Stellenausschreibung: Sportdirektor gesucht!

Der Abschied kam völlig überraschend. Zumindest für Presse, Fans aber wohl auch für die Mannschaft. Mithat Demirel zieht es in die Türkei, nach Istanbul. Dort hat sich ihm eine einmalige Chance geboten, die er – und das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor – mit seiner Familie nutzen will. Wir gönnen Mithat diese Chance und wünschen ihm nur das Beste. Irgendwann wird es ihn sicherlich mal wieder nach Berlin ziehen, er ist der Stadt einfach zu verbunden.

Mithat Demirel, in Zukunft mit Leib und Seele für Istanbul
Mithat Demirel, in Zukunft mit Leib und Seele für Istanbul

Für Albas Entscheidungsträger dürfte die Nachricht ebenso überraschend gekommen sein, sie hatten allerdings jetzt, anders als die Öffentlichkeit, schon einige Wochen Zeit, diese zu verarbeiten. Der Abschied schmerzt, kommt aber aktuell zu einem Zeitpunkt, an dem man ihn ganz gut verkraften kann, schließlich steht der Kader für die bevorstehende Saison. Alba sucht nun einen Nachfolger auf der Position des Sportdirektors. Eine Position, mit einem breit gefächerten Aufgabenbereich. Was soll und muss der Sportdirektor bei Alba eigentlich können?

  • Kontakte und Netzwerke: Ein ungemein wichtiger Punkt, vor allem mit Hinblick auf Spielerverpflichtungen. Alba hat keinen Scout, der Sportdirektor übernimmt diese Aufgabe. Da helfen zuverlässige Kontakte bei der sportlichen und charakterlichen Bewertung von Spielern. Zumal ein guter Draht zu alten Kollegen auch Gold wert sein kann. Als Beispiel kann der Wechsel von Miro Radulijca im Jahr 2011 genannt werden. Ein für Alba eigentlich unbezahlbarer Spieler lag plötzlich im Bereich des Möglichen, weil Demirel die entsprechenden Kontakte in die Türkei hatte. Die Freigabe kurz vor Fristablauf klappte auch nur, weil im türkischen Verband ein alter Bekannter von Demirel saß.
  • Erfahrung und Einfühlungsvermögen: Der neue Sportdirektor muss nicht zwingend vorher bei einem anderen Verein in derselben Position tätig gewesen sein, das war Mithat Demirel ja auch nicht, als er bei Alba begann. Aber er sollte in der Basketball-Welt bewandert sein, muss sich in die Lage der Spieler und Trainer hineinversetzen können. Er muss eng mit Sasa Obradovic zusammenarbeiten und sehen können, welche Spieler in das Konzept von Alba auch wirklich hineinpassen. Zudem darf der neue Sportdirektor auch nicht davor zurückschrecken, mal ein ernstes Gespräch zu führen.
  • Durchhaltevermögen und Geduld: Mit den teilweise begrenzten finanziellen Mitteln von Alba, kann sich eine Spielerverpflichtung über Wochen und Monate hinziehen. Dazu muss der Sportdirektor mit mehreren Bällen gleichzeitig jonglieren können, Spieler A kann nur kommen, wenn auch Spieler B unterschreibt, mit Spieler C muss wiederum eine andere Kombination gefunden werden. Beispiel: Ohne Cliff Hammonds hätte Alba vermutlich auch nicht David Logan geholt. Da braucht man gute Nerven und Geduld, wenn man Wochen auf die Unterschrift des einen Spielers wartet und den anderen so lange bei Laune halten muss.
  • Berlin-Kenntnisse: Ein seeehr breites Aufgabenfeld. Der Sportdirektor ist Mädchen für alles, muss den eigenen Verein gut kennen, dazu gehört auch die riesige Jugendabteilung. Doch bei den Aufgaben intern im Verein hört das Aufgabenfeld noch nicht auf; der Posten gilt auch als Schnittstelle zwischen Mannschaft und Presse. Der Sportdirektor vertritt neben bzw. mit CEO Marco Baldi den Verein auch nach außen und ist z.B. bei den Medien meistens die erste Ansprechperson nach einem Auswärtsspiel. Demirel saß außerdem noch zusätzlich im Vorstand des Berliner Basketballverbandes. Der neue Sportdirektor muss keinen Stallgeruch mit sich bringen. Von Vorteil wäre es allerdings.
  • Standing und Szenekenntnisse: Einen guten Ruf in der Basketballszene kann man sich über Jahre erarbeiten … oder ihn schon mitbringen. Letzteres wäre besser, da man viel eher auf offene Ohren und Akzeptanz auf der Gegenseite trifft. Das kann ein Unbekannter nicht leisten. Ein Geschäftsfeld, das stark auf persönlichen Beziehungen basiert, bedarf einer Vertrauensbasis. Wer bereits einen Namen in der Szene hat, hat es in der Regel leichter.  Bei Leuten, die man seit vielen Jahren kennt – sei es als Spieler, Manager, Agent o.ä. -, weiß man, wie die so „ticken“ und wie man die am besten anspricht. Es ist Gold wert, zu wissen, wer mit wem gut kann, über wen man mit XY in Kontakt kommt.

Die Arbeit des Sportdirektors setzt, wie man sieht, eine Menge Fähigkeiten voraus. Die oben gennanten stellen nur eine grobe Zusammenfassung dar. Letztendlich macht es die Mischung, ohne Fachwissen geht es nicht, soft-skills spielen jedoch auch eine nicht unwesentliche Rolle. Gesucht wird die berühmte „eierlegende Wollmilchsau“. Basketball-know-how, Netzwerker, Marktübersicht, ein bisschen Psychologe, mit dem feeling dafür, wie man am besten mit wem umgeht. Beim Sportdirektor laufen viele Fäden zusammen, er muss die richtigen miteinander verknüpfen. Das Wichtigste ist, Menschen mit unterschiedlichen Interessen gewinnbringend für den Verein zusammen zu bringen. Es wird spannend zu beobachten, welche Entscheidung Alba bzgl. dieser Personalie trifft.

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