Heimsieg für Alba Berlin dank bärenstarkem Siva

Am vierten Spieltag des Eurocups konnte sich Alba Berlin gegen das litauische Spitzenteam Lietuvos Rytas Vilnius einen hart erkämpften 93-85 Heimsieg erkämpfen. In einer lange ausgeglichenen Partie hatten die Gastgeber in den letzten Minuten mehr zuzusetzen und sich einen insgesamt verdienten Sieg sichern. Alba Berlin hatte in Spielmacher Peyton Siva den alles überragenden Akteur auf dem Feld, der 26 Punkte erzielte, 9 erfolgreiche Vorlagen zu Korberfolgen spielte, 4 Rebounds sicherte und drei Mal einem Gegenspieler den Ball aus den Händen spitzelte. Forward Luke Sikma trug mit einem double double (10 Punkte, 10 Rebounds) ebenfalls entscheidend zum Teamerfolg bei. Die Gäste hatten in dem erst 20 Jahre alten Martynas Echodas (16 Punkte, 9 Rebounds) ihren stärksten Spieler.

Ausgangslage 

Mit Lietuvos Rytas Vilnius und Alba Berlin trafen zwei Kontrahenten aufeinander, die generell leistungsmäßig recht dicht beieinander sind. Beide sind bestenfalls noch Herausforderer von inzwischen stärkeren Teams, Vilnius gewann zwar fünf Mal die littauische Meisterschaft und zwei Mal den Eurocup, seit 2010 aber überhaupt nichts mehr. Sehr viel gab es in diesem Zeitraum für Alba allerdings auch nicht zu feiern. Das Team aus der baltischen Hauptstadt erreichte in diesem Jahrtausend nur drei Mal nicht das Meisterschaftsfinale, diese drei Male lagen allerdings in den letzten vier Jahren.

Bei den bisherigen sechs Vergleichen gab es vier Siege für die Berliner, meist aber auch knappe bis gar dramatische Partien. In der letzten Saison brauchten die Teams in der Mercedes Benz Arena gleich zwei Verlängerungen, um den Sieger zu ermitteln. Das bessere Ende hatte damals Alba auch dank 33 Punkten von Elmedin Kikanovic für sich. Immerhin fünf Berliner Spieler – Peyton Siva, Niels Giffey, Akeem Vargas, Bogdan Radosavljevic und Tim Schneider – dürften sich an das 124-115 Drama erinnern können, auf littauischer Seite lediglich Routinier Arturas Jomantas (32), der in seiner 10. Saison für Lietuvos Rytas spielt, und shooting guard Rokas Giedraitis (25).

Beiden Teams gemein ist, dass sie an der Seitenlinie auf absolute Basketball-Legenden setzen. Rimas Kurtinaitis (57) war einer der besten Dreierschützen seiner Ära und unter anderem Teil der legendären sowjetischen Mannschaft, die im Olympia-Finale sensationell die USA schlagen konnte. Als Coach gewann er neben diversen Titeln im baltischen und ex-sowjet-Raum gleich drei Mal den Eurocup (mehr als jeder andere Coach) und wurde zum besten Eurocup-Coach aller Zeiten gewählt.

Aktuelle Form

Während Alba Berlin in der Saison 2017/18 lediglich gegen die Eisbären Bremerhaven und auswärts bei Lokomotiv Kuban Krasnodar den Kürzeren zog, mussten die Gäste bereits fünf Niederlagen (bei 7 Siegen) hinnehmen. Zuletzt am Wochenende beim Nobody Nezevis (73-76), wo allerdings der australische Aufbauspieler Ben Magden (32) sowie der US-amerikanische Center Travis Peterson (32) fehlten. Bei diesem Eurocupspiel fehlte 

In Topform präsentieren sich aktuell Rokas Giedratis, der mit 28 Punkten und 7 Rebounds zum besten Spieler der zweiten Spieltags des Eurocups gewählt wurde und der griechische Center Loukas Mavrokefalidis (33), der mit im Schnitt 21 Punkten einer der besten Scorer des gesamten Eurocups und dabei nicht nur am Brett, sondern auch aus der Distanz gefährlich ist. Auch Scharfschütze Jimmy Baron war in der Vergangenheit immer ein Spieler, der mal für ein high score game gut war.

Vor dem Spieltag hatte Lietuvos Rytas Vilnius zu Hause gegen die Bilbao Baskets relativ überraschend mit 93-83 verloren, bei Partizan Belgrad 91-80 gewonnen und dann mit einem starken Spiel gegen den großen Favoriten Lokomotiv Kuban Krasnodar aufhorchen lassen. Dieses Spiel ging erst nach Verlängerung mit 85-93 verloren. Gegen das russische Topteam hatte Alba bei der 59-75 Niederlage keine echte Chance, konnte jedoch Partizan Belgad (heim, 111-85) und CSP Limoges (auswärts, 73-65) mehr oder weniger deutlich in die Schranken verweisen.

Spielverlauf

Unter Leitung der Unparteiischen Miguel Perez Perez (Spanien), Rain Peerandi (Estland) und Mykola Ambrosov (Ukraine) startete Alba Berlin mit Peyton Siva, Spencer Butterfield, Niels Giffey, Luke Sikma und Dennis Clifford ins Spiel, die Gäste begannen mit Chris Kramer, Jimmy Baron, Mindaugas Lukauskis, Martynas Echodas und Loukas Mavrokefalidis.

Die ersten Punkte der Partie erzielte Dennis Clifford, die Gäste antworteten jedoch mit fünf Zählern von Mavrokefalidis, ehe es erneut Clifford war, der den Rückstand verkürzte. Per Freiwürfen von erneut Clifford, der sechs ersten acht Alba-Punkte erzielte, brachte die Gastgeber nach gut drei Minuten erstmals in Führung.  Diese sollte im Verlauf mehrere Male hin und her wechseln. Center Bogdan Radosavljevic sorgte Mitte des ersten Viertels mit einem put back dunk für ein kleines Ausrufezeichen. Nach einem krachenden Dunk von Giffey ins Gesicht des Gegenspielers nach schönem Pass von Sikma, floater von Sikma, steal und fast break dunk von Siva konnte sich Alba erstmals deutlicher absetzen (19-11, 6. Minute). Vilnius‘ Coach Rimas Kurtinaitis nahm gleich zwei Auszeiten. Bei Alba, die inzwischen auch Peno und Saibou eingewechselt hatten, gab es in der Folge einige Ballverluste und Fehlwürfe, die Gäste konnten das aber zunächst nicht nutzen. Stattdessen konnte sich Alba durch zwei Punkte von Schneider nach Pass und Steal von Saibou sogar noch etwas absetzen. Wenn Vilnius gefährlich war, dann durch ihre Center, den erst 20jährigen Echodas und Mavrokefalidis, die zusammen 11 der ersten 16 litauischen Punkte erzielten. Mit 21-16 ging es in die erste Pause. Die Führung basierte auch auf einer klaren 11-3 Reboundüberlegenheit, 4 Turnoover waren jedoch zu viel. Alba hatte in den ersten 10 Minuten bereits zehn Spieler eingesetzt.

Die ersten Punkte im zweiten Abschnitt erzielten die Gäste an der Freiwurflinie durch Jomantas und konnten durch Giedraitis und Echodas in Führung gehen. Peno stellte jedoch umgehend die Führung wieder her. Alba gelang in den ersten Minuten jedoch insgesamt wenig, nur noch zwei Freiwürfe von Siva, bevor Clifford nach knapp 4 Minuten mal wieder aus dem Feld punkten konnte. Alles in allem waren nur 6 Punkte in den ersten fünf Minuten des zweiten Viertels viel zu wenig; Vilnius punktete immer wieder über die Center, hauptsächlich Echodas und streuten mal einen Dreier ein und führten nach 15 Minuten verdient mit 30-27. Alba hatte bis dato sieben Mal aus der Distanz abgezogen, aber nur ein Mal getroffen. Als der ehemalige Oldenburger Chris Kramer an der Freiwurflinie seine ersten Punkte der Partie erzielte, führten die Gäste nach gut 6 Minuten mit 5, aber Butterfield konnte per Dreier verkürzen. Die Gäste konterten im Gegenangriff jedoch durch Giedraitis aus der gleichen Distanz. In erster Linie konnte sich Vilnius aber immer wieder zu leicht am Brett durchsetzen. Durch eine skandalöse Entscheidung – nach Ellenbogenschlag von Mavrokefalidis gegen den Hals von Sikma bekommt der Berliner das Foul – können die Litauer aus der Distanz erhöhen und die Stimmung in der Halle kocht hoch. In den letzten zwei Minuten tauschen die Teams noch einmal Punkte, mit einem knappen Rückstand (42-45) geht es in die Pause. 45 Gegenpunkte hatte Alba Berlin in dieser Saison selten kassiert, es dem Gegner unterm Korb aber auch zu leicht gemacht und sich von der Physis der Gäste zu sehr beeindrucken lassen. Randbemerkung: Ausgerechnet der Litauer in den Berliner Reihen, Marius Grigonis, blieb in der ersten Hälfte mit 3 Fouls und einem Fehlwurf ziemlich blass. Hoffnung konnte man aus der Spielzeitverteilung ziehen, während Alba in der ersten Halbzeit elf Spieler einsetzte, spielte Vilnius lediglich mit einer 8er Rotation. Sollte die Kraft ein Faktor werden?

Mit einem halben alley hoop verkürzte Alba durch Butterfield im ersten Angriff gleich auf -1 und eroberte im nächsten Angriff durch Clifford die Führung zurück. Akeem Vargas sah die Lücke, zog zum Korb und komplettierte den 6-0 Lauf der Berliner. Kurtinaitis sah sich veranlasst eine Auszeit zu nehmen. Danach konnten sich die Gäste auch auf dem Scoreboard per Dreier verewigen. Dann gab es aber noch einen amtlichen alley oop von Siva auf Sikma, sehr schön anzusehen und brachte eine 4 Punkt Führung.  Die Gäste konterten aber sofort mit zwei Dreiern und holten sich die Führung nach gut 4 Minuten zurück (52-54). Nach einem Foul von Sikma beim Dreier hatte Aíto Redebedarf. Die drei Freiwürfe traf Peterson trotzdem, aber Albas Litauer Grigonis konnte postwendend per Dreipunktwurf verkürzen. Inzwischen war Vilnius auch beim Offensivrebound wacher und konnte zweite Chancen nutzen. Für Alba übernahm Siva Verantwortung, erzielte 4 Punkte in Folge für seine Farben. In einem zähen, nickligen Spiel glich Center Dennis Clifford an der Freiwurflinie für Alba aus und sein Center Kollege Radosavljevic holte mit 1/2 aus gleicher Position die Führung zurück. Erneut war es Siva, der mit steal, 2 fastbreak Punkten und einem Dreier für Alba übernahm. Ergebnis war die 67-61 Führung für die Gastgeber 77 Sekunden vor Viertelende, eine lituaische Auszeit und die La Ola in der Halle. Noch ein Mal Punkte tauschen und dann war das für Alba erfreuliche dritte Viertel Geschichte. Ein Viertel, das man mit 27-18 gewinnen konnte und 6 Punkte Polster mit ins letzte Viertel nehmen durfte (69-63).

Makrokefalidis eröffnete das Schlußviertel mit 2 Punkten an der Freiwurflinie. Bogdan Radosavljevic, der eine gute Partie machte setzte sich im Gegenzug schön am Brett durch. Nachdem Chris Kramer einen Dreier verwandelte, Grigonis jedoch nur einen Freiwurf waren die Gäste wieder auf 4 dran, Alba konnte durch einen Grigonis Dreier jedoch wieder auf +7 erhöhen. Drei Ballverluste von Alba, ein Dreier von Lukauskis und ein weiterer Dreier von Makrokefalidis sorgten 5 Minuten vor dem Ende wieder für ein knappes Spiel (77-76) und wieder war es Siva per Dreier, der für etwas mehr Luft sorgte. Eine Auszeit von Alba Berlin läutete die Schlußphase ein. Unmittelbar danach wird Joshiko Saibou beim Dreipunktewurf gefoult und verwandelt aber nur 1 von 3. Nach eigenem Block geht Clifford coast to coast und verwandelt per krachendem Dunk und pushed damit sein Team zur 5 Punkte Führung. Ein erneuter alley oop von Siva auf Sikma schraubt den Score auf 85-78 und nach 2 litauischen Punkten zieht Siva mit Speed zum Korb, verwandelt trotz Foul und trifft auch noch den Bonus Freiwurf. 90 Sekunden vor Schluß entscheiden die Referees bei strittiger Aus-Entscheidung pro Vilnius, die den Ballbesitz zu zwei Punkten durch Kramer nutzen. Damit die Führung nur noch 3, aber Giffey kann den 9. Assist von Siva zu einfachen Punkten verwerten. Der wohl beste Litauer, Echodas lässt einen an der Freiwurflinie liegen, Alba führt mit 4. Siva macht 40 Sekunden vor Schluß mit seinen Punkten 24, 25 und 26 von der Dreierlinie den Deckel zum 93-86 Heimsieg drauf. Der Spielmacher ist in diesem Spiel als Anführer voran gegangen und sichert Alba einen hart erkämpften Sieg.

Siva, ohne Zweifel der Matchwinner des Spiels, betonte nach der Partie, dass es harte Arbeit war, er stolz auf das ganze Team ist, ohne das seine Leistung nicht möglich gewesen wäre, schüttet aber auch etwas Wasser in den Wein, indem er selbstkritisch anmerkt, dass er selbst (5) und auch das Team (17) insgesamt zu viele Turnover hatte.

Diese vielen Turnover konnte man als Team jedoch durch sehr gute Wurfqouten (72,5% Zweier, 29/40; 42,1% Dreier, 8/19) und das klar gewonnene Reboundduell (33-19) mehr als ausgleichen. 

 

 

 

 

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