Mit K(r)ampf zum Erfolg – Halbzeitfazit im Eurocup

alba_eurocup_16-17_halbzeitNach bereits 4 Spieltagen ist schon Halbzeit im Eurocup und damit Zeit, für ein Zwischenfazit. In einem Eurocup, der vor der Saison arg „kastriert“ wurde, statt 36 Teams im Vorjahr spielen gerade noch 20 Teams die 16 Plätze für die zweite Runde aus, d.h. aus vier 5er Gruppen scheidet lediglich der Letzte aus. Wenn es einen Verlierer des Streits zwischen der FIBA und der Euroleague im vergangenen Sommer gibt, dann ist es in erster Linie der Eurocup. Andererseits bringt die Verkleinerung des Wettbewerbs auch eine Verdichtung der Qualität mit sich, Teams wie Charleroi oder Bukarest finden sich in der Ausgabe 2016/17 nicht wieder. 

Alba Berlin ist zur Mitte der Hauptrunde gut dabei und nicht gewillt, nach der Vorrunde schon die Segel zu streichen. Man hat drei Siege auf dem Konto und musste bisher eine, wenn auch deutliche, Niederlage einstecken. Erstaunlich in Zeiten, wo man in der nationalen Liga doch deutliche Probleme hat, in kaum einem Spiel wirklich überzeugen konnte und auch schon vier Spiele verloren hat. Woran liegt das verhältnismäßige gute Abschneiden auf internationalem Parkett?

 thumb_up_pictoPro

Positiv sind natürlich in erster Linie die drei Siege zu sehen, die schon auf dem Konto verbucht sind und auch nicht mehr zu nehmen sind. Natürlich muss man dabei auch berücksichtigen, dass man in der Hinrunde gleich drei Mal zu Hause spielen konnte. Wenn man sich das Ziel gestellt haben sollte, mit einer ausgeglichenen Bilanz die Hauptrunde abzuschließen, dann ist man aktuell „nur“ mehr oder weniger im Plan. 

An erster Stelle muss man bei den Pros wohl den sehr überraschenden Auswärtssieg bei den Bilbao Baskets nennen. Bilbao, die bis zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Spiel verloren hatten und drei Tage zuvor in beeindruckender Manier das Euroleague-Team aus Barcelona geschlagen hatten. Da haben die Berliner in der Offense mal alles zusammen gekriegt, Würfe gut heraus gearbeitet und dann von außen auch gut getroffen. Und bei den buzzer beatern von Dominique Johnson und Engin Atsür hatte man das Glück des Tüchtigen. Gegen Fuenlabrada gelang ein Heimsieg gegen eines der schlechteren Teams der ACB, den man einfach erwarten muss und gegen Vilnius gab es spielerisch nicht sehr viel Überzeugendes, aber in der crunch time eine kämpferische und mental starke Leistung.

  • Mit Center Elmedin Kikanovic stellt Alba Berlin den besten scorer des Eurocups, seine 92 Punkte sind bisher der Spitzenwert.
  • Mit seinem Effektivitätswert von 95 (22,5 im Schnitt) liegt Kikanovic in dieser Kategorie auf Platz 3. Viel läuft offensiv über den bosnischen Big Man. Jeder weiß wie Kikanovic spielt, er ist von den Gegnern in Europa trotzdem nur schwer zu stoppen. Es ist auch eine Leistung des Teams, ihn immer wieder in gute Positionen zu bringen, aus denen er effektiv abschließen kann.
  • Es liegt viel an der offensiven Qualität von Kikanovic, aber nicht nur. Auch als Team erzielt Alba Berlin die zweitmeisten Punkte der Eurocups hinter Gran Canaria (die drittmeisten, wenn man die doppelte Verlängerung heraus rechnet). Also auch andere Spieler wie Johnson, Milosavljevic oder Siva tragen zweistellig zum offensiven Output bei.
  • Alba Berlin trifft mit 42,11 % die Dreier sicherer als jedes andere Team im Eurocup. Die Aufmerksamkeit, die Kikanovic inside auf sich zieht, kommt den Schützen am Perimeter zugute und diese wissen die Freiräume gut zu nutzen. Dabei gibt es nicht DEN einen begnadeten Dreierschützen, keinen in den Top10, aber gleich fünf Spieler mit 40% oder mehr: Milosavljevic (53,85 %), Atsür (50 %) Siva (45,00 %), Giffey (44,44 %) und Johnson (40 %). Selbst Gaffney und Carter liegen bei 50 %, jedoch nur bei vier Versuchen.
  • Auch wenn der optische Eindruck entstanden ist, dass viel aus individuellen Aktionen von Kikanovic entsteht, so sagen die Zahlen doch etwas anderes aus. Für Alba schlagen 18,5 Assists zu buchen (6.) und Aufbauspieler Peyton Siva ist ebenfalls mit 5,25 Vorlagen in den Top 10 (6.) zu finden.
  • Bei der gewichteten Trefferquote (True Shooting Percentage TS%) liegt Alba auch mit im Spitzenbereich, eine TS% von 51,54 % bedeuten Platz 4 im Eurocup.

thumb_down_pictoCons

Wenn man an die negativen Momente des Eurocups denkt, fällt einem wohl zuerst das Spiel gegen den BK Chimki ein. Da wurde doch sehr deutlich, wie groß der Abstand des Alba-Teams des Jahrgangs 2016/17 zur europäischen Spitze ist. Oder besser gesagt zur erweiterten Spitze … zu der Alba vor zwei Jahren noch selbst gehörte. Da fehlte es nicht nur an Können, sondern – schwer verzeihbar – auch an Einstellung und Willen. Nach dem Spiel gegen Frankfurt sicher DER Tiefpunkt der bisherigen Saison.

  • Defense! Kein Team des Eurocups kassiert mit 93,75 Punkten so viele Gegenpunkte wie Alba Berlin! Selbst wenn man die Verlängerung gegen Vilnius heraus rechnet, ist nur noch das sieglose Team aus Skopje schlechter. Über die Defense gewinnt Alba noch keine Spiele, schon gar nicht in Europa.
  • Gegen Alba sind auch die Gegner effektiver als gegen jedes andere Team, da nehmen die Berliner auch den letzten Platz ein. Auch eine Frage der Verteidigung, die es den Gegnern nicht besonders schwer macht.
  • Die Berliner ermöglichen den Gegnern auch besonders viele Ballgewinne; mit knapp 8 steals der Gegner liegt man damit auch im hinteren Teil der Tabelle (fünft-schlechtestes Team)
  • Wenig überraschend ist Alba Berlin das Team, das die wenigsten Rebounds aller Mannschaften im Eurocup holt, 30,1 Rebounds werden von allen anderen Teams überboten. Drew Gordon von Lietuvos Rytas Vilnius sammelt alleine 13 Rebounds pro Spiel ein. Von den Berlinern findet sich keiner unter den besten 20 Reboundern des Eurocups, am besten schneidet noch der derzeit verletzte Tony Gaffney (5,67 Rebounds) mit Platz 22 ab, Bogdan Radosavljevic bringt es in nur 13 Minuten auf immerhin 5 Rebounds und ist zumindest bei den Offensivrebounds in den Top10.

Die Pros und Cons sind erkannt und benannt, jetzt gilt  es, in der Rückrunde die durchaus vorhandenen positiven Aspekte beizubehalten und die negativen möglichst abzustellen. Dann sollte einem Einzug in die Zwischenrunde nichts im Wege stehen.

Ausgangslage Rückrunde

Alba Berlin kann schon mal mit anderthalb Augen in Richtung zweite Runde schielen. Mit einer ausgeglichenen Bilanz von vier Siegen und vier Niederlagen sollte man sicher weiter sein. Bisher haben die Berliner drei auf dem Konto und könnten den notwendigen vierten vielleicht schon zum Auftakt der Rückrunde am Mittwoch in Fuenlabrada holen. Das Team vom Rande Madrids (wir haben Fuenlabrada vor dem Hinspiel hier schon mal ausführlich vorgestellt) ist alles andere als gut in Form. In der Liga ist das Team mit nur zwei Siegen inzwischen auf den vorletzten Platz abgerutscht und hat auch das Kellerduell am Sonntag in Saragossa (mit einem schwachen Robin Benzing) nach Verlängerung mit 80-75 verloren. Ex-Nationalspieler Carlos Cabezas (36) wurde inzwischen entlassen und durch das slowenische Supertalent Luka Rupnik (23) ersetzt. Rupnik, einst Topscorer des renommierten Jordan Brand Classic Tournaments, verfügt bereits über viel Erfahrung in Euroleague, Eurocup und der slowenischen Nationalmannschaft. Auch auf die lange Verletzung von Ex-Albatros Blagota Sekulic hat man mit der Nachverpflichtung des ehemaligen spanischen Nationalspielers Xavi Rey (29) reagiert. Noch sind die beiden Neuzugänge nicht voll integriert, es ist aber zu erwarten, dass sie das Team auf Dauer verstärken werden. Jünger wird es dadurch in jedem Fall. Dass man Marko Popovic, Ivan Paunic & Co. trotzdem immer auf der Rechnung haben muss, bewiesen die Castellanos bei ihren Heimsiegen im Eurocup gegen Mitfavorit BK Chimki sowie Bilbao und in der Liga gegen das ACB-Topteam Valencia. Zudem ist Alba ja auch noch nicht gefestigt und mit der Rückkehr von Malcolm Miller ändert sich die Struktur im Team auch wieder. Beide Teams haben sehr ähnliche Stärken und Schwächen, beide sind offensiv stark und reboundschwach, 

Mit Chimki gibt es einen absoluten Topfavoriten in der Gruppe, der sich auch durch drei hochkarätige Nachverpflichtungen inzwischen stabilisiert hat. Wenn es normal läuft, dürften sich die Russen gegen keinen Gegner mehr einen Ausrutscher leisten. Mit den Bilbao Baskets und Lietuvos Rytas Vilnius haben zwei Teams bisher nur einen Sieg auf dem Konto und beide spielen auch noch gegeneinander. Mindestens eines der beiden Teams dürfte es nur auf drei Siege schaffen. Da bräuchte Alba „nur noch“ den direkten Vergleich zu gewinnen. Gegen Vilnius dürfte das schwer werden, das wäre bei einer Niederlage in Litauen nicht möglich (Spiele mit Verlängerung werden seit dieser Saison mit Korbdifferenz 0 gewertet). Sicher durch ist Alba mit den bisherigen drei Siegen noch nicht und statt lange zu rechnen, sollten sie einfach gewinnen. Am besten gleich am Mittwoch in Fuenlabrada …  

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