Im Gespräch mit Himar Ojeda (pt 4) … über Aíto Garcia Reneses

„Es ist Leidenschaft!“ Himar Ojeda über Aíto Garcia Reneses

Alba Berlins Sportdirektor Himar Ojeda Foto (c): Camera4 / Alba Berlin
Alba Berlins Sportdirektor Himar Ojeda
Foto (c): Camera4 / Alba Berlin

Alba Berlin ist mit der Verpflichtung des neuen Headcoachs Alejandro „Aíto“ Garcia Reneses ein europaweit viel beachteter Coup gelungen. Viel gäbe es über den „Maestro“ zu sagen, der auf nicht weniger als 50 Jahre Erfahrung im Basketball zurück schauen kann. Man könnte seine fast unzähligen Erfolge aufzählen. Man könnte auch über den passionierten Hobby-Fotografen, dem es besonders Vögel und Fische angetan haben, reden. Über jemanden, der nie nach sich selbst googlet, weil er befürchtet etwas Schlechtes über sich zu lesen. Oder seinen grandiosen Auftritt als 19jähriger im Film „La familia y uno mas“ von Fernando Palacios erwähnen, in dem er sage und schreibe Süßholz raspelnd zwei Worte sagen durfte („guapa, guapisima“, „schön, bildschön“) … und seine „Filmkarriere“ damit auch schon wieder beendete, was man als kleinen Verlust für die Film- und großen Gewinn für die Basketballwelt betrachten kann. Das alles haben aber schon viele andere getan. Wir haben uns mit Alba Berlins Sportdirektor Himar Ojeda getroffen und im Rahmen eines ausführlichen Interviews (die Teile 1 und 2 folgen in Kürze) auch über „Aíto“ so wie er eigentlich von allen nur genannt wird zu reden. Gewissermaßen Informationen aus erster Hand von jemandem, der am Zustandekommen dieser Verpflichtung maßgeblich beteiligt war. 

Alba Berlin hat Alejandro „Aíto“ Garcia Reneses (70) für die kommenden zwei Jahre als Head Coach verpflichtet. Herzlichen Glückwunsch dazu. Wie konnten Sie eine Legende wie Aíto davon überzeugen, in Berlin zu unterschreiben? Und dann noch nach einem Jahr Pause und auch noch zum ersten Mal im Ausland. Es gibt in Europa Vereine mit mehr Geld, es gibt Vereine mit besseren Chancen, Titel zu gewinnen. Was fasziniert ihn an Berlin?

Wir sind sehr froh, dass er sich für uns entschieden hat. Wie gesagt, er ist eine Legende und jemand, der sehr ernsthaft an solch eine Entscheidung heran geht. Er ist mehr Lehrer als ein Trainer. Es geht ihm überhaupt nicht um kurzfristige Dinge. Ihn interessieren kurzfristige Moden nicht. Er hat eine ganz genaue Idee vom Basketball, den er spielen möchte. Aíto ist sehr ehrgeizig und überhaupt nicht im Ruhestand. Er hatte jetzt ein Jahr Pause gemacht, aber er hatte auch ein Jahr Pause gemacht, bevor er nach Gran Canaria kam, er hatte ein Jahr Pause gemacht, bevor er nach Sevilla ging, so ein Jahr Pause ist nichts Untypisches für ihn im Laufe der Karriere.

Er hatte gute Möglichkeiten in seinem Heimatland zu arbeiten, gute Angebote und die spanische Liga ist die stärkste in Europa. Er hätte nicht ins Ausland gehen müssen. Wir konnten ihn von unserem Projekt überzeugen, er ist jemand, der ganz stark an den Ansatz der Entwicklung von Spielern, der Entwicklung von Trainer, der Entwicklung von Organisationen glaubt und arbeitet in dieser Richtung. Er hält die Organisation Alba Berlin und unser Programm für seriös und sehr professionell. Ich glaube, dass er sehr gut für den deutschen Basketball ist und so habe ich es ihm auch gesagt. Er ist gut für den deutschen Basketball insgesamt, für alle. Als Trinchieri nach Deutschland kam, war das gut für den deutschen Basketball und so ist es jetzt das gleiche mit Aito. Trinchieri ist ein großartiger Coach, was Titelkämpfe angeht, aber Aíto legt meiner Meinung nach mehr Wert darauf, Spieler zu entwickeln. Es ist fantastisch, was er in dieser Hinsicht geleistet hat. Im letzten Jahr waren es Pasecniks, Porzingis, Hernangomez, Tavares, Balvin, Satoransky, Navarro, Gasol, Pau Ribas, Ricky Rubio, Rudy Fernandez usw. Wir haben einen klaren Plan, was wir wollen, nämlich junge Spieler entwickeln und Aìto ist der Coach der das auch möchte, kann und gemeinsam mit uns machen will.

Er hat zwar nicht die spanische Nationalmannschaft zum WM-Titel 2006 gecoached (dafür zu Silber bei den Olympischen Spielen 2008), aber diese sog. „goldene Generation“ maßgeblich beeinflusst. Spieler wie die Brüder Gasol, Juan Carlos Navarro oder Rudy Fernandez wurden durch ihn geprägt, ebenso Coach Pepu Hernandez …

… und er hat nicht nur die Nationalmannschaft mit geprägt, sondern auch Vereinsteams. Er hat auch verschiedene Teams besser gemacht, auf ein höheres level gebracht. Man nehme z.B. Gran Canaria. Im vorletzten Jahr von Aíto haben sie es ins Finale gegen Chimki Moskau geschafft, im Jahr darauf im Halbfinale des Eurocups gegen Galatasaray Istanbul, den späteren Champion, knapp mit 2 Punkten verloren. Oder ein anderes Beispiel ist Sevilla. Das war ein Team aus dem Tabellenkeller, als Aíto es übernommen hat. Im ersten Jahr hat er es mit dem jüngsten Team aller Zeiten in die Playoffs geschafft und in einer best-of-3 Serie mit nur 2 Punkten im dritten Spiel in Barcelona verloren. Es ist aber nicht sein primäres Ziel, Spieler zu entwickeln, um Titel zu gewinnen, sondern genau anders herum. Der Wettbewerb ist dazu gedacht, um die Spieler zu entwickeln, er folgt einem strategischen Ziel.

Aíto Garcia Reneses 2009 bei Unicaja Málaga Foto (c): Elemaki, AitoGarcíaUnicaja, CC BY 3.0
Aíto Garcia Reneses 2009 bei Unicaja Málaga
Foto (c): Elemaki, AitoGarcíaUnicaja, CC BY 3.0

Wie sehr hat deine persönliche Beziehung Einfluss auf das Zustandekommen dieses Vertrages gehabt?

Er kennt mich bzw. er kennt meine Arbeit, die ich in Spanien geleistet habe, auch wenn wir nie direkt miteinander gearbeitet haben. Als er in Gran Canaria war, war ich bei den Atlanta Hawks. Wir hatten geschäftliche Beziehungen, aber keine persönlichen. Ich habe ein gewisses Ansehen bei ihm, er weiß, dass ich meine, was ich sage, verlässlich und vertrauenswürdig bin. Und natürlich kennt jeder, der in Spanien mit Basketball zu tun hat, Aíto Garcia Reneses.

Kannst du etwas über seinen Stil als Coach sagen? Was sind seine Ideen von modernem Basketball?

Aíto hat den festen Glauben, dass es richtig und erfolgreich ist, Spielern etwas beizubringen, jeden Tag, bei jedem Training, in jedem Spiel, immer. Er ist sehr detailverliebt, achtet auf kleinste Details, korrigiert Spieler immer wieder bei Kleinigkeiten wie Laufwegen, Fußhaltung, Stellung des Ellenbogens usw. Er ist ein Coach, der niemals laut wird. Er beobachtet Spieler ganz genau und sobald er einen Fehler sieht, weist er den Spieler ganz sachlich darauf hin. Wenn er den Fehler wiederholt, weist er wieder darauf hin, wenn der Spieler dann immer noch den Fehler wiederholt, sitzt er auf der Bank. Dabei ist er sehr strikt, aber auch fair. Es ist völlig egal, ob es einen Nachwuchsspieler oder den „Star“ des Teams, es ist egal, ob es in Minute 1 oder in Minute 40 passiert, er behandelt alle gleich und ist sehr konsequent. Deshalb wird er von allen Spielern respektiert. Wer gut arbeitet, der spielt, wer nicht, der nicht. Gerade die jungen Spieler bekommen so ihre Chancen. Es haben natürlich nicht alle Spieler die gleiche Qualität, aber wer macht, was er sagt, und seine Rolle ausfüllt, hat Chancen zu spielen. Aber seine Art zu coachen, benötigt Zeit, das ist nichts, was kurzfristig funktioniert, da braucht man Geduld. Im ersten Jahr in Gran Canaria hatten manche Zweifel, ob das Team denn wettbewerbsfähig genug wäre, als er dann dort aufgehört hat, haben ihn alle vermisst. Im ersten Jahr hat er Platz 8 in der spanischen Liga erreicht, im folgenden Jahr hat er das Team zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ins Finale des spanischen Pokals Copa del Rey und das Halbfinale des Supercups sowie des Eurocups geführt. Es braucht Zeit, aber er bringt den Basketball, Spieler und Trainer auf ein höheres level.

Wie sieht es gesundheitlich aus, er ist immerhin schon 70 Jahre alt?

Da gibt es absolut keine Probleme, er ist gesund und hat das Verlangen zu coachen. Zudem haben wir ein gutes Trainerteam, es ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Er hat die Erfahrung und das Wissen, wie man gut durch eine lange Saison kommt.

Es muss wirklich Leidenschaft sein, denn in 50 Jahren im Basketballgeschäft sollte er genug Geld verdient haben, dass er nicht gezwungen ist noch zu coachen.

Ja, absolut, es ist Leidenschaft! Er coached nicht, weil er muss, er sucht die Herausforderung, weil er es will. Es ist einfach Leidenschaft, Dinge zu entwickeln und vorwärts zu bringen. Es ist sogar eine ganz besonders große Leidenschaft, wenn man mit 70 Jahren das erste Mal ins Ausland geht und sich dieser Herausforderung stellt. Er riskiert etwas, aber er hat sich Zeit genommen, alles gut durchdacht und will unbedingt diese Aufgabe annehmen.

Aíto Garcia Reneses Foto (c): Elemaki, AitoGarcia, Ausschnitt von Alba Inisde, CC BY 3.0
Aíto Garcia Reneses
Foto (c): Elemaki, AitoGarcia, Ausschnitt von Alba InisdeCC BY 3.0

4 Gedanken zu „Im Gespräch mit Himar Ojeda (pt 4) … über Aíto Garcia Reneses“

  1. Kleiner Hinweis für korrekte Bildnachweise: Fotos auf Wikimedia Commons sind nicht per Copyright geschützt, sondern sind als freie Lizenzen mit Creative Commons Lizenzen lizenziert.

    Beim rechtlich korrekten Bildnachweis hilft der Lizenzhinweisgenerator: https://lizenzhinweisgenerator.de/

    Korrekt muss es für das erste Bild heißen (ich liefere einfach gleich mal den HTML-Text):

    Elemaki, AitoGarcíaUnicaja, CC BY 3.0

    Für das zweite, beschnittene Bild:

    Elemaki, AitoGarcia, Ausschnitt von Alba Inside, CC BY 3.0

    Beste Grüße und macht weiter so!

    1. Vielen Dank für den Hinweis, wird geändert.
      Edit: Erledigt, mit dem Generator geht das ja recht komfortabel. Wieder was gelernt, werden wir in Zukunft immer so machen. Credit to whom credit is due … und so.

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