Halbzeitpause in der Saison: die Spielernoten

Pünktlich zum Jahreswechsel hat Alba Berlin die Bundesliga-Hinrunde beendet, dazu kommt noch die bestandene Vorrunde des Eurocups, insgesamt also 25 Spiele. Bevor am heutigen Mittwoch die nächste Gruppenphase im Europokal  beginnt, ziehen wir ein Fazit zu den einzelnen Spielern. Die Berliner Schüler müssen noch ein paar Wochen auf ihre Halbjahrs-Zeugnisse warten, die Alba-Spieler kriegen sie dagegen schon jetzt.

Wie wir bereits im Rückblick auf die Hinrunde zusammenfassten, erlebten die Albatrosse einen unruhigen Saisonstart und einen richtig schweren Oktober mit vielen Niederlagen. Mit Brandon Ashley und Dominique Johnson sind zwei eingeplante Leistungsträger schon wieder längst abgereist, die Notverpflichtung Paul Carter ist ebenfalls schon seit einer Weile nicht mehr dabei. Das bedeutet, der diesjährige Kader ist immer noch in der Findungsphase, das macht die Bewertung einzelner Spieler nicht einfach. Dennoch haben genug Spieler, sieht man von den Verletzungen zum Saisonstart und den aktuellen Ausfall der Center ab, glücklicherweise den Großteil der Begegnungen absolvieren können, weshalb eine Einschätzung durchaus möglich ist. Auffallend sind die vielen Leistungsschwankungen der einzelnen Spieler, nur wenige Ausnahmen lieferten über die komplette Hinrunde konstant ab. Hinzu kam noch schwankende Einsatzzeiten bei verschiedenen Spielern.

Die Spieler in der Einzelbewertung:

#5 Niels Giffey: Nach einer schweren Saison mit einer langen Verletzungspause hat Niels Giffey seinen Rhythmus wiedergefunden. Durch den Personalmangel auf den Bigmen-Positionen kommt der gebürtige Berliner oft als Power Forward zum Einsatz und macht einen sehr guten Job. Defense, Energie, Rebounds, Firepower: das alles bringt Giffey mit, obwohl es oft gegen körperlich stärkere Gegner geht. Fehlt nur noch eine etwas größere Rolle in der Offensive. Obwohl sich seine Statistiken nicht immer spektakulär aussehen, ist der Flügelspieler ein ganz wichtiger Baustein im Team.

Zwischennote: 1-

 

#6 Jonathan Malu: Eine Verpflichtung, die vor der Saison für Überraschung gesorgt hatte. Mit einem soliden Zweitliga-Spieler hatten die wenigsten gerechnet und das offenbar zu Recht. Nach einigen Einsatzminuten in der Vorbereitung,  kommt Malu in dieser Saison fast nie zum Einsatz und ist eher ein Trainingsspieler. Zuletzt saß er aufgrund einer Verletzung auch nicht mehr auf der Bank.

Zwischennote: Ohne Bewertung

 

#7 Peyton Siva: Siva bringt ein komplettes Paket mit und könnte  von den individuellen Fähigkeiten wohl der beste Point Guard seit Jahren für Alba sein. Gutes Ballhandling, geniale Pässe, kann mit Kontakt am Brett abschließen, sein Distanzwurf kann sich sehen lassen (Eurocup 46%; BBL 41%) und auch seine Defense ist in Ordnung. Leider kommen immer wieder Phasen hinzu, in denen der US-Amerikaner das Spiel nicht lenken kann und mit haarsträubenden Ballverlusten auffällt, wettbewerbsübergreifend sind es mehr als 3 Turnover pro Spiel. Siva kann zum Kopf dieser Mannschaft werden, bis dahin fehlt ihm allerdings noch etwas. Er hat sicherlich bis hierhin keine schlechte Saison gespielt, aber in Anbetracht seiner Fähigkeiten müsste man noch mehr erwarten.

Zwischennote: 2

 

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#8 Ismet Akpinar: Bis jetzt führte der Weg von Ismet Akpinar nur in eine Richtung: nach oben. Jahr für Jahr konnte der Junge Guard seine Rolle im Team steigern, in der abgelaufenen Spielzeit war er dann erstmals fester Teil der Rotation und eines der wenigen Lichtblicke. Nach drei Jahren mit Sasa Obradovic musste sich Akpinar nun auch auf einen neuen Coach einstellen. Diese Umstellung ist noch nicht ganz geglückt, rein statistisch ist der Aufwärtstrend von „Isi“ bisher etwas ins stocken geraden. Auch auf dem Feld ist die Entwicklung noch zu beobachten: zwischen Spielgestalter und scorender Guard hat Akpinar noch keine richtige Balance gefunden, auch er muss seine Rolle im Team noch finden. Die Zwischennote mag in Anbetracht des Alters und der Rolle Akpinars etwas hart sein, doch wir erwarten eine Leistungssteigerung im Verlaufe der Saison.

Zwischennote: 3+

 

#9 Elmedin Kikanovic: Egal wie viele Punkte Elmedin Kikanovic auflegt, vollends überzeugen tut er die Berliner Fans immer noch nicht. Der Bosnier knüpft an die vergangene Spielzeit an und ist die Offensivwaffe im Spiel von Alba. Gib Kikanovic den Ball und er macht dann irgendwie seine Punkte, in dieser Saison trifft das noch mehr zu. In 24 von 25 Spielen hat der Center zweistellig gepunktet, in elf spielen waren es mindestens 20 Punkte. In Erinnerung bleiben Gala-Auftritte wie gegen Bamberg (32 Punkte) oder Vilnius (33 und 29 Punkte). In einer schweren Phase der Saison hat Kikanovic das Team teilweise alleine getragen, das befreit ihn allerdings nicht von Kritik. Der 28-Jährige ist in der Defensive oft zu langsam, Rebounds sind auch seinetwegen ein Schwachpunkt von Alba. Dass es durchaus auch ohne den Center laufen kann, zeigten die Berliner im letzten Spiel gegen Oldenburg. Insgesamt muss man allerdings zusammenfassen, dass kein Spieler so konstant abgeliefert hat wie Kikanovic.

Zwischennote: 1

 

#10 Tim Schneider: Eine der positiven Erscheinungen der Vorbereitung, spielte dann allerding keine Rolle in der Rotation. Gegen Oldenburg erhielt er, erzwungenermaßen,  zuletzt viel Spielzeit und musste gegen die erfahrene Center-Reihe der Gegner viel Lehrgeld zahlen. Wir würden gerne Schneider in Zukunft für ein paar Minuten auf der Power Forward Position sehen, die Rolle hatte er in den Testspielen gut ausgefüllt.

Zwischennote: Ohne Bewertung

 

#11 Akeem Vargas: Nach einem schwierigen Saisonstart mit wenig Spielzeit und erster vorsichtiger Kritik in Richtung Coach, hat Akeem Vargas seine alte Rolle wiedergefunden und erhielt zwischenzeitlich ordentliche Minuten. Akeem tut, was er am besten kann: mit unangenehmer Defense den Gegner nerven und vorne hin und wieder einen offenen Dreier einstreuen. Punkten müssen andere, Offensiv bleibt der 26-Jährige limitiert. Vargas macht einfach seinen Job.

Zwischennote: 2

 

#13 Malcolm Miller: Durch seine Verletzung zum Saisonstart kam Miller erst Mitte November zu seinem ersten Einsatz. Neun Spiele in der BBL und vier im Eurocup hat der US-Amerikaner bisher absolviert, zu den absoluten Leistungsträgern gehört Miller aber (noch) nicht. Sieht man von dem einen oder anderen spektakulären Block und Dunking ab, lieferte der Flügelspieler bisher noch keinen bleibenden Eindruck. Fairerweise muss man allerdings auch behaupten, dass Berlin die erste Auslandsstation des 23-Jährigen ist. Eine Bewertung erscheint in Anbetracht des späten Starts und der Verletzungspause noch etwas unfair.

Zwischennote: Ohne Bewertung

 

#14 Engin Atsür: Er gehört zu den erfahrensten Profis im diesjährigen Kader, doch auch Engin Atsürs Leistungen blieben nicht vom ständigen Auf- und Ab verschont. Der Point Guard ist nicht mehr der schnellste und athletischste, diese Nachteile kann er mit seiner  Erfahrung halbwegs wettmachen und ergänzt sich dadurch ganz gut mit Siva und Akpinar. In 24 Saisonspielen starte Atsür nur einmal, mit wenigen Ausnahmen fiel er allerdings auch nicht besonders auf. Immerhin übernimmt er auch Verantwortung, wie man im Spiel gegen Bayreuth sehen konnte.

Zwischennote:  2-

 

#15 Bogdan Radosavljevic: Eigentlich bringt der junge Center alles mit, was ein Bigman braucht: Größe, Masse, solides Händchen, lowpost-moves und durchaus auch ein Auge für seine Mitspieler. Nach einer starken Vorbereitung bestand die Hoffnung, dass der 23-Jährige bei Alba den nächsten Schritt machen könnte, immerhin gehört er schon seit ein paar Jahren zur Kategorie „Nachwuchshoffnung“. Leider traf dies nicht ein, Radosavljevic tut sich defensiv schwer, hat öfters mal Foulprobleme und sammelt zu wenig rebounds. Dadurch, dass Alba sich insgesamt mit dem Einsammeln von Abprallern schwer tut, können Radosavljevics Schwächen nur schwer kompensiert werden. Was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden. Center werden mit zunehmendem Alter eher besser, insofern sollte man Radosavljevic noch etwas Zeit geben. Bis hierhin hatte man sich allerdings mehr erhofft.

Zwischennote: 3

 

#21 Dragan Milosavljevic: Der Kapitän, macht irgendwie alles und übernimmt, wenn es wichtig wird, auch die Verantwortung. Anders als im letzten Jahr muss der Serbe in der Offensive seltener den Alleinunterhalter spielen, dennoch bleibt er die Allzweckwaffe im Angriff. Milosavljevic kann der Mannschaft immer das geben, was sie gerade braucht. Das macht ihn zu einem der absoluten Leistungsträger, weshalb er auch regelmäßig die meiste Spielzeit bekommt. Ohne den Flügelspieler würde Alba eine wichtige Komponente fehlen

Zwischennote: 1-

 

#23 Carl English: Die letzte Neuverpflichtung fügte sich fast nahtlos ins Team ein und anders als sein Vorgänger Dominique Johnson, braucht English nicht ständig den Ball in der Hand, um effektiv zu sein.  Der älteste Profi im Kader kann lange Zeit unsichtbar bleiben oder auf der Bank sitzen, nur um dann innerhalb kürzester Zeit, wie zuletzt gegen Oldenburg, zuzuschlagen. Noch stehen ein paar Fragezeichen hinter seinen defensiven Fähigkeiten, für eine Bewertung hat English allerdings noch zu wenige Spiele absolviert.

Zwischennote: Ohne Bewertung

 

#33 Tony Gaffney: Auch der US-Amerikaner zeigt, trotz seiner Erfahrung, gerne mal schwankenden Leistungen. Es gibt Spiele, in denen Gaffney förmlich explodiert, andere in denen er komplett untertaucht. Albas Defensiv-Probleme auf den Bigmen-Positionen kann der Power Forward nur bedingt schließen, darüber können auch seine spektakulären Blocks nicht hinwegtäuschen. Im Angriff ist Gaffney immer noch explosiv, sein Distanzwurf ist allerdings noch recht wacklig. Auch bei Gaffney wünscht man sich, in Anbetracht seiner Erfahrung, etwas mehr Konstanz.

Zwischennote: 2-

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