Schuuuuuuuuultze! – Der graue Wolf tritt ab!

20 Jahre Karriere gehen für den ehemaligen National- und Alba-Spieler am 30.04. mit beeindruckenden Emotionen zu Ende.

Es gibt sicher das eine oder andere, was man an den Terminplanern der BEKO Basketball Bundesliga kritisieren könnte, mit Alba Berlin meinten sie es allerdings zum Saisonende ausgesprochen gut. Zum einen gibt es da natürlich den absoluten show down um Platz Eins der Bundesliga-Hauptrunde zwischen Alba Berlin und den brose baskets am 03. Mai zu nennen. Zum anderen ermöglichte die Ansetzung des letzten Spieltags, Alba Berlin gegen die Eisbären Bremerhaven in der O2 world Berlin, nach 20 Jahren Karriere ein emotional beeindruckendes letztes Spiel für Sven Schultze (36) in seinem „Wohnzimmer in Berlin.

Schuuuuuultze - Schuuuuuultze
Schuuuuuultze – Schuuuuuultze

Zahlen, bitte …

Sven Schultze, der in einigen Wochen seinen 37. Geburtstag feiert, würde man Unrecht tun, wenn man ihn nur auf eine Rolle als emotionalen Anführer reduzieren würde. Man hält sich nicht 20 Jahre in dem Geschäft Profi-Basketball, ohne auch auf dem Feld Leistung zu bringen. Auch dort hat Schultze Beachtliches vorzuweisen. Er hat acht Titel geholt, ist vier Mal Meister,vier Mal Pokalsieger geworden, alles mit Alba Berlin. Auch die deutsche Nationalmannschaft wusste seine Qualitäten zu schätzen. Für die hat er 121 Mal die Knochen hingehalten, hat an Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen teilgenommen, ist Vize-Europameister geworden. Zudem haben sich immer wieder deutsche und europäische Spitzenteams die Dienste des Franken gesichert. Acht Jahre seiner Laufbahn verbrachte Schultze allein in Berlin, der sicherlich wichtigsten Station seiner Karriere – nicht nur aufgrund der gewonnenen Titel. Aber auch in Leverkusen und Griechenland war er wichtiger Bestandteil der Rotation. In Italien, wo er für fünf verschiedene Vereine aufgelaufen ist, gehörte er zu den gefährlichsten Dreier-Schützen der Serie A. Alles in allem also auch sportlich zwei beeindruckende Jahrzehnte als aktiver Sportler.

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Idol, what’s an idol?

Punkte, Rebounds, Trefferquoten sind es aber nicht, die Sven Schultze zu einem ganz besonderen Sportler machen. Wenn ein Spieler weniger als 3 Punkte erzielt, weniger als einen Rebound holt und überhaupt nur bei der Hälfte der Saisonspiele eingesetzt wird (so wie in seiner letzten Saison bei Alba Berlin) und trotzdem absoluter Liebling der Fans ist, muss mehr dahinter stecken. Etwas, was nicht mit statistischen Werten meßbar ist. Selten werden für einen Spieler mit einer so begrenzten Rolle Chants und Loblieder von den Fans gedichtet. Nicht ohne Grund hat ihn Alba-Coach Sasa Obradovic, der selbst noch aktiv gegen Schultze gespielt hat, ihn zum Kapitän des Teams gemacht.

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Sven Schultze bringt ein Maß an Professionalität auf, wie nur wenige andere Sportler. Das beginnt zuallererst bei Selbstdisziplin. Sven Schultze tat immer extrem viel für die Pflege seines „Arbeitsgeräts“, seinen Körper, war immer einer der ersten beim Training und einer der letzten am Schluss. Vorbildwirkung, leading by example. Ganz besonders entscheidend für seine Beliebtheit bei den eigenen Fans – und zwangsläufig Unbeliebtheit bei den gegnerischen Fans – war aber wohl seine Kompromisslosigkeit. Schultze tat alles, was sein Team von ihm brauchte, da mal ein „männlicher“ stop, dort mal ein harter Block, auch mal Punkte, wenn nötig. Auch Ausstrahlung ist ein Teil der Geschichte. Sven Schultze steht sinnbildlich für Emotionen und positive Energie, jemand, der seine Mitspieler positiv motiviert, ihnen auch mal im übertragenen Sinne in den Hintern tritt, wenn es nicht läuft. Dabei einer, der nie von anderen etwas verlangt hat, was er nicht selbst vorgelebt hat. Eine ehrliche Haut, dem man seinen Gemütszustand am Gesicht ablesen konnte, kein Taktierer, so etwas kommt an.

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Somit war es alles andere als überraschend, dass ihm die Fans bei seinem Abtritt von der der Bühne als aktiver Spieler einen bombastischen Abschied bereiteten. Und das, obwohl er diesen im Trikot des Gegners, der Eisbären Bremerhaven, erlebte. Für seine letzte Saison war Schultze – für viele viele überraschend – noch mal in den hohen Norden gewechselt, obwohl viele Fans erwartet hatten, dass er seine Karriere in Berlin ausklingen lassen würde. Aber auch dieser Wechsel sagt etwas über die Mentalität von Sven Schultze aus, letztlich spricht daraus jede Menge Ehrgeiz. Er fühlte noch „Tiger im Tank“, seine Ausdauerwerte waren in Berlin mit die besten des Teams, in Bremerhaven sind sie nicht viel schlechter geworden. Schnelligkeit und Spritzigkeit werden naturgemäß mit zunehmendem Alter natürlich schlechter. Letztlich ist der Plan in Bremerhaven nicht wirklich aufgegangen, aber auch das kann man nur herausfinden, wenn man es probiert. Dass auch in einem so harten Spieler ein weicher Kern steckt, merkte man an der sehr, sehr schönen Verabschiedung der Berliner Fans für einen ihrer absoluten Lieblingsspieler. Nur schlecht versteckte Tränen der Rührung, große Gesten, Verbeugung in alle Richtungen, Niederknien vor dem Logo des wohl wichtigsten Vereins seiner Karriere! Große Momente für einen großen Sportler!

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Wie weiter?

Sven Schultze ist seit einigen Jahren im Norden Berlins, in Pankow mit seiner Familie heimisch geworden; dort ist auch die Familie während des Gastspiels in Bremerhaven geblieben. Dort kehrt auch Sven Schultze nun wieder zurück. Von dort startet er seinen nächsten Lebensabschnitt. In Brermerhaven hat Sven Schultze eine Ausbildung im Bereich Fitness gemacht. Sven und Fitnessberater, Schultze und Athletiktrainer – das passt. Wie man (s)einen Körper in Form hält, hat er am eigenen Leib gezeigt. Und generell ist es gar nicht so wichtig, was jemand macht, sondern wie er es macht. Professionalität, Fleiß und Ehrgeiz sind dabei Eigenschaften, die man in jedem Job der Welt gut gebrauchen kann. Auch mal bei Alba? Um die Zukunft von Sven Schultze braucht man sich wohl keine allzu großen Sorgen zu machen. Wir wünschen auf jeden Fall viel Erfolg dafür.

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