Die Ruhe selbst

Nein, diesen Mann bringt nichts so schnell aus der Ruhe. Auf die verletzungsbedingte knappe Bigmen-Rotation angesprochen, antwortete Aito Garcia mit einem Augenzwickern: „Ich werde spielen, ich stemme schon Gewichte.“ Erstaunlich gelassen geht der Spanier mit der aktuellen Situation um. Bogdan Radosavljevic fällt mit seiner Außenbandverletzung am rechten Sprunggelenk wohl noch mindestens eine Woche aus, Tim Schneider zog sich am vergangenen Wochenende gegen Würzburg eine Nasenbeinfraktur zu. Dass Alba vor dem Klassiker gegen Bonn am Sonntag mit Sikma und Clifford nun nur noch zwei „echte“ Bigmen zur Verfügung stehen, hätte bei den Vorgängern von „Aito“ für wesentlich mehr Gesprächsstoff gesorgt. Diese Saison läuft jedoch anders und die Ruhe, die der 71-Jährige ausstrahlt, hat sich auch auf die Mannschaft übertragen.

Wer springt in die Bresche?

Das macht sich auch bei Dennis Clifford bemerkbar, der mit Sikma direkt von den Ausfällen betroffen ist. Wie könnte die Rotation gegen Bonn also aussehen? „Wenn ich ehrlich sein soll, ich habe keine Ahnung“, antwortet der Center lachend, „es ist keine Entscheidung die ich treffen muss.“ Was der US-Amerikaner damit indirekt auch ausdrückt, ist das volle Vertrauen in den Trainer und das Team. „Ich glaube bisher haben die Coaches und die Mannschaft immer gut auf schwierige Umstände reagiert, wir haben uns immer sehr schnell an die jeweilige Situation angepasst“ fügt Clifford hinzu.

Rückkehr gegen Ludwigsburg? Bogdan Radosavljevic beim Training

Sicherlich wird Niels Giffey wieder vermehrt auf der Power Forward-Position aushelfen, Joshiko Saibou erlaubt sich schon ein Späßchen auf Kosten seines Mannschaftskollegen „Der Niels ist schon ein bisschen dünn.“ Ganz zu locker sieht der deutsche Nationalspieler die Situation natürlich nicht, zumal die Belastung auf die Dauer ein Problem werden dürfte „Dennis und Luke gehen derzeit ja schon ein sehr hohes Pensum. Insofern wird es jetzt nicht einfacher, auch weil Tim zuletzt sehr gut gespielt hatte.“ Beim Training am Donnerstag klang am hier und da durch, dass eventuell auch Marius Grigonis einige Minuten in ungewohnter Rolle sehen könnte. Insgesamt ist die Hoffnung aber durchaus vorhanden, dass Tim Schneider mit Schutzmaske doch noch zum Einsatz kommen könnte. „Er ist ein tougher Junge, ich würde ihn nicht unterschätzen“ bemerkt Dennis Clifford.

 

Endspurt um die Tabellenführung

Natürlich spielt auch der Kampf um den ersten Tabellenplatz seit letzter Woche eine entscheidende Rolle. Durch den Sieg in München und dem damit gewonnen direkten Vergleich, ist im Rennen um das Heimrecht in allen Playoffs-Serien plötzlich alles wieder möglich. Was vor wenigen Wochen noch völlig undenkbar erschien, ist plötzlich Realität: Alba kann erstmals seit 2009 vom ersten Platz aus in die Playoffs ziehen. Das Restprogramm der Münchener wirkt zwar einfacher, allerdings liegt der psychologische Vorteil bei den Berlinern, die nichts zu verlieren haben. Zumal die Bayern mit der überraschenden Entlassung von Sasa Djodervic sich selbst in eine komplizierte Lage befördert haben, aus der sie sich erstmal befreien müssen. Ihr neuer Trainer Dejan Radonjic hat nun die schwere Aufgabe, eigene Vorstellungen auf die Spielweise der Mannschaft zu übertragen und gleichzeitig Ergebnisse liefern zu müssen. Hinzu kommt noch die derzeitige enorme Unruhe im Umfeld des Vereins.

 

Programm bis zu den Playoffs:

Restprogramm München Restprogramm Berlin
vs Giessen @Bonn
@Frankfurt vs Ludwigsburg
vs Erfurt @Tübingen
vs Jena @Braunschweig
@Tübingen vs Frankfurt
vs Bremerhaven @Giessen
@Bonn vs Ulm

Jedes Spiel gewinnt nun an Bedeutung, jeder Sieg kann München unter Druck setzen. Die Playoffs beginnen allerdings in einem Monat, erst zu diesem Zeitpunkt muss die Mannschaft ihren besten Basketball zeigen. Auf diesen drohenden Spagat angesprochen, erwähnen Spieler und Trainer gerne „die eigene Entwicklung“ und treffen damit den entscheidenden Punkt: Alba steigert sich im Großen und Ganzen von Spiel zu Spiel, die Ergebnisse kommen von alleine. „Aito macht da einen sehr guten Job, er ermahnt uns immer mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben“, sagt Dennis Clifford. Auch Joshiko Saibou möchte nicht unbedingt auf die Tabelle schauen: „Wir dürfen nicht so sehr auf Bayern München gucken. Sie spielen ihre Spiele, wir unsere. Wir können nur beeinflussen wie wir spielen.“ Auch eine Niederlage in Bonn und das abrupte Ende der Hoffnung auf die Tabellenführung dürfte die Entwicklung also nicht beeinflussen, die Mannschaft lässt sich einfach nicht aus der Ruhe bringen. Ein letzter Versuch: Spielt die Tabellenführung vor den Playoffs wirklich keine Rolle im Team? „Natürlich wollen wir sie, unsere Priorität ist es aber nicht.“ Sondern? Die Antwort des US-Amerikaners klingt selbstbewusst: „Der erste Platz am Ende der Saison!“

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