Erste Arbeitsprobe von Alba Berlin, Ausgabe 2016-17

Alba Berlin 2016-17
Alba Berlin 2016-17

Das neuformierte Team von Alba Berlin für die Saison 2016-17 hat sich am 23.08.2016 zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Dazu machte sich das Team – aus dem vollen Training  heraus – auf den Weg nach Erfurt, wo es zu Gast bei den Oettinger Baskets war. Das ursprünglich in Gotha beheimatete Team der Gastgeber feierte seine Einzugsparty in die neue Spielstätte … und Alba erwies sich als guter Gast, versaute den Rockets die Party nicht und verlor das Spiel knapp aber verdient mit 92-86. Die Berliner hatten an diesem Abend in Bogdan Radosavljevic (20 Punkte, 8 Rebounds), Peyton Siva (20 Punkte, 4/5 Dreier) und Dominique Johnson (18 Punkte, 4/6 Dreier) ihre stärksten Protagonisten. Für die Rockets, in deren Reihen mit Janek Schmidkunz auch ein Ex-Albaspieler steht, erzielten Grant Gibbs (15) und Elijah Allen (14) die meisten Punkte.

Rahmen

Erstes Testspiel Alba Berlin 2016-17
Erstes Testspiel Alba Berlin 2016-17

Das Team der Oettinger Rockets zieht um! Aus Gotha, wo man in den letzten Jahren behelfsweise in einem Zelt spielte (das auch schon in Jena während derer BBL-Saison stand), ins ca. 20 km entfernte Erfurt, genauer gesagt in die „Messe Erfurt“, einen modernen Komplex am Rande der Stadt, mit Messehallen, Restaurants, einem Kongress-Centrum und eben einer modernen Multifunktionshalle für gut 3.000 Zuschauer beim Basketball. Seit einiger Zeit ist der ehemalige „Macher“ der Bamberger, Wolfgang Heyder, bei den Rockets engagiert. Wer dessen Mentalität kennt, weiß auch, dass das Ziel in Gotha / Erfurt nur erste Liga lauten kann. Dafür ist der Umzug de facto zwangsläufig, das Zelt ist dafür nicht geeignet. Wenig überraschend stieß dieser Umzug nicht überall auf ungeteilte Freude, der Mensch klammert sich nun mal gern an Bewährtes und die Symbolik einer „fremden“ Stadt stieß auch so manchem Fan bitter auf. Dass diese bei der Planung zunächst übergangen wurden tat sein Übriges. Letztlich hat man sich aber zusammen gerauft, gewisse Missverständnisse ausgeräumt und das als „Einzugsparty“ vermarktete Highlight der Saison-Vorbereitung gegen Alba Berlin war mit 2.967 Zuschauern nahezu ausverkauft.

Der Rahmen war gesteckt und aus Sicht der Gastgeber war der kick off des Umzugs sicher gelungen. Zum einen stimmungsmäßig – das war alles andere als ein normales Vorbereitungsspiel – aber auch sportlich. Die Rockets befinden sich schon länger in der Vorbereitung auf die Saison in der ProA und hatten vor dem Spiel gegen Alba Berlin bereits drei Tests bestritten, alle auswärts (bei den BBL-Teams Braunschweig und Göttingen sowie dem Liga-Konkurrenten Dresden Titans) und alle gewonnen. Der besondere Anlass hatte auch positiven Einfluss auf die Motivation der Thüringer.

Ausgangssituation

Etwas anders stellte sich die Situation bei den Berlinern dar. Aus dem vollen Training am Spieltag angereist, vier fehlenden Spielern (Niels Giffey, Elmedin Kikanovic und Akeem Vargas – Nationalmannschaft; Brandon Ashley – Gesundheit), neuer Coach, nur zwei Spieler (Ismet Akpinar, Dragan Milosavljevic) aus dem letzten Jahr am Start und dem ersten Testspiel der Saison, war man von idealen Voraussetzungen ein Stück entfernt. Trotzdem will man natürlich ein Spiel auch gewinnen, wenn man aufs Feld geht. Dass dies nicht gelang, lag – neben den erwähnten Umständen – zunächst einmal an einem sehr gut aufgelegten und hoch motivierten Gegner. Aber auch an „hausgemachten“ Problemen. Offensiv konnte die höhere individuelle Qualität der Alba-Spieler vorhandene Schwächen im Zusammenspiel noch halbwegs ausgleichen, in der Defense kommt es jedoch noch stärker auf Teamplay an. In diesem Bereich hat das neue Berliner Team noch eine Menge Luft nach oben. Individuell waren die Alba-Spieler auch engagiert und fähig, bei der Abstimmung untereinander gab es jedoch noch unübersehbare Lücken. Automatisierte Laufwege und blindes Verständnis sind zum aktuellen Stand der Vorbereitung noch nicht zu erwarten, in dieser Richtung muss das Team aber bis zum Saisonstart noch einige Schritte tun. Da passte noch wenig zusammen. Aufgrund schwerer Beine und fehlender Abstimmung war man öfter mal zu weit von den Gegenspielern weg, die Rockets konnten einige doch recht freie Würfe besonders von außen versenken. Eine Aufstellung mit vier Youngstern, an denen man die Niederlage jedoch nicht unbedingt fest machen kann, wird man in einem Pflichtspiel auch eher nicht sehen, sodass noch nicht der Untergang des Abendlands herauf beschworen werden muss.

Spielverlauf

Alba erwischte den besseren Start ins Spiel, Peyton Siva erzielte per Dreier die ersten Punkte der Partie. Siva blieb auch im weiteren Verlauf des ersten Viertels einer der Aktivposten des Albaspiels, punktete selbst zwei Mal, setzte seine Mitspieler in Szene. Bis zum 14-10 lag Alba in Führung, die dann durch Berliner Ballverluste und Gothaer Dreier wechselte. Alba konnte bis zur Viertelpause nur noch durch ein Mal -durch Malcolm Millers einzigen Dreier – punkten und war mit 5 Punkten (17-22) hinten. Auch in den folgenden zweieinhalb Vierteln ein ähnliches Bild: Die Rockets etwas engagierter, motivierter, spritziger und eingespielter als der Gegner aus Berlin. Bei den Hauptstädter griff Scharfschütze Dominique im zweiten Spielabschnitt offensiv stärker ins Spiel ein und erzielte dort zwei seiner insgesamt vier Dreier. Erfolgreiche Angriffe liefen oft über den neuen Center Bogdan Radosavljevic, der sich gut am Brett durchsetzen konnte. Bemerkenswert war, dass im dritten Viertel bei -12 ausgerechnet eine Aufstellung mit vier Deutschen – Engin Atsür, Ismet Akpinar und die Youngster Tim Schneider und Robert Glöckner den Abstand wieder signifikant auf -4 verkürzen konnte. Am Ende des dritten und zu Beginn des vierten Viertels konnten sich Rockets immer deutlicher bis auf zeitweilig 19 Punkte absetzen. Dann zeigte das Alba-Team zumindest Moral und wollte sich nicht „abschlachten“ lassen. Angeführt vom treffsicheren Siva mit 12 Punkten bei 100 % Trefferquote im letzten Viertel und dem ackernden Radosavljevic mit 10 Punkten und 3 Rebounds im entscheidenden Spielabschnitt starteten die Berliner in den letzten 5 Minuten eine Aufholjagd. Dichter als 5 Punkte kam man aber nicht mehr heran. Ein Grund dafür war auch, dass sich die durch die Doppellizenzler erweiterte 8er-Rotation durch gleich drei ausgefoulte Spieler von selbst ausdünnte. Die fünften Fouls von Milosavljevic und Johnson waren T-Fouls für Meckern über ihre jeweiligen vierten Fouls – in einem Punktspiel wäre da mehr Disziplin erforderlich – und auch das fünfte Foul von Siva war nicht sonderlich clever. Zumindest zeigt es, dass den Spielern die Niederlage nicht egal war.

Als Fazit bleibt eine Niederlage, die man nicht dramatisieren muss, aber die richtigen Schlüsse für die weitere Vorbereitung ziehen sollte. Das neue Team versucht sehr viel öfter als das alte von außen zum Erfolg zu kommen. Natürlich ist nicht ganz klar, zu welchen Anteilen das in Erfurt mit dem dünn besetzten Frontcourt zu tun hatte bzw. zu welchen das Teil der Spielidee ist.

Einzelkritik

#6 Jonathan Malu Die Ausgangssituation war für Malu eigentlich günstig, im Frontcourt fehlten mit Ashley und Kikanovic zwei wichtige Spieler, deren Zeit er hätte übernehmen können. Am Ende wurden es 10 Minuten, 0 Punkte, +/- von -17. Er war defensiv engagiert, aber er wird noch größere Schritte machen müssen, um in die Rotation bei komplettem Kader zu kommen.

#7 Peyton Siva Man konnte in Ansätzen erkennen, warum er Italiens bester Assistgeber und Balldieb der letzten Saison war. Er kann grundsätzlich das Spiel organisieren, überdrehte nur selten mal. In Erfurt gab es noch nicht so viel gelungenes Teamplay, was nicht unbedingt an Siva festzumachen ist. Es bleibt abzuwarten, wie er mit der Physis der BBL zurecht kommt. Er ist doch recht klein. Sein Foulmanagement war nicht optimal.

# 8 Ismet Akpinar Der inzwischen dienstälteste „Albatros“ hat über den Sommer stark an seiner Physis gearbeitet. Er war sehr, sehr engagiert in der Defense, hat starken Druck auf den gegnerischen Aufbau gemacht. Defensiv ein guter Schritt nach vorn.

#13 Malcolm Miller Der als Power Forward eingeplante Miller bekam die meiste Spielzeit (33 Minuten), ist schnell auf den Beinen und mit den Händen, konnte sich aber am Brett nicht so durchsetzen. Die Würfe von außen fielen in diesem Spiel nicht, aber das ist Momentaufnahme. Wenn man es schafft, seine Schnelligkeit zu nutzen, kann er wertvoll für das Team sein, dafür bedarf es aber gut und schnell durchlaufender Systeme. Davon ist Alba momentan noch ein Stück weg.

#14 Engin Atsür Der neue Aufbauspieler half mit seiner Erfahrung, zudem hat er einen guten Zug zum Korb. Auch bei ihm fielen im ersten Testspiel die Würfe noch nicht. Generell wirkt er nicht wie eine der ersten Scoringoptionen, soll eher Ruhe und Struktur ins Spiel bringen, wenn nötig.

#15 Bogdan Radosavljevic Der junge Center war einer DER Lichtblicke des Spiels, kämpfte und wühlte vorne wie hinten und schloß hochprozentig ab. Er kann und wird den ansonsten recht knapp besetzten Frontcourt von Alba Berlin signifikant verstärken.

#21 Dragan Milosavljevic Seine Fähigkeiten sind ja auch aus der vergangenen Saison bekannt, die haben sich nicht wesentlich geändert. Er haderte öfter mit den Schiedsrichtern und das – auch eine Erfahrung aus dem letzten Jahr – stört dann seinen Fokus. Trotzdem lief das Spiel mit ihm auf dem Feld besser als ohne (+/- 8). Mehr Bewegung im Spiel dürfte seiner Spielweise in Zukunft entgegen kommen.

#23 Dominque Johnson Ein erfahrener, abgezockter Spieler, der das tut, was man von ihm erwartet; werfen und hochprozentig scoren. Er dürfte auch bei Alba viele Würfe bekommen. Auch sein Foulmanagement war vorsichtig ausgedrückt nicht das Beste …

Doppellizenzler Aufgrund fehlender Spieler füllten die Spieler mit Doppellizenz für das Profi- und ein Nachwuchsteam (NBBL, ProB Bernau, Regio Nord) den Kader auf. Tim Schneider, Robert Glöckner, Ferdinand Zylka und Kevin Wohlrath (dnp) standen mit im Team und zeigten positive Ansätze. Die meisten davon Schneider, der auf 8 Minuten Einsatzzeit kam. Alle können mal für wenige Minuten durch engagierte Defense helfen.

Konstante! Manche Gesten ändern sich nie ...
Konstante! Manche Gesten ändern sich nie …

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