Kreditwürdig

Der Dezember macht irgendwie keinen Spaß. 2010 schon nicht. 2011 irgendwie auch nicht und 2012 war zum Ende hin auch nicht so prall. Same procedure as every year? Nein, dafür scheint uns im diesjährigen Kader, ähnlich wie im Team von 2010, zu viel Qualität zu stecken. Die Saison ist, auch wenn es teilweise schon so prophezeit wird, bei weitem nicht vorbei.

Etwas beunruhigender dagegen ist, dass die Mannschaft derzeit den Kredit wieder verzockt, den sie sich im Verlaufe der bisherigen Saison erspielt hatte. Den positiven Eindruck, den die Fans mit teils berauschenden Leistungen zu Saisonbeginn wahrnahmen, gepaart mit der Euphorie und den Hoffnungen durch die Rückkehr von Obradovic, ermöglichte ein Gefühl, dass seit geraumer Zeit irgendwie verloren gegangen war: es herrscht(e) eine emotionale Bindung zwischen den Anhängern und der Mannschaft. Die Mischung aus spielerischem Glanz, bedingungslosem Einsatz und den nötigen Erfolgserlebnissen ermöglichte es, dass wir sonst so zurückhaltenden und erfolgsverwöhnten Berliner bei den Partien ebenfalls bedingungslos hinter der Mannschaft standen. Eine Haltung, die der Mannschaft auch den Rückhalt gibt wenn es mal nicht so läuft und auch nicht sofort alles in Frage stellen lässt, wenn es zu ein paar Niederlagen kommt.

Gefühlt kommt es aber gerade jetzt zu einem Bruch. Die unnötigen und teilweise desolaten Vorstellungen gegen Würzburg und Bayreuth, überschatten die engagierte Leistung gegen Real Madrid. Es kommt derzeit alles zusammen: man vermisst (teilweise) den Einsatz, spielerische Klasse und die nötigen Erfolge, zusätzlich machen sich die hohe Belastung und die vielen kleinen und großen Verletzungen bemerkbar. Es bringt jetzt nichts alles in Frage zu stellen und die Saison abzuschreiben. Die Augen vor Baustellen verschließen sollte man jedoch auch nicht. Die Lücke, die Vule Avdalovic hinterlassen hat, kann nur schwer gestopft werden. Je’kel Foster ist bekanntlich ein anderer Spielertyp als der Serbe. Das werden Obradovic und Demirel bei der Verpflichtung sicherlich berücksichtigt haben. Man versucht also einen anderen, neuen Weg einzuschlagen um den Ausfall zu kompensieren. Das braucht Zeit und Geduld. Bei so viel Spielzeit die Foster zuletzt erhielt, muss man also auch zwangsläufig einen Bruch im Spielfluss erwarten. Viel mehr Sorgen bereitet das Hinnehmen gegnerischer Distanzwürfe. Zusammen mit der fehlenden Spritzigkeit in der Verteidigung tut dies doppelt weh.  Man kann in der Offensive auch die fehlende konstante Gefahr der Dreierschützen bemängeln, doch ich bin optimistisch, dass die richtige Balance zwischen Inside und Outside im Verlaufe der Zeit gefunden wird. Dass der Ball oft zu den Centern unter dem Korb geht ist prinzipiell schon eine sehr gute Eigenschaft. Wichtiger ist zuerst, dass die richtige Intensität in der Verteidigung und bei der Rebound-Arbeit wiedergefunden wird. Gegen ZSKA Moskau kann man wohl keinen befreienden Sieg erwarten aber zumindest einen knallharten Fight. Gegen Braunschweig muss dann ein Sieg her, um die Lage wieder ein wenig zu beruhigen. Danach hat man bis zur Allstarday-Pause ein wenig Zeit um Wunden zu lecken und zurück in die Spur zu kommen. Bis dahin gilt es auch für uns Fans: Durchbeißen, anfeuern und an den tollen Saisonstart und die Siege gegen Bamberg und Co. erinnern. Dieses Team hat so viel Kredit verdient.

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