Ein „überragender“ Spieler unter Albas Korb: Jonas Wohlfarth-Bottermann

Er überragt seine Mitmenschen oft um zwei Köpfe und selbst aus einem Basketball-Team, gespickt mit jeder Menge an großen Menschen, ragt er noch heraus: Jonas Wohlfarth-Bottermann steht unter den Alba-Körben wie ein Fels in der Brandung, an ihm kommt niemand so schnell vorbei. Potenzial für Verbesserungen hat der vor Jahresfrist vom Rhein an die Spree gewechselte gebürtige Bonner noch in der Offensive (letzte Saison in 14 Minuten pro Spiel der Hauptrunde 6 Punkte und 3,5 Rebounds), speziell bei den Freiwürfen (42 %), aber er ist mit 24 Jahren gerade auf der Position als Center auch noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Über diese, also seine Entwicklung, sprach er ausführlich mit alba-inside.

Jonas Wohlfarth-Bottermann
Jonas Wohlfarth-Bottermann (r)

Hallo Jonas, danke, dass du dir Zeit für uns nimmst, um mit uns über deinen Sommer und deine Zukunft bei Alba zu sprechen. Wie war dein Sommer, wie war die off-season für dich?

Der Sommer und die off-season ist relativ ruhig für mich verlaufen. Nach dem Saisonende bin ich recht zeitnah nach Bonn, also nach Hause, gefahren. Eine Woche lang habe ich erst mal überhaupt gar nichts gemacht, was irgendwie mit Basketball zu tun hatte, sondern habe meine Familie gesehen, meine Freunde getroffen, den Kopf frei gekriegt. Dann habe ich aber angefangen, mit einem Athletiktrainer zu arbeiten, den ich noch aus meiner Bonner Zeit kannte und vier, fünf mal pro Woche eine Trainingseinheit mit ihm gemacht. Natürlich habe ich auch die Zeit genutzt, alte Freunde wiederzutreffen und habe auch 10 Tage Urlaub in Spanien gemacht.

nicht wie ein Teil deiner Mitspieler in Brasilien zur Fussball-Weltmeisterschaft gewesen?

Nein, leider nicht. Klar es wäre schon schön gewesen, aber es hat sich einfach nicht so ergeben. Der Urlaub in Spanien hatte sich über meine Schwester ergeben, das war auch sehr gut gewesen.

Wenn man auf der einen Seite die Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien mit all dem riesigen Medienrummel und Interesse sieht und dann ein paar Wochen später die Basketball-WM mit deutlich weniger Aufmerksamkeit, denkt man sich da nicht manchmal ‚Ach hätte mir doch der liebe Gott nicht lieber einen strammen Volleyschuss statt eines Wurfarms geben können‘?

Ach nöö, ich bin auch so ganz glücklich. Ich mag Fußball auch sehr gerne und ich kann das absolut nachvollziehen, dass so viele Menschen davon begeistert sind. Es ist ja schließlich eine Weltsportart und ich habe früher ja auch selbst lange Fußball gespielt. Natürlich ist es schade, dass Basketball noch nicht so einen großen Stellenwert hat, gerade auch bezogen auf die WM. Als Fan hatte man diesen Sommer ja fast schon ein „Luxusproblem“ um die Basketball-freie Zeit zu verbringen mit der Fussball-WM, der EM-Qualifikation mit der Nationalmannschaft, der Basketball-Weltmeisterschaft und jetzt beginnt ja auch fast schon wieder die Bundesliga.

So lang war ja die Basketball-freie Zeit gar nicht, für dich aber ein kleines bisschen länger, bei der Nationalmannschaft hast du diesen Sommer ausgesetzt. Ging das von dir aus oder was waren die Gründe dafür?

Ich wurde relativ spät zur Nationalmannschaft nachnominiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon relativ viele eigene Pläne gemacht, mich auf mich selbst konzentriert. Ich habe in den letzten Jahren immer im Sommer in den verschiedenen Nationalmannschaften gespielt und nie etwas abgesagt, diesen Sommer war es einfach vom Termin her ungünstig, als die Nominierung kam. Hätte ich zu einem früheren Zeitpunkt etwas gewusst, hätte ich sicher auch anders geplant. Ich habe das mit den Verantwortlichen besprochen und wenn meine Entwicklung so verläuft, wie ich mir das wünsche, ist in den nächsten Jahren die Nationalmannschaft sicher wieder ein Thema.

Da gehts lang, Wobo!
Da gehts lang, Wobo!

Zu deinen großen Stärken gehört das Blocken von Würfen. Ist das Training oder Intuition? Übst du das oder kann man das gar nicht trainieren? Weisst du einfach intuitiv, wann du zum Block ansetzen musst?

Ich glaube, das ist schwierig, zu trainieren. Das ergibt sich aus der Situation, man folgt da einfach seinem Instinkt. Früher habe ich sogar noch mehr geblockt, aber das hat natürlich auch Nachteile, wenn man dann beim Rebound fehlt. Ich musste lernen, da die richtige Balance zu finden, weil man dann manchmal den Rebound nicht kriegt, wenn man blockt. Oder weil der Verteidiger dann mit einem pump fake an einem vorbei kommt, wenn der merkt, dass man zu stark auf den Block aus ist. Sasa [Obradovic] hat mir auch eingehämmert, dass ich nicht nur springen soll, sondern die richtige Balance finden muss. Einfach mal stehen bleiben und auf den Rebound gehen soll.

Freiwürfe, immer ein Thema! Was nervt mehr, jeden zweiten daneben zu machen oder in jedem zweiten Interview darauf angesprochen zu werden?

Es ist leider Teil meines Spiels, dass ich diese große Freiwurfschwäche habe. Dass es nicht gut ist, weiß ich, dass die Leute darüber reden wollen, verstehe ich auch, denn diese Schwäche ist ja offensichtlich. Ich muss lernen, damit umzugehen und versuche natürlich, mich in dem Bereich zu verbessern. Es ist auch ein Ziel für mich, in diesem Bereich in der nächsten Saison besser zu sein. Man kann nicht erwarten, dass es sich von 50 Prozent auf einmal zu 80 % ändert, aber eine positive Entwicklung sollte zu sehen sein. Das ist mein Ziel für die nächste Saison.

Stimmt es, dass du im Training deine Freiwürfe relativ sicher verwandelst und es dann im Spiel recht stark absinkt?

Wenn man einfach so wirft, ist es natürlich etwas anderes. Beim Thema Freiwurf spielt Druck auch eine Rolle, bei mir zumindest. Im Training fällt das dann natürlich leichter.

Beim zweiten Testspiel gegen Hapoel Jerusalem hattest du einen sehr sauberen, sicheren Mitteldistanzwurf. Hast du über den Sommer an deiner „range“ (Wurfdistanz) gearbeitet und dein Spiel in diese Richtung erweitert?

Ich habe generell in der letzten Saison nicht so viele Mitteldistanzwürfe genommen, denn meine Stärken liegen woanders, direkt am Brett, aber langfristig gesehen ist es schon mein Ziel, mich da zu verbessern. Ich muss nicht der beste Werfer im Team sein, aber wenn ich mal frei bin, dann auch mal einen reinzuwerfen, daran habe ich auch im Sommer gearbeitet. Trotzdem werde ich weiterhin eher direkt am Brett spielen und dort meine Stärken ausspielen, dort sieht mich Sasa Obradovic auch. Ich soll eher nicht – so wie Leon Radosevic – „poppen“, also nach dem Block nach außen abrollen. Der lange Mitteldistanzwurf beim Testspiel war eher aus der Situation heraus.

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Wie ist das für dich als geborener Bonner und somit Rheinländer, „leidest“ du unter der Berliner Karnelvals-Ignoranz?

(lacht) Ich würde nicht sagen, dass ich der allergrößte Karnevalsprinz bin, aber es war schon immer ganz schön. Bei Bonn war unser Karnevalsspiel, wo alle verkleidet waren, immer ein Highlight. Das war eine tolle Atmosphäre. Das gibt es so in Berlin natürlich nicht, obwohl ich gehört habe, dass es in Berlin auch eine Straße gibt, wo Karneval gefeiert wird und es sogar einen Umzug gab. Aber genau weiß ich es nicht, habe es im letzten Jahr auch nicht gesehen. Das Thema Karneval läuft mir nicht weg, das wird es später immer noch geben, da kann ich das alles nachholen.

Es ist nicht zu erwarten, dass in fünf oder zehn Jahren Karneval abgeschafft wird …

… nein, nein, das ist Kultur im Rheinland, so wie das Oktoberfest in München usw. Ich werde noch genug Karnevalsumzüge machen können. Das Schöne ist, ich kann da eigentlich nie verloren gehen. Egal, wie groß die Menschenmenge ist, meine Kumpels haben mich immer in der Menge wiedergefunden (lacht).

Dein Weggang aus Bonn war nicht komplett „eitel Sonnenschein“, es gab da ein bisschen Knatsch zwischen den Vereinen. Wie sehr lässt du das an dich ran oder sagst du dir, das sollen die Vereine einfach unter sich klären? Beim Spiel in Bonn wurdest du ja von einigen Bonnern ausgepfiffen …

Ich finde das alles sehr schade, mir liegt natürlich noch viel an Bonn. Es ist meine Heimatstadt und ich habe dem Verein auch viel zu verdanken. Es nicht so ganz schön, wie es abgelaufen ist und es hat mich auch beschäftigt und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es wäre mir alles egal. Für mich war es aber wichtig – und das habe ich auch so kommuniziert – dass nicht ich dafür zur Rechenschaft gezogen werde, sondern dass das eine Sache ist, die die Vereine unter sich klären müssen. So ist es letztlich auch gelaufen. Manche Leute kennen einfach die Hintergründe und Zusammenhänge nicht und interpretieren dann ihre eigenen Sachen da hinein, dass ich das alles inszeniert hätte. Natürlich ist es meine Entscheidung gewesen, aber in erster Linie läuft sowas direkt zwischen den Vereinen ab. Wenn man dort aufgewachsen ist, kommt bei den Fans auch mal Unmut auf und ich kann das in gewisser Weise auch nachvollziehen, das ist natürlich auch eine emotionale Angelegenheit. Ich denke, das hat sich inzwischen auch alles ein wenig gelegt. Die Bonner Fans hatten ja noch schlimmere Abgänge zu verkraften, sogar mitten in der Saison. Ich kenne noch viele Leute dort in Bonn und weiß, woran ich bin. Die Leute, die ich persönlich kenne, wissen zum größten Teil die ganze Sache auch richtig einzuordnen. Mein Wechsel war auf gar keinen Fall eine Entscheidung gegen Bonn, sondern für Berlin und meine Karriere. Von meiner Seite aus sind auch nicht alle Brücken Richtung Bonn abgerissen. Die Mehrzahl der Leute weiß auch, dass ich dankbar bin für die Zeit, die ich dort hatte. Als aussenstehender, emotionaler Fan ist es manchmal etwas schwierig, die Dinge richtig einzuordnen, da besteht auch ein gewisses Informationsdefizit, was zu falschen Schlüssen führt. Dafür habe ich Verständnis, das ist auch Teil des business. Es gibt aber auch genug Leute, die meine Entscheidung nachvollziehen und verstehen können, dass ich mich weiterentwickeln möchte. Nun geht der Blick aber nach vorn, auf meine Zeit und  Zukunft bei Alba.

Dafür wünschen wWobo_4ir viel Glück und bedanken uns für das Gespräch.

hier noch der link zu einem kurzen Video mit einer kurzen message von „WoBo“ an die Fans von Alba Berlin..

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