Schaf im Wolfspelz

Schafwolf

Die Welt der Tiere ist auf vielfältige Weise mit der Welt des Sports verbunden. „Schlag mich, beiss mich, gib mir ’nen Tiernamen“ gilt nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich, auch Sportvereine bedienen sich immer lieber und öfter bei der – identitäts-stiftenden? – Benennung des Teams immer öfter in der Fauna. Von Affe bis Zebra findet sich da alles wieder, was kreucht und fleucht. Meist wird versucht, ein Tier zu wählen, das in irgend einer Beziehung zur Sportart oder Lokalität steht. Das gelingt mal besser, wie z.B. bei den Eisbären Berlin, mal schlechter, wie z.B. bei den Eisbären Bremerhaven. Auch in der Basketball Bundesliga tummelt sich mit Tigern, Löwen, Wölfen, Feuer- und Donnervögeln, Eisbären und Drachen einiges Getier und auch Alba Berlin ist mit den Albatrossen – eine Ableitung vom Namen des Hauptsponsors – in diesem tierischen Club vertreten. Im Vorfeld des Aufeinandertreffens eben dieser Albatrosse am Samstag, 23.01.15, 20:30 Uhr in der Arena Leipzig auf den MBC, bietet es sich an, mal einen Blick auf die „Wölfe“ zu werfen, die in dieser Saison eine ziemliche Metamorphose durchgemacht haben. 

Warum sich der Mitteldeutsche Basketball Club „Wölfe“ nennt ist uns nicht bekannt, verwundert aber ein wenig. Der Wolf hat zwar auch ein paar für den Sport positive Eigenschaften wie List, Teamgeist (Rudel) und Aggressivität und indirekt haben wir ihm dank des Säugens von Romulus und Remus auch die Entstehung der Ewigen Stadt Rom zu verdanken, aber bringen wir es auf den Punkt: Im Wesentlichen hat der Wolf doch ein eher mieses Image! Man unterstellt ihm Eigenschaften wie Heimtücke, Verschlagenheit, Habgier oder Streitlust. Der olle Isegrimm hat die Geißlein vernascht, Rotkäppchens Großmutter ebenso und auch Pinocchio hat er das Leben mehr als schwer gemacht. Aber etwas werden sich die Verantwortlichen schon gedacht haben. Nicht wirklich hilfreich ist es, wenn sie aktuell beim Blick von aussen so gar nicht wie aggressive Raubtiere und im Rudel eiskalten „Killer“ wirken, sondern viel eher als „Schaf im Wolfspelz“ erscheinen und damit …

… back to sports

Der MBC macht aktuell eine schwierige Phase durch, die Wölfe haben ihren Biss verloren. Mit acht Niederlagen in Folge, darunter das klare 56-82 am Silvester-Nachmittag in der O2 world gegen Alba Berlin, haben die Mitteldeutschen die längste Niederlagenserie aller Bundesligisten aufzuweisen. Mit anderen Worten: Seit dem 22. November des letzten Jahres wurde nicht mehr gewonnen. Bei diesen acht Niederlagen waren herbe Enttäuschungen dabei, wie die klare Heimniederlage gegen Ludwigsburg oder die Niederlage in Crailsheim. Es gab aber auch ganz gute Spiele mit schlechtem Ausgang, die trotz des schlechten aktuellen Trends aufhorchen lassen. Gerade in den Heimspielen. Gegen die Playoff-Teams aus Ulm und Bonn gab es knappe (Ulm) bzw. overtime (Bonn) Niederlagen. Das zeigt dann doch, dass die „Wölfe“ nicht so chancenlos sind, wie es einem die Niederlagenserie vielleicht weis machen will und dass der außerordentlich gute Saisonstart mit acht Siegen aus 10 Spielen kein Zufallsprodukt war. In den ersten Saisonspielen war der MBC nämlich DIE positive Überraschung schlechthin. Da waren nicht nur leichte Gegner dabei, besonders der Auswärtssieg bei den Artland Dragons Quakenbrück war bemerkenswert.

Woran liegt es nun, dass die ersten beiden Saison-Vierteln so unterschiedlich waren? Sicher hat so etwas immer viele Facetten, selten bis nie liegt es nur an einem einzigen Punkt und so wird es auch bei den Wölfen sein. Allerdings verbindet sich der Erfolg des ersten Saisonviertels recht stark mit dem Namen Standhardinger, der Mißerfolg des zweitten wohl auch. Christian Standhardinger hatte es schwer, überhaupt einen Profi-Verein zu finden, sein Lebensweg verlief nicht gerade, hat Ecken und Kanten. Er galt als „enfant terrible“ und nicht besonders teamfähig. Vielen Managern war das Risiko einer Verpflichtung zu groß und auch die Verpflichtung durch den MBC geschah eher aus der Not heraus geboren. Der eigentlich als deutscher Leistungsträger eingeplante Johannes Lischka, erwies nach langer Krankheit doch nicht in der Lage, auf diesem Niveau Leistungssport zu betreiben. Ersatz musste kurzfristig her und  wurde in Person von Standhardinger gefunden, der zum Zeitpunkt der Verpflichtung ohne Vertrag in Göttingen mit trainierte. Ein echter Glücksgriff! Der kräftige Forward schlug gleich voll ein und überzeugte auf ganzer Strecke. Über 14 Punkte und 6 Rebounds erzielte er in neun Spielen während der Erfolgsphase und gehörte zu den besten und effektivsten Deutschen der gesamten BBL. In der Krisenphase dann nur noch weniger als sieben Punkte und 3,5 Rebounds, für ein Spiel wurde er sogar aus disziplinarischen Gründen teamintern suspendiert. Sicher lädt man dem jungen Mann zu viel Schuld auf, wenn man ihn allein verantwortlich für die Misere macht, aber einen Anteil hat seine Leistung sicher auch. Aber auch andere Spieler fielen durch Formschwäche auf.

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Neuer Spieler, neues Glück?

Von einem Spieler hat sich der MBC als Auswirkung der Krise inzwischen getrennt. Die Formkurve von Simonas Serapinas ging steil in den Keller. Der Litauer, eigentlich ein ausgewiesener Scharfschütze von jenseits der Dreierlinie, traf während der Niederlagenserie nur noch in zwei Spielen überhaupt noch einen Dreier, insgesamt vier bei 15 Versuchen. Die Spielzeit ging abwärts – in den letzten fünf Spielen kam Serapinas gerade noch auf 10 Minuten im Schnitt – und vor dem Allstar break trennte man sich schließlich „im gegenseitigen Einvernehmen“.

Als Ersatz soll nun ein alter Bekannter. Der 31-jährige Beckham Wyrick soll den Wölfen ab sofort – und somit auch schon gegen Alba Berlin – mit seiner Erfahrung helfen. Wyrick ist ein guter Verteidiger und sicherer Dreierschütze, wenn auch inzwischen nicht mehr der Allerschnellste. In dieser Saison hat er noch kein Spiel bestritten, Spielpraxis dürfte er nicht haben. Die – nicht allzu große – Lücke, die Serapinas hinterlässt, sollte „Becks“ jedoch schließen können.

Motivation – Gegner im Kopf

Motivation sollte auf der Seite des MBC das geringste Problem sein, das Heimpiel gegen Alba Berlin ist traditionell eines der Highlights der Saison. Dafür zieht das Team aus Sachsen-Anhalt sogar in den Freistaat Sachsen, ganz genau in die Arena Leipzig um, die 7.500 Zuschauer fasst und wohl recht gut gefüllt sein wird. Für dieses Event-Spiel auf großer Bühne, noch dazu gegen den souveränen Tabellenführer muss sicher niemand extra motiviert werden. Darauf hat man sich intensiv seit einer Woche vorbereitet. Alba muss sich auf einen Gegner einstellen, der motiviert bis in die Haarspitzen sein wird. Aber Alba kämpft nicht nur gegen den MBC sondern auch gegen den Gegner im Kopf. Die Niederlagenserie des MBC könnte doch im Hinterkopf sein. In Verbindung mit der Müdigkeit nach dem Euroleague-Auswärtssieg und der geringen Vorbereitung auf den Gegner kann das eine gefährliche Mischung sein.

Alba MBC Pantelic Leon Radosevic

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