Saisoneröffnungs-Pressekonferenz

Saisoneröffnungs-Pressekonferenz mit (v.l.n.r.) Justus Strauven, Sasa Obradovic, Dr. Axel Schweitzer und Marko Baldi
Saisoneröffnungs-Pressekonferenz mit (v.l.n.r.) Justus Strauven, Sasa Obradovic, Dr. Axel Schweitzer und Marko Baldi

Am vergangenen Montag lud Alba zur Saisoneröffnungs-Pressekonferenz ein. Bei Häppchen und Getränken im „World Diner“ in der o2-World, stellten sich Justus Strauven, Sasa Obradovic, Dr. Axel Schweitzer und Marco Baldi vor die Kameras und den Journalisten und gaben einen Ausblick auf die in Kürze startende Saison. Anschließend fand ein öffentliches Training statt, bei dem zuvor auch die Spieler befragt werden konnten.

Fast exakt vier Monate liegen zwischen dem enttäuschenden Playoff-Aus gegen Würzburg und der Pressekonferenz. Ein langer Zeitraum, in dem vieles passiert ist. Wer hätte gedacht, dass Marco Baldi voller Vorfreude die „aufregendste Saison der Geschichte“ ankündigt, während im Mai noch die Spieler wie geschlagene Hunde aus der Würzburger Halle schlichen. Nach dem Erstrunden-Aus hatte man allerlei erwartet aber sicherlich nicht eine solche Kehrtwende. Statt bangen, ob man überhaupt europäisch spiele, hieß es auf einmal: Euroleague. Erwartete man Kürzungen im Spieleretat, gab es stattdessen eine Steigerung im einstelligen Prozent-Bereich und zusätzlich einen neuen Trikotsponsor.

Für Baldi sind das Spiel gegen die Dallas Mavericks und die Austragung der Pokal-Endrunde ebenfalls entscheidende Gründe, um die Spielzeit als aufregendste der Vereinsgeschichte zu prophezeien. Symbolisch ist für Baldi die erste Woche der Saison: Zum Auftakt kommt mit den Artland Dragons gleiche eine Spitzenmannschaft in die Arena am Ostbahnhof. Nur drei Tage später folgt das Show-Spiel gegen Dirk Nowitzki und die Mavericks. Eine Begegnung, auf die laut Baldi ganz Deutschland gewartet habe, weil die Fans nicht „Die Seattle Supersonics gegen Indiana Pacers sehen wollen. Die wollen ein deutsches Team gegen ein NBA-Team sehen“. Betont wurde natürlich auch die Anziehungskraft der beiden „Basketball-Marken“: Alba und Nowitzki. Wirtschaftlich profitieren die Albatrosse jedoch wohl nicht vom Spiel, das bleibt ganz der NBA überlassen, die zudem noch ein „Pflichtenheft“ in die Hauptstadt geschickt hat. Einige Punkte, wie z.B. die Spielregeln und Spielzeit sind bis heute nicht klar. In jedem Fall hält die NBA die organisatorischen Zügel fest in der Hand, Albas Einfluss ist gering. Man kann sich also vorstellen, dass die Partie am 6. Oktober  definitiv kein Heimspiel wird. Nach dem Dallas Spiel folgt bekanntlich der Euroleague-Auftakt gegen Siena und rundet eine symbolträchtige Woche ab.

Zu den sportlichen Zielen äußerte sich Baldi vorsichtig:

– In der Bundesliga wolle man zumindest das Halbfinale erreichen und dann schauen, was möglich ist. Bayern München sei mit dem höchsten Etat und der fehlenden Doppelbelastung, neben Bamberg der Favorit. Ulm, Quakenbrück und Oldenburg schätzt Baldi auf Augenhöhe mit Alba ein.

– Aufgrund der Austragung des Top 4 in Berlin, wird erwartet, dass alles mobilisiert wird damit der Pokal auch in der Hauptstadt bleibt.

– In die Euroleague-Saison geht man, trotz der Vorfreude, vorsichtig pessimistisch. Man kann angesichts der Konkurrenz nicht mit einem Weiterkommen rechnen, möchte es jedoch natürlich versuchen unter die letzten 16 zu kommen.

Ebenfalls zu Wort kam Sasa Obradovic, der laut Baldi den Slogan „Mit Leib und Seele“ perfekt verkörpere und dies auch auf dem Spielfeld zeigen wird. Attraktiver und spannender Sport, sowie Leidenschaft und Wille möchte man den Zuschauern bieten und damit die Botschaft hinter dem Slogan auch mit Leben erfüllen. Der neue Headcoach zeigte sich durchaus zufrieden mit dem Verlauf der Vorbereitung und der getroffenen Spielerauswahl. Jedoch gibt es noch die eine oder andere Baustelle, wie die Fitness von Albert Miralles sowie der Fakt, dass mehrere Leistungsträger (Miralles, Djedovic, Schaffartzik, Idbihi) erst spät zum Team gestoßen seien.

Zu den finanziellen Aspekten:

Abseits der sportlichen Bereiche, interessiert natürlich auch die finanzielle Lage des Vereins. Wurde in der Vergangenheit seitens der Fans oft die Stagnation im Etat bemängelt, konnte Alba mit der Gewinnung des neuen Trikotsponsors und der bereits erwähnten leichten Etatsteigerung überraschen. Die Einnahmen aus dem TinTag-Deal sind übrigens noch nicht im aktuellen Kader verplant. Zudem möchte der Verein weiter auf eine breite Sponsoren-Pyramide bauen und erhofft sich durch zusätzliche Investitionen im Bereich Sponsoring und Marketing, sowie durch die Rückkehr von Ansgar Niggemann weitere Erfolge zu erzielen. Das finanzielle Engagement der Alba Group soll laut Dr. Axel Schweitzer weiterhin nicht die 25%-Grenze überschreiten, egal ob der Etat sinkt oder steigt. Den Aufsichtsrat-Vorsitzenden stört auch nicht, dass die Alba Group künftig nicht mehr so präsent auf dem Trikot zu sehen sein wird.

Marco Baldi äußerte sich auch zur aktuellen Lage in der Basketball-Bundesliga und betonte die rasante Entwicklung durch Zahlen: Das Budget aller Vereine zusammengerechnet sei in den vergangen 2 Jahren um 23% auf 74 Millionen Euro gestiegen. Während das Durchschnittsbudget der Teams vor 7 Jahren noch bei 2 Millionen Euro lag, liegt es nun bei 4,5 Millionen Euro. Laut dem Sponsorenverband „fasbo“ wird der BBL neben dem Fußball das größte Entwicklungspotenzial zugeschrieben. Rentieren würde sich auch, dass die BBL-Vereine solide wirtschaften, finanziell gesund seien und insgesamt nur wenig von Mäzenen abhingen. Das verkleinert den Abstand zu den schwächelnden Ligen wie die Griechische und mache die sportliche Schere damit kleiner.

Nachwuchsarbeit

Zu einem weiteren großen Kritikpunkt der vergangen Jahre äußerte sich Baldi ebenfalls. Die Lücke zwischen dem Nachwuchs-und Profibereich soll sich schließen, damit künftig wieder mehr Eigengewächse im Kader der ersten Mannschaft stehen. Dieser Prozess soll für die kommende Spielzeit und die nächsten Jahre einen Schwerpunkt darstellen. Ohne Namen genannt zu haben, kritisierte Baldi die verschärften Abwerbungsversuche aus dem In-und Ausland. Das damit konkret der Abgang von Malik Eichler zu Real Madrid und Mauricio Marin zu Bayern München gemeint war, lag auf der Hand. Aufgrund der steigenden Aggressivität bei den Abwerbungsversuchen fordert Baldi eine verbessere Zusammenarbeit mit der BBL. Diese müsse mit den Vereinen einen Investitionsschutz erarbeiten um gegen das forsche Vorgehen mancher Teams vorgehen zu können.

Trotz der Problematik verlangt Baldi von den jungen deutschen Spielern mehr Durchsetzungsvermögen. Diese dürften sich nicht auf der Quote ausruhen, sondern müssten diese als Chance und Verpflichtung zugleich betrachten.

2 Gedanken zu „Saisoneröffnungs-Pressekonferenz“

  1. Also Pacers gegen Sonics würde ich mir ansehen. Wäre gespannt wie man gegen ein nicht mehr existiertendes Team spielt. 🙂 Sponsorengelder noch nicht dieses Jahr verplant, dann kann nächstes Jahr noch ausgerüstet werden, oder weiter der Nachwuchsbereich ausgebaut werden.

  2. Pacers gegen Sonics war das letzte NBA Spiel in Berlin. 1994 oder 1995 war das glaube ich, damals noch in der Deutschlandhalle. Daher die Bemerkung von Baldi.

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