Erfolg im ersten Testspiel von Alba gegen Slupsk

Tippoff Alba Berlin vs Energa Czarni Slupsk
Tippoff Alba Berlin vs Energa Czarni Slupsk

Am Montag, 01. September 2014 startete das Basketballteam von Alba Berlin in die Testspielphase als Vorbereitung auf die im Oktober beginnende Saison 2014/15. Als erster Gegner hatte sich das polnische Team der „schwarzen Panther“ von Energa Czarni Slupsk angesagt. Nach starkem Beginn und einer von Müdigkeit geprägten zweiten Halbzeit setzte sich das Hauptstadtteam mit 79-75 gegen den polnischen Viertelfinalisten der letzten Saison durch. Dabei hatten die Berliner mit Forward Reggie Redding (23 Punkte) den herausragenden Akteur des Spiels in den eigenen Reihen.

Die Gäste aus Polen hatten die letzte Saison mit dem Aus im Viertelfinale beendet und ihr Team über den Sommer auf den Ausländerpositionen stark umgebaut. So wurden die beiden amerikanischen guards Kyle Schiloh und Frank William (vor Jahren mal in Braunschweig aktiv) neu verpflichtet. Ebenfalls neu hinzu kamen der amerikanisch-nigerianische Center Callistus Eziukwu, auf den Alba Berlin in der letzten Saison zwei mal mit Virtus Rom traf (beim Spiel in der Max-Schmeling-Halle mit 7 Punkten und 4 Blocks) und der Topscorer der mazedonischen Nationalmannschaft bei der EM-Qualifikation in diesem Sommer, Bojan Trajkowski. Die polnischen Nationalspieler (erweiterter Kader) Tomasz Snieg und Jaroslaw Mokros wurden weiter verpflichtet und vom Eurocup Team aus Charleroi kam Swingman Karol Gruszewski. Insgesamt ein etwas größerer Umbruch bei den Leistungsträgern.

Das Team von head coach Sasa Obradovic, der auf Vojdan Stojanovski und Akeem Vargas (beide noch Pause nach Einsätzen in ihren Nationalmannschaften) verzichtete sowie den verletzten Martin Seiferth nicht einsetzen konnte, startete mit Jonathan Tabu, Clifford Hammonds, Niels Giffey, Alex King und Leon Radosevic in die Partie und versuchte diesem durch aggressive Defense gleich seinen Stempel aufzudrücken. Das klappte auch gut, den polnischen Gästen gelang zu Beginn des Spiels wenig, sie waren von Albas frühem Druck auf den ballführenden Spieler sichtlich beeindruckt. Allerdings klappte bei den Berlinern auch nicht alles, einige Mängel im Zusammenspiel waren deutlich zu erkennen, die sich durch allein neun Ballverluste im ersten Viertel ausdrückten. Nach turnovern hüben und drüben vergingen fast drei Minuten, bis der zum neuen Kapitän ernannte Alex King (29) die ersten Punkte durch einen Korbleger erzielte. King legte noch 4 weitere Punkte nach und der Bann war gebrochen. In der Folge lief das Spiel für die Berliner wie aus einem Guss. Sicher im Abschluss, schnelles Spiel, Überlegenheit bei den Rebounds und eine starke Verteidigung sorgten für eine 20-0 Serie bis zum Anfang des zweiten Viertels.

Ab dem zweiten Viertel eintwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, das Team aus Slupsk fand besser in die Partie und bei Alba machte sich mehr und mehr Müdigkeit bemerkbar; noch am Vormittag hatte man hart trainiert.  Zudem hielten die Polen nun auch physisch dagegen und es entwickelte sich ein recht hartes Spiel, erstaunlich hart für ein Testspiel. Am Ende standen 50 Fouls und 60 Freiwürfe auf dem score board, ein „lockeres Trainingsspielchen“ war es nicht. Völlig ungewöhnlich ist das für ein Testspiel ganz zum Anfang der Vorbereitung jedoch auch nicht, sondern klar der fehlenden Abstimmung geschuldet. Gerade bei Alba machte sich mit zunehmender Spieldauer auch die Erschöpfung bemerkbar, langsame Beine führen eben oft zu übermäßig vielen Fouls.

In den letzten Minuten wurde das Spiel dann sogar noch richtig spannend. Czarni Slupsk nutzte die nachlassende Intensität von Alba in der Defense und bei den Rebounds, um sich immer dichter heran zu kämpfen. Am Ende hatten es die Berliner der Individualleistung von Reggie Redding zu verdanken, daß der Sieg knapp über die Ziellinie gebracht wurde. Viel länger hätte das Spiel nicht dauern dürfen.

Trotzdem war head coach Sasa Obradovic mit dem Spiel seines Teams über weite Strecken zufrieden. Sein Team hatte sich nicht speziell auf den Gegner vorbereitet und die Partie aus dem vollen Training heraus bestritten, musste zudem auf einige Spieler verzichten. Auch die nachlassende Intensität in der zweiten Halbzeit fand Obradovic vor diesem Hintergrund verständlich. Die neu hinzu gekommenen Spieler integrieren sich laut Obradovic von Tag zu Tag besser.

Die Spieler in der Kurzkritik:

#5 – Niels Giffey
Giffey stand in der Startformation und bekam viel Spielzeit. Diese mehr auf dem kleinen als auf dem großen Flügel. Offensiv ist es ihm zuzutrauen, auch als power forward zu spielen, da helfen Schnelligkeitsvorteile. Ein paar mal konnte er sich auch gut am Brett durchsetzen, der Zug von aussen ist ziemlich effektiv. Ebenfalls gefiel der Blick und Pass für den besser postierten Mitspieler. Er kann die guard Position genauso gut ausfüllen, wie die als Forward. Physisch wirkt er trotz Entwicklung in dieser Hinsicht noch nicht so, als ob er dauerhaft effektiv power forwards verteidigen kann. Da muss man aber weitere Eindrücke in weiteren Spielen abwarten.

#7 – Akex King
Der neue Käptn hat sich über den Sommer physisch und auch in Sachen Selbstvertrauen weiter entwicklt. King kann ohne Probleme auch als power forward an beiden Enden des Feldes spielen. Einzig für die Rebounds ist er ab und an ein wenig zu kurz. Er erzielte die ersten sechs Punkte der Partie und war ein Aktivposten der Mannschaft.

#8 – Ismet Akpinar
Der junge guard wurde früh in der Partie eingesetzt, ist dann aber unglücklich umgeknickt. Somit konnte er nur drei Minuten spielen, zu wenig für eine Bewertung.

#9 – Jonathan Tabu
Der neue combo guard wirkt schmächtig, sogar klein, und ihm fehlt noch die Bindung zum Team. Aber er ist schnell und ballsicher und spielt eine Defense, die man ihm auf den ersten Blick nicht zutrauen würde. Er nahm sich noch etwas zurück, seine Rolle im Team kann und wird noch wachsen. Wenn er auf dem Feld stand, übernahm er den Spielaufbau, auch wenn er zusammen mit Hammonds im Spiel war. Das hat er für den Anfang ordentlich gemacht, wird sich aber mit zunehmender Eingespieltheit noch weiter verbessern.

#15 – Reggie Redding
Top scorer, top rebounder, top Quoten – Redding knüpft gleich nahtlos an seine Leistungen der letzten Saison an. Er war der beste Spieler und Match winner der Partie. Da findet man wenig Ansätze zu Kritik. Höchstens, dass es neben dem System „Gib Reggie den Ball“ noch einige andere geben sollte. Aber daran wird ja in der Vorbereitung gearbeitet.

#18 – Jonas Wolfarth-Bottermann
Der Center hat im Sommer offenbar an seiner Physis und an seiner Technik von der Linie gearbeitet. Beides mit positiver Entwicklung. Beim Vertrauen in die eigene Stärke hapert es ab und an immer noch. Ein pump fake und noch ein pump fake und noch einer bis sich der Gegner positioniert hat, verhinderte die eine oder andere sichere Abschlussmöglichkeit. Der gemeine Druckkorbleger von oben, landläufig als Dunking bezeichnet, ist immer noch die sicherste Art zu scoren.

#21 – Moritz Wagner
Der erst 17jährige power forward von Albas NBBL Team und für die kommende Saison mit einer Doppellizenz ausgestattet, spielte nur zwei Minuten, war aber ein positiver Lichtblick. Frech, ohne Angst und Respekt vor Erfahrung und Masse setzte er sich unter dem Korb durch und konnte nur durch ein Foul am scoren gehindert werden. Es fehlt Wagner noch an Physis und natürlich Erfahrung, aber es sind einige gute Ansätze zu erkennen.

#25 – Cliff Hammonds
Die Qualitäten des „best defense player of the year“ der letzten Saison sind hinlänglich bekannt. Ganz die Form des letzten Jahres hat er noch nicht, aber es ist ja noch die Vorbereitungsphase. In diesem Spiel hat er sich auch ein Stück zurück genommen, die Initiative mehr Tabu überlassen. Im Abschluss war er sicher.

#33 – Jamel McLean
Ganz unbekannt ist Albas neuer Power Forward ja dank 1,5 Jahren in Bonn ja nicht. Die Qualitäten, die er am Rhein zeigte, zeigte er auch in diesem Test. Vorne wie hinten ein für den Gegner unangehmer hustle player mit viel Einsatz. Auch bei ihm fehlt es noch sichtbar an der Abstimmung, was zu Ballverlusten und Fouls führte.

#43 – Leon Radosevic
Der Center zeigte zwei eindrucksvolle dunks, bot darüber hinaus eine eher durchschnittliche Partie, gemessen an dem, was er eigentlich zu leisten im Stande ist. Er braucht auch noch ein bisschen Spielpraxis um in die Saison zu finden.

#6 – Kevin Wohlrath, #41 – Konstantin Kovalev wurden nicht eingesetzt.

Es war ein erster Blick auf das neue Team von Alba Berlin, nicht mehr, nicht weniger. Aber immerhin sind mal wieder Basketbälle unter Wettkampfbedingungen durch die Ringe geworfen worden und man konnte sich einen ersten Eindruck machen. Weiter geht es am Sonntag, 17 Uhr, beim öffentlichen Teamspiel in Oranienburg gegen den Euroleague-Qualifikanten Hapoel Jerusalem. Dieser Gegner ist leistungsmäßig über den Gästen aus Polen einzuordnen.

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