San Antonio Spurs: Das etwas andere NBA-Team

Nach zwei Jahren ist es am kommenden Mittwoch wieder so weit: ein NBA-Team gastiert erneut in Berlin und trägt eine Begegnung gegen Alba aus. Vieles um diese Partie sollte den Fans eigentlich missfallen: zum einen gibt es da die exorbitant hohen Ticketpreise oder die unglückliche Terminierung (und der damit verbundenen Verschiebung der Bundesliga-Begegnungen gegen Bonn). Rein sportlich betrachtet wird dem Zuschauer aber am Mittwoch jedoch sehr viel geboten. Denn mit den San Antonio Spurs gastiert eben nicht nur der amtierende NBA-Meister – und damit wohl das stärkste Team der Welt – in Berlin, sondern auch eine Mannschaft die eben nicht in das klassische Raster amerikanischer Mannschaften passt.

NBA/Getty Images
NBA/Getty Images

Das Freundschaftsspiel zwischen Alba Berlin und den Dallas Mavericks im Jahr 2012 stand ganz im Zeichen von Dirk Nowitzki. Der gebürtige Würzburger stellt nicht nur das Gesicht des Vereins dar, sondern ist eben auch in Deutschland ein bekannter Superstar. Stars bieten auch die Spurs, jeder Basketball-Affine Mensch kennt Tim Duncan, Tony Parker oder Manu Ginobili. Doch die Texaner und ihre Erfolge (5 NBA Meisterschaften, seit 17 Jahren immer in den Playoffs) können nicht auf diese Namen reduziert werden. Ganz im Gegenteil.

Greg Popovich
Architekt des Erfolges: Greg Popovich

Wie die San Antonio Spurs in den USA zu einem der erfolgreichsten Sportvereine werden konnten, hängt an mehreren Faktoren. Architekt des Erfolges ist jedoch sicherlich Greg Popovich: der Sohn eines Serben und einer Kroatin übernahm 1996 den Trainerjob in Texas und prägt den Klub seit dem maßgeblich. Der 64-Jährige war zuvor als Soldat u.a. auch in Europa stationiert, was, gemeinsam mit seinem serbo-kroatischen Hintergrund, seine Offenheit gegenüber internationalem Basketball erklären kann. Diese Eigenschaften spiegeln sich maßgeblich im Spielstil der Spurs wider. Keine andere Mannschaft spielt so mannschaftsdienlich, so „international“ und eben so unamerikanisch. Die typischen NBA-Isolationen, bei denen vorrangig auf die athletischen Fähigkeiten der einzelnen Spieler gesetzt wird, findet man hier nicht. Dagegen werden Ball und Spieler viel bewegt und die offenen Schützen gesucht. Der neue Assistenztrainer Ettore Messina gab uns vor ein paar Tagen eine kurzen Überblick, was die Spurs so besonders macht. Zudem schafft es „Pop“ immer wieder, Stärken einzelner Spieler effektiv einzusetzen und ihre Schwächen zu kaschieren. So gelingt es ihm, die Mannschaft punktuell mit Akteuren zu verstärken, die wenig Gehalt verbrauchen und die andere Mannschaften gar nicht erst auf dem Radar haben. Zusätzlich vermittelt der Trainer seinem kompletten Coaching-Team und seinen Spielern das Gefühl, respektiert zu werden, wie uns auch Marco Belinelli bestätigte: „Er ist ein unglaublicher Trainer, weil er alle Spieler respektiert. Er kann sehr streng sein, was er natürlich auch sein muss um seine Spieler anzuspornen, ist zugleich aber auch sehr sympathisch.

Auch Training kann spaß machen: Marco Belinelli
Auch Training kann spaß machen: Marco Belinelli

Als besonders international gilt der Spielstil der Spurs nicht nur, weil oft ein großer Spieler auf dem Feld steht, der auch von außerhalb der Dreierlinie agieren kann, sondern auch, weil ein großer Teil des Kaders die ersten Basketballschritte u.a. in Europa unternommen hat. Paradebeispiel ist dafür auch Manu Ginobili. Der Argentinier startete seine Profikarriere in Italien und war während seiner Zeit bei Kinder Bologna eines der prägendsten Gesichter des europäischen Basketballs. 1999 wählten ihn die Spurs an 57. Stelle des Drafts (was wiederum das Geschick von Popovich beweist). Der Guard selber sagte uns, dass die Zeit in Europa ihn enorm beeinflusst hat: „Italien hat mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Vorher hatte ich vielleicht Talent und ein paar nette Sachen drauf. In Italien, besonders bei Kinder, bin ich ein mannschaftsdienlicher Spieler geworden der wollte, dass seine Mitspieler gut spielen. Wir haben in mehreren Finals gespielt, ich habe dadurch auch an Selbstvertrauen gewonnen und wusste was ich auf dem Feld zu tun habe.

Manu Ginobili im Gespräch mit Alba Inside
Manu Ginobili im Gespräch mit Alba Inside

Die Spielphilosophie vereinfacht nicht nur internationalen Spielern den Sprung in die NBA, sondern durchaus auch Amerikanern, die über den Zwischenschritt Europa den Sprung zurück über den großen Teich machen. „Definitiv haben mir meine Erfahrungen in Europa sehr geholfen mich zu integrieren“ sagt Danny Green. Der US-Amerikaner hatte zwischenzeitlich in der Euroleague bei Olimpija Ljubljana angeheuert, als die NBA über Monate wegen des Lockouts 2011 unterbrochen wurde. „Greg Popovich mag es den Ball in Bewegung zu sehen, das Spielfeld auseinander zu ziehen und viel Pick and Roll zu spielen.“ Auch menschlich habe ihn die Zeit in einem anderen Land geholfen, sagt der ausgewiesene Distanzschütze: „Es war eine großartige Erfahrung, die einen auch bescheidener machen lässt. Ich habe nun auch viel mehr Respekt vor der europäischen Spielweise, vorher kannte ich es nicht, nun schon.

Leichte integration durch Europa-Erfahrung: Danny Green
Leichte integration durch Europa-Erfahrung: Danny Green

Eines werden also die Albatrosse am Mittwoch nicht erwarten können: dass die Spurs ihre Mannschaft unterschätzen oder Probleme mit der Spielweise kriegen könnten. Auch wenn natürlich der Spaß im Vordergrund stehen wird, sind die Voraussetzungen zwischen den Teams einfach zu unterschiedlich. Während Alba seit mehr als 2 Monaten voll im Training ist, trainieren die Texaner seit knapp 2 Wochen. „Wir versuchen gerade alle wieder in den Spielrythmus zu kommen. Wir versuchen unser Trainingsprogramm gut umzusetzen um bereit für das erste NBA-Saisonspiel zu sein“ erklärt Marco Belinelli den aktuellen Trainingsstand. Trotz des unterschiedlichen Vorbereitungsstands erwartet der Italiener ein schönes Duell.

Sicherlich gäbe es sportlich noch viel mehr zum kommenden Spiel zu schreiben aber ab jetzt heißt es nur noch zurücklehnen und genießen. Es bleibt immer noch ein Testspiel – aber eines mit einem außergewöhnlichen Gegner.

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