Of mice and men … ALBA vs Ludwigsburg

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„Of mice and men“ von Stanford Absolvent John Steinbeck, sozialkritischer Schriftsteller, Pulitzer-Preisträger, Erzähler amerikanischer Zeitgeschichte, Nobelpreisträger hat genau was mit Alba zu tun? Genau! Nüscht! Aber Gedanken gehen manchmal seltsame Wege und irgendwie drängte sich die Assoziation in Bezug auf das Spiel Alba Berlin gegen MHP Riesen Ludwigsburg mit Macht ins Hirn.

Möglicherweise erinnerte der reichlich grobschlächtig auftretende Ludwigsburger Back-up Center Robert Tomaszek unterbewusst an den großartigen John Malkovich als Lennie Small in der gleichnamigen Verfilmung des Romans. Auf jeden Fall war sehr schnell klar, wer in dem Szenario des ersten Saison-Heimspiels von Alba Berlin in der BBL-Saison 2013/14 die Mäuse und wer die Männer waren (auch wenn die deutschsprachige Übersetzung freilich „Von Mäusen und Menschen“, nicht Männern lautet und in diesem Punkt der Bezug hinkt). Zu groß war der Klassenunterschied zwischen einem bis in die Haarspitzen motivierten Alba-Spielern und einem – an diesem Abend – indispinortierten und überforderten Gegner aus Lduwigsburg. Schon im ersten Viertel war den Ludwigsburgern, die als letztjähriger Absteiger per Wildcard diese Saison erneut die Chance bekommen Bundesligatauglichkeit nachzuweisen, der Zahn gezogen, stellte sich das Gefühl ein, daß an diesem Abend wenig gehen würde. Über den Erfolg der Saison sagt das freilich wenig aus, weder für Ludwigsburg noch für Alba.

Defense! Defense! DEFENSE!
Defense! Defense! DEFENSE!

Man muss das Spiel sicher nicht nacherzählen, viele Fans waren in der Halle (insgesamt 10.771), Alba Berlin und die lokale Presse hat die Geschichte des Spiels bereits in epischer Breite erzählt, aber Zeit und Platz für ein paar – freilich subjektive – Meinungen und Wahrnehmungen zum Spiel soll hier sein.

Defense – Schlüssel zum Erfolg!

Wer Sasa Obradovic  und seine Äusserungen verfolgt, dem ist klar, daß Defense immer eine exponierte Rolle spielen wird. Wie diese in der Praxis, sprich dem ersten Liga-Heimspiel, aussehen würde, konnte sich das Berliner Publikum zu größeren Teilen gegen Ludwigsburg zum ersten Mal ansehen. Wenn man die Bedeutung von Defense im Hinterkopf hat, wirkt die auf den ersten Blick vielleicht überraschende starting five mit David Logan, Clifford Hammonds, Akeem Vargas, Alex King und Leon Radosevic – small ball Aufstellung – durchaus schlüssig. Schließlich haben gerade Vargas und King ihre Stärken in der Defense. Auf jeden Fall war es wohl die richtige Entscheidung von Coach Obradovic. Diese Fünf brachten von der ersten Sekunde an Energie und Druck aufs Feld, spielten „männliche“ Defense und beeindruckten damit nicht nur die eigenen Fans sondern vor allem auch die Ludwigsburger „Mäuse“. Überraschend war für einige Zuschauer (nicht unbedingt für uns, da wir schon über ein Dutzend Spiele von Alba Berlin 2013/14 gesehen haben) sicher die defensive Leistung von David Logan. Seine offensive Möglichkeiten hat er in vielen Jahren bei europäischen Top-Teams bereits nachgewiesen, aber dass er auch defensiv Überdurchschnittliches leisten kann, sieht man in highlight videos nicht. Was ihm an Physis fehlt, macht er mit schnellen Fingern und Antizipation für den steal wett. Für den frühen Zeitpunkt der Saison und mit einem komplett neuformierten Team ist die Defense schon auf einem recht hohen level. Damit kann man arbeiten, darauf kann man aufbauen.

Tiefe des Kaders

Zusammenrottung
Listen, guys!

Inzwischen dürfte sich herum gesprochen haben, daß Alba in der Saison 2013/14 einen Kader tiefer als der Marianen-Graben hat. Theoretisch zumindest. 15 Spieler im Kader balgen sich mit mehr oder weniger guten Aussichten um die dafür knapp bemessene Spielzeit. Nun weiß allerdings der leidgeprüfte Alba-Fan aus praktischer Erfahrung in der Vergangenheit, daß ein tiefer Kader nicht zwangsläufig eine tiefe Rotation bedeuten muss. Relativ unabhängig davon, welcher Steuermann gerade das Alba-Schiff durch bewegte See steuerte.

Wie würde bzw. wird es in dieser Saison in dieser Hinsicht laufen? Das Spiel gegen Ludwigsburg war einseitig genug, um ohne große Gefahr experimentieren zu können. Und die Chance wurde genutzt! Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Natürlich haben die Spieler vom Ende der Bank diese Chancen recht unterschiedlich genutzt, nicht jeder reagiert gleich auf solche – unverhoffte? – Möglichkeit, sich dem Coach anzubieten. Wobei das mit dem Anbieten ja viel mehr Tag für Tag beim Training erfolgt. Aber nicht jeder bringt es dann auch wirklich aufs Parkett. Aber welchen Spieler das auf welche Weise zutrifft, findet man nur heraus, wenn man es ausprobiert. So gesehen war es gut, daß jeder Spieler ran durfte.

Einzelkritik:

#5 – David Logan: 2+

Logan ist in Berlin mit dem Anspruch angetreten, das Team zu führen. Mit diesem Anspruch muss man ihn bewerten. Gegen Ludwigsburg offensiv wie defensiv mit einem guten Job. Er will und hat den Ball oft in den Händen, dementsprechend muss er auch liefern. Gegen Ludwigsburg gab es kaum etwas zu kritisieren.

#6 – Sven Schultze: 2-

Der Publikumsliebling und Kapitän kennt solche Situationen. Wenn er so produktiv wie gegen Ludwigsburg ist, kann er bedenkenlos einige Minuten Entlastung von der Bank bringen. Defensiv hatte er (nur) eine schlechte Szene. Schneller wird er nicht mehr werden, hängt sich aber nach wie vor kompromisslos rein.

#7 – Alex King: 2

Dass er starten durfte hat ihn offensichtlich beflügelt. Mit dem entsprechenden Selbstvertrauen lief es auch offensiv sehr gut bei King, 10 Punkte, 6 Rebounds (Top-Rebounder) in 22 Minuten sind tolle Werte für einen Spieler, der seine Stärken – eigentlich – in der Defense hat. Defensiv gab es auch gegen Ludwigsburg kaum Kritik an seiner Leistung.

#8 – Ismet Akpinar: o.B.

Knapp drei Minuten reichen nicht für eine eingehende Beurteilung. Nervösität ist bei einem 18jährigen in seinem ersten Bundesligaspiel verständlich. Die muss man ihm zugestehen. Das Talent als Aufbauspieler kann man aber erkennen. Seine Stärken liegen klar im offensiven Bereich, wo ihm seine Schnelligkeit zugute kommt, defensiv hat er noch viel Arbeit vor sich.

#11 – Akeem Vargas: 2-

Er hat seine 13 Minuten Einsatzzeit gut genutzt und geleistet, was man von ihm erwarten kann. Er ist ehrgeizig, aber für eine größere Rolle muss er noch besser die Balance zwischen „engagiert“ und „übermotiviert“ finden. Die Energie, die er aufs Feld bringt, hilft dem Team.

#14 – Levon Kendall: 4+

Für einen DER (geplanten) Leistungsträger von Alba Berlin im front court war das gegen Ludwigsburg zu wenig. Man muss von ihm mehr erwarten. Seine offensiven Aktionen wirkten halbherzig und ohne Energie. Viel Luft nach oben. Sein Block war allerdings „männlich“.

#15 – Reggie Redding: 2

Hatte die meiste Spielzeit aller Alba-Spieler. Und womit? – Mit Recht! Man darf nicht den Fehler machen, ihn an seinen statistischen Werten aus Tübingen zu bewerten. Die kann er bei einer tiefen Rotation und vielen Platzhirschen nicht erreichen. Seine Würfe fallen aktuell nicht, aber er findet andere Möglichkeiten, dem Team effektiv zu helfen. Es läuft gut, wenn er auf dem Feld ist – auch wenn er selbst nicht punktet.

#17 – Bar Timor: 5

Man wünscht diesem jungen, sympatischen Typen allen Erfolg der Welt, aber die Leistung gegen Ludwigsburg war einfach nicht gut. Nein, sie war sogar schlecht. Da hilft auch keine Relativierung bezüglich der Jugend, denn – abgesehen von garbage time in einseitigen Spielen – Spieler werden idR eingesetzt, weil es dem Team etwas bringt. In der aktuellen Form hilft Bar nicht. Er war in Israel schon auf einem höheren Niveau und da muss er wieder hinkommen.

#19 – Vojdan Stojanovski: 3

Kann mehr, als er gegen Ludwigsburg gezeigt hat. Das war einfach nicht sein Tag, die match-ups haben auch nicht ganz gepasst. Sein Ballvortrag wirkt oft leicht hektisch, steigt ab und an mal aus Systemen aus.

#22 – Jan-Hendrik Jagla: 2

Ein (guter) stretch four auf dem Feld macht es für den Gegner schwer und das Leben für die eigenen Mitspieler leichter. Er wirkt nicht gerade elegant, ist aber effektiv. Das Spiel lief recht gut, wenn er auf dem Feld war.

#25 – Clifford Hammonds: 3+

Zwischen Genie und Wahnsinn. Point guard in einem komplett neu formierten Team ist ein Job, um den er nicht wirklich zu beneiden ist. Noch kriegt er die Systeme nicht so ans Laufen, wie man sich das wünschen würde, es fehlt ein wenig an Tempo und Präzision. Die Dinge die er selbst individuell leistet, waren gut anzusehen, sein full speed dunk ziemlich spaktakulär.

#43 – Leon Radosevic: 2

Zu schnell, zu beweglich, zu viel range für die schwäbischen Holzmichel, die ihn nie in den Griff bekommen haben. Sein Durchsetzungsvermögen direkt am Brett ist verbesserungswürdig.

Diese Bewertungen sind – natürlich – subjektiv. Aus Fanssicht vom Spielfeldrand. Wenn ihr etwas anders seht, freuen wir uns über eure Meinungen.

player of the game

HIer könnt ihr „euren“ Spieler des Spiels wählen, nach ganz eigenen und persönlichen Kriterien und natürlich anonym. Wenn ihr möchtet, könnt ihr uns natürlich auch eure Beweggründe für eure Entscheidung per Kommentar mitteilen:

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2 Gedanken zu „Of mice and men … ALBA vs Ludwigsburg“

  1. Ich finde, die drei Minuten von Ismet reichen zumindest für einen Kommentar. Sei Ballvortrag war ok und er hat dem Stockton das fünfte Foul angehängt und zwar mit Ansage und angstfreiem Zug zum Korb. Diese Eigentschaft habt ihr hier schon einmal bei den Testspielen beschrieben und es ist gut, wenn er das in seinem ersten Ligaspiel zeigen kann.

    Bei Bar Timor weiß ich nicht, ob ich ihn wirklich an diesem Spiel messen will. Klar muss er sich steigern. Aber das, was ihr bei Hammonds schreibt, dass PG in neuer Mannschaft eine wenig schöne Rolle ist, gilt für den Youngster Timor ebenso, gerade in Spielen, in denen der Gegner kratzt, beißt und auf die Finger haut. Was das Abspulen der Systeme angeht, war insgesamt noch sehr viel Luft…

    1. Es ist in erster Linie eine Momentaufnahme bezogen auf genau dieses eine Spiel. Bar Timor hat in Israel, u.a. mit 20 (oder so) Punkten gegen Maccabi Tel Aviv, bewiesen, was er grundsätzlich kann. Von diesem Niveau ist er aktuell ein Stück weg, aber er kann dieses Level natürlich wieder erreichen. Wir würden es nicht als Generalkritik verstanden sehen wollen. Aber auf genau dieses eine Spiel bezogen war die Leistung „ungenügend“. Ungenügend um mehr Anteile zu bekommen. Niemand will und bekommt „Mitleidsminuten“. Bar Timor kann nicht allein aufgrund der Tatsache, daß er jung und deutsch ist, größere Anteile als z.B. Hammonds bekommt. Das wird schon, Leistungsschwankungen sind bei jungen Spielern nicht selten, da muss er sich nun durchbeissen. Wenn er das macht, wird er dadurch mental im Umgang mit Druck stärker.

      Ismet Akpniar macht Spaß und Hoffnung für die Zukunft. Talent ist offensichtlich, nicht nur „für sein Alter … „

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