Härte-Test bestanden, Alba schlägt Ludwigsburg 96-86

Eingeschworene Gemeinschaft: ALBA Berlin, Ausgabe 17/18
Eingeschworene Gemeinschaft: ALBA Berlin, Ausgabe 17/18

Alba Berlin hatte am 29. Spieltag der Basketball Bundesliga zum Spitzenspiel – Zweiter gegen Dritter – die MHP Riesen Ludwigsburg zu Gast und konnte sich in einer hart umkämpften aber trotzdem hochklassigen Partie mit 96-86 durchsetzen und die Siegesserie auf 15 Erfolge hintereinander ausbauen. Der Sieg, bei dem mit Butterfield (16), Grigonis (14), Sikma (13) und Siva (13) gleich vier Spieler zweistellig punkteten und alle eingesetzten Spieler punkteten, wurde durch ein starkes zweites Viertel sowie einen 13-0 Lauf zwischen dritten und viertem Viertel gesichert. Den Topscorer stellten jedoch die Gäste mit Elgin Cook (20). 

Es war ein Spiel, dass in mehrerer Hinsicht überraschend war. Nach dem letzten Aufeinandertreffen beider Teams beim Spiel für die Qualifikation zum Pokal in der Max-Schmeling-Halle, bei dem es sehr viel übertriebene Härte, Verletzungen, wenig Spielfluß und alles in allem unglückliche Schiedsrichter gab, konnte man beim dritten Aufeinandertreffen Schlimmes befürchten. Zudem Ludwigsburg für eine harte Spielweise bekannt und für ihre finanziellen Möglichkeiten damit auch national wie international überdurchschnittlich erfolgreich ist.  Es trafen das beste Defense-Team der Liga (Alba Berlin) und das drittbeste Defense-Team der Liga (Ludwigsburg), da hätte man alles Mögliche vermutet, jedoch dass der Sieger fast 100 Punkte und der Verlierer fast 90 Punkte erzielt, sicher nicht. Aber es trafen eben auch das beste (Alba) und viertbeste Offensivteam aufeinander – eben zwei Spitzenteams der Liga.

Schwerstarbeiter unterm Korb: Albas Dennis Clifford gegen bissige Ludwigsburger Defense.
Schwerstarbeiter unterm Korb: Albas Dennis Clifford gegen bissige Ludwigsburger Defense.

Ludwigsburg leistet sich den Luxus von gleich neun Amerikanern im Kader, da geizt der Schwabe erstaunlicherweise nicht. Ein Center ist im 18er Kader jedoch nicht zu finden und würde zur Spielweise, die auf hohem Spieltempo und offensiver Defense basiert auch nicht passen. In Berlin pausierten Adika Peter-McNeilly, Roderick „Rocky“ Trice, Jacob Wiley sowie der seit längerem verletzte deutsche Nationalspieler Johannes Thiemann. Bei den Gastgebern machte sich Center Bogdan Radosavljevic zwar mit warm, wurde jedoch noch nicht wieder eingesetzt, während „Maskenmann“ Tim Schneider (Nasenbruch beim Spiel gegen Würzburg) wieder für gut 17 Minuten den knapp besetzten Berliner Frontcourt verstärken konnte. Wie bereitet man sich auf ein Team vor, dass so eine ganz eigene Spielweise hat, wie Ludwigsburg? Dazu Albas Spielgestalter Peyton Siva: „Wir haben versucht, uns speziell auf sie vorzubereiten, aber es ist gerade gegen Ludwigsburg ein großer Unterschied zwischen Training und tatsächlichem Spiel, das kann man im Training nur sehr bedingt simulieren.“ und weiter zur Ungewissheit, welche der neu ausländischen Profis auflaufen werden: „Dass sie neun ausländische Profis haben, die alle gut sind und von denen jeder problemlos in der Rotation spielen kann, macht die Vorbereitung ein wenig schwerer, aber andererseits auch nicht dramatisch schwerer. Denn egal, wer bei Ludwigsburg spielt, ändert das deren System nicht wesentlich, sie werden mehr oder weniger das Gleiche spielen. Wir scouten da nicht einzelne Spieler sondern versuchen, uns generell auf deren System einzustellen. Außerdem glauben wir an den Erfolg unserer Spielidee und wollen diese durchsetzen.

Aktivposten: Alba Berlins litausicher Nationalspieler Marius Grigonis!
Aktivposten: Alba Berlins litausicher Nationalspieler Marius Grigonis!

Was auch immer man in der Vorbereitung gemacht hat, besonders erfolgreich war es aus Berliner Sicht nicht! Alba startete – fast schon traditionell – schlecht ins Spiel. Nach 100 Sekunden hatte Ludwigsburg bereits 8 Punkte erzielt, Alba jedoch noch kein einziges Mal aus dem Feld auf den Korb geworfen sowie zwei Mal den Ball verloren und beide Freiwürfe (Clifford) liegengelassen. Luke Sikma nach Vorlage von Peyton Siva brachte dann mit einem verwandelten Dreier nach zwei Minuten endlich auch die Berliner aufs Scoreboard. Die Berliner waren in den ersten Minuten offenbar beeindruckt von der Energie und dem physischen Druck, den die Gäste aufs Parkett brachten. Wenig beeindruckt zeigte sich das konsequente Schiedsrichter-Trio, das Regelübertretungen strikt ahndete, gleich zehn Mal durften Alba-Spieler im ersten Viertel an die Freiwurflinie, blieben so im Spiel und konnten den ersten Abschnitt ausgeglichen gestalten.

Luuuuuuuke for threeeeeee!
Luuuuuuuke for threeeeeee!

Ludwigsburg, das nur das Motto „100% Energie, 100% Power“ zu kennen scheint, hatte weiterhin Probleme, die Grenzen, die die Schiedsrichter vorgaben zu erkennen und einzuhalten, trafen aber überdurchschnittlich gut aus der Distanz; das nur 11.-beste Dreier-Team versenkte in der ersten Halbzeit jeden zweiten Distanzwurf. Das ist auch ein Unterschied zwischen den Ludwigsburger Teams vergangener Jahre und der aktuellen Ausgabe. Früher hätte Ludwigsburg wenig Chancen in Spielen gehabt, wo die Defense nicht greift, das aktuelle Team kann auch Offense. Aber auch die Berliner standen ihnen bei den Wurfquoten in nichts nach und so entwickelte sich ein sehr ansehnliches Spiel, bei dem sich die Gastgeber mit einem 12-2 Lauf erstmals etwas deutlicher absetzen konnten. Speziell Albas junger Litauer Marius Grigonis setzte mit drei seiner insgesamt sieben Vorlagen seine Mitspieler in Szene, punktete selbst, reboundete aber vor allem „degradierte“ er Ludwigsburgs Topscorer Thomas Walkup mit knallharter Defense zu nahezu Bedeutungslosigkeit. Der Amerikaner, der sonst für 12,5 Punkte pro Spiel gut ist, blieb bei 4 Punkten in dieser Partie, sein „season low score“. Mit der Allroundleistung von 14 Punkten, 7 Assists, 4 Rebounds und einer Effektivität von 21 sowie der angesprochenen Defense gegen Walkup war Grigonis zweifellos der „player of the game“.

Albas Dirigent Peyton Siva führte klug Regie.
Albas Dirigent Peyton Siva führte klug Regie.

In der zweiten Halbzeit konnte Alba den Vorsprung zunächst auf 13 Punkte nach der Pause ausbauen, aber dann war zu sehen, was man öfter schon in dieser Saison bei den Berlinern bemerken konnte: Bei höheren Vorsprüngen lässt die Konzentration nach! So auch in diesem Spiel. Statt leichten Punkten zum +15 ein Dreier auf der Gegenseite zu nur noch +10 und dann nach und nach bis zum Ludwigsburger Ausgleich. Da hat Alba noch Potenzial. Sie fingen sich aber nach der Schwächephase und konnten sich zum Ende des dritten, Anfang des vierten Viertels wieder etwas absetzen und brachte den Sieg routiniert über die Runden. Ludwigsburg hatte zum letzten Mal Mitte des zweiten Viertels geführt, die Berliner mit einer reiferen und variableren Spielweise ein Spiel zwischen zwei guten Teams verdient gewonnen und auch Peyton Siva zeigte sich zufrieden: „Ludwigsburg ist ein ausgesprochen starkes Team, auch mental, und es gibt immer noch Dinge, die wir gegen sie besser machen können, aber ich bin froh, dass wir im Verlauf der Partie Lösungen gefunden haben, unser Spiel durchzusetzen und so ein starkes Team zum dritten Mal schlagen konnten. Sie spielen sehr hart und kompromisslos und du darfst sie nicht in deinen Kopf kommen lassen. Es ist uns im Verlauf des Spiels besser und besser gelungen, ihre Läufe zu stoppen, mit dem Druck umzugehen und unsere Ballverluste zu verringern, ich bin zufrieden.“ Der muss es ja wissen, schließlich war er mit 13 Punkten und 7 Vorlagen ganz wesentlich am Erfolg beteiligt. Vorlagen sind sicher auch ein ganz wesentlicher Punkt gewesen, 23 Assists bei 32 erfolgreichen Würfen, also eine Assistquote von 72 Prozent sind ein überragend guter Wert und stehen für sehr gutes Spielverständnis und Zusammenspiel. 

Hier nun noch einige Impressionen vom Spiel (Anklicken zum Vergrößern):

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