Drei Wünsche zur Euroleague-Wildcard

Eine Woche ist die Off-Season nun alt und die erste Baustelle ist geklärt: Alba Berlin tritt – dank einer Wildcard – in der Euroleague an. Bedeutet, Europas beste Mannschaften sind nächstes Jahr wieder in der Arena am Ostbahnhof zu Gast. Völlig ohne Grundlage ist diese Wildcard sicherlich nicht, die guten europäischen Ergebnisse der letzten 2 Jahre, sowie das fast perfekte nationale Abschneiden in dieser Spielzeit dürften als Begründung reichen.

Letzte Saison noch im Eurocup gegeneinander, nächste Saison in der Euroleague? (c) Foto: Alba Berlin
Letzte Saison noch im Eurocup gegeneinander, nächste Saison in der Euroleague? (c) Foto: Alba Berlin

Doch es ist nicht nur alles Gold was glänzt. Über die Vorteile des Eurocups gegenüber der Euroleague wurde schon Einiges geschrieben. Das beginnt mit dem wesentlich kompakteren Spielmodus und hört bei den besseren Spielterminen auf. Abgesehen davon bringt natürlich die Perspektive auf Euroleague einen ganz anderen Schwung in die Kaderplanung. Auch wenn ich mich freue im nächsten Jahr Real, Maccabi, Panathinaikos und Co. sehen zu können: Drei Wünsche hätte ich an unseren Verein.

1. Keine Euroleague-Söldner und kein großer Kader-Umbau
Noch ist es zu früh um über mögliche Spielerverpflichtungen zu reden. So lange Sasa Obradovics Vertragsverlängerung nicht bestätigt ist, macht es wenig Sinn über den zukünftigen Kader zu reden. Es ist jedoch sicherlich schön durch die Euroleague den einen oder anderen Hochkaräter an die Spree zu locken. Doch was passiert im Falle, dass die europäische Spitzenklasse im nächsten Jahr nicht erreicht werden sollte (und das kann sehr schnell passieren)? In jenem Fall sind solche Spieler nur schwer, bis gar nicht zu halten. Ein weiterer Umbruch ist die Folge. Den absoluten Worst (und Head)-Case hatten wir in Berlin auch schon. Kenan „der Barbar“ Bajramovic heuerte zur Saison 2009/2010 in Berlin an. Grund: Aussicht auf Euroleague (durch das Quali-Turnier) und ein gesichertes Einkommen. Spätestens als die Qualifikation scheiterte, gingen die Leistungen von Bajramovic so richtig den Bach runter. Irgendwann hatte es keinen Sinn mehr den lustlosen Forward zu halten, mitten in der Saison tat sich damit eine Baustelle auf.

Ich bin froh, dass wir Fans in diesem Sommer auf einen Stamm von Spielern zurückgreifen können die auch ohne Euroleague-Perspektive nach Berlin gekommen sind. Diese Mannschaft hat Spaß gemacht und sich offensichtlich auch intern super verstanden. Dieser Zusammenhalt war eines der größten Pluspunkte der Spielzeit. Es werden sicherlich nicht alle Spieler nach Berlin zurückkehren, doch ein Stamm wird bleiben und das sind gute Voraussetzungen. Schön wäre es, wenn dieser Kern durch Spieler ergänzt werden kann die nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich reinpassen und die vielleicht auch gewillt sind mehr als einen 1-Jahresvertrag zu unterschreiben. Die Kader-Politik des vergangenen Sommers sollte nicht wegen der Euroleague aus den Augen verloren werden.

2. Keinen 7. Ausländer
Wo wir schon beim Thema Teamgefüge sind. Hat es sich bisher ausgezahlt einen zusätzlichen Spieler mit ausländischem Pass auf die Tribüne zu schicken, nur um den Kader zu erweitern? Die Stärke des aktuellen Teams war die mannschaftliche Geschlossenheit und die klare Hierarchie. Jeder kannte seine Rolle, jeder Spieler konnte sich entsprechend einbringen. Sasa Obradovic dosierte die Einsatzzeiten so, dass das kräftezehrende Spiel funktionieren konnte. Das war übrigens auch sein Plan im Jahr zuvor. Nur brachten die unzähligen Verletzungen das Gefüge völlig durcheinander, eine klare Struktur war nicht zu erkennen (dazu kamen noch die internen Probleme). Die Konstellation aus diesem Jahr gefiel besser (auch weil die Mannschaft von Verletzungspech verschont blieb). Die hohe Belastung durch die ungünstigen Spieltermine kann vielleicht auch einfach durch die jungen deutschen Spieler aufgefangen werden. Gebt ihnen mehr Verantwortung, schmeißt sie ins kalte Wasser! Womit wir auch schon beim dritten Wunsch sind…

3. Bundesliga ist  Tagesgeschäft, Euroleague „the cherry on top“
Ein Eindruck der vergangen Jahre war immer, dass Alba sich zu sehr auf das internationale Geschäft konzentrierte und die Bundesliga dafür vernachlässigt wurde. Das machte sich insbesondere 2010 bemerkbar, als die Mannschaft das Eurocup Finale erreichte aber dann grandios in den Playoffs an Frankfurt scheiterte. Auch 2011/2012 folgten den Euroleague-Auftritten miserable Bundesliga-Spiele. Die Folge war Platz 5 in der Hauptrundentabelle.
In der abgelaufenen Saison war die Mannschaft national da. Die Arena am Ostbahnhof war eine Festung, auch Auswärts wurden Erfolge gefeiert. Der Eurocup war ein nettes Extra, über den Viertelfinal-Einzug konnte man sich freuen und stolz sein. Doch die Fokussierung lag eindeutig auf der BBL. Wünschenswert wäre es, wenn das so bleibt. Natürlich sollte das Top-16 und europäische Achtungserfolge das Ziel sein aber bitte nicht auf Kosten der nationalen Liga. Auch Spieler wie Vargas oder Wohlfarth-Bottermann sollten ihre Chance in der Euroleague erhalten! Sicherlich werden sie viel Lehrgeld zahlen müssen aber ich bin mir sicher, dass werden wir Fans ihnen nicht übel nehmen!

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