Rückspiegel: Das war das Jahr 2015 (I)

Alba_Rueckspiegel_2014Das Jahr 2015 ist schnell vergangen, 2016 klopft schon an die Tür. Auch wir möchten bei den mehr oder weniger beliebten Jahresrückblicken mitmischen und blicken, wie letztes Jahr, noch einmal auf die wichtigsten Ereignisse des Kalenderjahrs 2015 zurück. Das waren nicht wenige. Ganze 69 Pflichtspiele hat Alba Berlin über die zwölf Kalendermonate verteilt bestritten. Viele Schlachten wurden geschlagen, grandiose Siege wurden gefeiert, genauso aber auch bittere Niederlagen erlebt. Das abgelaufene Jahr bot zahlreiche erwähnenswerte Momente und gehörte sicherlich zu den aufregendsten der jüngsten Vereinsgeschichte. Von den 69 Pflichtspielen hat Alba ganze 44 gewonnen, folgerichtig gab es auch 25 Niederlagen. Das sind aber nur Zahlen und die interessieren in Jahresrückblicken nur marginal, werfen wir also ein Blick auf die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2015.

 2.1.2015 Alba Berlin- Barcelona (80-70)

Am 2. Januar anno 2015 geschah Unglaubliches! Etwas, wovon nur absolute Insider wussten, was alle anderen jedoch für absurd und pure Phantasie hielten: Sasa Obradovic lachte! Von einem Ohr zum anderen, aus vollem Hals. Außergewöhnliches musste passiert sein, knapp 48 Stunden nach dem Jahreswechsel. Die Rauchschwaden der Silvesterraketen waren kaum verzogen, das Donnern der Böller kaum verhallt, da begann für Alba Berlin der Start in die Top16-Runde der Euroleauge, für die man sich souverän über die Vorrunde qualifiziert hatte. Das Losglück wollte es so, dass man dort im ersten Spiel zu Hause den spanischen Meister empfangen durfte. Was man so Glück nennt … Schließlich kam nicht nur eines der erfolgreichsten europäischen Teams aller Zeiten mit gefühlten 100 nationalen und internationalen Titeln, sondern auch das Team, das so souverän wie kaum ein zweites durch die Vorrunde marschiert war und mit 9-1 natürlich Gruppensieger wurde.

Sensationssieg zum Jahresauftakt gegen Bacelona
Sensationssieg zum Jahresauftakt gegen Bacelona

Der Beginn des Spiels erfüllte dann auch alle Klischees und Erwartungen von David und Goliath, beide Teams fügten sich in die zugedachten Rollen von Top-Favorit und Underdog. Unnötig zu erwähnen, welchem Team dabei welche Rolle zugedacht war. Die meisten der knapp 9.400 Zuschauer kamen wohl eher in die Halle, um beim Verdauen des Festtagbratens einige europäische Stars beim Zelebrieren der hohen Kunst des Basketballs zu bestaunen, an eine Chance der Berliner glaubte wohl kaum einer. Ebenso schauten zunächst die Herren Hammonds, Redding, Giffey, McLean und Radosevic ehrfürchtig den Stars der Katalanen um Ante Tomic, Justin Doellman oder Marcelinho Huertas beim Basketball spielen zu. Letztere hatten nach 7 Minuten bereits 19 Punkte auf dem Konto, nur ganz dezent gestört durch einen Dreier von Renfroe und einen Korbleger von McLean. So weit, so schlecht, alles nach Drehbuch. Wenn nichts mehr geht, hilft vielleicht nur noch ein Appell an die Ehre. Dort hat Obdrovic seine Spieler gepackt, die sich endlich auf das besannen, was sie erfolgreich durch die Vorrunde gebracht hatte: knallharte Defense!

Nach und nach kam Alba besser ins Spiel, Alex Renfroe war von Barcelona nur schwer zu stoppen, von einer erfolgreichen Defense zur nächsten, einem erfolgreichen Abschluss vorne nach dem anderen kam Alba immer besser ins Spiel, erzielte in den letzten drei Minuten des ersten Viertels noch 11 Punkte und ließ nur noch vier weitere zu, was natürlich immer noch einen deutlichen Rückstand zur Pause bedeutete. Aber Alba schloss im zweiten Viertel dort an, wo sie im ersten aufgehört hatten. Nach 16 Minuten war es dann soweit; Renfroe erzielte mit einem schwierigen Korb und Bonus-Freiwurf der Ausgleich, Leon Radosevic im nächsten Angriff die erste Alba-Führung. Ab da war es ein nicht für möglich gehaltenes Spiel auf Augenhöhe, auch die Zuschauer wachten auf und rochen die mögliche Sensation. Zur Halbzeit noch einen Punkt hinten, zogen die Berliner im dritten Viertel nochmals die Schrauben in der Defense an. 23 – 17 – 8, das waren die Punkte, die Barcelona in den ersten drei Vierteln erzielte. Vorne sorgten vor allem Hammonds (7), Redding (5) und Radosevic (5) für eine 13 Punkte Führung vor dem letzten Spielabschnitt. Aber Barcelona wäre nicht ein Topteam, wenn sie nicht in der Lage wären, solch einen Rückstand aufholen zu können. Einen Zonendefense sorgte für Verunsicherung bei den Berlinern und eine offensive Flaute, auch die schwindenden „Körner“ nach der kraftraubenden Defense des zweiten und dritten Viertels machten sich bemerkbar. Aber auch diese Durststrecke wurde dank immer wieder Punkten von McLean am Brett überstanden und als Leon Radosevic die Führung fünf Minuten vor Ultimo auf 17 Punkte schraubte, war der Sieg gesichert. Die Alba-Spieler waren stehend k.o., aber die Aufholjagd von Barcelona war eher eine Ergebniskosmetik, dichter als 10 Punkte sollten sie nicht mehr heran kommen.

David hatte Goliath den Stein an den Kopf geschleudert und dieser war tatsächlich umgefallen. Für den Riesen war es nur eine von vier Niederlagen in den ersten 24 Euroleague-Spielen der ersten beiden Runden, für Alba Berlin konnte das Jahr nicht beginnen. Nicht nur das Jahr. Auch die Top16 Runde – diese zu erreichen ist für deutsche Teams schon eine große Leistung – sollte noch einige highlights bieten. Das war beim Sieg gegen Barcelona noch nicht vorhersehbar, dieser Erfolg legte jedoch den Grundstein. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass man Sasa Obradovic lachen sah …

1.3.2015 Löwen Braunschweig – Alba Berlin (64-71)

Braunschweig? Highlight? Bei allem gebotenen Respekt, die Spiele gegen die Niedersachsen stehen nicht unbedingt traditionell für Saison-Höhepunkte. Es waren die Umstände um das Spiel herum, die es zu einem besondereren machten. Mindestens einmal im Jahr absolviert Alba ein Spiel, bei dem vor vornerein alle äußeren Umstände gegen einen Sieg sprechen. Ein solches Spiel gab es z.B. 2014, bei der irrwitzigen Reise durch die Ukraine. Auch in diesem Jahr mussten die Berliner eine Partie mit Handicap bestreiten. Am vorgezogenen 27. Spieltag der BBL ging es nach Braunschweig. Reisetechnisch drohte dieses Mal kein Chaos, schließlich ist die jährliche Fahrt nach Niedersachsen eine der kürzesten Auswärtsfahrten. Die Herausforderung lag viel mehr in den personellen Problemen, Clifford Hammond und Jamel McLean fehlten verletzt, dazu musste das Team auf Sasa Obradovic und Alex Renfroe verzichten. Beide wurden von der Liga nach der kleinen Schubserei am Rande des Heimspiels gegen Oldenburg für ein Spiel gesperrt. Dazu hatte man nicht einmal zwei Tage vor der Fahrt nach Braunschweig ein schweres Auswärtsspiel in Barcelona nach Verlängerung verloren.

Zu allem Überfluss trafen die Albatrosse, die zuvor in der BBL drei Niederlagen in Folge kassiert hatten, auf Braunschweiger im Aufschwung. Das Heimteam hatte aus den letzten acht Spielen, sechs Siege geholt. Vieles sprach also dafür, dass Berlin im Kampf um Tabellenplatz eins einen weiteren schweren Schlag hinnehmen müsste.

Aller Umstände zum Trotz startete Alba gut in die Partie, Jonathan Tabu und insbesondere Ismet Akpinar nutzten ihre seltene Möglichkeit auf nennenswerte Spielanteile konsequent aus. Dazu kam die große Stärke des 2014/2015er Teams; jeder Spieler leistete seinen Beitrag, die Last wurde, trotz der vielen Ausfälle, weiter auf mehrere Schultern verteilt. Mit einer, überraschend deutlichen, 41-27 Führung ging es in die Halbzeitpause.

Das harte Programm der Vorwochen und die personellen Probleme machten sich jedoch nach der Pause schlagartig bemerkbar. Plötzlich war Braunschweig da, Alba konnte die Intensität nicht mithalten und verlor das dritte Viertel mit 10 zu 28. Führung weg, müde Beine und gegnerisches Team mit Euphorie und Fans im Rücken. Das Spiel schien die erwartete Richtung einzunehmen.

Es kam anders. Die Berliner bissen sich im Spiel fest und hielten den Spielstand trotz massiver Foulprobleme bis zum Schluss knapp. Die exzellente Teamarbeit sorgte in der crunch time für den Unterschied. Niels Giffey sorgte mit einem Distanzwurf kurz vor dem Ende für eine 3-Punkt-Führung. Im Gegenzug blockte Reggie Redding den Layup-Versuch von Derrick Allen und leitete den letzten Fastbreak mit einem Pass auf Akeem Vargas ein, der zum entscheidenden 69 zu 64 erhöhte. Das Team hatte erneut unter Beweis gestellt, aus welchem Holz es geschnitzt war. Auf den ersten Blick mag der Sieg nur wie gewöhnlicher Liga-Alltag aussehen, bei genauerer Betrachtung jedoch, stellte es viel mehr dar, sorgte für Zusammenhalt und ein Zusammenschweißen des Teams in einer kritischen Situation.

19.3.2015 Alba Berlin – Galatasaray Istanbul (75-68)

Wenn der Sport bei einer Sportveranstaltung in den Hintergrund rückt, ist das in den seltensten Fällen ein gutes Zeichen. Diese Regel bestätigte sich auch am 11. Spieltag des Euroleague Top16, beim Heimspiel gegen Galatasaray Istanbul. Bereits das Hinspiel bot eine gespenstische Kulisse, Istanbul musste aufgrund einer Strafe vor leeren Rängen antreten. Doch das Rückspiel sorgte in negativer Hinsicht nochmal für größere Furore. Ein großer Mob aus gewaltsuchenden Galatasaray-Fans stürmte vor Spielbeginn die Haupttribüne und machte sich kurze Zeit später auf den Weg in den Berliner Heimblock. Fäuste und Stühle flogen, ein Böller explodierte, mehrere Berliner Fanmaterialien wurden entwendet (und später offenbar zurückgegeben). Bilder die man vom deutschen Basketball überhaupt nicht kannte und sowohl Zuschauer, als auch Sicherheitskräfte völlig überraschte. Nach einigen Minuten beruhigte sich die Situation, etwas später marschierte die Polizei in die Halle ein. Das Spiel begann mit einer Stunde Verspätung, vielen Berlinern war die Lust am Basketball vergangen und diese hatten sich schon auf dem Heimweg gemacht. Das Alba dieses wichtige Spiel mehr oder weniger souverän gewann, spielte an diesem Abend keine Rolle mehr. Vielmehr wird man sich eher an die Bilder von Jamel McLean und Reggie Redding erinnern, wie sie die Kinder von Cliff Hammonds in Sicherheit bringen. Oder an den demolierten Gästeblock. Ein Abend, den man so schnell nicht vergessen wird. Leider nicht aus sportlichen Gründen.

 

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