Let’s talk about trash, baby …

Er ist aktuell – mit aller verbundenen Doppeldeutigkeit – in aller Munde: trash talk! Aber was macht talk zu trash talk, was unterscheidet guten von schlechtem trash talk und trash talk von plumpen Beleidigungen? Die Wikipedia meint dazu:

 „Trash-talk is a form of boast or insult commonly heard in competitive situations. It is often used to intimidate the opposition, but can also be used in a humorous spirit. Trash-talk is often characterized by use of hyperbole, or figurative language. Puns and other wordplay are commonly used.

Trash-talk was commonly used by the heavyweight boxing champion Muhammad Ali in the 1960s and 1970s. Since then, it has become common for boxers, wrestlers, and other sports competitors to use trash-talk. Trash talking in amateur sports ranks is generally discouraged and frowned upon (especially in youth leagues).“ (gekürzt)

Fass Akeem, fass!
Fass Akeem, fass!

Wenn man es ganz genau nimmt, ist trash talk im Basketball ein Regelverstoß, aber wenn man es ganz genau nimmt, ist Basketball auch ein „körperloser Sport“ (äähm, nun ja …). Schiedsrichter haben die Möglichkeit, dagegen vorzugehen, in der Praxis wird trash talk aber in den Sport-Arena rund um den Erdball geduldet, wenn man es nicht übertreibt. Je nach Liga, Sportart und auch persönlichen Einstellung der jeweiligen Schiedsrichter dazu wird über trash talk mehr oder weniger hinweg gesehen. „Persönliche Einstellung“ ist ein guter Punkt; die Meinungen zu trash talk gehen weit auseinander, sowohl auf dem Feld als auch auf den Rängen. Manche Spieler vertreten den Standpunkt „Wer noch Luft zum Quatschen hat, gibt nicht alles in der Defense“ und können gut darauf verzichten. Andere zelebrieren trash talk regelrecht, sehen es als gutes Mittel, um das Spiel des Gegners zu beeinflussen. Die Könige des trash talk haben es zur Kunstform erhoben. Ebenso sind manche Spieler „immun“ gegen trash talk, da kann der Gegenüber noch so viel labern, bei anderen kommt man mit Kleinigkeiten in dessen Kopf. Auch auf den Rängen reicht die Bandbreite an Meinungen von „gutes Mittel, um den Gegner zu verunsichern“ über „ist halt Teil des Spiels“ bis zu „total unsportlich“. Wie auch immer man dazu steht, trash talk ist weit verbreitet; nicht nur in Team-Sportarten wie Basketball oder Eishockey sondern auch im Individualsport wie z.B. Boxen.

Was braucht man für „erfolgreichen“ trash talk?

Um mit trash talk etwas bewirken zu können, müssen ein paar Dinge zusammen kommen. Wer? Was? Wann? Wie? Gegen wen? Wer mit trash talk erfolgreich sein will, muss erst mal selbst etwas an Leistung anbieten, ein paar Körbe erzielen, gut verteidigen, den Gegner zu schlechten und erfolglosen Würfen zwingen. Sven Schultze könnte das wahrscheinlich nicht mehr. Dafür spielt er zu wenig, hat zu wenig Einfluss aufs Spiel. Welchen Spruch könnte der da einem Gegenspieler drücken ohne ein mitleidiges „Geh sterben, alter Mann!“ zurück zu bekommen? Mit nur trash talk wird man nichts erreichen.

Berühmte trash talker sind in der Regel auch berühmte Sportler. Muhammad Ali hat den trash talk vielleicht nicht erfunden, aber wohl salonfähig gemacht. Bei dem ging es auch weit über den Ring hinaus, trash talk war Teil seines Marketings, seiner Eigen-Vermarktung, sogar ein nicht unwesentlicher Teil der Marke „Ali“. Trash talk ist auch ein wesentlicher Teil des Profils von z.B. Dennis Rodman; NBA „hall of fame“-er und / oder Allstars wie Gary Payton, Michael Jordan, Scottie Pippen, Black Mamba Kobe Bryant und andere großartige Basketballer sind bekannt dafür, oft genug einen provokanten Spruch auf den Lippen gehabt zu haben. Was man sagt, ist natürlich das Wichtigste. Dabei gilt: Eine plumpe Beleidigung ist kein trash talk sondern eine plumpe Beleidigung, nicht mehr und nicht weniger. Das eine hat mit dem anderen wenig bis nichts zu tun. Guter trash talk ist smart! Ein humorvoller Vergleich des Gegenspielers mit Anspielungen auf dessen Schwächen können den zum Grübeln bringen. Scottie Pippen hat in den 90ern vor spielentscheidenden Freiwürfen Karl Malone (bei einem Sonntagsspiel) mit einem harmlosen „The Mailmann doesn’t deliver on Sunday“ aus dem Konzept gebracht (Malone verwarf, die Bulls gewannen noch das Spiel). Großmäuligkeit, die Übertreibung der eigenen Stärken oder (vermeintlichen) Überlegenheit, kann ebenso wirken, wie sich über den Gegenspieler lustig zu machen. Über Charles Barkleys Behauptung, (NBA referee) Dick Bavetta sei so alt, dass er gemeinsam mit Moses das Rote Meer geteilt habe, konnten irgendwann beide lachen. Ein gutes Beispiel für übersteigertes Selbstbewusstsein ist Muhammad Ali, der sogar leidlich poetisch dabei wurde:

„ Float like a butterfly, sting like a bee.
The hands can’t hit what the eyes can’t see.“

Auch „The Black Mamba“, Kobe Bryant, beherrscht die Klaviatur des trash talks recht gut:

Trash talk muss sich entwickeln, um erfolgreich zu sein. Es hilft ungemein, wenn man schon ein paar gute Szenen gegen den Spieler hatte, bevor man ihm einen Spruch drückt. Es wird nur funktionieren, wenn der Gegner selbst schon nicht unbedingt zufrieden ist.

Trash talk ist Psychologie! Guter trash talk besticht eben gerade NICHT durch größtmögliche Kraftausdrücke sondern ist subtil, trash talk muss nicht gebrüllt werden. Michael Jordan war nicht nur der wahrscheinlich größte Basketballer aller Zeiten sondern beherrschte auch das Spiel mit den Worten, die kleinen gemeinen Psycho-Spielchen wie kein Zweiter. Ohne dass er dabei beleidigend werden musste. Legendär, wie er in einem Spiel ganz ruhig dem damaligen rookie Dikembe Mutombo erklärte, dass er den nächsten Freiwurf mit geschlossenen Augen verwandeln würde. Gesagt, getan. Vor dem Wurf blickte er noch kurz zu Mutombo, rief ihm zu „Der ist für dich!“, schloß die Augen, verwandelte den Freiwurf sicher und sagte dann breit grinsend „Willkommen in der NBA!“.

Bad boy Akeem?

Aktuell wird im Zusammenhang mit trash talk über Akeem Vargas diskutiert. Dieser hatte sich bereits im Frühsommer im ausführlichen Interview mit Alba-inside über seine Vorliebe für trash talk geäussert:

„… Ich bin ein großer Freund von trash talk und auch ein großer Fan von Michael Jordan und Reggie Miller, die das regelrecht zelebriert haben. Ich finde es schade, daß man heutzutage nicht mehr so viel reden darf auf dem Feld. Trash talk gehört für mich irgendwie zum Spiel dazu.

Was “erzählst” du dann deinem Gegenspieler so auf dem Feld?
Alles, was dazu nötig ist, ihn aus dem Konzept zu bringen. Aber es gibt natürlich ganz klare Grenzen; man beleidigt niemals die Familie oder Rasse, das ist unter der Gürtellinie, aber ich würde sagen, so Standardsätze wie “Kannst du den jumper, kannst du ihn nicht … du hast schon zwei verschossen … weiß ich nicht, ob ich den dritten nehmen würde …” kann man schon mal bringen, um permanent im Kopf vom Gegenspieler zu sein.

Ist das völlig unabhängig davon, gegen wen du spielst? Würdest du das auch mit z.B. Diamantidis machen?
Auf jeden Fall, das ist Teil meines Spiels, das pushed mich. Niemand lässt sich so etwas gerne sagen, auch ein Diamantidis nicht, obwohl es von dem mehr abprallt, als von anderen Spielern, aber wenn es David Logan gegen ihn macht, Akeem Vargas gegen ihn macht, Bar Timor gegen ihn macht, irgendwann kommt auch ein Diamantidis an einen Punkt, wo es ihn nervt. Wenn man das zu dritt, viert, fünft – wie viele wir dafür auch immer brauchen – schafft, in seinem Kopf zu sein, haben wir unser Ziel erreicht. Dann fängt er an nachzudenken, zu werfen oder nicht zu werfen. Damit kann man schon Spieler aus ihrem Rhythmus bringen.

Wendest du das im Training auch schon an?
Im Moment noch nicht, da ich meine Mitspieler noch nicht so gut kenne und erst mal einen guten Eindruck hinterlassen möchte. Im Training wird das natürlich auch nicht so extrem gemacht. Da wird das eher mit einem Lächeln oder Augenzwinkern gemacht. Im Spiel ist es natürlich ernst. Ich glaube, daß jemand wie Sasa damit kein Problem hat, weil er selbst so als Spieler war. Ich glaube, daß ich wegen dieser Aggressivität gut zu Sasas Spiel passe.“

Das hält Vargas schon seit Jahren so, bei Alba schon seit Beginn der Saison. Allerdings hat es über drei Monate und 15 Bundesliga-Spiele gedauert, bis sich mal jemand darüber aufregt! Warum das? Akeem Vargas wird seine Art des trash talkings nicht wesentlich geändert haben, alles was kolportiert wird („Willst du nicht endlich mal anfangen zu verteidigen“, „Der war drin“), ist nicht wirklich beleidigend, überhaupt nicht. Es spielen also andere Faktoren eine Rolle. Da kommt eine Menge zusammen: Ein klar unterlegenes gegnerisches Team, ein Gegenspieler mit Frust, ein paar gute defensive und offensive Aktionen von Vargas und ein paar mißlungene Würfe vom Gegenspieler. Dann sinkt die Reizschwelle auf ein sehr niedriges level, da reicht dann ein kleiner Tropfen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen, ein relativ harmloser Spruch, um den Gegner „explodieren“ zu lassen. Bei einem Spruch, bei dem man bei -20 „explodiert“, würde man bei +20 nur müde lächeln. An Vargas‘ trash talk hat sich nichts geändert, das Umfeld ganz entscheidend. Es ist entscheidend, in welcher aktuellen persönlichen Situation sich der angesprochene befindet. Schuldfrage? Ohne jede Diskussion ist, dass körperliche Gewalt nie die richtige Reaktion auf was-auch-immer sein kann. Das gilt auf der Straße genau so wie auf einem Basketball court. Probleme lassen sich NIE mit Fäusten lösen, egal wo! Dafür gibt es keine vernünftige Rechtfertigung, überhaupt keine! Wer schlägt hat nie Recht!

3 Gedanken zu „Let’s talk about trash, baby …“

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