Mal Spaß beiseite….

Ein Blick am Presse-Eingang der o2-World genügt: Journalisten und Kamerateams so weit das Auge reicht. Eine Meute, die gefühlt zehn Mal größer ist als bei Presseterminen von Alba – und bei denen ist der Presserummel schon zehn mal größer als an den meisten anderen Basketball-Standorten in Deutschland. Die Bestätigung, dass der NBA-Zirkus in Berlin gastiert und einen Medienrummel anzieht, den man sonst als Basketball-Fan in der Hauptstadt weniger kennt. Es ist klar, dass das Duell zwischen den Dallas Mavericks und ihrem Superstar Dirk Nowitzki gegen einen deutschen Club noch einmal mehr polarisiert, als wenn der Würzburger mit der Nationalmannschaft in Deutschland spielt. Die meisten Fans in der Bundesrepublik freuen sich auf die Begegnung, für viele ist es das Highlight der Saison. Doch betrachten wir mal dieses Spiel nicht vom Show-Aspekt, sondern vom sportlichen Punkt: Brauchen wir dieses Spiel wirklich?

OJ Mayo scherzt mit den Fotografen

Versteht mich nicht falsch. Ich bin nicht nur Alba-Fan, sondern auch ein großer Mavericks-Anhänger. Ich schlage mir gerne die Nächte um die Ohren um Dallas spielen zu sehen. Es macht mir Spaß, in amerikanischen Foren mitzulesen und ich habe auch schon NBA-Spiele der „Mavs“ in den Vereinigten Staaten gesehen. Für mich ist das heutige Spiel auch ein Traum der in Erfüllung geht: meine beiden Lieblingsvereine, sonst durch riesigen Entfernungen, einen Ozean und verschiedene Ligen getrennt, treffen aufeinander. Ich habe mich schon immer gefragt, wie Alba in einem direkten Vergleich gegen eine NBA-Mannschaft abschneiden würde. Dass es nun sogar gegen Dallas zum Duell kommt, macht die ganze Geschichte natürlich noch interessanter. Es fiel mir also doch irgendwie leicht, die horrenden Ticketpreise zu ignorieren und meine Vernunft zu vergessen um mir möglichst schnell eine Eintrittskarte zu besorgen. Die Vorfreude auf das morgige „Event“ ist weiterhin ungebrochen.

Trotzdem habe ich Zweifel. Keine zwei Tage ist es her, als Alba mit einer beeindruckenden Vorstellung die Artland Dragons aus der Halle fegte und damit die Bundesliga-Saison eröffnete. Zu diesem Zeitpunkt absolvierten die Mavericks gerade mal die ersten Trainingseinheiten. Es geht also nicht nur um ein Spiel ohne sportliche Bedeutung, sondern die Voraussetzungen beider Teams könnten kaum unterschiedlicher sein: Auf der einen Seite Alba, seit zwei Monaten voll im Training und gerade frisch im Kampf um die Punkte eingestiegen. Auf der anderen Seite die Mavericks, seit gerade sieben Tagen im gemeinsamen Training und schon durchgehend unterwegs, ein Pressetermin nach dem anderen ruft. Mal abgesehen davon, dass beide Mannschaften dem jeweiligen Geografischen Hintergrund geschuldet verschiedene Spielstile pflegen und die Begegnung von daher nicht mal als Testspiel sonderlich taugt. Alba verliert ein wenig den Schwung aus der ersten Begegnung und muss die Zeit bis zum Euroleague-Auftakt in Siena mit einem Show-Match überbrücken. Die Mavericks dagegen vergeuden wichtige Trainingseinheiten und hetzen sich stattdessen von einem Termin zum nächsten ab. Eine gute Vorbereitung, die für das neu formierte Team besonders wichtig sein sollte, sieht anders aus. Ich muss sagen, vom sportlichen Aspekt freut mich dieses Spiel in Hinblick auf die Saison beider Vereine nicht wirklich. Dallas verliert wichtige Trainingseinheiten und Zeit, die absolut notwendig ist um die Basis für eine erfolgreiche Saison zu legen. Ich bezweifle, dass eine Tour durch Europa irgendeinem NBA-Team in der Vergangenheit irgendwelche nennenswerten Vorteile gebracht hat, ganz im Gegenteil. Aber Dirk Nowitzki hat bei der Pressekonferenz ganz deutlich klar gemacht, daß die Mavs überhaupt keine Wahl haben – die NBA bestimmt, welche Teams zur NBA live Tour „dürfen“ und die Teams müssen antreten. Das macht deutlich, daß diese Tour auch für die NBA bzw. deren Vermarktung recht wichtig zu sein scheint. Für Alba ist das Risiko sichtlich kleiner, wobei man nie weiß was in einem solchen Spiel passieren kann.

Umzingelt von der Presse: Rick Carlisle

Die Marketing-Abteilung von Alba dürfte sich natürlich die Hände reiben, für den Bekanntheitsgrad des Vereins ist das Spiel eine Riesenchance. So kündigt man auf der Alba-Homepage das „Highlight des Jahres“ an und auch Marco Baldi betonte in den vergangenen Wochen, welch große Stahlkraft diese Begegnung besitze. Gibt es aber abgesehen vom Hype um dieses Spiel auch einen sportlichen Nutzen für die Teams? OJ Mayo, eine der zahlreichen Neuverpflichtungen der Dallas Mavericks, ist der Meinung, dass das Trainingslager in Europa das Team zusammenschweißt. Abgesehen davon machte der Guard sich aber keine Sorgen, da sich ein Großteil der Spieler schon im August zusammenfand um gemeinsam zu trainieren. Über den heutigen Gegner konnte Mayo nicht viel sagen, keiner der Spieler aus dem Kader sei ihm bekannt. Jedoch berichtete der 24-Jährige, dass die Mavericks im Kraftraum der Alba-Trainingshalle trainiert haben und man schon einige Albatrosse beim Shoot-Around begutachtet hätte. Insgesamt stünde der Spaß bei dieser Partie im Vordergrund. Der Headcoach der Mavericks, Rick Carlisle (übrigens hat er nicht nur Ähnlichkeiten mit Jim Carrey, sondern ist zudem auch höchst sympathisch), blieb etwas zurückhaltend mit Aussagen zum Spiel gegen Alba. Man habe sich einige Videos zum Gegner angeguckt und sei ein paar Spielzüge durchgelaufen. Carlisle ist neugierig, wie das „neue“ Mavericks-Team sich unter Wettkampfbedinungen macht.

Und wie sieht es bei Alba aus? Dass die Begegnung nicht wirklich in die Planung von Sasa Obradovic passt, ist keine Überraschung. Mithat Demirel äußerte sich zum Spiel wie folgt: „Die Jungs freuen sich so oder so auf das Spiel. Es ist immer etwas Besonderes gegen so eine Mannschaft spielen zu dürfen, das erfahren nicht viele Spieler. Unabhängig davon werden wir einfach ein weiteres Spiel haben, wo wir unseren Basketball spielen können, dann ist es am Ende egal gegen wen wir spielen.“ Zu den unüblichen Umständen die bei der Begegnung vorhanden sein werden, sagte Demirel: „Es wird Hybrid-Regeln geben, das hat sich angepasst. Da hat sich die Fiba mit der NBA Gedanken gemacht. Unter anderem ist europäische Defense erlaubt“. Das bedeutet, NBA übliche Regeln wie die defensiven 3-Sekunden, werden Alba nicht stören.

Bin ich ein zu großer Pessimist und ein Spielverderber wenn ich sage, so ein Freundschaftsspiel ist unnötig und ein Weiterkommen in der Euroleague, beziehungsweise gute Ergebnisse in der Bundesliga sind wichtiger?  Vermutlich ja. Es fällt mir letztendlich doch leicht über alles hinweg zu sehen und mich tierisch auf das Ereignis zu freuen. Gehen wir vom bestem Fall aus: Beide Mannschaften liefern ein spektakuläres und spannendes Spiel, welches erst kurz vor Schluss zugunsten von Alba entschieden wird. Unser Team aus der Hauptstadt ist dann in aller Munde und zieht damit in dieser Spielzeit mehr Zuschauer an und begeistert sein Publikum auch in den nächsten Spielen.

Na dann, auf ein gutes Spiel und jede Menge Spaß….

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