Kein Spiel um die „goldene Ananas“

Alba Berlin empfängt Partizan Belgrad zum letzten Spiel der Top 16 des Eurocups bei dem es um mehr als die berühmte „goldene Ananas“ geht.

Aufgrund vieler Verletzter lastet noch mehr Verantwortung auf den Schultern von "point forward" Luke Sikma
Aufgrund vieler Verletzter lastet noch mehr Verantwortung auf den Schultern von „point forward“ Luke Sikma Foto: alba-inside, Heimspiel gegen Partizan 2017/18

Wenn Alba Berlin am Dienstag, 05.02. zu nachtschlafender Zeit (20:45 Uhr) Partizan Belgrad zum letzten Spiel in den Top16 des Eurocups empfängt, geht es vermeintlich um die sog. „goldene Ananas“, die Berliner stehen bereits vor dem Sprungball als Sieger der Zwischenrunde fest, Partizan Belgrad kann sich nicht mehr für die nächste Runde qualifizieren. Doch der Anschein der Bedeutungslosigkeit täuscht …

… zumindest aus Berliner Sicht. Für das Heimteam geht es auf mehreren Ebenen noch um etwas. Zwar hat man Platz 1 der Top16 Gruppe sicher und damit Heimrecht im Viertelfinale gegen den ebenfalls bereits feststehenden Gegner Unicaja Malaga in der best-of-three-Serie, aber die Platzierung in den Top16 könnte auch relevant für ein mögliches Halbfinale oder Finale sein. Trifft man dort auf einen Gruppenzweiten, hätte man automatisch Heimrecht, nicht jedoch, wenn man auf einen anderen Gruppensieger trifft. Dann hat das Team mit der besseren Top16 Bilanz Heimrecht. Somit zählt jeder Sieg und jeder Korb. Dieser Gruppensieger wäre, wenn dann ASVEL Villeurbanne, die allerdings vor dem letzten Spieltag bei 5-0 (+52) stehen (Alba 4-1, +13). Eine bessere Top16-Bilanz ist somit für die Berliner nur sehr theoretisch zu erreichen, aber man sollte zumindest alles unternehmen, was man selbst in der Hand hat, um das zu schaffen … und man hat schon Pferde vor der Apotheke … uknowwhat. Wichtiger als ein hypothetisches Heimrecht in einem hypothetischen Halbfinale sind aber kurzfristige Dinge. Verlieren ist doof! Ohne Wenn und Aber! Es drückt auf die Stimmung und das Selbstvertrauen, stört den flow und führt zu Zweifeln. Das sollte man möglichst vermeiden. Es geht ganz aktuell aber auch um Adjustments. Mit den drei verletzten guards Peyton Siva, Joshiko Saibou und seit Samstag auch noch Stefan Peno geht es für Coach Aíto darum, Lösungen zu finden, um alternative Setups, um angepasste Systeme. Es ist viel Wert, das unter Wettbewerbsbedingungen testen zu können.

Außerdem verliert man nicht gerne zwei Mal gegen das gleiche Team, die Niederlage gegen die Serben im Hinspiel wurmt und man sinnt auf Revanche. Der Traditionsverein Partizan Belgrad wurde 1945 direkt nach dem Krieg als Armeesportverein gegründet und hat über die Jahrzehnte viele politische und sportliche Turbulenzen überstanden, eine Identität gebildet und ist durchgehend erfolgreich. Der aktuelle serbische Pokalsieger hat in seiner Geschichte 21 nationale Titel und 13 Pokalsiege gesammelt, egal, ob das Land sich zu der Zeit gerade Jugoslawien, Serbien oder Serbien und Montenegro nannte. Auch international war man erfolgreich, gewann die Euroleague (resp. Europapokal der Landesmeister), drei Mal den Korac Cup und sechs Mal die südosteuropäische ABA League. Der letzte Titel (Meisterschaft) liegt jedoch fünf Jahre zurück, in den letzten Jahren hat den Partisanen der große Lokalrivale Roter Stern Belgrad etwas den Rang abgelaufen. Viele ehemalige Alba-Spieler wie Vule Avdalovic, Nenad Cank, Dejan Koturovic, Sasa Rasic oder Blagota Sekulic haben in der Vergangenheit ihre Spuren bei den Partisanen hinterlassen.

In der Vorrunde unter Coach Nenad Canak fast schon ausgeschieden, gab es mit dem neuen Coach Andrea Trinchieri  und auch dank der Nachverpflichtungen von Ex-Albatros Alex Renfroe und Center Nikola Jankovic deutlichen Aufwind und dank eines viel beachteten Auswärtssiegs bei ASVEL Villeurbanne doch noch die Qualifikation für die Top16 Runde. Dort ist man nun wie erwähnt bereits ohne Chance, noch das Viertelfinale zu erreichen, hat aber trotzdem gute Spiele gezeigt, die drei Niederlagen waren mit -6, -4 und -1 knapp und zum Teil unglücklich. Aufgrund der verlorenen direkten Vergleiche gegen Vilnius und Monaco, würde Belgrad auch ein Sieg in Berlin nichts nützen. Auf (trans-)nationaler Ebene in der ABA League hat das Team acht der letzten neun Spiele gewonnen, am letzten Wochenende sehr deutlich mit 83-59 bei Cibona Zagreb. Dabei bewies Power Forward Djorde Gagic aktuell gute Form und erzielte in unter 9 Minuten 16 Punkte ohne Fehlwurf aus dem Feld. Alex Renfroe führt mit 6 Assists Regie, traf aber nur einen seiner sechs Wurfversuche.

Beim Hinspiel Anfang Januar in Belgrad hatte Partizan eines seiner besten Spiele in dieser Saison gemacht und verdient mit 78-66 gewonnen. Dabei konnten sie sich auf eine ausgeglichene Teamleistung verlassen, bei der gleich fünf Spieler zweistellig scorten (Topscorer: Vanja Marinkovic, 14 Punkte) und Alex Renfroe mit 12 Assists der „man of the match“ war. Zudem traf Forward Bandja Sy, der in der Vorrunde in zehn Spielen gerade drei Dreier verwandelte (16,7 %) ausgerechnet gegen Alba 2/3 aus der Distanz. Die Berliner hatten in Luke Sikma (10 Punkte, 8 Assists), Martin Hermannsson (16 Punkte) und Rokas Giedraitis (11 Punkte, 3/6 Dreier) ihre Besten, die jedoch zu wenig Hilfe vom Rest des Teams hatten. 17 Ballverluste ermöglichten dem Gegner immer wieder einfache Punkte (22 Punkte aus fast breaks) und erstickten zaghafte Versuche einer Aufholjagd gleich im Keim.

Für das Rückspiel lässt sich Partizan-Coach Andrea Trinchieri mit den Worten „Leider wird das Spiel wegen zwei Körben [Anm.: in den letzten Sekunden im letzten Spiel von Vilnius zum Sieg] ohne Bedeutung für die Qualifikation für die Top8 sein, aber mit Alba Berlin und Partizan spielen zwei große Namen des europäischen Basketballs gegeneinander. Wir müssen dieses Spiel ernsthaft angehen“ auf der Homepage des Vereins zitieren. Weiter führt er aus „Es wird ein völlig anderes Spiel sein, als bei unserem ersten Spiel. Wir wollen in diesem Spiel Spieler mehr Minuten spielen lassen, die sonst weniger spielen, ohne jedoch die Konzentration zu verlieren.“ Ob man der Aussage mit der Verteilung der Spielzeit Glauben schenken darf oder es eine taktische Äußerung aus der Kategorie „Tricksen & Täuschen“ ist, sei mal dahin gestellt, auf jeden Fall hätte Trinchieri eine Menge Auswahl an jungen Spielern, die diese Zeit gerne nutzen würden, um sich zu präsentieren und zu empfehlen.

Für Alba wird es im Rückspiel darauf ankommen, Lösungen für die Situation mit drei verletzten Guards zu finden. Zudem muss man kontrolliert spielen, auf den Ball aufpassen, einfache Gegenpunkte verhindern. Man sollte sich auch nicht darauf verlassen, dass die 2/3 Dreier von Bandja Sy eine „Eintagsfliege“ waren. Der Forward, der in der Vorrunde 3/18 Dreier verwandelte, ist in den Top16 mit 8/15 Dreiern nun sowohl absolut als auch prozentual der gefährlichste Distanzschütze der Belgrader. Letztlich ist es in einem Spiel ohne die ganz große direkte Bedeutung auch eine Frage der Motivation; diese dürfte und müsste bei den Berlinern vor den eigenen Fans größer sein. 

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