Die Krux mit dem Kreuz

DAS ist ein Kreuz!
DAS ist ein Kreuz!

Waren das ein paar aufregende Tage. Diskussionen über Diskussionen. Über den Kantersieg gegen München? Nein. Über den Auswärtssieg im Eurocup? Mitnichten. Stattdessen wird ellenlang über ein angebliches Kreuz gesprochen. Eine Sinnlos-Diskussion, denn eigentlich gibt es gar nichts, aber wirklich überhaupt nichts zu diskutieren!

Die Ausgangslage ist klar. Im Fanblock gibt es vor dem Bayern-Spiel die Idee, ein Schaffartzik-Trikot auszugraben und mit einer entsprechenden Botschaft zu versehen. Erscheint logisch, schließlich bat der gebürtige Berliner um eine vorzeitige Vertragsauflösung um zum Emporkömmling aus München wechseln zu können. Dass dies den Berlin-Fans nach dem vergangenen Sommer besonders übel aufstößt, ist auch klar. Die Botschaft auf dem Trikot lautete „Verkauft!“ und „Kein Berliner“. Dass mit diesen drei Worten sicherlich keine moralische Grenze in irgendeiner Form überschritten wurde, damit dürften wohl 99,9% der Menschen einverstanden sein.

Also fehlt nur noch etwas, womit das Trikot vor Ort möglichst sichtbar präsentiert werden kann. Schließlich soll das  Stück auch gesehen werden. Vorher eine Konstruktion anfertigen, erscheint überflüssig und ist scheinbar auch nicht geplant. Wer in etwa den Inhalt eines Fanclub-Magazins kennt, weiß, dass dort massenweise PVC-Rohre rumliegen. Also wird vor dem Spiel schnell etwas zusammengebastelt, mit den Gegenständen die gerade zu finden sind. Die Form der Konstruktion, erscheint die einzig physikalisch Mögliche, wenn ein Trikot mit zwei Stangen gespannt werden soll.

Und hier beginnt die unsägliche Diskussion um die Stangen, beziehungsweise aus Sicht einiger Weniger, um das „Kreuz“.

Eines ist Marko Pesic mit seinem öffentlichen Rundumschlag gelungen. Niemand spricht mehr über die hohe Niederlage seiner Mannschaft. Stattdessen stürzen sich sowohl Medien, als auch Fans auf einen nicht vorhandenen Skandal.

Noch beschämender als die Aussagen von Pesic jedoch, ist die völlig unreflektierte Aufnahme der Informationen seitens der Sensationsmedien. Neben den Boulevard-Blättern, verwendete selbst die Süddeutsche Zeitung völlig falsche Fakten und verließ sich scheinbar auf die Sichtweise einer einzigen Person. So wird, trotz Aufklärung der Situation, immer noch von „Holzkreuz“, Metallstangen oder einer Kreuzigung geschrieben. Allesamt falsche Tatsachen, die aber gebetsmühlenartig wiederholt werden. Auch Frank Buschmann sah sich dazu genötigt, obwohl scheinbar völlig uninformiert zur gesamten Aktion, in der Münchner Abendzeitung die Aktion als „geschmacklos“ zu verteufeln.

Das ist einfach nur schlecht.

Viele der völlig sinnfreien Anschuldigungen seitens Marko Pesics haben sich als falsch herausgestellt. Was er damit bewirken wollte, wird nur er wissen. Von der Niederlage ablenken? Die eigene Mannschaft in Schutz nehmen und ein „Mia san mia“-Gefühl erzeugen? Marco Baldi mal so richtig eins auswischen? Allein die Meinung, die „Frankenhölle“ in Bamberg sei ein Vorbild für hitzige Stimmung im sportlichen fairen Rahmen, ist höchst fragwürdig. Ausgerechnet Bamberg? Dort wo Gästefans wie der letzte Dreck behandelt werden?

In jedem Fall ist die Reaktion der Familie Schaffartzik selbstverständlich nachvollziehbar, wenn sie im Gestängen-Konstrukt ein Kreuz erkannt haben. Hiermit würde eine Grenze überschritten werden, die auch der Fanblock sicherlich respektieren würde.

Da aber niemand in den zwei Stangen ein christliches Symbol erkannt hatte, stieß auch die Bitte Marco Baldis, das Trikot nicht mehr zu präsentieren auf Unverständnis. Sicherlich hätte es eine andere Reaktion gegeben, wenn explizit darauf hingewiesen worden wäre, dass einige Menschen etwas anderes als ein überarbeitetes Trikot sehen. So lief es aber nicht und dass einige Tage später, aus zwei Plastikstangen in der Presse ein Kreuz gemacht wird, überraschte scheinbar alle Beteiligten.

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich das Thema mit der „Freisprechung“ seitens der BBL in Kürze legt. Alles in allem eine Menge Aufregung…um nichts.

2 Gedanken zu „Die Krux mit dem Kreuz“

  1. Der Sinn des ganzen ist doch auch nur das Ablenken der Medien von der eigenen Mannschaft. Uli Hoeness ist der unangefochtene Meister dieser Nebelkerzen und Marco Pesic ein unerwartet guter Schüler. Man kann die Bayern hassen wie man will. Das Spiel mit den Medien und die bewusste Instrumentalisierung dieser beherrschen sie wie sonst kaum einer im Profisport

    1. Die Idee hinter der Aktion ist klar und auch sehr durchsichtig. Es ist sicher legitim, von den sportlichen Unzulänglichkeiten des eigenen Teams durch Nebenschauplätze ablenken zu wollen. Zu einem Problem wird es aber an dem Punkt, wo man (in diesem Fall M. Pesic) zu vosätzlichen „Mißverständnissen“ (um nicht das böse Wort Lüge in den Mund zu nehmen) greift. Zirka 95 % aller Menschen, die das Ding gesehen haben, konnten darin kein Kreuz in religiösem Sinne erkennen; die Führung der BBL inklusive. Diejenigen, die das Ding gebastelt haben, haben auch unmißverständlich klar gestellt, daß es sich bei der Konstruktion um eine schlichte Haltevorrichtung handelt. Damit könnte man es an Pesics Stelle einfach mal gut sein lassen. Wenn er jetzt (19.11., 1,5 Wochen nach dem Spiel) immer noch mit voller Kraft in die Glut bläst, disqualifiziert er sich vollends. Das lenkt auch nicht mehr von der desaströsen Klatsche ab sondern erinnert eher nochmals daran. Ab diesem Punkt tut er seinem Verein auch keinen Gefallen mehr. Sich jetzt immer noch hinzustellen und wider besserem Wissens von einem „Holzkreuz“ zu faseln, ist wirklich allerunterstes Niveau. Ehrlich gesagt trennen bei der Instrumentalisierung der Medien Hoeness und Pesic gleich mehrere Welten. Pesic ist eben gerade KEIN guter Schüler! Hoeness würde einen Teufel tun und 1,5 Wochen nach einer 1 zu 6 Klatsche seiner Fussballer nochmals bewusst diese Blamage hochzukochen.

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