Rückspiegel: Das war das Jahr 2015 (II)

Alba_Rueckspiegel_2014Das Jahr 2015 ist schnell vergangen, 2016 klopft schon an die Tür. Auch wir möchten bei den mehr oder weniger beliebten Jahresrückblicken mitmischen und blicken, wie letztes Jahr, noch einmal auf die wichtigsten Ereignisse des Kalenderjahrs 2015 zurück. Das waren nicht wenige. Ganze 69 Pflichtspiele hat Alba Berlin über die zwölf Kalendermonate verteilt bestritten. Viele Schlachten wurden geschlagen, grandiose Siege wurden gefeiert, genauso aber auch bittere Niederlagen erlebt. Das abgelaufene Jahr bot zahlreiche erwähnenswerte Momente und gehörte sicherlich zu den aufregendsten der jüngsten Vereinsgeschichte. Von den 69 Pflichtspielen hat Alba ganze 44 gewonnen, folgerichtig gab es auch 25 Niederlagen. Das sind aber nur Zahlen und die interessieren in Jahresrückblicken nur marginal, werfen wir also ein Blick auf die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2015.

Nachdem es im ersten Teil um den Jahresauftakt nach Maß gegen Barcelona, das Skandalspiel gegen Galatasaray Istanbul und den „Grand ohne 4“ in Braunschweig ging, werfen wir nun einen Blick auf den überaus ereignisreichen April des Jahrs 2015 …

2.4.2015 Panathinaikos Athen – Alba Berlin (66-68)

In der Athener OAKA möchte man als Gästeteam lieber kein entscheidendes Spiel austragen. In der grünen Hölle hatten sich schon zahlreiche europäische Spitzenteams in der Vergangenheit die Finger verbrannt, Panathinaikos Athen umwehte zudem immer noch die Aura des mehrfachen Euroleague-Champions. Schlechte Karten also für Alba, die unbedingt gewinnen mussten um die Chance auf das Euroleague-Viertelfinale zu wahren? Mitnichten. Sasa Obradovics Jungs schafften es tatsächlich nach 40 Minuten die fanatischen 12.000 Athen-Fans zum Schweigen zu bringen. Es war kein schöner, glanzvoller Sieg, aber das interessierte keinen. Mit viel Willen und Kampf hielt sich Alba im Spiel, obwohl man schnell mit 0-9 in den Rückstand geriet. Immer wieder zog Panathinaikos davon. Doch immer wenn das Spiel aus den Händen zu geraten schien, kämpften sich die Albatrosse zurück ins Spiel. Als Alex Renfroe zwei Minuten vor dem Ende per Tip-In für die 68-66 Führung sorgte, schien die Sensation zum Greifen nahe. Tatsächlich fielen in den letzten 120 Sekunden keine Punkte mehr, der letzte Distanzwurf von AJ Slaughter ging nur an den Ring. Großer Jubel in den Berliner Wohnzimmern, während die Alba Spieler ihre Leistung offenbar nicht so recht realisieren konnte. Es war ein großer Sieg den das Team geholt hatte, eine Woche später hätte man gegen Maccabi Tel Aviv Basketball-Geschichte schreiben können …

Alba Berlin - Panathinaikos Athen, Szene aus dem Hinspiel
Alba Berlin – Panathinaikos Athen, Szene aus dem Hinspiel

09.04.2015 Alba Berlin – Maccabi Tel Aviv (64-73)

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht. Sollte gemacht werden. Hätte gemacht werden sollen. Genau eine Woche nach dem Sieg bei Panathinaikos Athen, zwischendrin noch ein Sieg bei den Artland Dragons, mit dem Kopf schon voraus. Alba Berlin hatte die Chance, Historisches zu schaffen. Es ging um nicht mehr oder weniger, als den Aufstieg in die Beletage des europäischen Basketballs, die Qualifikation für die Top8 der Euroleague. In den 13 Spielen davor hatte Alba Berlin sieben mal das Parkett als Sieger verlassen, Teams wie den FC Barcelona, Panathinaikos Athen, Galatasaray Istanbul, Zalgiris Kaunas oder Roter Stern Belgrad in zum Teil dramatischen Spielen geschlagen. Und den Titelverteidiger Maccabi Tel Aviv in dessen eigener Halle. Dadurch hatte man sich in die Lage gebracht, zu krönen, was man sich mit 25 Jahren Kontinuität auf europäischem Parkett aufgebaut hatte, Anerkennung sollte sich in messbarem Erfolg manifestieren.

Das sind die Momente, für die man als Sportler lebt, für die man tausende Stunden im Training und im Kraftraum schuftet, Horrortrips durch die Ukraine auf sich nimmt, Schmerzen ignoriert, für die man zwei Tage nach einer Beinamputation aufs Feld humpeln würde. Es sind diese Momente, für die jedes kleine oder größere Rädchen in der Organisation Alba arbeitet. Der Moment, auf den man lange hingearbeitet hat. Dazu kam eine ganz klare Situation, für jeden zu (be)greifen. Nichts von wegen, wenn man selbst mit 4 gewinnt, und A gegen B nicht höher als mit 7 verliert oder man mit mit weniger als 6 verliert, aber Z dafür X mit mindestens 11 schlägt … Nein, eine ganz klare Digitalentscheidung. Null oder Eins, Siegen oder Fliegen, do or die, hopp oder top, Sekt oder Selters. Der Sieger weiter, der Verlierer raus. Das mobilisierte die Massen, die Halle war ausverkauft, das Duell Underdog gegen Titelverteidiger in aller Munde bei deutschen und europäischen Basketball-Fans und -Experten. Fast eine nationale Basketball-Angelegenheit, Fans anderer Vereine warfen für ein paar Tage ihre Ressentiments gegen Alba Berlin über Bord. Großes lag spürbar in der Luft.

Sekt für die Gäste. Die Geschichte des eigenen Spiels ist schnell erzählt, Alba fand nie wirklich in Selbiges. Die Last der Bedeutung zu groß? Zu viel Wollen, zu wenig Können. Leistungsträger verkrampften, schöpften nicht ihr Potenzial aus, McLean rannte immer wieder gegen die Drei-Zenter-Wand Schortsianitis, Hammonds konnte das Spiel nicht wie gewohnt aufbauen, ein Renfroe in Topform war zu wenig an diesem Abend. Gegen einen Gegner, der in Devin Smith einen Spieler hatte, den Alba nie in den Griff bekam, der 7 von 10 Dreiern verwandelte, 28 Punkte erzielte. Große Spieler zeigen sich in großen Spielen. Alba kämpfte, gab nie auf, war lange Zeit dicht genug dran, um an die Wende glauben zu können, nach drei Vierteln die Winzigkeit von 2 Punkten zurück. Auch als Radosevic 4 Minuten vor Schluss auf -3 verkürzte, kam noch einmal Hoffnung auf … die eben jener Devin Smith mit seinem siebten Dreier im Keim erstickte.

Knapp vorbei erscheint in keinem Geschichtsbuch. „Nah dran, aber knapp vorbei“ könnte als Fazit für dieses Spiel gelten, aber im Prinzip auch für die gesamte Saison. Alba Berlin hat seinen guten Ruf in Europa mit einer absolut großartigen Top32-Runde der Euroleague eindrucksvoll bestätigt, Historisches aber verpasst.

Alba Berlin Maccabi Tel Aviv 090415 19
Bemüht, aber erfolglos: Redding gegen Smith, Mc Lean gegen Schortsianitis

11./12.04. Pokal Top4 in Oldenburg

Keine Atempause, die Zweite. Um Geschichte zu machen, gibt der Pokal eh zu wenig her. Trotzdem ist das Top4 Turnier ein Erfolgsmodell, die Fans der teilnehmenden Teams verbringen meist ein großartiges Wochenende miteinander; es sei denn, man ist Bonner, dann findet man alles doof, kommerziell und eh Mist. Der Beko BBL Pokal gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen, da er ein sehr verkürzter Wettbewerb ist, der Ausrichter ihn mit 2 Siegen gewinnen kann. Nicht wenige behaupten, der Pokal wäre kein richtiger Titel … es sei denn, man gewinnt ihn. Alba hat ihn nicht gewonnen! Jedenfalls nicht im Jahre 2015. Trotzdem ein Highlight?

Sportlich ist der Wert wie gesagt ja nicht so riesig, aber das Turnier in Oldenburg hat eine Menge bewegt beim Zusammenwachsen zwischen Team und Fans. Im Halbfinale kämpfte Alba 43 Stunden nach dem Aus in der Euroleague gegen Maccabi Tel Aviv mit stumpfen Waffen. Mental ausgebrannt und physisch erschöpft hatte man gegen Bamberg keine Chance und verlor klar mit 65-86 gegen die Franken. Und wurde trotzdem gefeiert! Sicher nicht für dieses eine Spiel gegen Bamberg, viel mehr für die Saison bis dahin und vor allem für die sensationellen Euroleague-Auftritte. „Sing when they’re winning“ kann jeder, die Beziehung Team – Fans erreichte aber einen Status, bei dem Unterstützung nicht ergebnisabhängig ist. Das war die eigentliche Erkenntnis des Pokalturniers.

Und die Fans von Alba setzten am zweiten Tag sogar noch einen drauf, haben „die Hütte so richtig abgerissen“.  Beim unglaublich unwichtigen Spiel um Platz 3 – beim Pokal gibt es nur die Stati „Gewinner“ oder „Nichts“ – gegen die Baskets Bonn (85-69-Sieg), bei dem Alba einige Spieler schonte, erzeugten die über 800 Berliner Fans, eine Stimmung, wie es sie noch nie bei einem Spiel um Platz 3 gegeben hatte. Danach dann noch vor der Halle Freibier und get together mit Spielern und Verantwortlichen, wo jeder seinen Lieblingsspielern mal sagen konnte, was er schon immer mal sagen wollte. Die gute Stimmung wurde dann auch noch in die Halle zurück getragen und der Gastgeber Oldenburg lautstark gegen die brose baskets unterstützt. Dass sich dann auch noch die Oldenburger gegen den großen Favoriten durchsetzten, war das i-Tüpfel auf ein – mal abgesehen vom Sportlichen – tolles Wochenende aus der Fan-Perspektive. Den Erzrivalen aus Franken hätte man deutlich weniger gern jubeln gesehen …

Nichts gewonnen und doch ein Highlight, denn das Turnier brachte der Alba-Fanszene sehr viel Respekt für den support ein und schweisste Team und Fans zusammen.

Hier noch einige Impressionen vom Spiel (Fotos)

support deluxe
support deluxe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *