„Kongo ist mein Geburtsland aber Belgien ist meine Heimat“- Neuzugang Jonathan Tabu im Interview

Jonathan Tabu im Interview
Jonathan Tabu im Interview

An viele neue Gesichter mussten sich die Alba-Fans in diesem Sommer nicht gewöhnen. Insgesamt vier neue Spieler sind gekommen, darunter auch Jonathan Tabu. Der Comboguard hat die schwere Aufgabe den Abgang von David Logan zu kompensieren. Abgesehen davon, hat Tabu jedoch schon einiges erlebt. Am Rande des Testspiels gegen CEZ Nymburk, hatten wir die Chance mit dem Neuzugang zu sprechen.
Zunächst ein Mal die Frage, wie geht es deiner Schulter? Was ist das Problem?
Es ist nicht die Schulter, es ist mehr die Brustmuskulatur die Probleme macht. Jetzt muss ich erst ein Mal warten, die nächsten Tage fangen wir mit der Behandlung an. Das ärgert mich natürlich, ich hatte mich auf dieses Turnier und das in der nächsten Woche vorbereitet. Ich kann es aber nicht ändern, jetzt muss ich geduldig bleiben.

Wie ist die Verletzung passiert?
Im Training. Ich war beim Bankdrücken und es hat plötzlich geschmerzt.

Kommen wir zu deinem „personal background“. Du bist im Kongo geboren und mit 5 Jahren nach Belgien gezogen. Fühlst du dich mit deinem Geburtsland in irgendeiner Weise besonders verbunden? Gibt es da bestimmte Erinnerungen?
Wie du gesagt hast, ich war damals fünf Jahre alt, das ist also lange her. Ich war in diesem Sommer im Kongo und konnte mich an gar nichts mehr erinnern. Ich habe in Belgien Basketball spielen gelernt, Belgien fühlt sich wie mein Heimatland an. Ich bin dort zur Schule gegangen, all meine Freunde kommen von dort. Kongo ist mein Geburtsland aber Belgien ist meine Heimat. Natürlich bin ich auch Afrikaner aber ich bin nach Belgien gekommen und das Land hat mich aufgenommen.

Du hast aber erst Fußball gespielt…
Ja, als ich mit Sport angefangen habe, habe ich zunächst Fußball gespielt. Alle mein vier älteren Brüder haben aber Basketball gespielt, irgendwann musste ich mich aber entscheiden. Drei Jahre lang habe ich beide Sportarten ausgeübt, irgendwann wurde es aber mit der Schule zu viel. Ich habe mich dann für Basketball entschieden, weil es in der Halle wärmer war, als auf dem Fussballplatz. Und wegen Michael Jordan! Meine Brüder und ich haben ihn jeden Tag im TV gesehen.

Also war Michael Jordan deine Inspiration bzw. Idol? Oder vielleicht doch deine Brüder?
Sicherlich meine Brüder, weil sie eben alle Basketball gespielt haben. Sie alle haben ein Tape gesehen, das wir damals hatten. Ein Tape von Michael Jordan in den 90ern. Für mich war Michael Jordan der beste Spieler aller Zeiten.

Ist eigentlich einer deiner Brüder als Basketball-Profi aktiv?
Einer meine Brüder hat professionell gespielt. Er musste leider aber aufhören weil er etwas Pech mit Verletzungen hatte. Jetzt arbeitet er als Personal-Trainer.

Du bist schon ein wenig rumgekommen, in Kongo geboren, in Belgien gelebt und gespielt, anschließend in Italien und Spanien. Bist du generell offen für Neues und reisefreudig?
Ich bin immer offen für Neues und reise auch gerne. Ich würde gerne möglichst viele Orte der Welt sehen. Es gibt viele wunderschöne Flecken auf der Welt und es ist zu schade, immer nur an einem Ort zu bleiben. Die Welt zu sehen, ist definitiv eine Sache die ich tun möchte, wenn ich nicht mehr Basketball spiele.

Kommen wir zur Gegenwart. Was waren die ausschlaggebenden Punkte für deinen Wechsel nach Berlin?
Zunächst ein Mal mag ich den Spielstil hier. Außerdem bin ich vom Trainer überzeugt. Die Euroleague war natürlich auch ein Grund. Diese drei Dinge waren entscheidend.

Sasa Obradovic gilt als sehr fordernder Coach. Wie kommt ihr in diesen ersten Wochen zurecht?
Bevor ich hierher gekommen bin, haben wir uns im Sommer schon viel unterhalten. Ich wusste alo schon, was für eine Persönlichkeit er hat. Das macht die Zusammenarbeit einfacher, weil ich weiß was er verlangt. Er ist auch sehr direkt. Wenn du nicht umsetzt was er sagt, kriegst du Probleme. Aber das mag ich und ich denke, das ist auch das beste für mich.

Sasa galt als einer der besten Pointguards zu seiner aktiven Zeit. Inwiefern reflektiert sich das im Training auf euch guards?
Er versucht uns zu helfen, aber nicht nur den pointguards, sondern natürlich der ganzen Mannschaft. Er will von uns, dass wir in jedem Training 100% geben und ich denke, damit liegt er richtig. Nur das bringt einen auf das nächste Level. Das ist perfekt. Wir sind ein junges Team, er will uns nur helfen, das Top-Level zu erreichen.

Ihr seid in der Tat ein sehr junges Team, du gehörst zu den ältesten Spielern. Auch wenn du Neu in der Mannschaft bist, siehst du dich als einer der Führungsspieler für die „Jungen“?
Natürlich. Ich habe teilweise etwas mehr Erfahrung als viele meiner Mitspieler. Dann möchte man auch ein gutes Vorbild sein und den jungen Spielern helfen, auch wenn man neu in der Mannschaft ist.

Du hattest beim Spiel gegen Jerusalem einen erfolgreichen Tag bezüglich der Punkte. Hast du öfters Spiele bei denen du in der Offensive explodierst und das scoring an dich reißt?
Normalerweise kommt man ins Spiel und möchte sich wohlfühlen indem man sich gut einfügt; durch einen steal z.B. oder durch andere gute Aktionen. Beim Spiel gegen Jerusalem habe ich mich gut gefühlt und die Würfe genommen. Aber eigentlich bin ich kein Spieler der sehr viele Würfe nimmt; wenn ich jedoch merke, dass die Würfe fallen, dann nehme ich sie auch. Auf dem Platz kann ich ein wenig von allem tun, ich muss nicht immer punkten. Wenn das Team es aber von mir verlangt, dann kann ich das liefern.

Vielen Dank für das Gespräch, Jonathan!

In einem kurzen Video hat Jonathan Tabu noch ein paar Worte für die Fans in Berlin: klick hier!

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