Einfach mal Pause drücken: Taktikbetrachtungen (I)

Header-BeispielBasketball ist eine sehr schnelle Sportart. Innerhalb von wenigen Sekunden passieren unglaublich viele Dinge und ehe man den Treffer der eigenen Mannschaft beklatscht, hat das gegnerische Team schon längst seinen Spielzug begonnen. Innerhalb einer Partie bleibt also kaum Zeit, das Geschehen mal unter die Lupe zu nehmen. Zum Glück kann seit einem Jahr über telekombasketball.de jedes Spiel noch einmal in Ruhe angeschaut werden. Das hat uns auf unsere neue Rubrik gebracht: Wir drücken einfach Mal „Pause“ und blicken in Ruhe darauf, was auf dem Spielfeld eigentlich passiert und versuchen es dann, möglichst einfach zu erkären. In unserer ersten Ausgabe haben wir ein paar Beispiele ausgesucht, was bei Alba in den ersten beiden Saisonspielen schon ganz gut oder auch weniger gut klappte.

Einbindung des High-Posts

Generell ist der High-Post in der Offensive eine höchst wichtige Position, egal ob gegen Zonen- oder Mann-Verteidigung. Wenn ein Bigman dort mit dem Gesicht zum Korb den Ball hat, bieten sich ihm zahlreiche Optionen, die eine Verteidigung nur schwer unterbinden kann. In den ersten Spielen gegen Ulm und Bayreuth wurde die Option im High-Post noch nicht so oft genutzt, die Bigmen waren meistens eher auf Höhe der Dreierlinie zu finden. Hier Eine Situation aus der Partie gegen Ulm und welche Optionen daraus entstehen:

Generell ist der High-Post in der Offensive eine höchst wichtige Position, egal ob gegen Zonen- oder Mann-Verteidigung. Wenn ein Bigman dort, mit Gesicht zum Korb, den Ball hat, bieten sich ihm zahlreiche Optionen, die eine Verteidigung nur schwer unterbinden kann. In diesem Fall schlägt Jordan Taylor seinen Gegner (Per Günther), der Ulmer Raymar Morgan bleibt unter dem Korb in der Hilfe stehen. Taylors erste Option ist der Zug zum Korb (A), dadurch bindet er die Hilfe und es bietet sich die Anspielstation in Form von Kikanovic (B) an. Durch den vorhandenen Platz kann dieser entweder werfen (C) oder möglicherweise das Spiel schnell auf Milosavljevic verlagern (D).
In diesem Fall schlägt Jordan Taylor seinen Gegner (Per Günther), der Ulmer Raymar Morgan bleibt unter dem Korb in der Hilfe stehen. Taylors erste Option ist der Zug zum Korb (A), dadurch bindet er die Hilfe und es bietet sich die Anspielstation in Form von Kikanovic (B) an. Durch den vorhandenen Platz kann dieser entweder werfen (C) oder möglicherweise das Spiel schnell auf Milosavljevic verlagern (D).

Ausstieg aus dem Angriff:

Ausstieg: Nach dem Pass auf Kikanovic bieten sich nun 3 Möglichkeiten. Durch die gute Wurfposition (A) muss nun Raymar Morgan auf Kikanovic zustürmen. Der Bosnier könnte das wiederum ausnutzen um zum Korb zu ziehen (B), einen Vorteil den Leon Radosevic in der Vergangenheit immer wieder gerne annahm. Dadurch gerät Carlon Brown (Ulm, Nummer 20) in eine Zwickmühle und schwankt zwischen Hilfe unter dem Korb und dem "frei lassen" von Milosavljevic. Kikanovic könnte also auch nach einem Dribbling einen freien Wurf für seinen Mitspieler kreieren. In dieser Situation entschied er sich jedoch für den Wurf, den er aber nicht traf.
Nach dem Pass auf Kikanovic bieten sich nun 3 Möglichkeiten. Durch die gute Wurfposition (A) muss nun Raymar Morgan auf Kikanovic zustürmen. Der Bosnier könnte das wiederum ausnutzen um zum Korb zu ziehen (B), einen Vorteil den Leon Radosevic in der Vergangenheit immer wieder gerne annahm. Dadurch gerät Carlon Brown (Ulm, Nummer 20) in eine Zwickmühle und schwankt zwischen Hilfe unter dem Korb und dem „frei lassen“ von Milosavljevic. Kikanovic könnte also auch nach einem Dribbling einen freien Wurf für seinen Mitspieler kreieren. In dieser Situation entschied er sich jedoch für den Wurf, den er aber nicht traf.

Unklare Raumaufteilung

Noch klappt vor allem in der Offensive nicht immer alles. Es fehlen teilweise Automatismen, die Spieler besetzen im falschen Moment die entsprechenden Positionen. Dies zeigt sich besonders dann, wenn ein Spieler aus dem Spielzug „aussteigt“ und seine Mitspieler darauf reagieren müssen. Hier ein Beispiel aus der Begegnung gegen Ulm:

Will Cherry schlägt seinen Gegenspieler auf dem Weg zum Korb. Die Verteidigung kann frühzeitig darauf reagieren, so steht Raymar Morgan (Ulm, Nummer 8) bereits in der Hilfe unter dem Korb. Für Taylor Braun (Ulm, Nummer 24: Unten rechts im Bild) ist dies eine klassische „Help the Helper“-Situation, er orientiert sich in Richtung Korb um notfalls WoBo zu übernehmen. Cherry wird jedoch rechtzeitig den Pass auf Milosavljevic spielen.
Will Cherry schlägt seinen Gegenspieler auf dem Weg zum Korb. Die Verteidigung kann frühzeitig darauf reagieren, so steht Raymar Morgan (Ulm, Nummer 8) bereits in der Hilfe unter dem Korb. Für Taylor Braun (Ulm, Nummer 24: Unten rechts im Bild) ist dies eine klassische „Help the Helper“-Situation, er orientiert sich in Richtung Korb um notfalls WoBo zu übernehmen.  Cherry wird jedoch rechtzeitig den Pass auf Milosavljevic spielen, dieser ändert bereits seine Position um den Passwinkel zu verbessern.

 

Milosavljevic hat nun eigentlich genug Platz für einen Wurf, Taylor Braun muss nun aus der Position in der Hilfe auf ihn zustürmen. Milosavljevic zögert jedoch und entscheidet sich letztendlich dafür über die Mitte zum Korb zu ziehen. Problem ist nur, dass sich Mitchell Watt und Jonas Wohlfarth-Botterman ebenfalls auf den Highpost zubewegen und Will Cherry noch gar nicht die Zone verlassen hat.
Milosavljevic hat nun eigentlich genug Platz für einen Wurf, Taylor Braun muss nun aus der Position in der Hilfe auf ihn zustürmen. Milosavljevic zögert jedoch und entscheidet sich letztendlich dafür über die Mitte zum Korb zu ziehen. Problem ist nur, dass sich Mitchell Watt und Jonas Wohlfarth-Botterman ebenfalls auf den Highpost zubewegen und Will Cherry noch gar nicht die Zone verlassen hat.

 

Das Ergebnis dieser Situation: Milosavljevic nimmt einen schweren Wurf aus der Mitteldistanz, obwohl noch ausreichend Zeit auf der Shotclock ist. Vargas, Watt und Wobo fallen als Anspielstationen alle aus, da sich auf gefühlt einem Quadratmeter gleich sieben Spieler befinden. Das macht es der Verteidigung besonders leicht, in dieser Situation würde sogar ein Ulmer Spieler reichen um das Anspiel auf Watt und WoBo zu verhindern.
Das Ergebnis dieser Situation: Milosavljevic nimmt einen schweren Wurf aus der Mitteldistanz, obwohl noch ausreichend Zeit auf der Shotclock ist. Vargas, Watt und Wobo fallen als Anspielstationen alle aus, da sich auf gefühlt einem Quadratmeter gleich sieben Spieler befinden. Das macht es der Verteidigung besonders leicht, in dieser Situation würde sogar ein Ulmer Spieler reichen um das Anspiel auf Watt und WoBo zu verhindern.

 

Der Wurf von Milosavljevic wird ein Airball. Eigentlich reicht schon ein Blick auf Sasa Obradovic um zu sehen, dass dieser Angriff so nicht klappen konnte.
Der Wurf von Milosavljevic wird ein Airball. Eigentlich reicht schon ein Blick auf Sasa Obradovic um zu sehen, dass dieser Angriff so nicht klappen konnte.

Albas Pressverteidigung

In den ersten beiden Spielen war schnell zu erkennen: Defense bleibt das Steckenpferd von Alba. Erstaunlicherweise zeigte sich Ulm davon besonders überrascht und hatte keine passenden Antworten auf die aggressive Ganzfeldpresse der Berliner. Sasa Obradovic lässt dabei den Druck gerne variieren, das macht es schwierig für den Gegner sich darauf einzustellen. Eine Szene aus dem Spiel gegen Bayreuth zeigt, wie der Angriff auf plötzlich zunehmenden Druck reagiert und was Alba damit bewirkt: Eine Presse muss nicht immer zum Ballgewinn führen, sondern kann auch auf anderen Wegen erfolgreich sein!

In den vorherigen Szenen stand Jake Odum auf den Feld, der den Druck der Verteidigung recht gut überspielen konnte. Nun bringt allerdings Bastian Doreth den Ball nach vorne. Er tut sich mit der gegnerischen Presse wesentlich schwerer. Jordan Taylor „zwingt“ ihn zunächst auf eine Seite des Feldes und versucht den deutschen Guard nicht durch die Mitte durchbrechen zu lassen.
In den vorherigen Szenen stand Jake Odum auf den Feld, der den Druck der Verteidigung recht gut überspielen konnte. Nun bringt allerdings Bastian Doreth den Ball nach vorne. Er tut sich mit der gegnerischen Presse wesentlich schwerer. Jordan Taylor „zwingt“ ihn zunächst auf eine Seite des Feldes und versucht den deutschen Guard nicht durch die Mitte durchbrechen zu lassen.

 

Timing ist alles! Sobald sich die Möglichkeit ergibt, versucht Alba zu doppeln. In diesem Fall bietet sich die Gelegenheit, weil Doreth nach überqueren der Mittellinie das Tempo raus nimmt und in einer gefährlichen Position (in eine der Ecken) abstoppt. Nun löst sich Alex King von seinem Gegenspieler und kommt zum Doppeln. Wichtig ist jetzt auch, dass alle anderen möglichen Anspielstationen für Doreth dicht gemacht werden. So steht Akeem Vargas (unten links im Bild) in einer Position, die zwei Bayreuther aus dem Spiel nimmt weil ein Pass zu riskant wird.
Timing ist alles! Sobald sich die Möglichkeit ergibt, versucht Alba zu doppeln. In diesem Fall bietet sich die Gelegenheit, weil Doreth nach überqueren der Mittellinie das Tempo raus nimmt und in einer gefährlichen Position (in eine der Ecken) abstoppt. Nun löst sich Alex King von seinem Gegenspieler und kommt zum Doppeln. Wichtig ist jetzt auch, dass alle anderen möglichen Anspielstationen für Doreth dicht gemacht werden. So steht Akeem Vargas (unten links im Bild) in einer Position, die zwei Bayreuther aus dem Spiel nimmt weil ein Pass zu riskant wird.
In diesem Fall löst sich Bastian Doreth rechtzeitig und verhindert damit „in der Falle zu sitzen“. King muss nun so schnell wie möglich zu seinem Gegenspieler zurück, während Taylor weiterhin den Durchbruch durch die Mitte verhindert. Weiterhin sind alle möglichen Anspielstationen zu!
In diesem Fall löst sich Bastian Doreth rechtzeitig und verhindert damit „in der Falle zu sitzen“. King muss nun so schnell wie möglich zu seinem Gegenspieler zurück, während Taylor weiterhin den Durchbruch durch die Mitte verhindert. Weiterhin sind alle möglichen Anspielstationen zu!

 

Doreth hat aufgehört zu dribbeln, mangels Anspielstationen passt er den Ball zurück zur Mitte Kenneth Horton. Eine Position die für die Verteidigung keinerlei Gefahr ausstrahlt. Nun muss sich Doreth erst einmal per Handoff den Ball wieder übergeben lassen.
Doreth hat aufgehört zu dribbeln, mangels Anspielstationen passt er den Ball zurück zur Mitte, zu Kenneth Horton (Nahe der Mittellinie). Eine Position die für die Verteidigung keinerlei Gefahr ausstrahlt. Nun muss sich Doreth erst einmal per Handoff den Ball wieder übergeben lassen.

 

Blick auf die Uhr: Erst jetzt wird der Ball auf den Flügel gespielt, auf eine Position aus der etwas passieren könnte. Problem nur: Auf der Shotclock bleiben gerade mal 7-8 Sekunden. Bedeutet also, Bayreuth hat gut 16 Sekunden seiner Angriffszeit abgeben müssen. Dieser Angriff wird nun mit einem recht wilden Wurf von Travis Leslie (Bayreuth, Nummer 8) abgeschlossen, der jedoch nicht trifft. Bayreuths Offensive konnte also in dieser Sequenz gar nicht ins Laufen kommen, Alba hat den Rhythmus erfolgreich gestört.
Blick auf die Uhr: Erst jetzt wird der Ball auf den Flügel gespielt, auf eine Position aus der etwas passieren könnte. Problem nur: Auf der Shotclock bleiben gerade mal 7-8 Sekunden. Bedeutet also, Bayreuth hat gut 16 Sekunden seiner Angriffszeit abgeben müssen. Dieser Angriff wird nun mit einem recht wilden Wurf von Travis Leslie (Bayreuth, Nummer 8) abgeschlossen, der jedoch nicht trifft. Bayreuths Offensive konnte also in dieser Sequenz gar nicht ins Laufen kommen, Alba hat den Rhythmus erfolgreich gestört.

Ein Gedanke zu „Einfach mal Pause drücken: Taktikbetrachtungen (I)“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.