Gegen den Erzrivalen zurück in die Erfolgsspur?

Alba Berlin gegen die Brose Baskets Bamberg ist ein alljährlicher Klassiker in der Basketball-Bundesliga. Am Sonntag geht es im direkten Duell um die Tabellenführung. Das diesjährige Bamberger Team hat im Vergleich zum Vorjahr noch einmal an Qualität hinzugewonnen und überraschte bisher mit starken Euroleague-Auftritten. Vor allem auf die Berliner Guards kommt am Wochenende viel Arbeit zu. Desweiteren muss Alba wohl weiter auf Niels Giffey verzichten, der nun wieder mit leichtem Lauf-/Fahrradtraining begonnen hat. 

Jordan Taylor, Point Guard, Alba Berlin
Jordan Taylor, Point Guard, Alba Berlin

Am Freitagmorgen herrschte in der Alba-Trainingshalle noch leichte Katerstimmung. Jordan Taylor blickte mit erschöpften Augen aufs Parkett, seine Müdigkeit gab er auch offen zu. Sein Teamkollege Will Cherry trauerte etwas, wenn auch mit einem Lächeln im Gesicht, dem spanischen Wetter hinterher, während draußen der Regen auf die Hallenfenster einprasselte. Zeit, die kanarische Sonne zu vermissen, bleibt vor allem für die beiden US-Amerikaner nicht. Am kommenden Sonntag (17 Uhr) steht der alte Klassiker Berlin gegen Bamberg an, bei dem es nicht nur um Sieg oder Niederlage, sondern auch um viel Prestige und eine mögliche Tabellenführung geht.

Von der Rivalität zwischen Berlin und Bamberg hatten sowohl Cherry als auch Taylor noch nicht so viel gehört. Der Grund, weshalb beide Guards am Wochenende besonders gefragt sein werden, wurde am Freitag immer wieder von verschiedenen Akteuren genannt: Bradley Wannamaker. Die Qualitäten des Aufbauspielers der Bamberger sind unbestritten. Viele Spieler aus dem Bamberger Kader kannten sowohl Cherry als auch Taylor nicht direkt, das Scouting zum Sonntag hatte zum Zeitpunkt des Gesprächs auch noch nicht stattgefunden. Aber Wannamaker nannten beide als den Schlüsselspieler, den es zu stoppen gilt. Auch Obradovic geizte nicht mit Lob gegenüber dem US-Amerikaner: „Er ist an beiden Enden des Feldes sehr smart. Für mich gehört er in die NBA, ich weiß nicht was er noch in Europa macht.“ Auf die Frage eines Journalisten, ob der Pointguard einer der besten BBL-Spieler aller Zeiten sei, antwortete Albas Headcoach „Ich würde ihn in die Top 3 packen. Bezahlbar ist er nur für Bamberg. Ich hätte sogar erwartet, dass er bei einem der europäischen Spitzenklubs landet.

Es wäre allerdings vermessen, das Bamberger Team auf Wannamakers Fähigkeiten zu beschränken. Im Kader der Franken steckt massig Qualität, alleine auf den guard Positionen stehen mit Zisis und Strelnieks außergewöhnliche Spieler, die den Backcourt der Bamberger schwer ausrechenbar machen. Wer sich nur auf Wannamaker konzentriert, wird gnadenlos bestraft. Man kann es auch wie Frankfurt machen, meint Obradovic lachend „Die haben Wannamaker einfach machen lassen, der hatte am Ende fast 40 Punkte gemacht. Dafür haben die anderen dann nicht gepunktet.“ Qualität auf den großen Positionen ist in Bamberg natürlich auch vorhanden, interessant wird vor allem das Wiedersehen mit Ex-Albatros Leon Radosevic – für Alba Berlin im Sommer weit jenseits der finanziellen Möglichkeiten, können sich die Franken den Kroaten mal eben so als Nachverpflichtung leisten; auch in punkto Etat spielen beide Teams in anderen Ligen. Der Frontcourt ist gut, im internationalen Maßstab jedoch nicht überragend besetzt, aber im Wesentlichen sind es die Guards, die das Spiel der Franken bestimmen. „Sie sind nicht so sehr vom Inside-Game abhängig. Ihre großen Leute machen zwar auch viele Punkte, diese entstehen aber meistens durch das Spiel der Guards. Wir müssen also auch sehen, dass wir so verteidigen, das wir ihnen die Extra-Pässe wegnehmen.“, meint Sasa Obradovic. In jedem Fall erwähnenswert findet Will Cherry außerdem noch Darius Miller „Ich kenne ihn aus der Summerleague, damals kam ich frisch vom College. Ich weiß wie gut er ist, er kann richtig gut werfen und auf mehreren Positionen spielen.“ Der Kalifornier erwartet die Herausforderungen mit einem Lächeln. Auf der anderen Seite dürfte allerdings auch Cherry – zweiteffektivster Spieler der Basketball-Bundesliga hinter eben jenem Wannamaker – die Bamberger mit seinem guten Zug zum Korb und seiner Gefahr von außen vor Probleme stellen. Beide Spieler sind sich nicht unähnlich in der Bedeutung für das eigene Team und bei ihren Leistungen. Wannamaker erzielt etwas mehr Punkte in etwas mehr Spielzeit und mit etwas besseren Quoten, Cherry ist der bessere Rebounder und ballsicherer. Und Cherry war schon dort, wo nahezu jeder Basketballer, Wannamaker eingeschlossen, hin will: in der NBA, der besten Basketball Liga der Welt! Wer von beiden am Sonntag dichter an sein Topniveau heran reicht, das kann entscheidend für den Ausgang des Spiels sein.

Will Cherry, Alba Berlin, point guard
Will Cherry, Alba Berlin, point guard

Es wird also vor allem viel Verantwortung auf Cherry und Taylor lasten, wenn Alba erfolgreich sein will. Ein Erfolg, der wichtig wäre, um den positiven Trend der letzten Woche, mit dem Auswärtssieg in Frankfurt und der knappen Niederlage auf Gran Canaria, zu bestätigen. Marco Baldi sprach vor der Saison von Höhen und Tiefen, die das Team durchschreiten werde. Nach dem anfänglichen Hoch ist noch nicht ganz klar, ob das Team aus dem vorläufigen Loch schon wieder herausgeklettert ist. Ein Sieg am Sonntag wäre aber nicht nur tabellarisch ein weiterer Schritt zurück an die Spitze. „Ups and Downs in einer Saison sind normal“, sagt Will Cherry, „wichtiger ist, wie man als Team auf Tiefpunkte antwortet.“ Spätestens am Sonntag soll die Katerstimmung verflogen sein.

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