Teamvorstellung: EWE Baskets Oldenburg

Teamfoto EWE Baskets Oldenburg; Quelle: (c) EWE baskets
Teamfoto EWE Baskets Oldenburg; Quelle: (c) EWE baskets, Foto: Ulf Duda

Wenn es im letzten Jahr negative Überraschungen gab, waren die EWE Baskets Oldenburg sicherlich eine davon. Mit großen Namen und als Titel-Mitfavorit in die Saison gestartet, folgte eine grandiose Bruchlandung einschließlich der Entlassung des ehemaligen Meistertrainers Predrag Krunic und dem gänzlichen Verpassen der Playoffs. Für die Ansprüche des Meisters von 2009 ist die Entwicklung der letzten Jahre eindeutig zu wenig: 2010 und 2011 gab es jeweils ein frühes Aus in der ersten Playoff-Runde, das Scheitern im vergangenen Jahr setzte der ganzen Sache noch einmal die Krone auf. Sebastian Machowski soll nun die Niedersachsen zurück in die Erfolgsspur bringen. Der Radikalumbruch fiel jedoch nicht so groß aus, wie man vielleicht erwarten würde, einige Leistungsträger der letzten Spielzeit stehen immer noch im Kader. Zusammen mit einigen Neuzugängen und dem neuen Trainer will man nun zurück in die Playoffs und die Gunst der Zuschauer zurückgewinnen, die im letzten Jahr einige bittere Schlappen ertragen mussten.

Kader (externer link)

Backcourt:

Dru Joyce / Mustafa Abdul-Hamid* / Kevin Smit
Julius Jenkins / Chris Kramer / Bahiense de Mello
Rickey Paulding / Konrad Wysocki

Frontcourt:

Ronald Burell / Robin Smeulders
Adam Chubb / Jannik Freese

Headcoach:

Sebastian Machowski

* – Vertrag über 2 Monate als Verletzungs-Ersatz für Chris Kramer

Die wohl größte Änderung im Vergleich zum Vorjahr dürfte bei den Oldenburgern auf der Point-Guard Position stattgefunden haben: statt dem Star und ex-Albatros Bobby Brown findet sich nun mit Dru Joyce (27) ein solider Bundesligaspieler als Spielgestalter im Kader wieder. Der US-Amerikaner, vor allem bekannt als guter Kumpel von Lebron James, spielt schon seit einigen Jahren in der BBL (mit Ausnahme von einer Saison in Polen) und gilt anders als ein Brown nicht unbedingt als Aufbauspieler der zuerst den eigenen Abschluss sucht. Die Oldenburger Fans dürfte es jedoch freuen, anstatt Browns egozentrischen Auftritten mal einen ruhigeren Spieler als Regisseur zu sehen. Ihm zur Seite steht, zumindest zum Saisonauftakt, Mustafa Abdul-Hamid (24). Der Amerikaner wurde geholt, um die Lücke zu schließen die die Verletzung von Neuzugang Chris Kramer (24 /Achillessehnenreizung) auf den Guard-Positonen hinterlässt. Abdul-Hamid soll, ausgestattet mit einem 2-Monats-Vertrag, Dru Joyce entlasten. Nicht mehr und nicht weniger. Bedeutet, ein wenig Defense einbringen und Joyce einige Minuten Spielzeit abnehmen. Dahinter könnte sich vielleicht auch noch Kevin Smit (21) die eine oder andere Minute Spielzeit durch Verteidigung erarbeiten. Ob es beim Nachwuchsspieler für mehr reicht, scheint fraglich. Wesentlich mehr Aufsehen erregte die Verpflichtung von Shooting-Guard Julius Jenkins (31), der nach 5 Jahren in der Hauptstadt bei den Alba-Fans noch bekannt sein dürfte. Der ehemalige Berliner Publikumsliebling konnte bei seinem Ausflug in Bamberg nicht wirklich überzeugen und soll jetzt in Oldenburg wieder eine etwas größere Rolle erhalten. Jenkins bleibt als Offensivspieler immer noch brandgefährlich und bringt ein nahezu komplettes Paket an Angriffsmöglichkeiten mit. Von der Bank kommt mit Dominik Bahiense de Mello (27) ein bekannter und solider deutscher Spieler, der sich nach seinem ersten durchwachsenen Jahr in Oldenburg unter dem neuen Trainer sicherlich steigern soll. Engagierte Defense und den einen oder anderen Dreier sind für einen Bankspieler eine gute Mischung. Rickey Paulding (29)geht in seine sechste Spielzeit als Oldenburger. Der Publikumsliebling hat gute und weniger gute Zeiten mitgemacht und gilt immer noch als einer der komplettesten Flügelspieler der Liga. Zusammen mit seinem Kumpel Jenkins wird Paulding ein offensiv sehr interessantes Duo bilden. Auch hinter Paulding findet sich mit Bundesliga-Rückkehrer Konrad Wysocki (30) ein qualitativ guter Back-Up mit deutschem Pass. Der ehemalige Nationalspieler kann mit seiner Defense und seinem Einsatz bedenkenlos eingesetzt werden und ist mit seinem soliden Offensiv-Repertoire ein ordentliche Verpflichtung.

Im Frontcourt findet man mit Ronnie Burell (29) und Adam Chubb (31) zwei bekannte Gesichter aus der letzten Spielzeit wieder. Burrell war einer der wenigen Spieler, die nicht gänzlich enttäuschten und lieferte in der Offensive gute Statistiken. Der ex-Bonner und Kölner ist in der Verteidigung jedoch nicht immer auf der Höhe und kassiert dementsprechend auch gerne Mal viele Fouls. In bester Erinnerung hat man als Berliner natürlich auch Adam Chubb, der in seine zweite Saison bei den Oldenburgern geht und ebenfalls einer der wenigen Lichtblicke der vergangenen Spielzeit darstellt. Der US-Amerikaner punktet verlässlich am Brett und sammelt ordentlich Rebounds. Jedoch gilt er genau wie Burell auch als foulanfällig. Komplettiert wird der Frontcourt durch zwei Spieler mit deutschem Pass: Robin Smeulders (25) und Jannik Freese (26) werden offensiv zwar keine Bäume ausreißen, jedoch mangels Alternativen die Leistungsträger Burell / Chubb für einige Minuten vertreten können. Insbesondere von Smeulders kann man jedoch in der Offensive mehr Verantwortung erwarten, der 27-Jährige hat in der holländischen Nationalmannschaft durchaus gezeigt, dass er auch im Angriff eine wichtige Rolle spielen kann.

Erstaunlich gut liest sich das Aufgebot der deutschen Spieler in Oldenburg, wenn man bedenkt, dass alle Akteure mit deutschem Pass hauptsächlich als Back-Up Spieler eingeplant sind. Insbesondere Neuzugang Konrad Wysocki ist mit seiner Vergangenheit ein durchaus edler Bankspieler und auch Bahiense de Mello ist als Spieler hinter Julius Jenkins kein schlechtes Kaliber. Wysocki und de Mello haben in der Vergangenheit durchaus bewiesen, dass sie auch offensiv Verantwortung übernehmen können und sich nicht nur über die Verteidigung und Einsatz definieren. Auch Robin Smeulders und Jannik Freese werden aufgrund der dünnen Rotation im Frontcourt und der hohen Foulanfälligkeit von Chubb und Burell ihre Chance auf regelmäßige Spielzeit erhalten. Zudem dürfte auch Kevin Smit durch seine engagierte Verteidigung ein wenig Bundesliga-Luft schnuppern dürfen. Auffällig bei den deutschen Spielern in Oldenburg ist, dass keiner außer Smit wirklich jung ist und noch als Talent durchgehen dürfte. Wysocki und de Mello sind gestandene Akteure und auch Smeulders und Freese nähern sich dem besten Basketball-Alter, von Talenten für die Zukunft kann also nicht die Rede sein. Man kann argumentieren, dass die Spieler dafür auch weniger Fehler machen werden und sich nicht akklimatisieren müssen, jedoch ist der Spielraum für Entwicklungen ebenfalls stark eingeschränkt. Kurzfristig ist das kein großes Problem, langfristig dürfte dies aber nicht ausreichen, wenn man in der Bundesliga Schritt halten will. Ob dafür die jungen Spieler wie Kevin Smit, Paul Albrecht oder Anselm Hartmann (beide 19) die nötigen Voraussetzungen für die Zukunft mitbringen, muss man abwarten. Albrecht und Hartmann waren Leistungsträger der u-17 Nationalmannschaft, sollten aber in naher Zukunft auch anfangen bei den Profis Erfahrung zu sammeln. Noch ist es dafür vielleicht zu früh,  hinter den gestandenen Profis bleibt aktuell jedoch nicht viel Platz zur Entwicklung.

Wir hatten die Möglichkeit vor einigen Wochen die Mannschaft von Oldenburg beim Testspiel in Berlin begutachten zu können und ansatzweise konnte man schon erkennen, dass die Niedersachsen durchaus ein ernstes Wort in dieser Saison mitreden können. Mit Sebastian Machowski hat ein Coach die Zügel in der Hand, der in den letzten Jahren in Braunschweig hervorragende Arbeit geleistet hat. Der Abgang von Bobby Brown dürfte niemand groß stören, Dru Joyce passt mit seinen Fähigkeiten neben Jenkins und Paulding sowieso besser in das Konzept. Ob er jedoch nun bei einem Spitzenteam auch seine Leistung abrufen kann, bleibt abzuwarten. Das Oldenburger Team wirkt kompakt, solide und besteht aus erfahrenen Spielern die sich im besten Basketball-Alter befinden. Eine Mischung die auch die „großen“ Teams, zu denen Oldenburg ja ansatzweise auch gehört, durchaus vor Probleme stellen kann. Wir glauben auch, dass Julius Jenkins ein gute Saison spielen wird und teilweise an alte Zeiten anknüpfen kann. Eine Schwäche könnte die etwas dünne Rotation unter dem Korb werden. Erwischen Burell oder Chubb einen schlechten Tag oder müssen wegen Fouls schnell auf die Bank, sieht es schnell etwas übersichtlich aus.

Prognose: Oldenburg wird in die Playoffs zurückkehren und sein Publikum auch begeistern können. Für mehr wird es aufgrund der knappen Rotation unter dem Korb nicht reichen. Ebenfalls sind die anderen Spitzenteams auf den Guard- bzw. Flügelpositionen besser besetzt, es bleibt also beim Playoff-Viertelfinale.

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