Letzte Anpassung: Brandon Ashley wird ein Albatros

Kurz vor Ende der Transferfrist ist Alba Berlin noch einmal tätig geworden und hat Brandon Ashley verpflichtet. Der US-Amerikaner erhält einen Vertrag bis zum Saisonende (mit Option auf ein weiteres Jahr) und wird vermutlich beim Heimspiel gegen Göttingen erstmals seinem neuen Arbeitgeber auf dem Feld helfen können. Damit steht nun der endgültige Kader, mit dem die Albatrosse in die entscheidenden Monate der Saison gehen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Transfer haben wir euch hier zusammengestellt.

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Wer ist Brandon Ashley?

Brandon Ashley ist 21 Jahre jung und kommt gebürtig aus San Francisco, Kalifornien. Vor seinem Wechsel zu Alba spielte der US-Amerikaner in der D-League bei den Texas Legends, dem Farmteam der Dallas Mavericks. Zuvor war Ashley drei Jahre lang im Basketball-Programm der University of Arizona. Die „Wildcats“ zählen zu den renommierten Teams der NCAA. Albas Neuzugang  ist ca. 2,04 Meter groß (manche Quellen listen ihn mit 2,02 m, andere, darunter auch Alba, mit 2,06 m) und bringt etwas mehr als 100 Kilo auf die Waage. Damit wird er in Amerika als zu klein geratener Power Forward eingeschätzt, der aber fehlende Körpergröße durch seine sehr langen Arme wettmachen kann.

Generell scheinen Ashleys Fähigkeiten auf einen sog. Cornerman – also jemanden, der zwischen den Positionen small forward und power forward spielt – hinzudeuten: Der 21-jährige besitzt einen soliden Wurf – so traf er in dieser D-League Saison bei 3,5 Dreierversuchen pro Spiel immerhin knapp 39% seiner Würfe – und fühlt sich beim Angriff mit dem Gesicht zum Korb am wohlsten. Das ist auch gleichzeitig seine Schwäche; dem Kalifornier fehlte es in Amerika an Masse und Athletik, um einen Platz in der Rotation als Power-Forward in der NBA zu ergattern. Als variabler, großer Flügelspieler könnte er aber gut nach Europa passen. Fragezeichen stehen auch noch hinter seinen defensiven Fähigkeiten. Bei seiner letzten Station bei den Dallas Legends gehörte er zu den absoluten Leistungsträgern. Er war Starter in allen 33 Spielen und erzielte in 32 Minuten 15 Punkte und 7 Rebounds, in den letzten 10 Spielen sogar 18 / 8 bei 47 % Zweier- und 44 % Dreierquote. Ein Drittel seiner Punkte erzielt er aus der Dreierdistanz. Sein skill set ist sehr variabel. Er verfügt über ausreichend shooting range für die von Sasa Obradovic gern gesehenen Würfe aus der Mitteldistanz, kann bei Bedarf aber auch direkt zum Korb ziehen.

Wie passt Ashley in den Kader?

Die Ankunft von Brandon Ashley bringt dem Team von Sasa Obradovic auf den Flügelpositionen mehr Entlastung. Wenn Ashley sich durchsetzt, bringt er auf der Power Forward-Position Qualitäten, die bisher gefehlt haben. Mitchell Watt konnte bisher kaum offensive Akzente setzen, hat einen wackeligen Wurf, schließt partout nicht mit der rechten Hand ab und kann sich sowohl offensiv, als auch defensiv in Brettnähe nur selten durchsetzen. Seine Leistung gegen Bayern am Sonntag war ein weiterer Beleg dafür. Am ehesten werden wohl seine Minuten zugunsten von Ashley reduziert. Das würde bedeuten, dass Kresimir Loncar vermehrt als Center eingesetzt werden kann; gegen langsamere Gegenspieler fällt die nachlassende Schnelligkeit des Kroaten dort weniger auf. Zusätzlich kann Alex King vermehrt auf die Small Forward Position rutschen und damit für Entlastung sorgen. Denn niemand kann genau sagen, wie lange noch Niels Giffey ausfallen wird. Insgesamt hat sich Alba in diesem Fall also doppelt abgesichert: gegen die Fragezeichen hinter der  Leistungskurve von Mitchell Watt und gegen die Fragezeichen hinter der weiteren Dauer der Verletzung und Reha von Niels Giffey. Zusätzlich dürfte die Verpflichtung von Ashley eine Investition in die Zukunft sein (siehe: Und sonst?)

Was passiert mit Robert Lowery?

Auch wenn Brandon Ashley definitiv kein  Ersatz für Robert Lowery ist, hat die Verpflichtung natürlich Auswirkungen auf die Situation des sympathischen Guards. Lowerys Vertrag endete ursprünglich zum 29. Februar, zudem würde er durch seine Knöchelverletzung noch gut sechs Wochen fehlen. Dennoch verlängerte Alba auch seinen Vertrag bis zum Saisonende. Sollte Lowery wieder fit werden und Kresimir Loncar noch nicht eingebürgert sein, hätte Alba Berlin ganze acht Spieler mit ausländischem Pass im Kader. Für die Bundesliga würde das bedeuten, dass zwei Spieler immer auf die Zuschauertribüne müssten. Einen Luxus, den sich der Verein kaum leisten wird, zumal es auch problematisch für die Teamchemie werden könnte. Zeitnah würde der verletzte Lowery wohl keinen neuen Verein finden, nach seiner Genesung könnte er aber für Vereine aus Ländern mit flexibleren Transferfenstern interessant werden. Ein flexibler Vertrag zu günstigen Konditionen würde für beide Parteien Sinn ergeben, Alba hat für den restlichen Saisonverlauf einen Guard in der Hinterhand, dessen Stärken und Schwächen und vor allem Teamfähigkeit sie schon kennen. Eine Absicherung, falls sich noch ein Spieler verletzten sollte. Und Lowery könnte seine Verletzung in Ruhe auskurieren, sich in Berlin fit halten und bei einem passenden Angebot zu einem neuen Verein wechseln. Zudem hätte es für Lowery den Vorteil, nicht eine Entlassung in seiner Vita stehen zu haben. Finanziell sollte man sich bei der Abwägung des Nutzens für beide Seiten problemos einig geworden sein.

Und sonst?

Perspektivisch ist der Wechsel von Brandon Ashley in zweierlei Hinsicht interessant. Zum einen weil es die erste Verpflichtung in der Ära von Himar Ojeda als Sportdirektor ist. Der Spanier wurde bei seinem Amtsantritt für sein großes Netzwerk in der Basketball-Welt gelobt, zuletzt war er bei den Atlanta Hawks in der NBA für das internationale Scouting zuständig. In diesem Zeitraum spielte Brandon Ashley in der Summerleague für die Hawks, Ojeda dürfte ihn also auch persönlich bereits kennen und eine wichtige Rolle in der Verpflichtung gespielt haben. Man darf also gespannt sein auf das Einschätzungsvermögen des Spaniers und wie sehr er bereits die Anforderungen von Sasa Obradovic bei Spielerverpflichtungen einkalkuliert.

Auf der anderen Seite hat Alba einen Spieler verpflichtet, der noch sehr jung ist und keinerlei Erfahrung im europäischen Basketball besitzt. Die Umstellung wird für Ashley nicht leicht, sollte sie aber klappen, hat Berlin einen interessanten Spieler in den eigenen Reihen, der langfristig noch viel Freude bereiten könnte. Der 21-Jährige könnte sich noch gut entwickeln und galt zu seiner High-School Zeit als eines der Top-Talente der USA. Die hohen Erwartungen konnte er, auch wegen ein paar Verletzungsproblemen, nie wirklich erfüllen, doch viel Potential hat Ashley mit seinem Alter allemal. Das bewies er nicht zuletzt auch durch seine Nominierung für das D-League Allstar Game, wo er in 19 Minuten 8 Punkte erzielte und 8 Rebounds (Top-Rebounder des Allstar Days) abgriff.

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