Off-Season Ausblick: Nach der Saison, ist vor der Saison

Das war es schon wieder. Eine lange, spannende, aufregende und mitreißende Saison ist vorbei. Leider mit dem falschen Ende. So sehr wir es auch der diesjährigen Mannschaft gegönnt hätten den Titel gegen die Playoff-Loser des Vorjahres zu holen: ändern kann man es jetzt nicht mehr. Auch wenn die Niederlage noch nicht verdaut ist, ist das Ende einer Spielzeit immer noch der Beginn der nächsten. Deshalb möchten wir hier nicht auf die Finalserie zurückschauen, sondern den Blick nach vorne richten. Drei Monate Off-Season stehen an. Zwar eine basketballfreie Zeit, jedoch nicht umso weniger spannend. Trotz bestehender Verträge gibt es doch noch einige interessante Fragen zu klären.

teamfoto alba
Eine verschworene Einheit: Das Team der Saison 2013/2014

 Bleibt der General an Bord?

Die erste und wohl wichtigste wäre: was passiert mit Sasa Obradovic? Nach zwei Jahren unter dem Weltklasse-Pointguard stehen 2 Pokalsiege, 1x Euroleague Top 16, 1x BBL-Finale und das Eurocup-Viertelfinale zu Buche (wer unbedingt drauf besteht: Champions-Cup Sieg). In der zweiten Spielzeit konnte der Serbe das komplette Team zusammenstellen ohne groß auf Altlasten zurückgreifen zu müssen (DaShaun Wood). Das Ergebnis war beeindruckend. Eine Mannschaft die solch eine Begeisterung hervorgerufen hat, hatten wir schon lange nicht mehr. Nun sind – zum Glück – die meisten Leistungsträger vertraglich verbunden, doch was passiert wenn der General das Feld verlassen würde? Wünschenswert wäre das nicht, Kontinuität am Spielfeldrand ist wichtig.

Obradovic selbst ist noch kein „alter Fuchs“ der als Trainer bereits alles erlebt hat. Auch er wird Fortschritte machen, umso schöner wäre es, wenn er diese auch zusammen mit seiner derzeitigen Mannschaft macht. Ganz klar, die Personalie Obradovic ist die dringendste!

Eine weitere zwangsläufige Frage die sich stellt, ist in welchem europäischen Wettbewerb es weitergeht. Nach einer gewonnen Meisterschaft hätten wahrscheinlich die wenigsten ein Problem mit einer Euroleague-Teilnahme gehabt. Doch wie sähe es in Falle einer Wildcard aus? Darüber zu spekulieren bringt gerade wenig, die Launen der Euroleague sind unvorhersehbar. Fakt ist, auch der Eurocup hat in diesem Jahr viel Spaß gemacht. Der weniger aufgeblähte Modus und die Spieltermine am Dienstag/Mittwoch waren für den Liga-Alltag Gold wert.

 Kontinuität und frischer Wind

Nach den Emotionen dieser Spielzeit würde man am liebsten alle Spieler auch im nächsten Jahr wiedersehen wollen. Doch auch eine so gute Einheit braucht neue Impulse von außen und sicherlich auch sportliche Verstärkung. Auch wenn der Eindruck entstanden ist, dass wir in Berlin eine junge und entwicklungsfähige Mannschaft haben: viele Leistungsträger waren nicht mehr so jung und unerfahren. Dazu gehören David Logan (wird im Dezember 32 Jahre alt), Levon Kendall (wird demnächst 30), Jan Jagla (33) und Cliff Hammonds (wird im Dezember 29). Reggie Redding (wird demnächst 26) und Vojdan Stojanovski (26) kommen nun in das beste Basketball-Alter. Einzig Radosevic (24), Bar Timor (22), Akeem Vargas (24) und Jonas Wohlfarth-Bottermann (24) gehören bei den Rotationsspielern zu der jungen Garde.

Nach aktueller Vertragslage sieht der derzeitige Alba-Kader folgendermaßen aus (in Klammern Vertragsende / Spieler mit Option im Vertrag sind nicht berücksichtigt / Spieler mit deutschem Pass fett markiert):

PG: Clifford Hammonds (2015)/ Bar Timor (2016)/ Ismet Akpinar (2017)
SG: XXX/Akeem Vargas (2015)/ Sebastian Fülle (2016)
SF: Reggie Redding (2015)/ Alex King (2016)
PF: XXX/XXX
C:: Leon Radosevic (2015)/ Jonas Wohlfarth-Bottermann (2016)

Auf der Spielmacher-Position scheint die Aufteilung klar. Der beste Verteidiger der Saison steht auch im nächsten Jahr im Aufgebot. Mit seiner Defense, der Physis und einer soliden, unaufgeregten Spielweise hat Hammonds überzeugt. Durch die Verletzung von Bar Timor fehlte jedoch schon frühzeitig eine Entlastung, sodass oft Logan oder Redding den Ball vortragen mussten. Hier wird interessant wie Timor nach seiner Verletzung zurückkommt. In meinen Augen hat er sicherlich das Talent zum Back-Up, doch das erste Profi-Jahr außerhalb von Israel war kein leichtes. Abhängig davon wer nächstes Jahr der Shooting-Guard wird, würde es mich freuen wenn Timor und/oder Akpinar einfach ins kalte Wasser geworfen werden. Das könnte sich für die Zukunft auszahlen.

Die Shooting-Guard Position wird ein ganz wichtiger Faktor. Logan füllte die Rolle des erfahrenen Scorers größtenteils erfolgreich aus, doch zum Ende der Playoffs ging ihm die Luft aus. Kehrt der 31-Jährige zurück oder wäre es vielleicht sinnvoller nach einem jüngeren Spieler Ausschau zu halten, der das Potenzial zum scoren hat aber auch die Pointguards beim Spielaufbau entlasten kann? Dahinter wird Vargas wieder Gewehr bei Fuß stehen. Der Terrier-Verteidiger hat sich seinen Ruf erarbeitet und wird auch nächstes Jahr gallige Defense bringen. Aber auch in der Offense hoffen wir auf eine Entwicklung.
Mit Reggie Redding haben Baldi, Demirel und Co. einen echten Glücksgriff gelandet. Der US-Amerikaner bringt das komplette Paket und kommt nun in das beste Basketball-Alter. Der MVP dieses Teams könnte mit seinen Leistungen zum neuen Gesicht des Vereins werden. Alex King machte einen soliden Job, traf seine selektiven Dreierwürfe sehr gut und zeigte ab und an wirklich sehr schöne Anspiele.

Auf der Power Forward Position wird sicherlich mindestens ein Spieler zurückkehren. Doch welcher? Macht Sven Schultze weiter? Der Publikumsliebling zeigte durchaus nochmal gute Leistung und ist als glue-guy immer noch extrem wichtig. Auch Jagla zeigte eine überraschend gute Saison. Ob Alba auf dieser Position aus „zwei, eins macht“? Levon Kendall zeigte über weite Strecken eine eher unauffälige Spielzeit, drehte aber zu den Playoffs auf. Der Kanadier zeigte gute Defense und ein ansprechendes Spielverständnis. Doch ob er zur aktuellen Centergarde passt? Weder Radosevic, noch JoWoBo sind richtige Brecher unter dem Korb, die regelmäßig mit dem Rücken zum Korb punkten. Vielleicht wäre ein solcher Wühler besser geeignet. Vor allem wenn mit eventuell Jagla/Schultze und auch noch King schon diverse Stretch-Fours im Kader stehen (könnten).

Zwar wird gesagt, dass besonders Center vom älter werden profitieren. Doch Leon Radosevic zeigte auch trotz (oder wegen) seines jungen Alters eine starke Saison. Der Kroate hat einen exzellenten Mitteldistanzwurf und ist flink, bringt aber dennoch genug Masse auf die Waage um gegen schwere Center mitzuhalten. Die Entwicklungskurve dürfte nach oben zeigen, einen wesentlich besseren Center wird man in dieser Preisklasse wahrscheinlich nicht so schnell finden. Einzig die Verletzungen waren ein Wermutstropfen. Auch für Wohlfarth-Bottermann war das erste Jahr nicht immer das einfachste. Doch nicht nur wegen seines Alters, sondern auch weil er eher spät mit Basketball angefangen hat gibt es beim 24-Jährigen noch Luft nach oben. Wir sind gespannt wohin der Weg führen wird.

Einen Spieler mit auslaufendem Vertrag (bzw. mit Option auf Verlängerung) habe ich bisher noch nicht genannt. Mich hat Vojdan Stojanovski allerdings überzeugt. Von der Bank kommend erzielte der Mazedonier in knapp 17 Minuten mehr als 8 Punkte. Stojanovski weiß wie man Fouls zieht und verwandelt die Freiwürfe sicher (91,5%). Das ist besonders in engen Spielen wichtig oder in Begegnungen in denen es nicht so läuft. Der 26-Jährige macht seinen Job und erfüllt seine Rolle. Unaufgeregt und sympathisch.

Nach aktuellem Stand sind also erst drei Ausländerspots belegt (Redding, Radosevic, Hammonds). Die Baustellen der Offseason dürften also sowohl die Suche nach einem scorenden Guard (sofern Logan nicht bleibt), als auch eine passende Ergänzung auf der Power-Forward Position zu finden (auch hier, wenn Kendall nicht gehalten werden soll). Was die deutschen Spieler betrifft ist man auf jeder Position abgesichert. Erfreulich ist hier, dass alle deutschen Back-Ups bis auf King (und, sofern sie bleiben Jagla und Schultze) unter das Raster jung und entwicklungsfähig fallen. Die Aussichten also auch im nächsten Jahr eine Mannschaft mit Wiedererkennungswert begrüßen zu dürfen, sind durchaus vorhanden.

Bisher gehandelte Namen?

Niels Giffey, Blick immer nach oben; Foto: Alba Berlin
Niels Giffey, Blick immer nach oben; Foto: Alba Berlin

Bisher wurden in den Medien zwei Namen mit Alba in Verbindung gebracht: Niels Giffey und Daniel Theis. Mit der Verpflichtung des Erstgenannten hatten wir uns schon vor einer Weile auseinandergesetzt. Abgesehen von der realisierbarkeit (Giffey versucht derzeit noch einen Kaderspot in der NBA zu erhalten, auch in Europa dürfte es jedoch eine Menge zahlungskräftiger Interessenten geben) wäre der Flügelspieler eine interessante Verstärkung. Die Frage wäre, in welchem Umfang sich dann die Spielzeit für King und Vargas ändern würde?

Selbiges gilt in gewissen Maßen auch für Theis. Wie talentiert der derzeitige Ulmer ist, konnte jeder Alba Fan im diesjährigen Viertelfinale sehen. Der „beste Nachwuchsspieler 2014“ ist nominell ein Power Forward, der auch als Center aushelfen kann. Ein Trio aus Schultze/Jagla/Theis ist allerdings mindestens einer zu viel. Perspektivisch würde eine Verpflichtung Sinn machen (sofern sie realisierbar ist, Theis hat noch 1 Jahr Vertrag in Ulm) jedoch darf, abgesehen von der sportlichen Komponente, auch nicht vergessen werden welchen Stellenwert Jagla und Schultze als Veteranen in der diesjährigen Mannschaft hatten.

Sobald die Trainer-Frage um Sasa Obradovic geklärt ist, erwartet uns wahrscheinlich eine ruhigere Off-Season als in den letzten Jahren. Der Kader steht im großen und ganzen und sofern keine Vertragsauflösung anstehen, müssten nur feinjustierung betrieben werden. Auch ohne deutscher Meister geworden zu sein: Es gab schonmal wesentlich schlechtere Voraussetzungen in eine Sommerpause zu gehen, als in diesem Jahr. Ein weiterer schöner Aspekt dieser tollen Saison!

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