Lästiges Zwischenspiel? Alba Berlin zu Gast bei den Giessen 46ers

Das 44. Saisonspiel kommt für Alba Berlin zur Unzeit.Schwierige Aufgabe für Luke Sikma und Co. bei den Giessen 46ers

Schwierige Aufgabe für Luke Sikma und Co. bei den Giessen 46ers

Am Sonntag Abend, 18:00 Uhr muss Alba Berlin bei den Giessen 46ers in der Basketball Bundesliga antreten. Eigentlich würden sich alle viel eher auf das Halbfinale im Eurocup vorbereiten, aber das Spiel in Hessen muss trotzdem ernst genommen werden, denn der Kampf um die beste Position in der Basketball Bundesliga ist knapp und die Berliner können sich kaum noch eine Niederlage leisten, wenn man von einem der Spitzenplätze in die Playoffs starten will.

Alba Berlin hat sich bewusst dafür entschieden, sowohl national als auch international anzutreten. Ebenso ist der Anspruch, auch erfolgreich zu sein, wo man antritt. Das klappt im Eurocup in dieser Saison hervorragend, in der Bundesliga hat man jetzt schon so viele Niederlagen, wie in der vergangenen Saison zum Abschluss der Hauptrunde. Weitere Niederlagen kann man sich kaum noch leisten. Da kommt das Spiel in Giessen zwischen dem Sieg gegen Malaga im Viertelfinale des Eurocup am Mittwoch und dem ersten Spiel des Halbfinales gegen Andorra am Dienstag zur Unzeit, aber auch solche Herausforderungen und das ständige Umschalten zwischen den Wettbewerben muss man lt. Albas Guard Joshiko Saibou bewältigen „Das ist auf jeden Fall nicht einfach. Das beste Beispiel dafür ist Oldenburg. Immer zwischen Eurocup und Bundesliga zu wechseln ist schwierig und erfordert sehr hohe Konzentration und Fokus. Gegen Oldenburg ist uns das z.B. nicht gelungen und das wurde bestraft. Aber noch einmal wurde uns vor Augen geführt, dass wir in jedem Spiel fokussiert sein müssen. Auch wenn wir im Eurocup nun weiter gekommen sind und ein Zwischenziel erreicht haben, wollen wir trotzdem jedes Bundesligaspiel gewinnen. Das wird nicht einfach.“ Dabei wird es sowohl physisch wie psychisch eine Herausforderung „Es ist eine Kombination aus Beidem. Es ist schwer zu sagen. Von dem Playoffmodus wieder auf den Liga-Alltag zu schalten ist mental anspruchsvoll.“ so Johsiko Saibou „Ich glaube, das werden wir am Wochenende in Gießen besser machen, als gegen Oldenburg. Alles in allem ist die mentale Herausforderung etwas größer als die physische.“

Die Mittelhessen gehören mit 50 Teilnahmen, davon 46 in Folge, zu den Urgesteinen der Basketball Bundesliga und können auf eine wechselvolle Geschichte zurück blicken. Da gab es zum einen fünf Meisterschaften und drei Pokalsiege in den 60er und 70er Jahren zu bejubeln, aber auch Abstiege und Insolvenzen zu betrauern. Die besten Jahre des Vereins liegen ein wenig zurück, zum letzten Mal konnte man 2004/05 die Playoffs erreichen, dort dank des „Spieler des Jahres“ Cuck Eidson sogar ins Halbfinale einziehen. Alba Berlin und die Giessen 46ers spielten bisher 72 Mal gegeneinander, 63 Partien konnten die Berliner gewinnen, neun Mal behielten die Hessen die Oberhand. Einer dieser Siege liegt jedoch noch kein ganzes Jahr zurück. Beim letzten Spiel in Giessen behielten die 46ers mit 102-87 klar die Oberhand. Das war allerdings der einzige Sieg in den letzten 25 Spielen bzw. in den letzten 15 Jahren.  

 

Guards

Jared Jordan, David Bell, Bjarne Kraushaar
Max Landis, Siyani Chambers, Leon Okpara

Forwards

Brandon Thomas, Larry Gordon, Alen Pjanic
Benjamin Lischka, Tim Uhlemann

Center

John Bryant, Mahir Agva

Mit dem ehemaligen Alba-Spieler Ingo Freyer, der vor 24 Jahren mit den Berlinern um Sasa Obradovic, Teoman Alibegovic, Henrik Rödl oder Ademola Okulaja den Korac Cup gewann, hat man in Giessen einen Coach, der wie kein Zweiter in der Liga für high speed Basketball steht. Das war so in Hagen, das ist so in Giessen. „Gießen hat wahrscheinlich das klarste Profil der ganzen Liga. John Bryant und schneller, aggressiver Offensivbasketball. Das ist ein gefährliches Team, besonders in ihrer kleinen, lauten Halle und wir haben ja im letzten Jahr dort verloren.“ so Joshiko Saibou „Es ist ein Team, das man nicht in den Rhythmus kommen lassen darf. Man muss sein eigenes Spiel durchdrücken, wenn man deren Spiel mitspielt, wird es schwer, dort zu gewinnen. Gießen spielt eine gute Saison und es ist keine einfache Aufgabe.“ Wer würde ihm da widersprechen wollen. Zumal ihm die Statistiken auch recht geben. Giessen führt die Liga sowohl bei Pace (Geschwindigkeit) als auch Possessions an. Da wird nicht lange gefackelt, schnell abgeschlossen. Die schnellen und athletischen Guards ziehen mit viel Energie zum Korb, schließen selbst ab oder spielen dann einen Pass auf den Center John Bryant oder raus an die Dreierlinie, wo gefährliche Scharfschützen warten, wie z.B. Jared Jordan (50% / 3 Versuche pro Spiel), Brandon Thomas (49,1 % / 5), Max Landis (46,3% / 4,3), David Bell (42,9 % / 5) oder Larry Gordon (38,9 % / 3,1). Einer von denen kann immer heiß laufen und einer von denen läuft in jedem Spiel heiß. Sie haben eine bessere Dreierquote als die Berliner (41,5 % / 39,4%) bei mehr Versuchen (25 / 23,4). Das sieht oft wild und konfus aus, ist es aber nicht. Mit einer Assistquote von 69,8 % sind sie in der Spitzengruppe der Liga (3.) und nur knapp hinter den Berlinern (71%). Von der reinen Anzahl der Assists liegen beide Teams an der Spitze der Liga, Berlin (23,8) als Erster vor Giessen (22,0 /2.). Unter den Brettern dominiert der US-Amerikaner mit deutschem Pass, John Bryant, aber auch die Forwards Larry Gordon, Benny Lischka und Mahir Agva kämpfen um jeden Ball.  

Schlüsselspieler, player to watch, key player

Selbstverständlich kommt man da unweigerlich auf Center John Bryant (31). Der  ehemalige MVP der Liga führt nicht die Ranglisten innerhalb des Teams, sondern der gesamten Liga in mehreren Kategorien an.  Er erzielt die meisten Punkte (20,3) und holt die meisten Rebounds (10,9). Ihn zu Doppeln ist auch kein Allheilmittel, denn dann hat er die Übersicht, um seine Mitspieler in Szene zu setzen (5,2 Assists). Jeder weiß, was er macht, jeder weiß, wie er es macht, aber kaum jemand findet Mittel, um seine Kreise effektiv einzugrenzen. Die Kombination aus Größe (2,11 m), Masse (130 kg), gutem Wurf bis an die Dreierlinie und Spielübersicht macht das auch sehr schwer. Probleme hat er mit schnellen und beweglichen Gegnern.  

Von den letzten 5 Spielen seit Anfang Februar hat Giessen zwei gewonnen (gegen Ulm und in Bremerhaven) und drei verloren (gegen Würzburg und Bamberg sowie in Bayreuth). Damit sind sie zwar mit 11 Siegen und 12 Niederlagen auf Platz 12 der Tabelle abgerutscht, liegen jedoch nur einen Sieg (bei einem Spiel weniger) hinter dem Tabellen-Achten Braunschweig und sind somit noch voll im Playoff-Rennen. Allerdings hatten sie in den letzen Spielen auch mit Verletzungs- bzw. Krankheitssorgen zu kämpfen. Bei dem eh schon nicht üppig bestückten Frontcourt schmerzt der Ausfall von Benjamin Lischka schon sehr. Auch Max Landis fehlte beim letzten Spiel in Bayreuth mit einer Magen-Darm-Infektion, die aber bis Sonntag überwunden sein dürfte.

Alba Berlin konnte im gleichen Zeitraum vier Siege gegen Bayreuth und Braunschweig sowie in Bonn und Frankfurt einfahren, musste aber am letzten Wochenende in Oldenburg dem engen Spielplan Tribut zollen und war 43 Stunden nach dem Spiel in Malaga in der zweiten Halbzeit nicht mehr in der Lage, den Norddeutschen Paroli zu bieten. Joshiko Saibou, der am Mittwoch im Spiel gegen Malaga umgeknickt war, wird voraussichtlich wieder mitspielen können „Ich steige heute wieder ins Training ein und muß mal sehen, wie es geht.“, meinte der Berliner Guard am Freitag gegenüber alba-inside. „Es war die gleiche Stelle am Knöchel, wie schon beim letzten Mal, was eigentlich ganz gut ist, denn da konnte nichts gerissen sein. Ich hätte am liebsten am Mittwoch schon wieder mitgespielt, sollte es zur Sicherheit aber nicht und es hat ja auch so gereicht. Der Arzt hat auch nichts Auffälliges festgestellt und große Schmerzen habe ich auch nicht. Es wäre schon schön am Sonntag an alter Wirkungsstätte spielen zu können, aber es ist immer schön, Basketball zu spielen.“ so Saibou weiter, der nur noch auf wenige ehemalige Mitspieler in Giessen treffen wird. Eigentlich nur noch auf Benjamin Lischka und den damaligen Jugendspieler Alen Pjanic, wobei bei beiden unklar ist, ob sie wieder mitspielen können. Bei Alba musste Center Landry Nnoko am Freitag mit einer Erkältung zum Arzt; hinter dessen Einsatz am Sonntag steht ein Fragezeichen.

Headcoach Aito Garcia Reneses erwartet in Giessen ein schweres Spiel, bei dem man sich nicht nur auf den dominierenden Center John Bryant konzentrieren kann: „Man muss bedenken, dass im Hinspiel gegen Gießen John Bryant gefehlt hat. Trotzdem hatten wir Probleme, gegen sie zu gewinnen. Gießen ist nicht nur John Bryant, das hat man in diesem Spiel schon gesehen. John Bryant ist ohne jeden Zweifel ihr bester Spieler, aber auch viele andere Spieler sind sehr gute Basketballer.“ Auch als Test für das wichtige Halbfinale am Dienstag gegen Andorra sieht er das Spiel nicht: „Nein, absolut nicht. Das ist ein BBL-Spiel, das wir sehr ernst nehmen. Auch wenn es nur zwei Tage vor dem Spiel gegen Andorra ist, dürfen wir nicht den Fehler machen, schon an dieses Spiel zu denken. Wir müssen uns voll auf das Spiel konzentrieren, das wir zu spielen haben und das ist das Spiel in Gießen.“

Joshiko Saibou geht noch einmal auf den Spagat zwischen Eurocup und Bundesliga ein: „Ich liebe solche do or die Spiele wie gegen Malaga auf jeden Fall. Das sind die Spiele wofür wir alle Basketball spielen. Trotzdem sind die anderen Spiele auch wichtig, denn man muss sich in jedem einzelnen Spiel in der Liga die Ausgangsposition für solche do-or-die-Spiele am Ende der Saison erarbeiten. Im Eurocup sind wir schon in diesem do-or-die-Modus, da schraubt man unbewußt die Intensität noch einmal etwas höher. In der BBL haben wir schon ein paar Spiele verloren und wenn wir da am Saisonende auch um den Titel mitspielen wollen, müssen wir da jetzt auch jedes Spiel gewinnen, auch wenn es noch viele Spiele sind. Trotzdem helfen uns auch solche Spiele wie im Eurocup, sind nicht nur Belastung. Das Spiel am Mittwoch hat uns, denke ich, als Team ein Stück vorangebracht. Gerade das Erfolgserlebnis, nachdem wir auch schon knappe Spiele in dieser Saison verloren haben.“

Alba  steht unter Druck. Das Spiel muss gewonnen werden. Dafür müssen sie die Schwächen, die Giessen hat, konsequent ausnutzen. Die Hessen haben Spaß am Scoren und das Ziel ist, mehr Punkte, als der Gegner zu erzielen, nicht so sehr, deren Punkte zu verhindern. Es wäre sicher despektierlich, Giessen als „Schießbude der Liga“ zu bezeichnen, aber der Fakt, dass sie mehr Gegenpunkte als jedes andere Team der Liga (über 92) kassieren, lässt sich nicht wegdiskutieren. Ein weiterer Schlüssel ist, mindestens so schnell wie die Giessener selbst zu spielen, Spieler und Ball viel und schnell zu bewegen und die Gastgeber laufen zu lassen. Einige Leistungsträger sind in Basketballerjahren gerechnet schon im fortgeschrittenen Alter und wenn David Bell (37), Jared Jordan (34), Brandon Thomas (34), John Bryant (31) und Larry Gordon (31) viel laufen müssen, stoßen sie an ihre körperlichen Grenzen.  Sie spielen eine Rotation mit sechs Ausländern sowie den Deutschen Bryant, Agva, Lischka und dem jungen Kraushaar (19) … wenn alle fit sind. Bei Ausfällen kann der Nachwuchs noch nicht in die Bresche springen, dann wird die Rotation kürzer. In Bezug auf die Tiefe des Kaders hat Alba mehr zu bieten und sollte dadurch mehr Druck auf den Gegner machen. Das sollte sich mit zunehmender Spieldauer auswirken.

Ach ja, das Giessener Orakel „Elli“, ein Hund, ist sich unschlüssig; trotzdem wird es kein Unentschieden geben:

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