NBBL-Playoffauftakt, Goliath gegen David.

Auftakt der NBBL-Playoffs; Foto: (c) albaberlin.de
Auftakt der NBBL-Playoffs; Foto: (c) albaberlin.de

Der Nachwuchs von Alba Berlin, genauer gesagt das U19 Team in der Nachwuchs Basketball Bundesliga, ist schon einen Schritt weiter als die Profis. Für die beginnt nämlich die sog. „5. Jahreszeit“ des Basketballs, die Playoffs. Die Zeit, für die man als Basketballer lebt, auf die man die gesamte Saison hinfiebert, nur noch Entscheidungsspiele – Siegen oder Fliegen! Erst da entscheidet sich, ob eine Saison erfolgreich war, man kann nach einer gebrauchten Hauptrunde mit guten Playoffs noch die Saison retten, man kann genauso aus guter Ausgangsposition noch versagen. Alba Berlins U19 startet jedoch mit der bestmöglichen Ausgangsposition in die Playoffs, Platz 1 nach der Hauptrunde und trifft in der ersten Runde auf die gleichaltrige Konkurrenz des BBT Göttingen.

Im biblischen Gleichnis von David und Goliath nehmen die Berliner die Rolle des Riesen ein, wobei man den Gegnern aus Göttingen unrecht tut, wenn man sie als Zwerge bezeichnen würde. Auf jeden Fall sind sie aber in der Rolle der Aussenseiter, haben sich überhaupt erst zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte für die Playoffs qualifiziert und können ohne jeden Druck spielen. Dass im biblischen Original der Zwerg gewonnen hat, blenden wir an dieser Stelle mal gekonnt aus. Mit einer ausgeglichenen Bilanz von sieben Siegen und Niederlagen konnten die Niedersachsen dank des direkten Vergleichs gegen die Telekom Baskets Bonn den vierten Platz und damit die Quali für die Playoffs sichern. Die Berliner, die während der Hauptrunde bewusst auf den Einsatz von Spielern des ältesten Jahrgangs verzichtet hatten, mussten zwei Niederlagen in Braunschweig und überraschend in Bremerhaven einstecken, das reichte für das junge Team aus der Hauptstadt wie gesagt für Platz Eins Hauptrunde.

Center Jonas Weitzel
Center Jonas Weitzel

Dass sich das Team des jungen Trainers Sepéhr Tarrah – mit 22 Jahren nicht viel älter als seine Spieler – zum zweiten Mal für die Playoffs qualifizieren konnten, liegt nicht unwesentlich an der Verpflichtung des großen Centertalents Jonas Weitzel, der zu dieser Saison aus Kassel nach Göttingen gewechselt ist und bei den Niedersachsen der absolute Leistungsträger ist. Weitzel (Jahrgang 98) spielt erst seit ca. sechs Jahren Basketball und hat trotz jetzt schon starker Leistungen immer noch eine Menge Potenzial für Verbesserungen. Mit über 100 kg Muskelmasse auf 2,04 m verteilt, ist er am Korb nur sehr schwer zu stoppen, weder beim Punkten, noch beim Rebound. In Zahlen sind das beeindruckende 16 Punkte und 10 Rebounds – also ein sog. Double-Double – im Durchschnitt. In 14 Hauptrundenspielen gelang ihm solch ein Double Double gleich sechs Mal, mit dem Ausreißer nach oben mit 36 Punkten und 16 Rebounds im vorletzten Spiel in Gießen, wo er mit dieser Leistung gegen einen direkten Konkurrenten die Teilnahme an den Playoffs sicherte. Der Wurf ist noch etwas, woran er noch arbeiten kann, 53 % aus der Nahdistanz sind für einen Center „nur“ gut, aber nicht herausragend, jedoch sichert er sich nach Fehlwürfen immer wieder den Offensiv-Rebound.  In jedem Fall kommt eine Menge Arbeit auf den Frontcourt von Alba Berlin um Filip Stanic, Joshua Lübken, Hendrik Drescher & Co. zu, um den Wirkungskreis von Weitzel effektiv einzuschränken. Oder das gesamte Team versucht, gleich die Anspiele auf den Göttinger Center zu verhindern.

Nationalspieler Philipp Hadenfeldt
Nationalspieler Philipp Hadenfeldt

Dafür, für die Anspiele, ist in erster Linie Jugend-Nationalspieler Philipp Hadenfeldt (Jahrgang 99) veantwortlich. Mit den Albatrossen Bennet Hundt und Ferdinand Zylka gehörte er zum Kader der deutschen U18 Nationalmannschaft, die im Dezember den 4. Platz bei der EM in der Türkei belegte. Dort kam der Göttinger jedoch nur zu Kurzeinsätzen. Ein Jahr zuvor bei der U16-EM in Litauen gehörte er jedoch zur festen Rotation mit über 21 Minuten Einsatzzeit. Seine guten Leistungen in dieser Saison sorgten dafür, dass der Göttinger von den Fraport Skyliners eingeladen wurde, mit ihnen am adidas next generation tournament der Euroleague für U18 Teams teilzunehmen. Das Vertrauen rechtfertigte er mit den zweitmeisten Assists und drittmeisten Punkten der Frankfurter in 28 Minuten gegen hochklassige internationale Konkurrenz. In Göttingen setzt der Aufbauspieler nicht nur seine Mitspieler gut in Szene (6 Assists), sondern ist ebenfalls als Scorer gefordert. Mit knapp 16 Punkten ist der Guard, der Hip Hop und Spaghetti Bolognese mag, gemeinsam mit Jonas Weitzel der Topscorer der Veilchen. Der mit 1,89 Metern recht große Pointguard ist zudem ein guter Rebounder (5,1), der zweitbeste im Göttinger Team. Die Guards von Alba sind gefordert, dem Kopf der Göttinger Mannschaft das Leben auf dem Parkett so schwer wie möglich zu machen. Wenn er denn aufläuft! Bei den letzten drei Spielen der Hauptrunde war der Göttinger Aufbauspieler nicht dabei.

Hinter den beiden absoluten Leistungsträgern kommt shooting guard Lukas Heidelberg noch auf viel Spielzeit (knapp 30 Minuten) und 9 Punkte sowie 4 Rebounds. Beim Krimi gegen die Telekom Baskets Bonn, der nach dreifacher Verlängerung 94-96 verloren wurde, stand er sage und schreibe über 48 Minuten auf dem Parkett.  Daran wird auch ein wenig das Problem der Göttinger klar: Die Kadertiefe! Es hängt sehr viel von den beiden Leistungsträgern Weitzel und Hadenfeldt ab. Wenn man diese beiden, oder wenigstens einen von beiden, aus dem Spiel nehmen kann – was schwer genug ist – hat man gute Chancen gegen die Niedersachsen erfolgreich zu sein. Ganz anders bei den Berlinern, bei denen Kadertiefe eine der größten Stärken ist. Bei einem Kader von 25 Spielern, von denen 21 bereits eingesetzt wurden, ist jedes Training jede Woche schon eine echte Herausforderung, um den Sprung in den 12er Kader für das Wochenende zu schaffen. Diese Konkurrenz, bei der keiner seinen Platz sicher hat, sorgt für Einsatz und Leistung schon in jedem Training. Man könnte meinen, dass so viel Rotation im Kader nicht besonders förderlich für einen eingespielten Kader wäre, bei Alba Berlin hat sich das in der Hauptrunde allerdings nicht negativ ausgewirkt.

Wer nun am Wochenende gegen Göttingen für Alba auflaufen wird, steht noch nicht fest (zu den Playoffs soll der eine oder andere Spieler der Jahrgangs 1998 dazu kommen), wer es aber in den 12er Kader schafft, wird heiß auf den Auftakt in die Playoffs sein. Verlassen können sich die Berliner auf ihre Defense, die in der Hauptrunde nur knapp 56 Gegenpunkte zugelassen und bei den Gegnern 22 Ballverluste forciert hat. Darauf basiert eine effektive Offense, die knapp 85 Punkte bei guten Quoten (63 % aus dem 2er Bereich) . Dabei kann sich die gegnerische Defense absolut nicht auf einen bestimmten Spieler konzentrieren, dafür gibt es bei Alba Berlin einfach zu viele Leistungsträger. Gleich sieben Spieler kamen in der Hauptrunde im Schnitt auf eine zweistellige Punktausbeute, in 14 Spielen gab es 6 verschiedene Topscorer, es kann in jedem Spiel ein anderer sein.

Aber … nicht nur der Pokal hat seine eigenen Gesetze, die Playoffs auch. Göttingen kann völlig ohne Druck in Berlin auftreten und hat absolut nichts zu verlieren. Man muss sich aber auch nicht kleiner machen, als man ist, mit einer konzentrierten Leistung sollten sich das Team von Headcoach Konstantin Lwowsky den ersten Sieg in den Playoffs holen!

Das NBBL-Team von Alba Berlin 2016/17; Foto: (c) albaberlin.de
Das NBBL-Team von Alba Berlin 2016/17; Foto: (c) albaberlin.de

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