieler Johannes Voigtmann (20). Rohdiamant Voigtmann, der heute seinen 20. Geburtstag feiert, spielt erst seit wenigen Jahren Basketball und hat noch viel, viel Potenzial nach oben. Der klassische Brettcenter hatte Angebote von der halben Liga, hat sich aber – sicher auch aufgrund der Aussicht auf viel Spielzeit – für die Frankfurter entschieden. Für die Power Forward wurde mit dem gebürtigen Berliner Dion Dowell (27) – zunächst einmal bis Mitte Januar – ein Spieler mit 4 Jahren Pro-Erfahrung in Israel verpflichtet. Der stretch forward, kann beide forward positionen spielen und gilt trotz geringer Größe als guter Rebounder. Er wird das Frankfurter Team offensiv maßgeblich tragen müssen. Dahinter kann der ehemalige U20- und aktuelle A2-Nationalspieler Danilo Barthel (20) schon mit viel Spielzeit rechnen.

Bei momentan nur vier verpflichteten ausländischen Profis werden junge deutsche Spieler in Frankfurt zwangsläufig viel Spielzeit erhalten. Mit Nolte verfügt dabei nur einer über wesentliche BBL-Erfahrung, dazu kommt drei mal viel Talent. Spieler, die in anderen Teams auf den Positionen 10 – 12 auf der Bank sitzen würden, werden in Frankfurt in der kommenden Saison tragende Rollen übernehmen müssen. Über Konstantin Klein lässt sich dabei aus Berliner Sicht am meisten sagen. Klein war U20-Nationalspieler, flog aber trotzdem immer ein wenig unter dem Radar, war keiner dieser gehypten next best (Nachwuchs) super stars. Das mag auch daran liegen, daß er kein Zauberer mit dem Ball ist, nicht durch spektakuläre Aktionen auffällt. Er macht nur das, was er kann, aber das hat alles Hand und Fuss. Auf dem Höhepunkt des Berliner Nachwuchs-Basketballs, der NBBL-Meisterschaft 2009, gehörte Konstantin Klein zum jüngeren Jahrgang und stand im Schatten anderer Leistungsträger wie Niels Giffey und Steven Monse, danach erreichte der Alba-Nachwuchs nicht mehr diese Höhen. Ebenfalls interessant ist natürlich die Verpflichtung von Johannes Voigtmann. Gerade deutsche Center-Talente sind ausgesprochen rar gesät und mit der Verpflichtung von Voigtmann ist den Skyliners ein echter Coup gelungen; auch daß man Danilo Barthel weiter an sich binden konnte, ist angesichts des Wettbietens um hoffnungsvolle deutsche Talente nicht selbstverständlich. Nach diesen Vieren hat man in der Hinterhand aber nur noch Spieler, denen man bestenfalls eine Zukunft als BBL-Rollenspieler zutrauen kann. Insgesamt hat man aber aus der (finanziellen) Not eine (Nachwuchs-) Tugend gemacht.

Für die Zukunft wurde in Frankfurt die Parole ausgegeben, sich als Nachwuchs-Ausbildungsteam zu profilieren. Kann das funktionieren? Trier reloaded, einfach von der Mosel an den Main transferiert? Geht Rödl-style ohne Rödl? Rödl hat sich ein Renommee verbunden mit dem entsprechenden Vertrauen über die letzten Jahre erarbeitet; das hat Frankfurt in diesem Maße nicht. Man täte den Frankfurtern allerdings Unrecht, wenn man das Konzept als aus dem Nichts entstanden darstellen würde. Die Skyliners engagieren sich seit Jahren mehr als viele andere Vereine im Nachwuchsbasketball – auch wenn sich das bis dato noch nicht in viel Spielzeit für deutsche Talente widerspiegelte. Andererseits muss man auch mal nach den Alternativen fragen. Womit sonst könnte man denn dem Team mehr ein klares Profil verleihen? Angesichts der klammen Finanzen ist es fraglich, ob ein x-beliebiger, austauschbarer College-Smith oder Weltenbummler-Miller für mehr Identität sorgen würde. Ein deutsches Nachwuchskonzept setzt natürlich auch voraus, daß man deutschen Nachwuchs auch wirklich an sich binden kann. Das hat für die kommende Saison noch geklappt, in Zukunft wird der Wettbewerb um den deutschen Nachwuchs aber eher noch zunehmen. Das eigene Nachwuchsteam in der ProB konnte in der letzten Saison mit Ach und Krach den Abstieg vermeiden, die Riesen-Nachwuchstalente werden von dort eher nicht zu den Profis stossen. Viel wird für die Zukunft davon abhängen, inwieweit es den Frankfurtern gelingt, in der kommenden Saison die Ernsthaftigkeit des Konzepts nachzuweisen um interessant für Talente zu sein.

Was spricht für die Frankfurter? Im Prinzip nichts! De facto ein 8er-Kader, ein absoluter Leistungsträger mit Robertson, dazu amerikanisches Mittelmaß, ein deutscher Arbeiter mit begrenztem Talent, drei deutsche Nachwuchsspieler mit wenig Erfahrung, Verletzungen in der Vorbereitung und immer noch aktuell – schlechter könnten die Voraussetzungen eigentlich nicht sein. Sprüche von länger lebenden Totgesagten klingen da wie das berühmte Pfeifen im Walde. Gottseidank (aus Frankfurter Sicht) ist Basketball mehr als die Summe der Qualitäten der einzelnen Spieler. Muli Katzurin wird also versuchen, den Mangel an individueller Qualität und Erfahrung durch knallharte Defense, Team-Defense wettzumachen.

Prognose: Aktuell sind sehr berechtigte Zweifel angebracht, ob das reicht, um in der BBL konkurrenzfähig zu sein. Allerdings liegt die Latte auch recht niedrig, es gibt ein paar Konkurrenten, die ebenfalls recht wenig Qualität in ihrem Team haben. Nichtsdestotrotz spielt das Frankfurter Team nach derzeitigem Stand gegen den Abstieg. Allerdings werden sich die Skyliners wohl noch verstärken. Mangels hellseherischer Fähigkeiten, was da noch kommt, lässt sich noch nicht voraussagen, wofür das reichen wird.

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