Klassenkampf!

Nein, nein, keine Angst, es soll hier – natürlich – nicht um „böser“ Russe gegen „guter“ Deutscher, Ost gegen West, gehen. Es geht immer noch um Basketball, ganz genau um das Duell zwischen den Gästen von ZSKA Moskau und Gastgeber Alba Berlin. Das, also das Duell, hat – aus Berliner Sicht leider – „Klasse“ gegen „Kampf“ deutlich gewonnen. Der Favorit aus der russischen Hauptstadt ist eben dieser Favoritenrolle am Ende auch gerecht geworden und hat sich mit 84-68 in Berlin durchgesetzt. Champagner schlägt Schaumwein! Ist es mehr als ein linguistischer Zufall, dass rein sprachlich gesehen zwischen „Klasse“ und „Kasse“ ein ebenso geringer Unterschied besteht, wie zwischen „Kampf“ und „Krampf“?

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Die Klasse, bedingt durch die zur Verfügung stehende Kasse, brachte der russische Armeesportklub aufs Parkett. Alba Berlin konnte da nur mit Kampf gegen halten, denn die individuelle Klasse der „Red Army Horses“ werden sie nie erreichen können. Manchmal kann Wille (und Kampf) ja bekanntlich Berge versetzen, im Normalfall bleibt der Berg aber einfach da wo er ist! So auch am Freitag beim Euroleague-Saisonauftakt von Alba Berlin.

Dabei war im Vorfeld (Eckaaaaaad, die Russen kommen!) das zarte Pflänzlein „Hoffnung“ zu einer mittelgroßen Pflanze gewachsen. Selten waren die Chancen, gegen den eigentlich übermächtigen Gegner ZSKA eine Überraschung zu schaffen, so gut. Im Nachhinein ist die Ernüchterung relativ groß, wirklich dicht dran an einer Überraschung war Alba in diesem Spiel kaum. Gerade wegen dieser Vorab-Hoffnung war die Ernüchterung wohl so groß. Wenn man nichts erwartet, kann man auch nicht enttäuscht werden, aber so völlig erwartungslos in ein Spiel zu gehen wäre irgendwie auch öde, deprimierend. Das Schwanken zwischen den Antipoden Hoffnung und Enttäuschung ist allemal besser, als emotionslos durch die Mitte zu schwimmen.

ZSKA Moskau hat eine routinierte Leistung gereicht. In dem Team steckt eine Menge Erfahrung auf internationalem Spitzenniveau und man merkt, dass der Kern des Teams um Teodosic, Weems, Jackson, Vorontzevic, Kaun und Co. seit drei Jahren zusammen spielt. Selbst wenn die Neuzugänge vorab ein paar dezente Fragezeichen hinterließen und die Abgänge nicht ganz ersetzen können, so ist gerade der verbliebene Kern immer noch absolut exzellent. Beeindruckend gerade auch das Stellungs- und Zusammenspiel der Russen in Offense und Defense. Beeindruckend auch die Größe respektive Länge aller ZSKA-Spieler, die ihrem jeweiligen Pendant auf Alba-Seite ein paar Zentimeter voraus hatten. Das alles sorgt dann eben für eine sehr gute Raumaufteilung, die es dem Gegner in der Offense verdammt schwer macht. Sie stehen perfekt für den Rebound und halten dank Masse die Position in der Regel auch. Vorne richtet es dann individuelle Klasse und Center-Masse. Gerade der Frontcourt von Moskau war dem von Alba deutlich überlegen, traf gefühlt jeden Wurf und tatsächlich täuschte in diesem Punkt das Gefühl auch nicht. Tatsächlich waren es überragende 12 erfolgreiche Abschlüße aus der Nahdistanz bei 15 Versuchen.

Damit ein Team wie Alba eines wie ZSKA schlagen kann, müssen einige Punkte zusammen kommen. Zunächst einige ungünstige Umstände auf der Seite des Gegners, wie z.B. Verletzte, fehlende Eingespieltheit oder dass er den underdog auf die leichte Schulter nimmt. Verletzte gab es bei Moskau sehr wohl, fehlende Eingespieltheit hat sich allerdings nicht bemerkbar gemacht. Auf die leichte Schulter haben sie Alba auch nicht genommen. Vor allem aber muss bei einem Aussenseiter wie Alba für einen Sieg das eigene Spiel nahe am Optimum sein. Alle Spieler müssen eine Top-Leistung bringen. Das war leider nicht der Fall. Cliff Hammonds hatte einen absolut gebrauchten Tag! Kein Vorwurf gegenüber dem Alba-Guard, der schon genug Spiele für die Gelben gewonnen hat, aber wenn so ein wichtiger Spieler offensiv komplett ausfällt, reicht es für das Team eben insgesamt nicht. Alle Spieler ein Stück kleiner, physisch ein wenig schwächer, hat man nur eine Chance, wenn man es schafft, Geschwindigkeitsvorteile auszuspielen. Das ist nicht bzw. nicht in ausreichendem Maße gelungen. Immer  wieder stockte das Spiel, teils aufgrund von eigenem (über-)großem Respekt, teils der Defense der Russen geschuldet. Head coach Sasa Obradovic fasste es nach dem Spiel treffend zusammen: „On offense, we didn’t have the necessary self-confidence and then that transferred to our defense.“ Diesen Eindruck hatte man live in der Halle auch. Der Ball rotierte nicht gut genug, die Offense kam immer wieder ins Stocken und spätestens in der zweiten Halbzeit, als Moskau realisiert hatte, dass Alba mangels Erolgsaussichten den Bereich direkt am Brett meiden würde, war man de facto chancenlos.

Man kann gar nicht sagen, dass Alba ein wirklich schlechtes Spiel gemacht hätte. Es gab zeitweise auch gute Ansätze. Immer, wenn man es geschafft hatte, das Spiel schnell zu machen, konnte man immer mal wieder zu Moskau aufschließen. In der ersten Halbzeit war alles noch im „grünen“ Bereich Der Einsatz stimmte auch, wenn man mal die letzten drei Minuten abzieht. Am Willen lag es nicht, es lag am Können, Kampf allein reicht eben manchmal nicht, besonders, wenn er sich mit „Krampf“, Verkrampfung, vermischt. Es war alles in allem nicht so schlecht, aber schlichtweg nicht gut genug für einen Gegner wie Moskau. Das ist schade, da die Voraussetzungen im Vorfeld recht günstig erschienen. Aber letztlich ist nur das Erwartbare eingetreten; der Favorit hat sich gegen den underdog durchgesetzt. Natürlich kein Grund, über Alba den Stab zu brechen. Aufgrund der bisher gezeigten Leistungen hat das Team eh bei den Fans Kredit und es werden auch wieder bessere Spiele kommen. In der Euroleague kommt es viel mehr darauf an, die must-win-Spiele gegen Cedevita Zagreb und CSP Limoges zu gewinnen, als die nice-to-win-Spiele gegen die Favoriten. Die ersten entscheiden letztlich über das Weiterkommen, auch wenn natürlich die zweiten besonders viel Spaß machen, es besonders schön ist, mal einen „Großen“ zu ärgern. Chancen dafür werden noch kommen und vielleicht nutzt man sogar mal eine davon.

Next stop: Crailsheim!

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