Rückspiegel: Das war das Jahr 2015 (III)

Alba_Rueckspiegel_2014Das Jahr 2015 ist schnell vergangen, 2016 klopft schon an die Tür. Auch wir möchten bei den mehr oder weniger beliebten Jahresrückblicken mitmischen und blicken, wie letztes Jahr, noch einmal auf die wichtigsten Ereignisse des Kalenderjahrs 2015 zurück. Das waren nicht wenige. Ganze 69 Pflichtspiele hat Alba Berlin über die zwölf Kalendermonate verteilt bestritten. Viele Schlachten wurden geschlagen, grandiose Siege wurden gefeiert, genauso aber auch bittere Niederlagen erlebt. Das abgelaufene Jahr bot zahlreiche erwähnenswerte Momente und gehörte sicherlich zu den aufregendsten der jüngsten Vereinsgeschichte. Von den 69 Pflichtspielen hat Alba ganze 44 gewonnen, folgerichtig gab es auch 25 Niederlagen. Das sind aber nur Zahlen und die interessieren in Jahresrückblicken nur marginal, werfen wir also ein Blick auf die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2015.

3.5.2015 Alba Berlin – Brose Baskets Bamberg (72:78)

Eine Basketball-Saison ist ein Marathonlauf, die Playoffs sind der Schlussspurt. Über Monate hinweg versuchen sich 18 Bundesliga-Mannschaften möglichst einen der ersten acht Plätze zu belegen und im Idealfall so weit vorne wie mögliche zu landen, um für den Schlussspurt die besten Karten (sprich: Heimvorteil) zu haben. Auch nach dem Ende der Titel-Ära hatte Alba meistens den ersten Tabellenplatz nach 34 Spieltagen fest gebucht. Seit einigen Jahren spiegelt sich die zunehmende Finanzkraft aus dem Süden der Republik auf die Tabellensituation aber auch in der Rangliste wider: Seit sechs Jahren (zuletzt 2008/2009) waren die Berliner nicht mehr aus der Pole-Position in die Playoffs gestartet.

Lange sah es so aus, als würde Alba nach 34 Spieltagen endlich mal wieder auf Platz eins landen. Erst am 15. Spieltag kassierte das Team in der Liga die ersten Niederlage (Auswärts in Bamberg), nur eine Schwächephase Anfang Februar, bedingt durch kleineren Verletzungen und der zunehmenden Auswirkung der Doppelbelastung, machten den Spitzenkampf in der Liga nochmal spannenden. Drei BBL-Niederlagen in Serie (gegen Frankfurt, Oldenburg und Ludwigsburg) ließen den komfortablen Vorsprung schmelzen, plötzlich hatte man Bamberg wieder an den Fersen.

Ausgerechnet Bamberg kündigte sich zum letzten Bundesliga-Spiel vor den Playoffs an. Rein historisch gesehen schon eine große Partie, gewann dieses Aufeinandertreffen durch die klare Ausgangslage noch einmal an Bedeutung hinzu; der Gewinner sollte als Erster in die Endrunde gehen und damit in allen möglichen Serien Heimrecht genießen und konnte in einem möglichen Halbfinale dem FC Bayern aus dem Weg gehen. Zudem hatte Alba noch eine Rechnung offen, im Saison-Verlauf hatte man bereits zweimal recht deutlich gegen die Franken verloren.

Die Begegnung vor 13.700 Zuschauern entwickelte sich zum Sinnbild der kompletten Saison. Heimspiel in einer entscheidenden Begegnung, Intensität, Spannung, sehenswerte Aktionen – und am Ende steht Alba mit leeren Händen da. Von Beginn an konnte sich kein Team entscheidend absetzen, es entwickelte sich ein Schlagabtausch auf hohem Niveau. Albas Offensive kam nie so richtig ins Rollen, besonders die sonst so konstanten Bigmen taten sich schwer. Zur Mitte des letzten Viertels erspielten sich die Bamberger dann den knappen, aber entscheidenden Vorsprung. Davon erholte sich das Alba-Team nicht mehr, mit hängenden Köpfen gingen die Spieler in die Playoffs, während sich das Gäste-Team in fremder Halle von den mitgereisten Anhängern feiern ließ.

Manchmal hat auch ein Marathon einen kurzen, entscheidenden Moment, der den kompletten Lauf, so lang wie er auch sein mag, beeinflusst. Für Alba sollte dieser Moment die eine Niederlage gegen Bamberg darstellen.

04.06.2015 ALBA Berlin – FC Bayern München (96-101 n.V.)

Am 27. September begann die Saison 2014/15 mit dem Spiel beim BBL Championscup gegen den FC Bayern München Basketball mit einem 76-68 Sieg und dem ersten „Titel“. Gegen den gleichen Gegner sollte sie nach 67 weiteren Spielen gegen den gleichen Gegner enden. Ohne dass ein weiterer Titel hinzugekommen wäre, „Master of the Universe“ aka Weltmeister-Besieger ist nicht als ernsthafter Titel anerkannt. Ein Highlight? Nein, aber natürlich ein Meilenstein der Saison. Der letzte.

In der“knapp vorbei“-Saison hatte es Alba verpasst, sich gegen Bamberg zu Hause Platz 1 der Hauptrunde zu sichern und musste als Zweiter den Weg zu einer möglichen Meisterschaft über Oldenburg – München – Bamberg nehmen. Es gibt leichtere. Gegen Oldenburg profitierte man ein wenig von Verletzungssorgen des Gegner und konnte sich so mit „sweep“ gegen die Norddeutschen durchsetzen. Eher solide Kost als grandiose Spielkunst, aber letztlich eben souverän weiter. Pflicht erfüllt, Augen und Gedanken voraus …

Es wird nie einer zugeben, aber der eine oder andere war sicher schon mit einem halben Auge oder Gedanken beim Halbfinale. Die Fans sowieso, Offizielle würden es nie zugeben. FC Bayern München Basketball – das war und ist gut gepflegte Antipathie, ehemals groß gegen möchte-gern groß, ehemals Krösus gegen aktuell Krösus. Das alles gewürzt mit weit mehr als nur einer Prise an Sticheleien und handfesten Streits zwischen den Verantwortlichen der beiden Vereine. „Was wir in der Vergangenheit schon alles haben …“, „Was wir in Zukunft alles werden …“. Das Duell elektrisierte die Massen, Medien, Fans, wurde im Vorfeld zur „vorweggenommenen Meisterschaft“ hoch stilisiert. Am Ende sollte sie weder das eine noch das andere Team gewinnen.

Nicht zuletzt war München das Team, das Alba Berlin zwei Playoff-Serien nacheinander aus den Playoffs eliminiert hatte. Dieses Mal sollte alles anders werden. Die gute Saison in der BBL und vor allem der Euroleague sprach ebenso für Alba wie der Heimvorteil. Und so starteten die Berliner auch in die Serie, ließen den Gästen im ersten Spiel bei der „Klatsche“ (81-55) nicht den Hauch einer Chance. Aber die Höhe eines Siegs ist in den Playoffs nahezu bedeutungslos, im zweiten Spiel drehten die Münchner sofort den Spieß wieder um (85-73), auch weil Cliff Hammonds unter seinen Möglichkeiten blieb, das Spiel nicht wie gewohnt organisierte und in 13 Minuten 5 Fouls kassierte. Das 101-88 wiederum in eigener Halle bedeutete den ersten Matchball für Alba, den sie aber in München knapp nicht verwandeln konnten (83-89). Eigentlich sollten die Spieler das Geschehen bestimmen, im vierten Halbfinale war es etwas anders. In Berlin machte die Frage die Runde, was der Unterschied zwischen Boris Schmidt und Gott wäre (Gott glaubt nicht, er wäre Boris Schmidt …). 35 Fouls gegen Alba hatten nicht unwesentlichen Einfluss auf deren Möglichkeiten, effektiv verteidigen zu können.

So kam es eben am 4. Juni zum Showdown. Sind die Playoffs die Steigerung zur Hauptrunde, dann ist ein fünftes Spiel die absolute Klimax, eine enorme Anspannung. Dinge abseits von rein basketballerischen skills gewinnen an Bedeutung. Dinge wie Nervenstärke, Erfahrung, Kaltblütigkeit. Davon hatte München im entscheidenden Spiel einen Hauch mehr. In solchen Spielen werden Helden geboren oder anders ausgedrückt: when the going gets though, the tough gets going. Die Teams schenkten sich insgesamt nichts, aber einzelne Spieler entscheiden solche Duelle. Nihad Dedovic war so einer, erzielte 30 Punkte, war kaum zu stoppen. Bryce Taylor ein anderer. Eine Minute vor Schluss traf er – nah am Ballverlust – einen ganz schweren, gut verteidigten Dreier, einen den man bei hundert Versuchen keine drei Mal trifft, den große Spieler in großen Momenten treffen. Bezeichnenderweise nach einem steal von Dedovic. Ein Held hätte auch Jamel McLean werden können, der ein double double schaffte, 10 Rebounds pflückte und 29 Punkte erzielte. Einen zu wenig, nur Sieger werden Helden. McLean schaffte per and one den Ausgleich für Alba und hätte im letzten Angriff der regulären Spielzeit zum Matchwinner werden können. Es gab sehr viel Kontakt, Foul ist, wenn der Schiri pfeift, eine Plattitüde, er pfiff nicht. In der Verlängerung kippte das Momentum zugunsten der Münchner. Ein Zweier, ein Dreier und unendlich viele Freiwürfe sorgten – wieder einmal – für das bessere Ende für die Bayern in einer Playoffserie gegen Alba Berlin.

Wenn man eine Playoffserie nach fünf Spielen im fünften Spiel nach Verlängerung verliert, fehlt vielleicht auch ein Quäntchen Glück, aber es passt eben auch in das Bild einer Saison, in der man ein ums andere Mal ganz nahe dran, aber doch knapp vorbei war. Eine Saison, die trotzdem eine Menge großer Gefühle, Dramatik, Tragödie, großen Jubel, Leidenschaft und Leiden in sich hatte. Und ein Team, das den Namen verdiente, wo kein Blatt zwischen die Spieler passte. Vielleicht mehr, als ein Titel.

Umbruch? Na und!

Eine Saison beginnt und endet für gewöhnlich mit Spannung. Während es in den Playoffs um Punkte und Trophäen geht und sich daraus der Nervenkitzel ergibt, handelt es sich bei Beginn einer Spielzeit viel mehr um schon fast kindliche Neugier. Monatelang muss man ohne ein einziges Basketball-Spiel auskommen, während man fieberhaft die Personalentscheidungen des eigenen Vereins verfolgt. Welcher Spieler kommt, wer muss gehen? Wer verlängert seinen Vertrag? Und in welchem europäischen Wettbewerb spielt man in der kommenden Saison überhaupt?

Für die Alba-Fans verlief der Sommer eher enttäuschend. Bis auf die Vertragsverlängerung von Sasa Obradovic, musste man die meiste Zeit erwartete Abgänge von liebgewonnen Leistungsträgern hinnehmen. Wieder einmal hieß es: Umbruch. Zumindest bei den Spielern mit ausländischen Pass. Umso mehr glich das neue Team zum Trainingsauftakt (und heute irgendwie immer noch) einer Wundertüte. Was konnte man von den Neuen erwarten? Sportlich und Menschlich?

Alba Berlin den Rücken zugekehrt
Alba Berlin den Rücken zugekehrt

Uns bot sich die erste nähere Betrachtung in Italien. Nach Slowenien, Görlitz/Zgorcelec und Zielona Gora also ein neues Ziel, von dem wir aus nächster Nähe über das Team berichten konnten. Sonne und Strand, dazu noch ein interessantes Teilnehmerfeld beim Vorbereitungsturnier halfen ebenfalls bei der Entscheidung. Obwohl noch Spieler fehlten, konnte man Stärken und Schwächen des Teams in Italien bereits erahnen. Dass die diesjährige Mannschaft einen ebenso charakterlich einwandfreien Eindruck hinterlassen würde ebenso.

Überstrahlt wurde der Abschluss der Reise durch den überraschenden Abschied von Mithat Demirel. Als wenige Wochen später Ivan Aska noch vor Saisonbeginn gehen musste, verdichteten sich die Anzeichen auf eine turbulentere Spielzeit. Dem Team war das aber offensichtlich egal. Alle Baustellen zum Trotz startete man mehr als erfolgreich in die Saison, acht Siege in Folge feierte man in der Bundesliga. Abschluss dieser Serie war der glanzlose aber deutliche Sieg gegen den neuen Rivalen aus München. Wer hätte nach all den Abgängen und der schwierigen Saisonvorbereitung so einen Saisonstart vorhersehen können? Wir haben das, trotz der Eindrücke aus Caorle, nicht kommen sehen.

Dass das Pendel nur wenig später in die andere Richtung ausschlug und mehrere Niederlagen folgten, trübte schnell das Bild. Es zeichnete sich die erwartete Achterbahnfahrt ab. Doch nach Tiefs folgen auch immer Hochs. Die Frage ist nur, wann in dieser Saison was kommt. Lassen wir uns überraschen.

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