Drei Spiele zum Wunder

Es sind wahrlich emotionale Tage, die die Anhänger von Alba Berlin derzeit durchmachen. Nach den Ausschreitungen beim Spiel gegen Galatasaray in der vergangenen Woche, rückte der Sport für einige Tage in den Hintergrund. Dabei erleben wir gerade eine entscheidende Phase der Saison, die wohl nur durch die Bedeutung der BBL-Playoffs überstrahlt wird: Alba kämpft drei Spieltage vor dem Ende des Euroleague Top-16 immer noch um einen Platz im Viertelfinale.

In Belgrad unter die Räder gekommen - Revanche im Rückspiel?
In Belgrad unter die Räder gekommen – Revanche im Rückspiel?

Zwei freie Tage konnte die Mannschaft nach dem Sieg gegen Istanbul genießen. Das spielfreie Wochenende kam genau im richtigen Moment: Nach verschiedenen Verletzungen und verkrampften Spielen, konnte das Team die Pause gut gebrauchen. Eine volle Woche (mitsamt der besagten Pause) konnten Spieler und Trainer für Regeneration und Training verwenden. Und natürlich zur Vorbereitung. Denn mit Roter Stern Belgrad steht das nächste Endspiel in der Euroleague auf dem Zettel. Ein Heimsieg und Alba fährt in der folgenden Woche zum Entscheidungsmatch nach Athen. Danach folgt noch ein Heimspiel gegen Maccabi, dazwischen stehen noch Bundesligaspiele gegen Bonn und Quakenbrück an. Als würde das nicht reichen, reist die Mannschaft nach dem letzten Euroleague Spiel zum Pokal Top-4 nach Oldenburg.

Alba tanzt also derzeit nicht nur auf drei Hochzeiten. Nein, diese drei Hochzeiten befinden sich jetzt sogar in der entscheidenden Phase: europäisch ist das mittelgroße Wunder vom Viertelfinale möglich, in der Liga muss der Anschluss an Bamberg gehalten werden und im Pokal soll ein Titel verteidigt werden. Vor allem in der Euroleague wanderte zuletzt oft der Blick auf die anderen Ergebnisse in der Gruppe. Deshalb möchten wir hier auf den Restspielplan von Alba und den der direkten Konkurrenz eingehen (Belgrad haben wir, trotz minimaler rechnerischer Chancen, außen vor gelassen). Es wird spannend, Zalgiris Kaunas hat sich mit der gestrigen Niederlage gegen Barcelona bereits aus dem Viertelfinale-Rennen verabschiedet.

Für das Viertelfinale sicher qualifiziert sind:

  1. Real Madrid 9:2
  2. FC Barcelona 9:3
Maccabi Tel Aviv
Maccabi Tel Aviv

Platz 3: Maccabi Tel Aviv (Restprogramm: @Madrid, vs. Istanbul, @Berlin) 7:4

Kurz vor der Ziellinie, scheint Maccabi die besten Karten für den Viertelfinaleinzug zu haben. Doch die Entwicklung der Israelis spricht nicht unbedingt für Souveränität. Nach zwischenzeitlich fünf Siegen in Serie, geriet der Motor ins Stottern. Seit der überraschenden Niederlage daheim gegen Berlin, folgten zum Teil klare Niederlagen in Belgrad und Barcelona. Mit einer durchaus möglichen Niederlage in Madrid könnte Tel Aviv noch unter Druck geraten.

Platz 4: Panathinaikos Athen (@Istanbul, vs. Berlin, @Belgrad) 6:5

Auch bei Athen zeigte die Formkurve europäisch nicht unbedingt nach oben. Drei Niederlagen in Folge schienen besonders Alba in die Karten zu spielen. Doch dann kam ein überraschend deutlicher Heimsieg gegen Real Madrid und plötzlich sieht die Welt für den Ex-Meister wieder wesentlich entspannter aus. Mit einem Auswärtssieg beim Tabellenletzten kann Athen einen großen Schritt machen. Denn den direkten Vergleich hat Athen gegen Tel Aviv gewonnen und auch Alba müsste zunächst einmal in Griechenland überhaupt gewinnen, eventuell sogar  mit mehr als 7 Punkten Unterschied um den direkten Vergleich gegen die Griechen zu gewinnen.

Nach Niederlage im Hinspiel muss ein Auswärtssieg her
Nach Niederlage im Hinspiel muss ein Auswärtssieg her

Platz 5: Alba Berlin (vs. Belgrad, @Athen, vs. Tel Aviv) 5:6

 

Fazit: Realistisch betrachtet zanken sich drei Teams um Platz drei und vier. Obwohl Maccabi auf den ersten Blick die besten Karten zu haben scheint, sehen wir Athen eher in der Favoritenrolle. Der Heimsieg gegen Madrid war für den vierfachen Euroleague-Champ ein sog. „big win“, mit einem Auswärtssieg in Istanbul kann man im Heimspiel gegen Berlin alles klar machen. Doch Maccabi hat mit einem Heimspiel gegen den Tabellenletzten Galatasaray auch noch ein As im Ärmel.

Und Alba? Alles erscheint möglich. Von Spannung bis zur letzten Sekunde bis zum vorzeitigen Ende aller Träume bereits nach dem Spiel gegen Roter Stern Belgrad. In jedem Fall könnte es auf ein großes Finale am letzten Spieltag gegen Maccabi hinauslaufen. Für ein solches „finale grande“ gegen Tel Aviv um den vierten Platz müsste Alba wahrscheinlich alle Spiele gewinnen, denn Maccabi wird sich wohl daheim gegen Istanbul keine Blöße geben. Dann werden die Israelis wohl mit einer 8-5-Bilanz am letzen Spieltag nach Berlin kommen und – sollte Alba gegen Belgrad und in Athen gewinnen – die Ausganslage wäre ganz einfach für beide Teams: Siegen oder Fliegen! Ein anderes Szenario wäre ein Fernduell am letzten Spieltag gegen Panathinaikos Athen. Abhängig vom eigenen Spiel in Athen würde man bei diesem Szenario aber eventuell von Schützenhilfe durch Belgrad am letzten Spieltag abhängig sein. Aktuell ist auch noch ein Dreiervergleich möglich, bei dem alle drei Teams am Ende mit einer 7-7 Bilanz dastehen. Sehr wahrscheinlich ist dieses Szenario nicht, aber wenn, dann hätte Alba bei zwei Siegen gegen die direkten Konkurrenten Athen und Tel Aviv aber sehr gut Karten. Dann sogar auf Platz 3.

So oder so: Alba hat in dieser Saison alle Erwartungen übertroffen und alle Anhänger begeistert, das Erreichen des Viertelfinales der Euroleague wäre „nur noch“ das berühmte icing on the cake. Team und Fans könnten sich eigentlich entspannt zurück lehnen … auch wenn sie es nicht tun werden!

Noch einen „Pflichtsieg“ und zwei „Sensationen“ von den Top8 entfernt:

Alba Berlin, ONE TEAM!
Alba Berlin, ONE TEAM!

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